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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.04.2013

Phoolan Devi - Die Rebellin
Bärbel Gerdes

"Werde nicht wie Phoolan Devi! Ein good girl benimmt sich nicht wie die Bandit Queen". Das Portrait einer Inderin im Kampf gegen Männergewalt zeigt eine Frau zwischen Robin Hood und Rachegöttin.



Männliche Gewalt gegen Frauen in Indien ist in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine Inderin in einem Bus von mehreren Männern vergewaltigt wurde und an den Verletzungen starb. Jetzt – und endlich – richtet sich das Augenmerk auf die brutale und verheerende Lebenssituation indischer Frauen: Mitgiftmorde, Zwang zum Witwenselbstmord, Tötung weiblicher Babys und Abtreibung weiblicher Föten, Verheiratung kleiner Mädchen und Massenvergewaltigungen sind in Indien Alltag.

Bereits vor Jahren lehnte sich eine Frau dagegen auf und wurde über Indiens Grenzen hinaus bekannt: Phoolan Devi. 1963 im Norden Indiens geboren, war Phoolan von Beginn an mit Stigmata überhäuft: sie war ein Mädchen, gehörte zur niedrigsten Kaste und ihre Familie war verarmt. Von Anfang an hatte sie ein starkes Gerechtigkeitsempfinden. Phoolan Devi, die Blumengöttin, so ihr Name auf Hindi, gerät bereits mit zehn Jahren mit ihrem Cousin in einen Streit um Bodenbesitz. Schnell gilt sie im Dorf als Unruhestifterin. Mit elf Jahren wird sie mit einem mehr als zwanzig Jahre älteren Mann verheiratet. Sie flieht vor ihm und ist nun Freiwild in ihrem Dorf. Schande habe sie über die Familie gebracht, ihre Mutter rät ihr zum Selbstmord, um die Familienehre zu retten.

Sie arbeitet hart auf den Feldern und auf Baustellen und lernt dabei, dass ihr der Lohn vorenthalten wird. Phoolan begehrt auf. Mit ihrer Schwester zerstört sie die Arbeit einer Woche. "In einem schmerzvollen Prozess entdeckte ich Stück für Stück, wie die Welt aussah, in der ich lebte: die Macht der Männer, die Macht der privilegierten Kasten und die Macht der Gewalt.". Ihr Aufbegehren wird mit furchtbarer Brutalität beantwortet: Massenvergewaltigungen von Polizisten, von männlichen Familienangehörigen, Eingesperrtwerden im Haus ihrer Eltern. Das Entsetzen ihrer Eltern gilt nicht den Tätern, sondern ihr. Als vergewaltigte Frau wird sie im Dorf als unrein angesehen.

Ende der siebziger Jahre wird sie von einer Räuberbande entführt . Phoolan wird die Frau des Anführers. 1980 begeht die Bande einen Raubüberfall, bei dem ein Kastenhöherer ermordet wird. Die soziale Ordnung steht Kopf. Schnell erfolgt der Gegenschlag: Phoolans Partner wird ermordet, sie selbst wird in das Dorf Behmai verschleppt, wo sie 22 Tage lang schwer misshandelt und immer wieder öffentlich vergewaltigt wird. Unter Lebensgefahr gelingt ihr die Flucht. Sie organisiert die Räuberbande neu, wird zusammen mit ihrem neuen Partner die Anführerin und startet einen Rachefeldzug gegen gewalttätige Männer. Die Beute der Raubzüge verteilt sie an die Armen, die Täter ermordet oder verstümmelt sie: "Es war meine Rache und die Rache aller Frauen."

Der Höhepunkt ihres Rachfeldzuges findet 1981 statt: sie kehrt in das Dorf zurück, indem ihr grausamste Gewalt angetan wurde, Behmai. 22 Männer werden ermordet, mutmaßlich diejenigen, die sie im Jahr zuvor vergewaltigten. Phoolans Ruf wird zur Legende.

In ihrem Beitrag dieser Anthologie fragt die Politikwissenschaftlerin Michaela Karl, inwiefern Phoolan Devi einen politischen Anspruch hatte. Anhand der Kriterien, die der im vergangenen Jahr verstorbene Historiker Eric Hobsbawm an das SozialrebellInnentum stellt, arbeitet sie schlüssig heraus, dass es Phoolan nicht um einen politischen Umsturz, um den Kampf gegen die Regierung ging, sondern stets um Gerechtigkeit. Sie macht männliche Gewalt, Korruption und die Auswirkungen des Kastensystems sichtbar, stiftet aber keine Rebellion an. Die Sozialrebellin agiert zunächst aus der Position des Opfers heraus, das sich wehrt. Es geht also nicht um eine kriminelle Tat und auch später geht es nicht um Bereicherung. Ihr Einsatzgebiet ist stark auf ihr Heimatgebiet lokalisiert. Diese Elemente führen dazu, dass weite Teile der ländlichen Bevölkerung diesen Kampf unterstützen: endlich ist dort eine aus den eigenen Reihen, die stellvertretend den Kampf mit den Unterdrückern aufnimmt. Erst diese Unterstützung, einhergehend mit Legendenbildung und die Verehrung als "Rachegöttin", ermöglicht es Phoolan Devi, zwei Jahre im Dschungel zu überleben - trotz einer groß angelegten Suchaktion der Regierung.

1983 ergibt sie sich mit ihrer Bande. In einer öffentlichen Zeremonie legt sie die Waffen nieder. Ihr wird kein Prozess gemacht. Zu sehr fürchten die Behörden, Phoolan könne die Korruptheit und Gewalt der Polizei öffentlich machen. Nach elf Jahren wird sie begnadigt. Sie tritt der sozialistischen Partei bei und wird 1996 und 1999 ins Parlament gewählt. Die Analphabetin setzt sich für Frauen- und Mädchenrechte ein und kämpft für Gleichberechtigung. 1998 wird sie sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. 2001 fällt sie einem Attentat zum Opfer.

Der Band stellt neben Phoolan Devi die Bandbreite von Frauenorganisationen und Frauengruppen in Indien vor, darunter die Gulabi Gang, die Pink Saris. 2006 von Sampat Pal gegründet, tragen mittlerweile 20.000 bis 35.000 Frauen dieses auffallende Kleidungsstück. Die Frauen halten in den Dörfern Versammlungen ab und prangern gewalttätige Männer in aller Öffentlichkeit an. Sie kämpfen für die Alphabetisierung von Frauen und gegen das Kastensystem, für notwendige Baumaßnahmen und gegen polizeiliche und behördliche Korruption. Die Frauen der Gulabi Gang verstehen sich als politische Aktivistinnen.

Zwei Dokumentarfilme auf den dem Buch beiliegenden DVDs stellen den Kampf von Phoolan Devi und den der Pink Saris eindrucksvoll dar und führen noch einmal das Ausmaß männlicher Gewalt gegen Frauen vor Augen.

Auf die Frage, was sie Frauen rät, die aufgeben, erwiderte Phoolan Devi: Ich rate solchen Frauen Folgendes: Werft euren Schleier einfach weg, zeigt euch! ... Wenn es euer Vater ist, gegen den ihr kämpfen müsst – kämpft gegen ihn. Wenn es die Gesellschaft ist – dann bekämpft die Gesellschaft... Jeder, der euch aufhalten will, den müsst ihr bekämpfen, bis ihr gewinnt.

AVIVA-Tipp: Aktueller denn je thematisieren das Buch und die Dokumentarfilme männliche Gewalt und die entsetzlichen Lebensbedingungen indischer Frauen. Vor allem aber wird gezeigt, wie Frauen sich dagegen auf unterschiedliche Weise erfolgreich wehren.

MitarbeiterInnen am Band "Phoolan Devi - die Rebellin":

Michaela Karl
studierte Politologie, Geschichte und Psychologie und promovierte über Rudi Dutschke. Ihr besonderes Interesse gilt rebellischen Personen der Neuzeit, wozu sie bereits einige Bücher veröffentlicht hat.
Hilmar König studierte in Leipzig Journalistik und ist seit 1980 Südasienkorrespondent mit Sitz in Neu-Delhi.
Catherine Pawasarat wurde in den USA geboren und lebt in Japan und Kanada. Sie schreibt zu den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit.
Annette Schiffmann ist PR-Beraterin, Fotografin und Menschenrechtsaktivistin. Sie ist Kuratorin der Wanderausstellung Die Hälfte des Himmels – 99 Frauen und Du, die das Thema Frauen und Gewalt aufgreift. Schiffmann ist im Vorstand der Stiftung für Friedens- und Zukunftsforschung.


Phoolan Devi
Die Rebellin

Bibliothek des Widerstandes ; Band 13
Laika-Verlag, erschienen November 2012
173 S. + 2 DVD
ISBN: 978-3-942281-83-6
www.laika-verlag.de

Mehr Infos zur Gulabi Gang unter:

www.gulabigang.in

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Proteste in Indien halten an

"Mitternachtskinder". Ein Film von Deepa Mehta



Buecher Beitrag vom 07.04.2013 Bärbel Gerdes 

   




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