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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 13.09.2008

Isabel Kreitz – Die Entdeckung der Currywurst
Tatjana Zilg

Die Comic-Zeichnerin gestaltete nach der Vorlage des Romans von Uwe Timm eine historische Graphic Novel, die vom letzten Jahr der Schreckensherrschaft durch die Nazis in Hamburg erzählt.



Der besondere Reiz der Geschichte, die der Hamburger Autor Uwe Timm ersann, liegt darin, dass er anhand der Einzelschicksale zweier Menschen die Atmosphäre während der Zeit kurz vor Kriegsende wiedergibt. Auch die Regisseurin Ulla Wagner war von dieser Idee sehr angetan und setzte den Roman als Film um, der im Spätsommer 2008 in die Kinos kam. In dem abendfüllenden Spielfilm bekommt die Liebesgeschichte zwischen der alleinstehenden Helene Brückner, die als Beiköchin in der Kantine der Lebensmittelbehörde arbeitet, und dem Marinesoldaten Hermann Bremer, der in ihrer Wohnung fahnenflüchtig wird, viel Raum.

Todesangst konkurriert mit Glücksmomenten

Beide sind weder HeldInnen noch WiderstandskämpferInnen. Helene geht Tag für Tag ihrer Arbeit nach, ist unter KollegInnen und NachbarInnen beliebt und versucht, in dieser schwierigen Zeit für sich allein zurechtzukommen. Hermann hat Angst vor dem Einsatz im Endkampf. Als geschulter Marinesoldat soll er in einer Panzerjagdeinheit an der Front eingesetzt werden. Er desertiert, indem er nach einem Kinoabend, der im Luftschutzbunker endete, bei Helene bleibt und sich in der Zwei-Zimmer-Mietswohnung versteckt. Aber er hinterfragt das "Dritte Reich" nicht grundsätzlich, während Helene zumindest gemeinsam mit dem Chefkoch Holzinger der Nazi-Führungsriege, wenn sie in der Kantine speist, die Mahlzeit verleidet. Holzinger und Helene beherrschen ansonsten die Kunst, aus wenig mehr zu machen, perfekt: Aus einer kargen Mahlzeit wird dank der richtigen Mischung an Gewürzen ein Festmahl, Schnaps wird aus Birnen gebrannt und Kaffee aus Eicheln erzeugt.

In kargen Zeiten wird eine bahnbrechende Rezeptur erfunden

Für die Graphic Novel war es wichtig, sich auf den Kern der Geschichte zu konzentrieren und so fällt die erotische Komponente weg, dafür rücken die zeitgeschichtlichen Aspekte mehr in den Vordergrund. Das wird auch dadurch betont, dass Isabel Kreitz sich dafür entschloss, den Autoren als Ich-Erzähler in ihre Bilder aufzunehmen. Sie zeigt ihn, wie er in Hamburg vor einigen Jahren die Currywurstbude am Grossneumarkt von der sich inzwischen dem Rentenalter nähernden Helene Brückner aufsucht und blendet dann über bis in die Gegenwart, wo er sie im Seniorenheim Lokstedt aufspürt. Dort erzählt sie ihm schließlich von der ereignisreichen Zeit gegen Kriegsende, wo sie die kurze Affäre mit dem jungen Desereur hatte, der ihr von dem exotischen Gewürz Curry berichtet, und aufgrund dessen sie in der kargen Nachkriegszeit eine Rezeptur entwickelt, die eine kleine Revolution an den Bratwurst-Buden der Republik auslöste.

Eine Romanidee wird zur Graphic Novel

Die Zeichnerin, die an der FH für Gestaltung in Hamburg und an der Parsons School Of Design in New York studiert hat, bringt die spannende Geschichte in detailreichen Schwarz-Weiß-Bildern aufs Papier. Die Zeit, die von Angst, Mord, Wegschauen, Warten und der Sehnsucht nach Veränderung geprägt war, wird greifbar und rückt in die unmittelbare Nähe der Erfahrungswelt. Dies wird auch durch den sorgfältig recherchierten Anhang verstärkt, der unter dem Titel "Heldenklau und Ami-Währung" viele Informationen zu der Situation im Hamburg kurz vor der Befreiung durch die Engländer gibt. Zusätzlich sorgen historische Fotografien für eine anschauliche Dokumentation.

AVIVA-Tipp: "Die Entdeckung der Currywurst" ist eine Graphic Novel, die Unterhaltung und geschichtliches Hintergrundwissen zugleich bietet. Mit Hilfe einer ausdrucksstarken Mimik der AkteurInnen und einer präzisen Abbildung der Umgebung ruft die Comic-Zeichnerin die Geschichte ein weiteres Mal auf eine ganz andere Weise als im Film und Buch ins Leben.

Zur Künstlerin: Isabel Kreitz, Jahrgang 1967, arbeitete an dem Zeitungsstrip "Ottifanten" mit und schuf ihren eigenen Comic-Strip "Heiß und fettig". Im Zwerchfell Verlag veröffentlichte sie ab 1994 die packende Trilogie um den S-Bahn-Surfer Ralf, mit der sie ihr Erzähltalent auch in längeren Geschichten unter Beweis stellte. Für den Dressler Verlag setzte Isabel Kreitz Erich Kästners "Der 35. Mai" als Comic um und wurde dafür 2008 mit dem "Max-und-Moritz-Preis" ausgezeichnet. Bei Carlsen Comics erschien zuletzt die Graphic Novel "Die Sache mit Sorge". (Quelle: Verlagsinformationen)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin: Allein unter allen. Miriam Katin

Isabel Kreitz
Die Entdeckung der Currywurst

nach einem Roman von Uwe Timm
Carlsen Verlag, 2005
Hardcover, S/W, 64 Seiten
ISBN: 551-78183-3
12 Euro


Buecher Beitrag vom 13.09.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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