Das Löwenmädchen. Ein Film von Regisseurin Vibeke Idsøe nach dem Roman von Erik Fosnes Hansen mit einem großartigen Schauspielerinnenensemble. Kinostart: 14. September 2017 - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin Kultur > Kino
21.11.2017

Das Löwenmädchen. Ein Film von Regisseurin Vibeke Idsøe nach dem Roman von Erik Fosnes Hansen mit einem großartigen Schauspielerinnenensemble. Kinostart: 14. September 2017
Tina Schreck

Von der verstoßenen Außenseiterin zur angesehenen Wissenschaftlerin: das gefühlvolle Portrait einer starken Frau, die ihres ungewöhnlichen Aussehens zum Trotz mit unbeirrter Willenskraft ihr Leben meistert. AVIVA verlost 3x2 Freikarten



"Es tut mir leid, ich habe alles getan, was ich konnte…Aber das Kind lebt!"
"Mhm…"
"Sie werden sehen, in einigen Tagen sind sie ausgefallen!"
"Schafft es weg! Das ist kein Kind, das ist ein Wiesel…Monster!"

In einer verschneiten Winternacht im Jahre 1912 kommt in einer norwegischen Kleinstadt ein Mädchen zur Welt. Die Mutter stirbt noch während der Geburt und lässt den Vater, Stationsmeister Gustav Arctander (Rolf Lassgård), mit dem gemeinsamen Töchterchen alleine zurück. Überwältigt von tiefer Trauer und voller Abscheu vor dem Kind, das am ganzen Körper mit blonden Härchen bedeckt ist, verweigert er zunächst die Sorgepflicht und übergibt die kleine Eva einer Pflegefamilie.

Dazugehören

Nach dem anfänglichen Schrecken nimmt Gustav seine Tochter schließlich wieder bei sich auf. Allerdings ist er penibel darauf bedacht, sie vor den neugierigen Blicken der Außenwelt abzuschotten und verbietet ihr, sich in der Nähe der Fenster aufzuhalten, geschweige denn, das Haus zu verlassen. Alleine bringt sie sich Lesen, Schreiben und Rechnen bei, wodurch sich schnell ihr außergewöhnliches Talent im Umgang mit Zahlen herausstellt. Menschliche Kontakte pflegt sie einzig mit ihrem wortkargen Vater und ihrem Kindermädchen Hannah, in der die nun schon siebenjährige Eva (Aurora Lindseth Løkka) eine Freundin findet. Fasziniert von deren Kindheitsgeschichten, entflammt in ihr der Wunsch, die Welt zu sehen, wenn auch nur ein kleines Stückchen davon. Selbst der schroffe Gustav ist gerührt von der kindlichen Euphorie seiner Tochter und lädt die beiden ein, ihn zum jährlichen Weihnachtsbaumfest zu begleiten. Schnell entwickelt sich der erste Abend in der Öffentlichkeit jedoch zum Desaster für das "Löwenmädchen", da vor allem die Erwachsenen ablehnend auf ihr Äußeres reagieren. Das toughe Mädchen lässt sich die Sticheleien nicht gefallen und wirft schließlich einen Stein ins Gesicht eines Mannes, der sie besonders verletzend schikaniert. Nach diesem Vorfall fühlt Gustav sich bestätigt, dass das soziale Leben Eva nichts als Probleme beschert.

Kampf der Löwin

Die lässt sich davon jedoch nicht einschüchtern und erkämpft sich schließlich das Recht, wie alle anderen Kinder zur Schule gehen zu dürfen. Um sich selbst vor erneuter Isolation zu schützen und ihrem Vater den Kummer zu ersparen, verschweigt die mittlerweile vierzehnjährige Eva (Mathilde Thomine Storm) die Hänseleien ihrer Mitschüler_innen. Denn Gustavs Schamgefühle haben sich im Laufe der Zeit in väterliche Sorge und ehrliche Liebe verwandelt. Diese Entwicklung wird besonders während einer gemeinsamen Zugreise nach Kopenhagen deutlich, als er seine Tochter stolz in den Speisewagen führt und die beiden zum allerersten Mal überhaupt einen unbeschwerten Abend verbringen.

Freakshow

Doch die nun schon fast erwachsene Eva (Ida Ursin-Holm) will sich nicht mit dem kleinbürgerlichen Leben in der norwegischen Provinz zufriedengeben. Nach einer Vorführung von "Johannes Joachim´s Ensemble", schließt sie sich heimlich dem umstrittenen "menschlichen Kuriositätenkabarett" an. Erwartungsvoll verlässt sie mit der Truppe ihre Heimat und tritt in verschiedenen Städten Europas auf. Doch auch zwischen den siamesischen Zwillingen, dem größten Mann Europas und dem Eidechsenmann fühlt sie sich nicht Zuhause. Mit dem verdienten Geld erfüllt sie sich schließlich ihren langersehnten Wunsch eines Mathematikstudiums und reist nach Paris, wo sie trotz des "luxuriösen Pelzmantels", wie sie selbst ihre Ganzkörperbehaarung scherzhaft bezeichnet, eine beachtliche Karriere beginnt.

Kindliche Unschuld

Besonders Aurora Lindseth Løkka, die in die Rolle der siebenjährigen Eva schlüpft, gelingt ein großartiges, ergreifendes Spiel, das sich in perfekter Balance zwischen Einsamkeit und kindlicher Neugierde bewegt. Wenn sie staunend und mit großen Augen hinter dem Vorhang versteckt das Getümmel auf dem Bahnsteig beobachtet oder ihren Vater hoffnungsvoll darum bittet, ein schönes Bild von ihr zu malen, sind Tränen garantiert.

AVIVA-Tipp: "Das Löwenmädchen" ist ein bewegender Film über innere Stärke, zwischenmenschliche Beziehungen und das Anderssein. Eine herzerwärmende Geschichte für kalte Winterabende.

Das Löwenmädchen
Originaltitel: Løvekvinnen
Norwegen/Deutschland 2016
Regie und Drehbuch: Vibeke Idsøe
Darsteller*innen: Aurora Lindseth Løkka, Mathilde Thomine Storm, Ida Ursin-Holm, Rolf Lassgård, Ken Duken, Burghart Klaußner, Connie Nielsen, Kjersti Tveterås
Maske: Conor O´Sullivan
Verleih: NFP marketing & distribution*
Lauflänge: 118 Minuten
Kinostart: 14.09.2017
Filmwebsite: www.dasloewenmaedchen-derfilm.de
Facebook: www.facebook.com/loewenmaedchen
Trailer: youtu.be

Zur Drehbuchautorin und Regisseurin: Vibeke Idsøe Die 1965 in Norwegen geborene Regisseurin absolvierte ihr Filmstudium an der Tisch School of Arts in New York. 1994 schrieb sie ihren ersten Kinderroman "Auf der Jagd nach dem Nierenstein", der zwei Jahre später Grundlage für ihr Regiedebüt des gleichnamigen Kinderfilms war. Mit ihm gewann sie mehrere internationale Preise, darunter den Adult´s Jury Award beim Chicagoer International Children´s Film Festival. 1998 wirkte sie als Co-Autorin bei Norwegens bisher größtem Animationserfolg "Gurin with the Foxtail" mit. Mit dem humorvollen Remake des Klassikers "Karlsson vom Dach" (2002), welches sie nach dem Kinderbuch der schwedischen Erfolgsautorin Astrid Lindgren verfilmte, kreierte sie ihren eigenen Animationsfilm. Erstmals an ein Erwachsenenpublikum wandte sich die Drehbuchautorin und Regisseurin mit der Komödie "37 1/2" (2005), der von einer Gruppe Frauen kurz vor ihrem 40.Geburtstag handelt.
Weitere Infos zu Vibeke Idsøe unter: www.imdb.com


AVIVA-Berlin verlost 3x2 Freikarten. Bitte beantworten sie dazu folgende Frage: welche Frage stellt Eva dem Publikum in ihrer Rede an der Sorbonne und senden uns Ihre Antwort mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 20.09.2017 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Sara Lövestam - So wie du bist
Was ist liebenswert? Mit dem heterosexuellen Martin, der lesbischen Lelle und Paula, der Doktorandin, die ohne Beine auf die Welt gekommen ist, schickt uns die schwedische Autorin auf eine Reise, an deren Ende wir nur eins wissen: Normalität liegt im Auge der BetrachterIn. "Man sollte über niemanden urteilen, ehe man nicht mit dessen Boot gesegelt ist." (2014)

Irena Brezna - Schuppenhaut
Meisterlich verknüpft Irena Brezna zwei Erzählstränge zu einem metaphernreichen wie auch kafkaesken Liebesroman, der sich um die Hautkrankheit Psoriasis (Schuppenflechte) spinnt. (2011)