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12.12.2017

Sherrie Levine - After All
Hannah Hanemann

Die jüdisch-amerikanische Konzeptkünstlerin und Fotografin Sherrie Levine wurde in den 1980er Jahren als Mitglied der "Pictures-Generation" bekannt, einer Gruppe, die sich mit Appropriations(Aneignungs)-Kunst beschäftigte. Sie reproduzierte, kopierte und variierte Werke berühmter Künstler zu...



... eigenständigen Kunstwerken. "After All" ist eine Sammlung ihrer signifikanten Werke zwischen 1981 und 2016.

Sherrie Levine gilt weithin als eine der bekanntesten und radikalsten Appropriations-Künstlerinnen."Meine Bilder sind Geister von Geistern" hat sie einmal über ihre Arbeit gesagt. Seit mehr als dreißig Jahren beschäftigt sie sich mit der Frage nach Identität, Originalität und Authentizität. Bekannt wurde sie vor allem mit der Fotoserie "After Walker Evans", die 1981 in der Galerie "Metro Pictures" in New York gezeigt wurde und aus Fotografien von Reproduktionen von Fotografien des Dokumentarfotografen Walker Evans bestand. Damit inszenierte Levine in ihren Aufnahmen das gleiche Motiv auf vier Ebenen - zunächst als dreidimensionales Modell, das in den Aufnahmen zu sehen ist, dann als Foto desselben, als Reproduktion des Fotos und schließlich als Levines Fotografie dieser Reproduktion. Sie thematisierte damit das Problem der Differenz - die letzten drei Ebenen sehen allesamt gleich aus, sind kaum voneinander zu unterscheiden und doch in ihrer Bedeutung essentiell verschieden.

In ähnlichem Stil verfuhr Levine auch in ihren anderen Arbeiten. Dabei beschränkte sie sich jedoch nicht auf die reine Kopie oder Replik, ebenso wenig wie auf die Fotografie. Sie malte Katalogabbildungen nach, kreierte bekannte Kunstwerke aus anderen Materialien oder transformierte zweidimensionale Vorlagen in dreidimensionale Objekte.

Für ihre Werke verwendete sie Vorlagen berühmter männlicher Künstler wie Henri Matisse, Marcel Duchamp, Joan Miró oder Alfred Dürer. Dass sie sich überwiegend Werke männlicher Künstler aneignete, wird oft als feministischer Protest gegen die von Männern dominierte Kunstwelt verstanden, deren Kunst sie in ihrer Arbeit gewissermaßen dekonstruiert. Dies ist jedoch nur einer von vielen möglichen Ansätzen, Levines Schaffen zu rezipieren.
In späteren Jahren wandte sie sich vermehrt der Objekt- und Installationskunst zu und vermischte in ihnen Einflüsse Außereuropäischer- und Volkskunstwerke. So finden sich unter ihren neueren Werken in Metall gegossene Tierschädel - und Skelette, sowie eine erneut Walter Evans entlehnte fotografische Sammlung afrikanischer Masken.

"After All" versammelt in übereinhundert Abbildungen Levines Arbeiten in chronologischer Reihenfolge. Sie sind der gleichnamigen Ausstellung entnommen, die von Oktober 2016 bis 12. Februar 2017 im "Neuen Museum" in Nürnberg zu sehen war und als bislang umfangreichste Werkschau der Künstlerin in einem repräsentativen Gesamtüberblick deren Werke in Europa vorstellte.
Weitere Informationen unter: www.nmn.de

Den Fotos gehen ein Vorwort, sowie Texte verschiedener AutorInnen auf Deutsch und Englisch voraus, die Interpretationsansätze für Levines Kunst liefern und u.a. ihre Einordnung in den Bereich der Appropriations-Kunst mit Hinblick auf die Vielseitigkeit ihrer Arbeit kritisch reflektieren.

AVIVA-Tipp: "After All" liefert einen umfassenden Einblick in das bisherige Lebenswerk Sherrie Levines, sowie Interpretationsansätze und Informationen zur Künstlerin.

Zur Künstlerin: Sherrie Levine wurde am 17. April 1947 in Hazelton, Pennsylvania geboren, wuchs in St. Louis auf und siedelte 1975 nach New York über. Von 1963 bis 1975 studierte sie Drucktechnik an der University of Wisconsin-Madison. Während ihres Studiums beschäftigte sie sich mit Papierherstellung, Buchbinderei, Offsetdruck lithographischen Verfahren, Schwarz-Weiß Fotografie und Reprotechnik. 1981 gelang ihr mit ihrer Einzelausstellung in der neu gegründeten Galerie "Metro Pictures" ihr künstlerischer Durchbruch. 1982 war sie auf der "documenta 7" vertreten. Sie hatte Einzelausstellungen u. a. im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D. C., 1988, dem High Museum of Art, Atlanta, 1988, dem San Francisco Museum of Modern Art, San Francisco, 1991, der Kunsthalle Zürich, 1991, dem Philadelphia Museum of Art, Philadelphia, 1992, dem Portikus, Frankfurt am Main, 1994 dem Rooseum, Malmö, 1994, dem Museum Morsbroich, Leverkusen, 1998 sowie dem Georgia O´Keeffe Museum, Santa Fe, 2007.
Im Frühjahr 2011 hatte die Künstlerin eine Ausstellung im Haus Lange, Krefeld. Im November 2011 eröffnete Levines umfassende Ausstellung Mayhem im Whitney Museum in New York.
Sherrie Levine lebt und arbeitet in New York und Santa Fe, New Mexico.
Mehr Infos zu Sherrie Levine unter: www.aftersherrielevine.com

Sherrie Levine
After All

Hg. Neues Museum Nürnberg
Mit Beiträgen von Kay Heymer, Julian Heynen, Melitta Kliege
Texte: Deutsch / Englisch
192 Seiten, 129 Abb.
Hirmer Verlag, erschienen 2017
49,90 Euro
ISBN: 978-3-7774-2802-4
www.hirmerverlag.de

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