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16.12.2017

Tori Amos - Gold Dust
Lisa Erdmann

Einmal Goldstaub für die Ohren bitte! Dieser Longplayer ist nicht nur eine Werkschau durch die letzten zwanzig Amos`schen Schaffensjahre, es ist auch der klangvolle Beweis dafür, dass...



... ein musikalisches Crossover manchmal viel sanfter, weicher und zarter ist, als der Begriff vermuten lässt.

Dass Tori Amos seit ihrem Debütalbum "Little Earthquakes" in 1992 äußerst fleißig und ziemlich erfolgreich war, belegen die folgenden Zahlen: Zwölf Millionen verkaufte Longplayer, über eintausend gespielte Konzerte und eine Diskographie, welche mittlerweile zwölf Studioalben umfasst – was kann frau dem noch hinzufügen?

Zum Glück gibt es da einiges. Als Tori Amos vor 20 Jahren ihre Karriere begann, standen nur die Ausnahmesängerin und ihr Klavier auf der Bühne. Ihre fragile, gläserne Stimme wurde ihr Markenzeichen und ihre intimen Texte und zarten Melodien gingen um die Welt. Der Name Tori Amos steht seitdem für eine einzigartige Atmosphäre. In 2011 wagte die Sängerin nach elf Pop-Rock-Longplayern einen kleinen musikalischen Neuanfang. Passend zum neuen Vertrag mit dem Label Deutsche Grammophon präsentierte die Schülerin des renommierten Peabody-Konservatoriums ihr Klassik-Debüt "Night Of Hunters". Der Liedzyklus war die erste hörbare Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln der 49-Jährigen, landete auf Platz 16 der Media Control Charts und brachte ihr einen Klassik-Echo in der Kategorie "Klassik ohne Grenzen" ein.

Nun, in 2012, folgt mit "Gold Dust" die zweite Retrospektive. Frau mag an dieser Stelle kurz die Nase rümpfen und die Kreativität von orchestralen Best-Of-Alben in Frage stellen, nach der ersten Hörprobe zerfällt diese Kritik jedoch zu (Gold)Staub. Im Vordergrund dieses Longplayers, den Amos mit dem Metropole Orchestra in Amsterdam aufgenommen hat, stehen neben den zeitlosen Songs vor allem die heutige Größe und Reife der Sängerin. Die von der Songwriterin zusammen mit ihrem langjährigen Begleiter, dem Produzenten und Komponisten John-Philip Shenale ausgewählte Kollektion umfasst 14 Titel, zu denen sowohl bekanntere Werke wie "Silent All These Years" und "Jackie`s Strength", als auch weniger populäre Schätze wie das titelgebende "Gold Dust" zählen. Einige der Songs bekamen nur einen frischen Anstrich, manche der Amos`schen "Oldies" erhielten durch veränderte Arrangements ein ganz neues Gewand. "Gold Dust" ist folglich keine schnöde Best-Of-Compilation, sondern kann getrost als neues, eigenständiges Werk bewertet werden.

Was bei den oben genannten Fakten auch unbedingt noch hinzuzufügen ist: Tori Amos ist Mitbegründerin des Nationalen Vergewaltigung-, Missbrauch- und Inzest-Netzwerkes RAINN. Sie kämpft gegen häusliche Gewalt und Missbrauch und sagte unlängst in einem Interview: "Ich hatte gehofft, dass wir Frauen in den letzten 20 Jahren in dieser Hinsicht mehr erreichen könnten. Das genügt mir noch nicht."

AVIVA-Tipp: "Gold Dust" ist nicht nur eine hörbare Rückkehr zu den Wurzeln der Künstlerin, in jedem der Titel klingt auch ein reifer, erwachsener Blick an. Tori Amos schaut auf ihr musikalisches Leben, auf Songgeschichten, die sie heute, mit 49, eben anders liest und singt, als mit 29.

Tori Amos
Gold Dust

Label: Deutsche Grammophon / Universal Music, VÖ: September 2012

Tori Amos im Netz: www.toriamos.com

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"AVIVA-Berlin im Interview mit Tori Amos"


Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

"Tori Amos - Night of Hunters"

"Tori Amos - Midwinter Graces"

"Tori Amos - Abnormally Attracted To Sin"

"Tori Amos – American Doll Posse"

"Tori Amos - Welcome to sunny florida"

"Tori Amos - Tales of a Librarian"