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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.04.2008

Neue deutsche Mädchen. Von Jana Hensel und Elisabeth Raether
Stefanie Denkert

"Das Persönliche ist politisch!" Das alte feministische Motto bleibt - die Themen ändern sich. Die Frauengeneration um die 30 reflektiert über ihren gelebten Feminismus und Gleichberechtigung heute.



Girl Power 2.0

Ob die Anthologie von Mirja Stöcker "Das F-Wort – Feminismus ist sexy" oder Sonja Eismanns "Hot Topic – Popfeminismus Heute", Charlotte Roches Skandalroman "Feuchtgebiete" oder "Wir Alphamädchen" von Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl: junge Frauen praktizieren und publizieren über Feminismus. Das ist eigentlich keine so große Überraschung, wenn frau/man bedenkt, dass die ´Feministinnen von heute´ die ´Girlies von gestern´ sind. Die Thirtysomething-Frauengeneration erlebte ihre Jugend in den 1990ern, als ´Girl Culture´ in den Medien zelebriert wurde und junge Mädchen selbstbewusst in die Zukunft blicken konnten (wie
bereits Anfang der 1980er und heutzutage: siehe Brigitte-Studie 2008). Sie waren Zeitzeuginnen des ´Mädchen sind viel cooler´-Girl Power-Popfeminismus á la Spice Girls, sie kennen auch noch Heike Makatsch als Vorzeige-Girlie beim Musiksender VIVA sowie die politischen ´Riot Grrrls´ und Badgirl Courtney Love in ihrer Blütezeit.

Wenn aus Mädchen Frauen werden...

Doch auch das selbstbewusste Girlie wird spätestens im Berufsleben daran erinnert, was es - in einer doch noch nicht ganz gleichberechtigten Welt - bedeutet, eine Frau zu sein. Das musste ebenfalls Jana Hensel erfahren, als sie sich während ihres Redaktionspraktikums beim Meeting als einzige Frau am Tisch wieder fand - und auch als sie Jahre später als gestandene Journalistin Diskriminierungen ausgesetzt war. Bestsellerautorin hin oder her ("Zonenkinder" 2002) - Frausein heißt auch heute noch kämpfen für Selbstbestimmung. Ebenso im privaten Bereich, da fragt sich die moderne Frau: Wie lässt sich eine gleichberechtigte Partnerschaft konkret umsetzen? Wie geht feministisch lieben? Jana Hensel und Elisabeth Raether haben keine Patentlösung, können nur von ihren eigenen Erfahrungen berichten. So erzählen sie von ihren Liebschaften, den Kämpfen, sich treu und cool zu bleiben – und wie die Angst vor ungleichberechtigter Partnerschaft der Liebe im Weg steht.

Das Leben in der Grauzone

Für die im Alltag praktizierte Gleichberechtigung, dem gelebten Feminismus von heute, fehlen nämlich die großen Vorbilder. Dankend wenden sich Jana Hensel und Elisabeth Raether von der Galionsfigur Alice Schwarzer ab und beginnen auch genau damit ihr Buch. Auf der Pressekonferenz zu EMMAs 30. Jubiläum stellt Jana Hensel enttäuscht fest, dass Alice Schwarzers feministische Themen nicht viel mit ihrem eigenen Leben zu tun haben. Prostitution, Anti-Porno-Kampagnen, Magersucht, Tierversuche und die Unterdrückung der islamischen Frau sind wichtig, jedoch geben ihr diese Themen keine Hilfestellung zu den Problemen, die sie unter anderem als berufstätige Mutter hat. Daraufhin fangen die beiden Freundinnen an, ihre Geschichten von ihrem Leben und Lieben in Paris und Berlin (und dazwischen), Abtreibung und neuer Vaterschaft, vom Tochtersein im Osten und Westen Deutschlands, von Selbsterfindung und Arbeit, zu erzählen. Eben von allem, was neue deutsche Mädchen so bewegt. Schwarz und Weiß sind für letztere dabei nicht mehr so deutlich erkennbar/denkbar wie noch zu Alice Schwarzers Anfangszeiten, als Abtreibung noch verboten war und Frauen nicht ohne die Erlaubnis des Ehemanns arbeiten durften. Die neuen deutschen Mädchen wissen, dass weder alle Männer böse sind, noch dass das patriarchalische System Frauen alle Chancen versperrt. Um die letzten Hürden und die Herausforderungen, die sich für junge Frauen und Männer daraus ergeben, auch darum geht es den Autorinnen.

AVIVA-Tipp: Bei "Neue Deutsche Mädchen" handelt es sich nicht um ein feministisches Sachbuch, denn Jana Hensel und Elisabeth Raether erzählen abwechselnd zu verschiedenen Themenschwerpunkten etwas Persönliches und setzen es in den gesellschaftlichen Kontext. Das gemeinsame und persönliche Schreiben ist ein lobenswerter Ansatz, der immer häufiger von feministischen Autorinnen aufgegriffen wird. Manchmal neigen Jana Hensel und Elisabeth Raether jedoch dazu, zu persönlich zu werden. In diesen Momenten können wohl gleichaltrige Wahl-Berlinerinnen am besten nachvollziehen, was diese Frauen erlebt haben. Für Thirtysomething-Großstädterinnen ist das Buch deshalb eine Pflichtlektüre! Jedoch ist "Neue Deutsche Mädchen" insofern auch sehr ehrlich und repräsentativ für den sogenannten ´neuen Feminismus´: es gaukelt uns keine absoluten und allgemeingültigen Wahrheiten vor – dafür sind Frauen zu unterschiedlich.

Zu den Autorinnen:
Jana Hensel
wurde 1976 in Leipzig geboren. Sie lebt als Autorin und Journalistin in Berlin. "Zonenkinder" war über ein Jahr auf der Spiegel-Bestsellerliste und verkaufte sich 300.000mal. www.janahensel.de

Elisabeth Raether, geboren 1979 in Heidelberg, arbeitete von 2005 bis 2007 im Lektorat der Rowohlt Verlage. Sie lebt jetzt als Autorin und Lektorin in Berlin.

Jana Hensel und Elisabeth Raether
Neue deutsche Mädchen

Rowohlt Verlag GmbH, erschienen im April 2008
Gebundene Ausgabe, 224 Seiten
ISBN-10: 3498029940
ISBN-13: 978-3498029944
16,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Charlotte Roche – Feuchtgebiete

Martina Wimmer - Der Mann. Comeback eines Auslaufmodells

Sonja Eismann (Hrsg.) - Hot Topic – Popfeminismus Heute

Mirja Stöcker (Hrsg.) - Das F-Wort – Feminismus ist sexy

Jessica Valenti - Full Frontal Feminism . A young woman´s guide to why feminism matters

Grethe Nestor - Die Badgirl-Feministin

Thea Dorn - Die neue F-Klasse

Virginie Despentes - King Kong Theorie


Interviews:

50 Jahre Gleichberechtigung - Interview mit Katja Kullmann ("Generation Ally")

Ist Feminismus Sexy? - Mirja Stöcker ("Das F-Wort") im Interview


Buecher Beitrag vom 08.04.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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