Jana Hensel - KEINLAND. Ein Liebesroman. Buchpremiere am 28. September 2017 in der Kulturbrauerei. Verlosung - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin Gewinnspiele >
21.10.2017

Jana Hensel - KEINLAND. Ein Liebesroman. Buchpremiere am 28. September 2017 in der Kulturbrauerei. Verlosung
Sharon Adler

Chronik einer Liebe. In ihrem Debutroman lotet die 1976 in Leipzig geborene Journalistin und Verfasserin von "Neue deutsche Mädchen" und "Zonenkinder", die sich zudem öffentlich gegen Sexismus im Literaturbetrieb ausspricht, in gleichermaßen poetischer wie schnörkelloser Sprache ihr schwieriges Liebesverhältnis zwischen einer Nicht-jüdischen Deutschen und einem deutschen Juden aus. AVIVA verlost 2 Bücher



"KEINLAND", damit bezeichnet die Autorin ein Land einer untergegangenen Welt, ein Land, das nicht mehr existiert. Oder nur mehr in der Phantasie einiger, die sich noch fern an dieses einmal existierende Land erinnern können. Denn Jana Hensel meint damit und erschafft diesen Begriff für die untergegangene Welt der DDR. Kein Land. Aus. Vorbei. Kein Land, keine Gegenwart oder dauerhafte Verbindung geschweige denn Zukunft besteht auch zwischen den beiden Protagonist_innen ihres Debutromans, der untertitelt ist mit "Ein Liebesroman".

"Der Mann mit dem Schnauzbart"

Erst 13 Jahre alt ist die Autorin bis zum Fall der Mauer. Dreizehn Jahre, in denen sie in der DDR zwar mit patriotisch-deutscher Geschichte, nicht aber mit deutsch-jüdischer, oder jüdisch-deutscher Geschichte weder mittel- oder unmittelbar zu tun hatte. Doch dann, sehr viel später, verliebt sie sich in einen jüdischen Mann, in einen, der sich hermetisch abriegelt, für den eben diese Geschichte eine Rolle spielt, eine große Rolle. Der nach der Wiedervereinigung für sich beschlossen hat, das Land der Deutschen und seiner eigenen Geschichte endgültig zu verlassen und in das "Gelobte Land" geht, nach Israel. Er macht Alijah.

Leiden ohne Liebe, Liebe ohne Leiden?

Eine Liebesbeziehung zu einer Deutschen kommt darin nicht vor, denn auch mit dieser Vorstellung hat er abgeschlossen. Er öffnet sich halbherzig, hadert, rudert zurück. Will lieben, doch es will einfach nicht gelingen. Zu sehr ringt er mit sich und der gemeinsamen, unseligen Geschichte, die so viele Nicht-jüdische Deutsche heute am besten wegleugnen, weghaben möchten. Doch die Geliebte, Autorin dieses Buches, die eigentlich nur ein Interview mit Martin Stern hatte führen wollen (ihr Chefredakteur hatte sie damit beauftragt, eine Reportage über Länder zu schreiben, in denen es eine Mauer gibt) gibt nicht auf. Sie begibt sich in eben dieses Land, das ihr fremd ist und wo Martin sie ihr Fremdsein ebenso oft spüren lässt wie manches Mal auch darüber hinweg sieht. Ob in Tel Aviv, in Herzliya, am Kinnereth oder in Jerusalem, in Yad Vashem: Nadja, so der gewählte Name der Protagonistin, des Alter Egos der Autorin, gibt alles, setzt sich aus, hinterfragt. Sie will verstehen. Verstehen, warum es kein Verstehen gibt, kein Verhältnis, keine Zukunft, schon gar keine gemeinsame.

Grauzonen der israelisch-deutschen und der deutsch-jüdischen Geschichte

Laut einer aktuellen Erhebung im Rahmen der Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem bedeutsamen Titel "Deutschland und Israel heute: Verbindende Vergangenheit, trennende Gegenwart?" wird deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen hinsichtlich Akzeptanz, Interesse, Schuld, Erinnerung, Herkunft und Grenzen sind.
Während etwa 43 Prozent der deutschen Befragten meinen, dass die heutigen Beziehungen zwischen den beiden Ländern von der Vergangenheit "nur etwas oder gar nicht mehr belastet" sind, wird diese Meinung in Israel nur von 21 Prozent der Befragten geteilt.
Interessant vor dem Hintergrund des Zuzugs von zahlreichen, vorwiegend jungen, nicht religiösen Israelis in die deutsche Hauptstadt ist auch die Tatsache, dass der Anteil der Befragten Israelis, die angeben, eine sehr positive Meinung von Deutschland zu haben, mit 12 Prozent dreimal so hoch ist wie die Anzahl der Deutschen, die "sehr positiv" über Israel denken.

Anders als die die in Berlin lebende Schauspielerin und Theatermacherin Claudia S. C. Schwartz in ihrem ebenfalls von AVIVA-Berlin rezensierten Debutroman Meschugge sind wir beide. Unsere deutsch-israelische Liebesgeschichte hat Nadja sich jedoch nicht in einen Israeli verliebt, einen selbstbewussten Sabre, sondern in einen Deutschen, einen "Diaspora Juden", der in Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen ist und bei dem das kollektive Erbe, das Trauma der 2. Generation bis heute nachwirkt.
Und so bewegt sich ihre Liebesgeschichte permanent zwischen flüchtiger Nähe und unüberwindbarer Distanz, die sich nicht etwa auf der geographischen Entfernung begründet, sondern vielmehr von den eigenen Lebensgeschichten bestimmt wird.

AVIVA-Tipp: Jeder Satz, jeder Gedanke sitzt tief. Jana Hensel ist mit "Keinland" das gelungen, was diverse aktuelle Studien trotz aller schöngefärbter Reden zum Gedenken der Gedenktage und tiefer Erkenntnisse und Statistiken über den Zuzug von Israelis nach Deutschland nicht ermöglichen. Das bis heute belastete Verhältnis zwischen Deutschen und Jüdinnen/Juden plastisch darzustellen. Ihr intensiver Debutroman ist die poetische, literarische Umsetzung einer Formulierung von Hoffnungen und Gedanken, die genau diese Stimmung darstellen. Trotz, oder daher trifft der Untertitel von "KEINLAND" ins Schwarze: "Ein Liebesroman" und zwar ein richtig guter.

Zur Autorin: Jana Hensel 1976 in Leipzig geboren, Studium der Romanistik und der Neueren Deutschen Literatur in Leipzig, Aix-en- Provence, Berlin und Paris. Als Studentin gab sie die Literaturzeitschrift Edit und gemeinsam mit Thomas Hettche die Internetanthologie "Null" heraus. Ihr Buch "Zonenkinder" (2002) über die Erfahrungen ihrer Generation vor und nach dem Mauerfall war ein Bestseller. Gemeinsam mit Elisabeth Raether hat Jana Hensel 2008 das Buch "Neue deutsche Mädchen" verfasst.
Seither arbeitet sie als Journalistin, u. a. als stellvertretende Chefredakteurin des Freitag. 2010 gewann sie den Theodor-Wolff-Preis. "Keinland" ist ihr literarisches Debüt. Sie lebt als Autorin und Journalistin in Berlin.
Mehr Infos: Jana Hensel im Interview mit MDR KULTUR über Sexismus im Literaturbetrieb: www.mdr.de

Buchpremiere von und mit Jana Hensel – KEINLAND am 28. September 2017, Beginn 20:00 Uhr, Einlass ab 19:30 Uhr
Veranstaltungsort:
Kulturbrauerei (Maschinenhaus)
Schönhauser Allee 36
10435 Berlin
Billetts im Vorverkauf: 10,-- Euro + Gebühren / Abendkasse: 12,-- Euro
Moderation: Clemens Meyer
Karten in der Kulturbrauerei und an vielen Vorverkaufskassen

Jana Hensel
KEINLAND. Ein Liebesroman

€ 20,00 (D) | € 20,60 (A)
Wallstein Verlag, erschienen 31. Juli 2017
196 S., geb., Schutzumschlag, 12 x 20
ISBN: 978-3-8353-3067-2 (2017)

Mehr zum Buch unter: www.wallstein-verlag.de



AVIVA-Berlin verlost 2 Bücher. Bitte senden Sie uns dazu den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Claudia S. C. Schwartz - Meschugge sind wir beide. Unsere deutsch-israelische Liebesgeschichte mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 30.11.2017 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de



Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Neue deutsche Mädchen" Von Jana Hensel und Elisabeth Raether
"Das Persönliche ist politisch!" Das alte feministische Motto bleibt - die Themen ändern sich. Die Frauengeneration um die 30 reflektiert über ihren gelebten Feminismus und Gleichberechtigung heute. (2008)

Claudia S. C. Schwartz - Meschugge sind wir beide. Unsere deutsch-israelische Liebesgeschichte
"Wir sind eine Familie. Eine Familie, in der es eben Holocaustüberlebende und ehemalige Wehrmachtssoldaten gibt", so schnörkellos beschreibt die in Berlin lebende Schauspielerin und Theatermacherin in ihrem Debutroman die Komplexität dieser Konstellation. (2017)

HANNAS REISE. DVD- und Blu-ray-Start am 25.07.2014
Hanna steht kurz vor dem Abschluss ihres BWL-Studiums. Ihren Karriereplan für die Zeit danach hat sie längst festgelegt und als Ziel fest vor Augen. Als sie bei einem Vorstellungsgespräch von einer Mitbewerberin erfährt, dass nicht allein gute Zensuren, sondern auch soziales Engagement für die Auswahl eine entscheidende Rolle spielt, brüstet sie sich vor versammelter BewerberInnenjury mit einem vermeintlichen Einsatz in Israel für "Aktion Friedensdienste", den sie demnächst beginnen wird.