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13.12.2017

The Gossip - Music For Men
Tatjana Zilg

Lange haben die drei glorreichen Electropunk-HeldInnen ihre treu ergebenen Fans auf den Nachfolger von "Standing In The Way Of Control" warten lassen. Nun ist das zweite Studioalbum endlich...



... in den L├Ąden erh├Ąltlich und legt Zeugnis ├╝ber die Weiterentwicklung von Beth Ditto, Brace Paine und Hannah Billie in Richtung Glam-Rock, Disco-Funk und Gothic ab.

Im Mai 2009 wurden sie bei ihrem Konzert im Berliner Astra euphorisch gefeiert. Kaum stand die S├Ąngerin mit dem imposanten K├Ârperumfang auf der B├╝hne, explodierte die dicht an dicht stehende Menge. Bald gl├╝hte die Luft in der neuen Location und der Schwei├č ran allen Beteiligten, ob auf der B├╝hne oder davor, aus den Poren. Die Bandmitglieder von The Gossip bewiesen erneut, dass ihr Name f├╝r Spa├č, hundertprozentige Tanzbarkeit und rebellische Attit├╝de steht.

Beth Ditto, die sich selbst als "fette, feministische Lesbe" bezeichnet, tanzt selbst vorbildhaft aus der Reihe der S├Ąngerinnen im Indie-Popgesch├Ąft. So extrovertiert wie sie ist keine andere und ihre unglaubliche Figur w├╝rde wohl sonst kaum einer Pop-Ikone erlaubt werden.

Im Jahr 1999 entschlossen sich The Gossip, ihr musikalisches Ding fortan zu dritt durchzuziehen. Nicht um einen schnellen Durchbruch ging es ihnen, vielmehr wollten sie ihre Vorstellungen von guter Musik authentisch in die Tat umzusetzen. In Europa fiel das Scheinwerferlicht der medialen Aufmerksamkeit erst im Jahr 2006 mit dem Release ihres dritten Studio-Albums "Standing In The Way Of Control" auf sie. Die britische Musikzeitung NME schrieb begeistert: "Gossip ist die gr├Â├čte Punk-Rock┬┤n┬┤Roll-Disco-Soul-Band des Planeten. Sie blasen dir die Lichter aus. Jeder muss diese Band sehen und dazu tanzen, als wenn es kein Morgen g├Ąbe." Die explosiven Live-Auftritte der drei Dancepunk-RebellInnen vergr├Â├čerten das Lauffeuer ihres europ├Ąischen Ruhms im rasanten Tempo. Mittlerweile spielen sie fast nur noch in ausverkauften Hallen.

Mit "Heavy Cross" erweitern sie ihr Spektrum mit Referenzen an die Popul├Ąrmusik-HeldInnen der letzten Jahrzehnte. Bei ihrem Konzert im Astra betraten sie die B├╝hne mit Geburtstagsgl├╝ckwunsch-Transparenten f├╝r Morrissey in den H├Ąnden. Doch die darauf folgenden musikalischen Takte knallten weitaus mehr als die sensiblen Melodien der britischen Indie-Pop-Ikone.
Bei den Studio-Versionen sorgen glitzernde Keyboard-Einsch├╝be f├╝r Verfeinerungen im extrem vorw├Ąrts gerichteten Dance-Sound. Besonders deutlich wird dies in "Love Long Distance" und in "Love And Let Love", so dass die Vergleichsreihe der Stimme von Beth Ditto mit Janis Joplin, Aretha Franklin und Tina Turner um Donna Summer erg├Ąnzt werden kann.

Schillernder Disco-Spa├č mit schwerelosen Liebesthemen dringt bei den beiden Songs in die Ohren tanzfreudiger Menschen. Mit "Pop Goes The World" liefert ihnen Beth Ditto eine Hymne an jugendlichen Lebensstil, temperamentvolle Melodien und leichtf├╝├čige Wortspielereien nach. Insgesamt erlauben die zw├Âlf Songs von "Heavy Cross" kaum eine Atempause beim Abtanzen, so geballt aufgeladen sind sie von wirbelnden Rhythmen und mitrei├čendem Soul. "Dimestore Diamond" und "8th Wonder" k├Ânnen somit als w├╝rdige Selbstportraits von Beth Ditto gelten. In "Heavy Cross" (der ersten Singleauskoppelung) begl├╝ckt sie ihre Fans erneut mit einem kraftvoll dahingehauchten "Oh ohhh ohh"-Refrain, der fast schon ein Markenzeichen von ihr ist.

The Gossip im Netz: www.gossipyouth.com und auf Myspace

Weiterh├Âren: Peaches und The Ting Tings

AVIVA-Tipp: ├äu├čerlich bleiben The Gossip als ungew├Âhnlicher Blickfang in Erinnerung, denn ihre B├╝hnenshow kommt ohne gro├čartige technische Effekte aus und kann es sich erlauben, ganz auf Charisma und Temperament der Frontfrau zu setzen. Musikalisch bestechen sie durch einen unvergesslichen Sound, der tief ins Blut geht.

The Gossip
Music For Men

Label: Sony, V├ľ Juni 2009