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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.07.2012

Elisabeth Niejahr, Rocco Thiede - Alles auf Anfang. Die Wahrheit über Patchwork
Dana Strohscheer

Von Weitem ist es ein geschlossenes Gebilde, erst bei näherer Betrachtung sind die Einzelteile erkennbar, aus denen eine Decke oder Kissenhülle genäht wurden. Das bezeichnet Patchwork im...



...ursprünglichen Sinn. Wie lässt sich dieser Begriff auf menschliche Beziehungen übertragen aus denen Kinder hervorgehen, die mit Trennungen verbunden sind und mit "neuen" Elternteilen?

Die Zahl der "alternativen Lebensformen" geht in der Bundesrepublik in die Millionen: Etwa jede siebte Familie ist mittlerweile ein Patchwork-Verbund. Dennoch sind längst nicht alle Fragen beantwortet. Welchen Einfluss haben diese Beziehungen auf die Entwicklung der Kinder? Die Portraits im Buch, zusammengestellt von Elisabeth Niejahr und Rocco Thiede, zeigen verschiedene Konstellationen in unterschiedlichen sozialen Schichten.

Mit der Methode des "story telling" - langen, ausführlichen Interviews - nähern sich die AutorInnen in Gesprächen mit Betroffenen dem Thema. Daraus ergibt sich ein sehr heterogenes Bild: "Wahrscheinlich können über Patchwork-Familien genauso viele unterschiedliche Geschichten und Variationen erzählt werden, wie Personen beteiligt sind.", so eine der Interviewerinnen, Evelyn Roll.

Offenheit von Anfang an

Doch lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen: Das Wichtigste ist immer, rechtzeitig und offen mit den Kindern zu sprechen. Der Unternehmer Oliver Seidensticker, Mitte vierzig, wohlsituiert und Vater von insgesamt vier Kindern (zwei aus erster Ehe, zwei aus der neuen Beziehung), gesteht sich rückblickend ein: "Einen Fehler haben wir allerdings gemacht. Wir haben den Kindern viel zu spät gesagt, was los ist." Seine Frau und er hatten sich bereits zwei Jahre zuvor getrennt, seine neue Partnerin stellte er seinen damaligen beiden Kindern lange als "gute Freundin" vor. So waren die Kinder aus erster Ehe stets hin und hergerissen, glaubten sie doch daran, dass die Eltern wieder zusammenkommen würden und gaben sich teilweise selbst die Schuld an dem Zerwürfnis.

Die Münchner Soziologieprofessorin Sabine Walper widerspricht in diesem Zusammenhang einer landläufigen Auffassung: Nicht die Trennung an sich sei das Problem für den Nachwuchs, sondern die unter Umständen heftigen Auseinandersetzungen der Eltern bringen die Kinder in Loyalitätskonflikte. Das hätte aber nichts damit zu tun, dass die Elternteile unterschiedlich erziehen würden, nach dem Motto "bei Mama gibt es nur Bio-Essen, bei Papa dagegen auch mal eine Dose Ravioli." Im Gegenteil, so Walper – es schade nicht, wenn jedeR auf ihre und seine Weise erziehe. Diese von ihr als "parallele Elternschaft" bezeichnete Erziehungsmethode vermeide Streitthemen.

Ökonomische Situation ausschlaggebend

Laut Statistik scheitern Beziehungen in armen Familien häufiger als Verbindungen in materiell gesicherten Verhältnissen. Nach Niejahr erlebt jedes zweite Kind in Deutschland aus ärmeren Verhältnissen eine Trennung der Eltern. Diese Realität findet sich auch in "Alles auf Anfang. Die Wahrheit über Patchwork" wieder.

Da ist beispielsweise Stephanie S., 27 Jahre alt, alleinerziehende Mutter von drei Mädchen und Hartz-IV-Empfängerin. Christian, leiblicher Vater der beiden größeren Töchter, ist die männliche Bezugsperson für alle drei Kinder. Doch den Alltag in Form von Hausaufgaben, Versorgung und ÄrztInnenterminen bewältigt die Mutter allein. Hinzu kommt, dass die beiden älteren Kinder unter Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) beziehungsweise Sprachentwicklungsstörungen leiden, und dementsprechend in Behandlung sind. Zudem muss Stephanie einen Berg Schulden abbezahlen. Um all diese Anforderungen zu bewältigen, hat sie sich ein Netzwerk privater HelferInnen aufgebaut und erhält durch das Kinder- und Jugendwerk "Arche e.V." Unterstützung. Ihre eindringlichen Schilderungen zeigen, wie wichtig institutionelle Hilfe gerade für sozial benachteiligte alleinerziehende Frauen und deren Kinder ist.

Ratschläge und Erfahrungen

Darüber hinaus erhalten die Lesenden wertvolle Anregungen: So ist es wichtig, dass Kinder auch immer mit ihrem jeweiligen Elternteil allein etwas unternehmen, ohne dass die "neuen" PartnerInnen ständig dabei sind. Die AutorInnen bieten auch einen differenzierten Blick in die Gemütslage von inzwischen erwachsenen Trennungskindern – welche Schwierigkeiten sie beispielsweise mit den neuen PartnerInnen der Eltern hatten oder haben. "Viele Patchwork-Kinder kennen so etwas: Die Suche nach den passenden Gesten, den richtigen Etiketten, sie hört nie auf." Das Buch leistet hier einen Beitrag zur Verständigung auf beiden Seiten.

AVIVA-Tipp: Die befragten Eltern kommen aus ganz unterschiedlichen Patchworkgenerationen und -milieus - von der prominenten UnternehmerInnenfamilie über den Mittelstand aus der Provinz, bis hin zu Berliner Hartz-IV-EmpfängerInnen. Sie beschönigen nichts, zeigen aber auch, das mit gutem Willen und Engagement schwierige Beziehungskonstellationen zu meistern sind. Interessant für alle, die direkt oder indirekt vom Thema Patchwork betroffen sind und für jene, die sich ein Bild über diese Familienform in Deutschland machen wollen.

Zu den HerausgeberInnen:

Elisabeth Niejahr,
geboren 1965 und Alleinerziehende in der dritten Generation. Ab 1993 war sie Redakteurin im Bonner Büro des "Spiegel", seit Ende 1999 ist sie Korrespondentin im Hauptstadtbüro der "Zeit" mit dem Schwerpunkt Familienpolitik. Niejahr hat zahlreiche Bücher publiziert und ist Mitglied der von der Robert Bosch Stiftung einberufenen Expertenkommission "Familie und demographischer Wandel".

Rocco Thiede freier Journalist, in Berlin lebend. Er arbeitete für "Die Welt" und veröffentlichte das Buch "Power-Paare" (2008). Thiede ist verheiratet und Vater von fünf Kindern. Sein Interesse gilt der katholischen Kirche - er ist Vatikanbeobachter in Rom.

Elisabeth Niejahr, Rocco Thiede
Alles auf Anfang. Die Wahrheit über Patchwork

Aufbau Verlag, erschienen Mai 2012
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-3351027483
16,99 Euro
www.aufbau-verlag.de

Weitere Informationen finden Sie unter:

Starke Familie. Bericht der Kommission "Familie und demographischer Wandel"

www.eltern.de


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