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25.11.2017

Maudie. Ein Film von Aisling Walsh mit Sally Hawkins und Ethan Hawke. Kinostart 26.10.2017
Tina Schreck

Das Portrait der K├╝nstlerin Maud Lewis, die trotz ihrer k├Ârperlichen Einschr├Ąnkungen zu einer Pionierin der kanadischen Folk Art avancierte und deren Gem├Ąlde heute in Kunstsammlungen weltweit zu sehen sind. Regisseurin Aisling Walsh erz├Ąhlt deren Geschichte. AVIVA verlost 3 x2 Kinofreikarten



(Be)r├╝hrende Liebesgeschichte zweier Au├čenseiter_innen

Kanada, 1930er Jahre: Maud Dowley und Everett Lewis sind Einzelg├Ąnger und werden von der Gesellschaft ausgegrenzt. Sie, bereits im Kindesalter an rheumatischer Arthritis erkrankt, humpelt, und hat verkr├╝ppelte H├Ąnde, weswegen sie bei ihrer Tante wohnen muss, die sich nur widerwillig um sie k├╝mmert. Er, ein in sich gekehrter Eigenbr├Âtler, der von seinen Mitmenschen wegen seiner grimmigen Art gemieden wird, wohnt alleine in einem winzigen Haus an der Ostk├╝ste Kanadas. Ihre Wege kreuzen sich, als Everett sich dazu entschlie├čt, aufgrund seiner harten Arbeit als umherziehender H├Ąndler eine Haush├Ąlterin zu engagieren. Maud, die endlich eine Gelegenheit gekommen sieht, f├╝r sich alleine zu sorgen und selbstbestimmt zu leben, bewirbt sich auf seine Annonce. Anfangs durch ihre Behinderung abgeschreckt, erteilt der ruppige Mann der entschlossenen jungen Frau eine Absage. Da sie aber die einzige Anw├Ąrterin auf den Posten bleibt, stellt er sie notgedrungen ein.

Malen statt putzen

Anstelle der ihr aufgetragenen Hausarbeit zieht es Maud jedoch vor, Everetts kleine H├╝tte - welche sich beide fortan teilen m├╝ssen ÔÇô mit farbenpr├Ąchtigen Malereien an W├Ąnden und Fenstern zu verzieren. St├╝ck f├╝r St├╝ck bringt sie so nicht nur Farbe in das zuvor trostlose Heim des Fischh├Ąndlers, sondern auch Freude in sein einsames Leben. Nach der anf├Ąnglichen Skepsis lernt er die bunten Bildchen sowie Mauds liebevolle Art immer mehr sch├Ątzen. Auch Maud f├╝hlt sich mehr und mehr zu dem m├╝rrischen Everett hingezogen Zun├Ąchst ├╝berrumpelt von den ihnen bisher unbekannten Gef├╝hlen, n├Ąhern sich die beiden schlie├člich zaghaft einander an.

"Show me how you see the world"

Ermutigt von Everetts Kund_innen - insbesondere der New Yorkerin Sandra, die als erste gro├čes Interesse an Mauds Kunst zeigt - prosperiert sie schnell zu einer Art lokaler Ber├╝hmtheit. Nach und nach erlangen ihre Postkarten und kleinen Leinw├Ąnde mit den farbenfrohen Bildern nationale und im sp├Ąteren Verlauf sogar internationale Aufmerksamkeit. Die Einfachheit der von ihr gew├Ąhlten Motive sind Spiegel ihrer naiven Weltsicht. Denn ihre Welt ist nicht gro├č. Sie besteht einzig aus den kleinen Dingen, die sich direkt vor ihren Augen abspielen. Sie malt ihren Mann, die Landschaft des kleinen Ortes, in dem sie leben, die Tiere, die sie dort sieht, die verschiedenen Jahreszeiten. Dennoch dient ihr dieser limitierte Rahmen des Allt├Ąglichen als Vorlage f├╝r zahlreiche Gem├Ąlde und steht f├╝r den unschuldigen Charme ihrer Arbeiten.

Ob Hochzeit oder Fliegengittert├╝r ÔÇô Sie bekommt, was sie will

Das zerbrechliche Erscheinungsbild der zierlichen Maud reflektiert keineswegs ihre Schlagfertigkeit und Willensst├Ąrke, mit der sie ihren Weg bestreitet. So kann ihr Everett weder den Wunsch einer Heirat, noch den eines Insektenschutzes, den sie f├╝r ein ungest├Ârtes Arbeiten in der H├╝tte ben├Âtigt, abschlagen. Er ist es auch, der sich im Zuge ihrer Ehe der Hausarbeit widmet, w├Ąhrend sie sich voll und ganz ihrer Kunst hingibt.

"I am looking for a woman." - "Oh...what do you think I am?"

Die schlagfertigen Antworten, die sie ihren Mitmenschen mit heller Stimme entgegenwirft; das spitzb├╝bische L├Ącheln ÔÇô Hauptdarstellerin Sally Hawkins versteht diesen mutigen Widerstand der K├╝nstlerin gegen alle Ungerechtigkeiten und macht ihn f├╝r die Zuschauer_Innen glaubhaft. Auch die optische ├ähnlichkeit zu Maud Lewis, welche sie allein durch ihre perfekte Umsetzung der f├╝r die Malerin charakteristischen Gestik und Mimik erwirkt, lassen sie in ihrer Rolle brillieren.
Bereits in fr├╝heren Jahren arbeitete die Regisseurin Aisling Walsh f├╝r die Verfilmung des Romans "Fingersmith" der britischen Schriftstellerin Sarah Waters mit der Schauspielerin zusammen. Die von der BBC produzierte gleichnamige Miniserie wurde auf dem 15. internationalen queer filmfestival pr├Ąsentiert und erz├Ąhlt die Geschichte zweier Frauen, deren Liebe im viktorianischen England unm├Âglich zu sein scheint.

"I was loved"

Mit diesem schlichten Satz verabschiedet sich Maud von ihrem Mann. Es gibt keine Tr├Ąnen, keine gro├čen Worte. Nur die pl├Âtzliche Leere des bunt bemalten Hauses und den vor Trauer gel├Ąhmten Everett, der wie die Zuschauer_Innen mit einem dumpfen Gef├╝hl der Benommenheit zur├╝ckbleibt.

AVIVA-Tipp: "Maudie" ist ein ber├╝hrender Film ├╝ber die wunderbaren Gegens├Ątzlichkeiten des Lebens und die innere St├Ąrke einer Frau, die trotz ihrer tristen Umgebung stets das Sch├Âne der Welt sieht.

Zur Regisseurin: Aisling Walsh, geboren 1958 in Irland, studierte Kunst am D├║n Laoghaire f├╝r Kunstdesign und Technologie in Dublin. Bereits zu dieser Zeit begann sie, ihre eigenen Kurzfilme zu drehen. Da sie in Irland keine gro├čen Chancen in der Filmindustrie f├╝r sich sah, ging sie nach England, um dort zu leben und zu arbeiten. Im britischen Beaconsfield absolvierte sie zudem die National Film and Television School. Seitdem schreibt sie Drehb├╝cher und f├╝hrt Regie sowohl f├╝r Spielfilme als auch f├╝r renommierte Fernsehserien. F├╝r ihre Arbeit als Regisseurin und Produzentin gewann sie ├╝ber 25 internationale Film- und Fernsehpreise. Ihr mehrfach ausgezeichneter Spielfilm "Song for a Raggy Boy" (2003) mit Aidan Quinn und Iain Glen feierte beim Sundance Film Festival seine Premiere und erhielt unter anderem auf dem Copenhagen International Film Festival die Auszeichnung als bester Film. F├╝r "Joyriders" (1988) gewann sie den Irish Tribune Arts Award. 2005 drehte sie gemeinsam mit Elaine Cassidy und Sally Hawkins die Miniserie "Fingersmith", die 2006 als beste Dramaserie f├╝r die British Academy Television Awards nominiert war. In "An inspector calls" (2015) f├╝hrte Aisling Walsh f├╝r Drama Republic/BBC 1 Regie und erhielt daf├╝r eine weitere BAFTA.Nominierung als Beste Regisseurin.

Weitere Informationen zum Film "Maudie" sowie zur Regisseurin unter. www.berlinale.de

Zur Hauptdarstellerin: Sally Hawkins wurde 1976 in London geboren und absolvierte ihr Studium an der Royal Academy of Dramatic Art. Danach f├╝hrte sie ihr Weg zun├Ąchst ans Theater, wo sie unter anderem in den Shakespeare-Auff├╝hrungen "Viel L├Ąrm um nichts" sowie "Ein Sommernachtstraum" mitspielte. 2005 feierte sie mit "Fingersmith" ihr Fernsehdeb├╝t. An der Seite von Ewan McGregor und Colin Farrell spielte sie 2007 in Woody Allens "Cassandras Traum" mit und wurde im gleichen Jahr am Monte Carlo TV-Festival f├╝r ihre Mitwirkung in Adrian Shergolds "Persuasion" mit der Goldenen Nymphe als Beste Schauspielerin geehrt. F├╝r ihre Darstellung in Mike Leighs "Happy go lucky" (2008) gewann sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Silbernen B├Ąr der Berlinale 2008, den Golden Globe┬« und eine Nominierung f├╝r den Europ├Ąischen Filmpreis. F├╝r ihre Hauptrolle in Nigel Coles "Kalenderm├Ądchen ÔÇô Made in Dagenham" (2010) erhielt sie eine Nominierung in der Kategorie "Beste Schauspielerin" bei den British Independent Film Awards, vier bei den BAFTA sowie den BIFA und eine bei den London Critics┬┤ Circle Film Awards. 2014 wurde Sally Hawkins f├╝r ihre Rolle der Ginger in Woody Allens "Blue Jasmin" (2013) als Beste Nebendarstellerin f├╝r den Oscar┬« sowie den AMPAS, den BAFTA und den Golden Globe┬« nominiert und gewann au├čerdem den Empire Award.

Mehr Informationen zu Sally Hawkins unter: www.imdb.com

MAUDIE
Kanada / Irland 2016
Regie: Aisling Walsh
Drehbuch: Sherry White
DarstellerInnen: Sally Hawkins, Ethan Hawke, Kari Matchett, Gabrielle Rose, Zachary Bennett
Laufl├Ąnge: 115 Minuten
Kinostart: 26.10.2017
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.maudie-derfilm.de und auf Facebook: www.facebook.com/Maudie.Film

Mehr Informationen zu Maud Lewis und ihrem Werk unter: www.artgalleryofnovascotia.ca


AVIVA-Berlin verlost 3 x2 Kinofreikarten. Bitte senden Sie uns den letzten Satz von Maudie aus dem Trailer mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 10.11.2017 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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