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13.12.2017

Juliana Hatfield - Pussycat
Christina Mohr

Juliana Hatfield meldet sich mit einem Album zurück, das an politischer Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lässt – wobei sich Hatfield nicht nur am aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten abarbeitet...



Der Begriff "zurückmelden" ist in Bezug auf Juliana Hatfield allerdings nicht ganz passend, denn die aus Boston stammende Singer-/Songwriterin, Gitarristin und Sängerin gehört zu den produktivsten Vertreterinnen ihrer Zunft: Ihr letztes Soloalbum "Wild Animals" erschien 2013, mit ihrer Band The Juliana Hatfield Three brachte sie vor zwei Jahren "Whatever, My Love" heraus, außerdem geht sie mit ihrem Duo-Projekt Minor Alps (mit Matthew Caws von Nada Surf) regelmäßig auf Tournee.

Vielen ist Juliana Hatfield jedoch hauptsächlich als Postgrunge-Slackergirl in Erinnerung, die 1994 mit "Spin the Bottle" einen veritablen Hit landete. Der Song war Bestandteil des Soundtracks von "Reality Bites", dem unvergesslichen Film mit Winona Ryder, Ben Stiller und Ethan Hawke, der der sogenannten Generation X ein liebenswertes Denkmal setzte. So groß der Erfolg mit "Spin the Bottle" auch war, er drückte Hatfield einen Stempel auf, der sie als zwar begabt, aber leichtgewichtig und unpolitisch kennzeichnete. Was nie stimmte, denn Juliana Hatfield zeigte in all ihren musikalischen Inkarnationen – ob mit ihrer ersten Band Blake Babies, ihrem Gastspiel bei den Lemonheads und mit späteren eigenen Projekten – stets politisches und soziales Bewusstsein. An dieser Stelle sei ausdrücklich Hatfields Autobiographie "When I Grow Up" (Wiley 2008, nicht auf Deutsch erschienen), in der sie ausführlich ihre Musikerinnenlaufbahn beschreibt und mit ihrer nicht immer einfachen Familiengeschichte verknüpft.

Doch zugegebenermaßen äußerte sich die 49-jährige noch nie so explizit und zornig wie auf ihrem neuen Album "Pussycat", das schon im Titel Donald Trumps sexistisch-geschmacklosen Ausspruch "grab them by the pussy" aufnimmt. Frau spürt förmlich das "jetzt reicht´s!"-Gefühl, das Hatfield bei den Aufnahmen gehabt haben muss: Die politische Situation in den USA ist desolat, und frau könnte sich kringelig lachen, wäre alles nicht so schrecklich ernst, Julianas Coverfoto spricht Bände.

Songs wie "I Wanna Be Your Disease", "Good Enough for Me" oder "Heartless" sind provokant und nachdenklich zugleich, kritisieren gewissenlose Politiker und rücksichtloses Handeln, das Schwächere ausschließt. Die aktuelle US-amerikanische Regierungsmann- bzw. –frauschaft bekommt mit "Short-Fingered Man" und "Kellyanne" ihr Fett weg – direkter als in diesen Songs kann frau kaum werden. Juliana Hatfield thematisiert Sexismus und Ungerechtigkeit aber auch über den Senat hinaus: "When You´re A Star" greift relativ unverschlüsselt Missbrauchsskandale um TV-Stars wie Bill Cosby auf. "Everything Is Forgiven" handelt davon, dass Frauen oftmals in Beziehungen bleiben, die ihnen nicht guttun.
Interessanterweise drückt Hatfield ihre Wut vor allem in den Lyrics aus: Musikalisch bleibt sie ihrem melodiösen, gitarrenbetonten College-Indiepoprock treu, ihre Stimme klingt geradezu unverändert jugendfrisch. Das ergibt erstaunliche Kontraste – sofern frau bei den Texten genau hinhört.

AVIVA-Tipp: "Pussycat" ist Juliana Hatfields bisher politisch kämpferischstes Album – dass es daneben frühlingsfrischen Gitarrenrock mit supereingängigen Melodien auffährt, sorgt für hoffentlich maximale Aufmerksamkeit.


Juliana Hatfield
Pussycat

(CD 2017, 14 Tracks, American Laundromat Records)

Juliana Hatfield im Netz:
www.julianahatfield.com