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20.11.2017

Bad Cop / Bad Cop - Warriors
Christina Mohr

Kriegerischer Titel, angriffslustige Attitüde – das feministische Punkrockquartett Bad Cop/Bad Cop ("Not Sorry") aus Los Angeles/Kalifornien macht keine Kompromisse, ihr Album "Warriors" (Single: "Womanarchist") ist ein einziger Energierausch...



... wobei das Thema Drogen-Rausch zumindest bei Sängerin/Shouterin Stacey Dee abgehakt ist:

Vor gut zwei Jahren tourte die Band, neben Dee bestehend aus Schlagzeugerin Myra Gallarza, Gitarristin Jennie Cotterill und Bassistin Linh Le, anlässlich des 25. Labeljubiläums von Fat Wreck Chords quer durch Amerika. Stacey Dee feierte dabei so heftig, dass ihr offensichtliches Alkohol- und Drogenproblem nicht mehr zu verheimlichen war. Ihre Ausfälle gerieten so dramatisch, dass Bad Cop/Bad Cop die Tour abbrechen mussten – was tun? Keine leichte Frage für alle Bandmitglieder. Unterstützung kam vom Label, beziehungsweise Labelboss Fat Mike (Bassist und Sänger der Punkband NOFX), der Stacey zur Detox-Kur schickte, was zweifelsohne ihre Rettung war. Stacey Dee kehrte aus dem Entzug als geläuterte und vor allem topfitte Powerfrau zurück – nachzuhören gleich im Opener "Retrograde", in dem sie singt, "stronger each day / making my way / out of retrograde / like a blue jay".

Aber nicht nur persönliche Befindlichkeiten bestimmen die neuen Songs: Endlich konnte die Band ihr zweites Album nach dem gefeierten Erstling "Not Sorry" von 2015 in Angriff nehmen, alle brisanten Themen, die den vier Musikerinnen unter den Nägeln brannten, auch in Musik und Texte packen. Und da gibt es so einiges: Inzwischen war Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden, was die Situation für Kreative enorm verschlechtert – ganz abgesehen von seinen frauen- und generell menschenfeindlichen Äußerungen. Bad Cop/Bad Cop verstehen sich klar als feministische Band, die für Frauenrechte eintritt und darüberhinaus andere Frauen und Mädchen zum Musikmachen animieren will. Die vier Musikerinnen sagen, dass sie grundsätzlich auf Seiten der underdogs stehen: Als Frauenband im männlich dominierten Punk-/Rockgenre wissen sie dabei sehr gut, wovon sie sprechen.

Ihre Musik lässt jedenfalls keine Fragen offen: Schnell, laut, hart, dabei durchaus melodiös – die stilistische Nähe zu Bands wie NOFX ist kein Zufall, siehe oben. Bad Cop/Bad Cops Texte dagegen sind explizit feministisch: "So forget about our sexes, we´re all the same / masculine myth and the meaning of strong / well we´re here to tell you you´re wrong" shoutet Stacey Dee in "I´m Done". Noch deutlicher werden die vier in "Womanarchist": "I´m a modern anarchist / a punk rock existentialist / who wants to make the whole world feminist" - dem ist nichts hinzuzufügen, außer der Band viel Glück auf ihrer Mission zu wünschen!

AVIVA-Tipp: Wer sich musikalisch mal so richtig aufpowern möchte, der sei Bad Cop/Bad Cops zweites Album "Warriors" empfohlen: Elfmal knalliger Punkrock, feministisch, aktivistisch, unerschrocken, toll.

Bad Cop / Bad Cop
Warriors

CD 2017, 11 Tracks,
Fat Wreck Chords / Edel

Bad Cop / Bad Cop im Netz: www.badcopbadcopband.com
und www.facebook.com/badcopbadcopband

Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

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