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AVIVA-BERLIN.de im September 2010:

Dieser Text wurde hinterlegt:



Die antisemitischen Haltungen des Werner Rügemer, eine Bestandsaufnahme der Autorin Adriana Stern
Adriana Stern

Der Publizist schreibt über "Klüngel" und Korruption in deutschen Kommunen und der Weltwirtschaft. Seinen Schwerpunkt setzt er dabei auf die Unterwerfung kommunaler und öffentlicher Interessen...



...durch Wirtschaftsakteure, welche seiner Ansicht nach in der Epoche des Neoliberalismus dramatisch zugenommen habe.

2007 verfasste Werner Rügemer das Buch "Der Bankier" über die Privatbank Sal. Oppenheim. Laut Autor haben sich die Familie Oppenheim und andere "Elite Juden" aktiv an der Wegnahme jüdischen Eigentums beteiligt und sind im Nationalsozialismus reich geworden. Dies bewahren sie, so der Autor, bis heute als gut gehütetes Geheimnis. Sein Antisemitismus wird auch im Artikel "Besuch der Kölner Synagoge" vom 7/09 deutlich.

Abgesehen vom Bild, das Rügemer hier von Juden zeichnet (glatzköpfig, frauenfeindlich und paranoid) belegt er auch ihre Aggression:
"König David gründet das Königreich Israel damals vor vielleicht 3.000 Jahren, geht einen Bund mit Gott ein, alle Andersgläubigen sollen vernichtet werden, so etwa lautet bekanntlich die Legende."
Seine Legende dient dazu, den Staat Israel, in logischer Folge feindlicher Gesinnung, zum Unrechtsstaat zu erklären. Wenn die Gründung des Staates Israel schon so begonnen hat... "...dass der Nationalismus… mit der neuen Regierung Netanjahu/Liberman einen besonders aggressiven Ausdruck finde."
Von dem, was Rügemer in der Tora gelesen zu haben glaubt, steht dort rein gar nichts. Richtig heißt es im 5. Buch Moses Kapitel 10, 17-19 zur Gesetzgebung: "Denn der Ewige, euer Gott… der den Fremdling liebt, ihm Brot und Kleidung zu geben. Liebet denn den Fremdling, denn Fremdlinge waret ihr im Lande Mizrajim."
Desweiteren macht Rügemer aus dem Namen des Literaturkritikers Marcel Reich Ranicki "Reicher Ranitzki", was nicht fern ist von "Reicher Itzig", einem Schimpfwort aus dem Mittelalter.

Antisemitismus in der Korruptionsrecherche

In Werner Rügemers Stadtführungen geht es um "kriminelle Machenschaften" der Banken Oppenheim und Goldman/Sachs. Letztere macht er für die Weltwirtschaftkrise verantwortlich! Bei Rügemer wird auch Karstadt zum jüdischen Warenhaus. Ausgerechnet Karstadt, das sich Verbrechen durch Arisierung der jüdischen Kaufhausketten Wertheim und Tietz schuldig gemacht hat. Für ihn ist nicht zuletzt auch die Kölner Stadtsparkasse jüdisch unterwandert, die Köln extrem geschadet hat.

Sein Ziel: Das gängigste antisemitische Vorurteil, den großen jüdischen Einfluss, "nachzuweisen". Die antisemitischen Vorurteile "Juden sind selbst schuld an ihrer Verfolgung" und "Juden versuchen aus der Vergangenheit heute Vorteile zu ziehen" "beweist" Rügemer wie folgt:
"Salomon Oppenheim begann als ´Hofjude´ des Kölner Erzbischofs, der zugleich weltlicher Herrscher war. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts konvertierte man zum Christentum, heiratete deutsch-patriotisch. Mit allen Regimen stellte man sich gut, auch mit den Nazis. Die Bank galt Hitler als kriegswichtig. Nach dem 2. Weltkrieg war sie nicht ärmer als vorher."
Die Befreiung Oppenheims aus einem Gestapogefängnis verschweigt Rügemer. Wie lange hätte die Familie Oppenheim überleben können, wäre Hitler 1945 nicht besiegt worden?

Die Schuld der Juden bei Rügemer

Die "Täterschaft der Juden" untermauert er durch den Luftwaffengeneral Milch, dessen Vater Jude war und der nach jüdischem Glauben damit als nichtjüdisch galt. Dazu "ghetto Theresienstadt" ... Die als ´Viertel-´ oder ´Halbjuden´ klassifizierten Personen…gehörten in der Regel nicht der jüdischen Gemeinde an noch waren sie deren Mitgliedern rechtlich gleichgestellt. Einen Bezug zur Religion hatten die wenigsten der von Rigg interviewten 220 ´Mischlinge´. Viele von ihnen distanzierten sich vom Glauben ihrer Vorväter, um dem sozialem Stigma zu entgehen: "Ich bin kein Jude."...
... So ´arisierte´ Hitler 1935 den späteren Luftwaffengeneral Erhard Milch, der 1947 von den Amerikanern als Kriegsverbrecher verurteilt wurde."

Milch sah sich nicht als Jude, die Jüdische Gemeinde tat es nicht, nicht einmal Hitler sah ihn als solchen... Rügemer entnimmt seine "Fakten" dem Buch von B.M. Rigg. Dazu ghetto Teresienstadt: Riggs Arbeit wird von den meisten Historikern als unseriös eingestuft. Teilweise sind es spekulative Behauptungen.

Ein anderes Beispiel ist Paul Silverberg. Silverberg, Sohn praktizierender Juden wurde 1876 geboren und evangelisch getauft, im Frühjahr 1903 als Rechtsanwalt in Köln zugelassen, arbeitete er, zutiefst christlich gläubig, an kirchenrechtlichen Themen. Am 25.9.1903 wurde er Generaldirektor der Fortuna AG für Braunkohlebergbau und Brikettfabrikation. Er hatte maßgeblichen Anteil an der Einrichtung so wichtiger Institutionen wie Schule, Kindergarten und Kirche, erhielt als Dank eine silberne Papst-Medaille.

Bei Rügemer liest sich das so: "Der Konvertit bemühte sich wie andere jüdische Aufsteiger in Wirtschafts- und Finanzkreisen um Integration in die ´bürgerliche Gesellschaft´. Er tat dies erfolgreich und ohne auf Widerstände zu treffen". Beklagt er, dass Antisemitismus Juden damals noch nicht im Weg stand?
Weiter bei Rügemer: "Zahlreiche Juden stiegen während der Weimarer Republik in die Vorstände von Unternehmen und Banken auf, nicht nur im traditionellen jüdischen Bereich der Privatbanken, sondern auch etwa in der "urdeutschen" Deutschen Bank."

Legt Rügemer damit nahe, Juden seien keine Deutschen und als solche auch nicht berechtigt, sich in "urdeutsche" Geschäfte einzumischen? Offenbar, denn: "Auch in der Kölner High Society war Silverberg umfassend integriert, man könnte sogar von einer gewissen "Über-Integration" sprechen..."
Was für eine Frechheit, dass Juden es wagen, sich integrieren zu wollen! Was auch immer für Rügemer urdeutsch sein mag, Jüdisches jedenfalls gehört offenbar nicht dazu.
Weiter bei Rügemer: "Silverberg gehörte mit Fritz Thyssen zu den ersten führenden Unternehmern, die sich schon frühzeitig in der Weimarer Republik für Hitler einsetzten. Schon während der Weltwirtschaftskrise unterstützte der Rheinbraun-Chef die NSDAP finanziell.
Eine glatte Lüge. "Am 4. 9.1926 hielt Silverberg eine berühmt gewordene Rede, in der er für einen "staatsbejahenden Standpunkt" der Unternehmer, für Zustimmung zur Weimarer Republik und für eine Zusammenarbeit mit SPD und Gewerkschaften eintrat. Dies trug ihm herbe Kritik von Industriellen wie Fritz Thyssen, Emil Kirdorf und Albert Vögler ein."
Ungeachtet dessen Rügemer: "Es wird auch berichtet, dass von Papen nach dem Geheimtreffen mit Hitler am 4.1.1933 in der Kölner Villa des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder unmittelbar anschließend den in Köln wohnenden Silverberg aufgesucht habe."

Wer das berichtet haben soll, verschweigt Rügemer. Ein bisschen viel Legende und angeblicher Bericht für "historische Tatsachen", wie Rügemer versichert. Silverberg musste 1934 aufgrund der jüdischen Herkunft in die Schweiz emigrieren. Trotz Bitten Konrad Adenauers lehnte er eine Rückkehr nach Deutschland ab.

Bei Rügemer liest sich das so: Der tief Enttäuschte erkaufte sich 1936 die teure Staatsbürgerschaft des Fürstentums Liechtenstein, weil er ein immer noch erhebliches Vermögen nachweisen konnte. Die Nazis nahmen ihm zwar wesentliche Teile seines Eigentums weg, aber er konnte trotzdem unter komfortablen Umständen nach Lugano (Schweiz) ins Exil gehen. Dort blieb er bis zu seinem Tode 1959, und er blieb unbelehrbar.
Dass Silverberg nach 1945 nicht zurückwollte, darin sieht Rügemer welche Unbelehrbarkeit?

Rügemer und die "Prosemiten"

Oppenheim landete 44 im Gestapo – Gefängnis, Silverberg rettete sich 1934 durch Auswanderung. Das Hitlerregime konnte bis 1945 (entgegen seiner Absicht) nicht alle Juden töten. Es wurde besiegt, bevor das Regime Oppenheim oder Silverberg töten konnte. Das sind die Fakten der Geschichte. Fakten, die Rügemer ausblendet, um die "jüdische Elite", wie er sich ausdrückt, als Kriegsgewinnler bezeichnen zu können. Durch das Weglassen historischer Tatsachen konstruiert Rügemer hier die bewusste Teilnahme von Juden an der Naziherrschaft? Interessant!

Seit der Rede Walsers 1998 ("Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule oder auch nur Pflichtübung") fühlen sich auch Linke legitimiert, mit ihren Tabus zu brechen. Einer von ihnen: Werner Rügemer. Ist sein Ziel Erinnerungsabwehr? Will er so vermeiden, sich der möglichen Beteiligung seiner eigenen Eltern an den Massenmorden stellen zu müssen? Muss das Volk Israel deshalb rachdürstig sein und in seiner angeblich so bekannten Legende, die außer ihm niemand zu kennen scheint, alle Andersgläubigen vernichten?

Kritik an linkem Antisemitismus wird mit Hilfe der linken Erfindung des "Prosemitismus" abgewehrt. Den Begriff "Prosemitismus" kannte ich nicht. Auf Nachfrage erklärt Rügemer, Prosemiten seien Leute wie Henryk M. Broder, die Verfechter der "Achse des Guten" und andere, die ihm antisemitische Haltungen vorwerfen. Prosemiten sind alle, die Antisemitismusvorwürfe erheben, um die Schuld der Juden in Israel und im Naziregime nicht anerkennen zu müssen. Rügemer als Aufklärer, als zur Mission des Tabubrechens Berufener, der die Schuld der Juden, gegen den Willen der Prosemiten, endlich öffentlich machen will.

Antisemitismus Rügemers anhand der 5 Kriterien der Bundeszentrale für politische Bildung

1. Konspiration / Verschwörung
Die angeblichen Verflechtungen Oppenheims mit Goldman/Sachs, dem Kölner Klüngel; Silverberg, der Deutschen und Dresdner Bank...

2. Verrat
Zitat: "Silverberg war kein Einzelfall. Den Antisemitismus Hitlers blendeten sie entweder aus oder nahmen ihn nicht für so wichtig. Vielmehr schätzten sie zunehmend, dass Hitler... das bürgerliche Eigentum sichern und Gewerkschaften und Marxismus ´mit Stumpf und Stiel ausrotten´ wollte."

3. Weltherrschaftstreben
dazu Rügemer: "Die adligen und nichtadligen Banker erwiesen sich im Dienste ihrer Gewinne als gnadenlos opportunistisch. Nach den Nazi-Jahren tendierte man konservativ-christlich, erschloß sich die Sozialdemokratie, stieg in die Verwaltung großer Vermögen, in das Investmentbanking, ins Immobiliengeschäft und in den globalen Derivatehandel ein."

4. Werden dabei in der Kritik aktueller israelischer Politik transportiert.
Dazu Rügemer: "Gleichzeitig wickelte die Bank mit dem Image eines verfolgten jüdischen Unternehmens einen großen Teil der Wiedergutmachungsgeschäfte mit Israel ab. Bis heute gehören Stiftungen der Bank zu den großen Sponsoren im jüdischen Staat. [...] Der Nationalismus hat eine besonders verstärkte Ausprägung nach jenem geheimnisvollen 11/9 gerade in den USA gefunden und war von Anfang an in Israel sogar Staatsdoktrin."

5. Konspirationsverdacht in der klassischen Variante des unterstellten großen Einflusses in Wirtschaft und Politik generell bis hin zum populären Gerücht einer Mitwirkung des Mossad am Terroranschlag vom 11/9.
Rügemer: "Warum sollte man eine solche banale und weltbekannte Tatsache nicht sagen dürfen"?

Weitere Infos zur Autorin Adriana Stern finden Sie unter:

www.adriana-stern.de

Public Affairs > Diskriminierung erstellt: 04.11.2009 Adriana Stern 



 
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