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23.10.2017

YA TOSIBA - LOVE PARTY
Lisa Baurmann

Das finnisch-aserbaidschanische Duo verwebt elektronische Beats und arabische und persische Musiktradition mit Lyrik von den Straßen Bakus. Das Soundgemenge bezaubert, während die Texte von Widerständigkeit erzählen.



Aus der Zusammenarbeit von Zuzu Zakaria und Tatu Metsätähäti aka Mesak ist ein faszinierender Klangteppich entstanden. Beide arbeiteten gemeinsam an dem Mix aus Percussion, persischer Tar und türkischer Saz, Drumcomputern und Synthesizern. Letztere sind die Spezialität des aus Turku stammenden Mesaks, der sich als Pionier der skandinavischen Skweee-Musik einen Namen gemacht hat. "Skweee" ist ein Kunstwort, das darauf anspielt, wie im Genre aus Retro-Synthesizern alles heraus gequetscht – "squeezed" wird.

Ein Hoch auf die Technologie

Zuzu Zakaria ist ihrerseits Expertin für Meykhana, traditionellen improvisierten Sprechgesang aus Aserbaidschan, dem die Lyrics des Albums zuzuordnen sind. Zakaria studierte Turkish Studies an der Universität Oslo – die Meykhana-Tradition war das Thema ihrer Abschlussarbeit. Als sie nach Berlin umsiedelte, lernte sie hier Mesak kennen und begann mit ihm das Projekt Ya Tosiba. Der Name des Duos ist eine Abwandlung des arabischen "Ya Allah!". Statt dem Schöpfer wird allerdings die moderne Technologie angerufen, die die beatlastige Musik der beiden ermöglicht.

Hypnotisch trägt Zuzu Zakaria die überlieferten Texte in einem halb gesungenen, halb gesprochenen Singsang vor. Traditionell bildet den Hintergrund der Lieder nur Percussion im 6/8-Takt. Ya Tosiba verbinden sie mit vielschichtigen, melodiösen Kompositionen, die das Hörerlebnis fesselnd und clubtauglich zugleich machen.

Widerstand der Marginalisierten

Das Album dokumentiert historische Musiktradition und ist gleichzeitig Hommage an marginalisierte Bevölkerungsgruppen. "Love Party" gibt den Menschen aus den Vororten Bakus in Aserbaidschan, deren Umgangssprache eine Mischung aus Russisch, modernen türkischen und Baku-typischen Dialekten ist, ihre Stimme zurück. Die Texte des Albums verhandeln allesamt das Thema Widerstand – egal, ob dieser in einer imperialistischen Vergangenheit gelebt wurde, sich an sozialem Status oder aktuellen Stereotypen abarbeitet.

"N Qǝdǝr" klagt fast zeitlose Missstände an – auf Azeri, hier in der englischen Übersetzung:

"Some are making all the efforts for the nation
Some would not value this at all
Some have lost their flesh and health for it
Some are growing fat bellies
There are n numbers of them"


Aneignung einer patriarchalen Tradition

Meykhana ist ein fester Bestandteil der alten Hochzeitsbräuche Bakus, wurde aber auch in jüngster Zeit neu entdeckt und kommerzialisiert. Im traditionellen Gebrauch werden die Lieder ausschließlich von Männern vor männlichen Hochzeitsgästen aufgeführt – und das, obwohl in den Texten universelle Fragen verhandelt werden. Somit dürfen sich die in der Tradition erstarrten gern an dem Umstand reiben, dass auf "Love Party" eine Frau das Wort ergreift.

AVIVA-Tipp: "Love Party" schafft eine ganz besondere Synthese – nicht nur wegen seiner spannenden Kombination öst- und westlicher Klängen und Rhythmen, sondern auch, weil es einer historischen Liedtradition eine moderne Kulisse bietet.

YA TOSIBA
Love Party

Label: Asphalt Tango Records
VÖ: 09.06.2017
www.asphalt-tango.de

YA TOSIBA im Netz:

yatosiba.com

www.facebook.com/yatosiba