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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2016 - Beitrag vom 28.08.2012

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Doppelleben. Ein Dokumentarfilm mit Susanne Knoll von Douglas Wolfsperger. Filmstart 30. August 2012
Susanne Schwarz

Von der mächtigsten Frau der Welt kann doch gar nicht genug da sein, oder? Angela Merkel gibt es jedenfalls neben dem Original auch als Double. Warum jemand einen anderen Menschen imitiert, wie ...



... das vonstatten geht und wie sehr das Leben des Doubles davon gepr√§gt wird, untersucht Douglas Wolfsperger ‚Äď haupts√§chlich anhand von Angela-Merkel-Double Susanne Knoll.

Erst am 22. August 2012 hat das Forbes Magazine Angela Merkel zum sechsten Mal zur m√§chtigsten Frau der Welt erkl√§rt. Doch in manchen Belangen ist selbst die Bundeskanzlerin machtlos: Wenn pl√∂tzlich mit ihr zusammen drei Angela Merkels (zuz√ľglich Dunkelziffer) in der Weltgeschichte herumlaufen!
Die Dokumentation Doppelleben portraitiert zwei Angela Merkel-Doubles und ihre WegbereiterInnen. Hinzu gesellt sich auch ein Doppelgänger von Bill Clinton, dem ehemaligen Präsidenten der USA.

Susanna Knoll war m√ľde und ziemlich krank, als sie sich wider besserer Einsicht von ihrem Ehemann auf einen Polterabend schleppen lie√ü. Mit Augenringen und h√§ngenden Schultern schlich sie schlapp durch die Veranstaltung ‚Äď und wurde pl√∂tzlich vom angeheuerten DJ angesprochen. Ob sie wisse, dass sie genau aussehe wie Angela Merkel? "F√ľr mich was das zu dem Zeitpunkt wie ein Schlag ins Gesicht", erinnert sich Knoll im Film. Den Vorschlag ihres Entdeckers, sich doch als Double f√ľr die Kanzlerin zu versuchen, schlug sie spontan aus. Doch die Idee sowie die Visitenkarte des DJs, der sich auch gleich als Manager bereiterkl√§rt hatte, gingen ihr nicht aus dem Kopf. Eine Ver√§nderung im Leben hatte sich die Hausfrau und dreifache Mutter aus L√ľbeck sowieso gew√ľnscht, vielleicht war diese Sache ja genau, wonach sie gesucht hatte. Wenn nicht, dann konnte sie ja jederzeit wieder aufh√∂ren.

Einige Monate, etliche Probeaufnahmen und eine Scheidung vom Ehemann sp√§ter ‚Äď ebenfalls Teil der gesuchten Ver√§nderung ‚Äď ging es dann los mit dem ersten gro√üen Auftrag. Mittlerweile wurde sie durch eine professionelle Agentur f√ľr Doubles vermarktet. "Angela Merkel" sollte auf einer Konferenz der Energiewirtschaft auftreten. Wenige Tage davor wurde auch der Wunsch nach einer Rede der "Kanzlerin" dort laut. Mit dem Ziel, wenigstens ein paar Augenblicke als das Original durchzugehen, nahm Susanne Knoll die Herausforderung an und hielt die Rede inklusive einiger Aussetzer. Enttarnt wurde sie dennoch nicht, daf√ľr aber gefragt, ob sie das Ganze noch etwas weiterspielen k√∂nne. "Und pl√∂tzlich stand ich da im Regierungsviertel vor ungef√§hr hundert Leuten von der Energiewirtschaft und unterhielt mich √ľber Energiepolitik!", berichtet Knoll im Film und sieht dabei immer noch selbst etwas √ľberrascht aus.

© Susanne Schwarz: Merkel-Double Susanne Knoll und Regisseur Douglas Wolfsperger am 27. August 2012 auf der Premiere von Doppelleben


Auch die Konkurrenz lie√ü nicht lange auf sich warten. In einem kleinen Dorf in Baden-W√ľrttemberg wohnt Marianne Sch√§tzle, die ebenfalls als Merkel-Double unterwegs ist. Sie selbst bezeichnet sich sogar als Angela II.. In Doppelleben wird auch ihre Arbeitsweise beleuchtet. Die Kamera begleitet sie zum Schauspielunterricht, au√üerdem spricht Sch√§tzle √ľber ihre Auftr√§ge. Im Unterschied zu Susanne Knoll bedient sie n√§mlich nicht nur offizielle, sondern auch private Termine wie die eine oder andere Geburtstagsfeier.

Das Ph√§nomen des Politiker-Doubles bel√§uft sich nicht nur auf Angela Merkel. Lothar Wunderlich wurde zum ersten Mal auf seine √Ąhnlichkeit zu Bill Clinton aufmerksam, als er w√§hrend eines Auslandsaufenthalts mit diesem verwechselt wurde. Im Gegensatz zu Susanne Knoll war er √ľber sein Doppelg√§nger-Dasein √ľberhaupt nicht ersch√ľttert. Auf der Premiere von Doppelleben gibt er preis, dass Clinton f√ľr ihn den gr√∂√üten Politiker √ľberhaupt darstelle. F√ľr seine Auftritte hat er sich einen etwas holprigen Englisch-Deutsch-Mix zugelegt. Der Sachse hat dem ehemaligen US-Pr√§sidenten sogar einmal in einem Brief beschrieben, wie er seine Double-T√§tigkeit gestaltet. Die Kr√∂nung seines Erfolgs als Double sei f√ľr ihn die pers√∂nliche Antwort von Bill Clinton gewesen, die er gar nicht erwartet hatte.

Regisseur Douglas Wolfsperger begleitet die Doubles durch ihren Berufsalltag. Wie nebenbei st√∂√üt er sie auch auf die Frage, wie die professionelle Annahme einer fremden Identit√§t die eigene pr√§gt. Dies geschieht ohne Moderation und somit auch ohne redaktionelle Wertung. Wenn aber Wunderlich berichtet, er habe Kreditkartenabrechnungen teilweise schon aus Versehen mit "Clinton" unterschrieben, w√§hrend Knoll in ihrem gesamten Bekanntschaftskreis nur noch mit "Angie" angesprochen wird, spricht das f√ľr sich. Nicht umsonst hat das bekannteste Merkel-Double Deutschlands ihre T√§tigkeit als solches nach sechs Jahren aufgegeben und stattdessen gemeinsam mit seiner Tochter ein Tanzstudio er√∂ffnet. Nebenbei engagiert sich Knoll seitdem √ľbrigens in der Regionalpolitik L√ľbecks ‚Äď f√ľr die SPD. Auch hier liegt erneut die Frage nahe, ob ihre T√§tigkeit als Polit-Double sie dazu inspiriert haben mag.

AVIVA-Tipp: Wolfspergers Art, diese Doku aufzuziehen, ist angenehm zur√ľckhaltend. Dass diese unglaublich unterhaltsam ist, verdankt sie unter anderem dem Fokus auf Interviews und Filmmitschnitte. Dass diese unkommentiert bleiben, hebt ihre Komik besonders deutlich hervor und beweist, dass das Leben manchmal exzentrischere Charaktere schreibt als es DrehbuchautorInnen oft gelingt. So bleibt Doppelleben auf der Ebene einer Dokumentation, die dem Publikum auch einen Mehrwert an Informationen verschafft. Das Augenmerk liegt dabei haupts√§chlich auf Susanne Knoll, die auf erfrischende Art und Weise von ihrem Leben berichtet und ihre Double-T√§tigkeit f√ľr ZuschauerInnen greifbar zwischen Humor und Ernsthaftigkeit betrachtet.


Doppelleben
Deutschland 2011
Regie: Douglas Wolfsperger
ProtagonistInnen: Susanne Knoll, Marianne Schätzle, Lothar Wunderlich, Jochen Florstedt
Filmmusik: Mathias Dietrich und Wolfgang Klemm (von den Prinzen)
Verleih: Camino
Lauflänge: 80 Minuten
Kinostart: 30. August 2012

Mehr Infos und Trailer auf www.doppelleben-film.de

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Man for a Day. Ein Dokumentarfilm von Katarina Peters mit Diane Torr

Kultur > Kino Beitrag vom 28.08.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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