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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.03.2015

Mercè Rodoreda - Der Garten über dem Meer
Dorothee Robrecht

Die Grande Dame der katalanischen Literatur, Verfasserin des Romans "Auf der Plaça del Diamant", porträtiert die Jeunesse dorée im Spanien der 20er und 30er Jahre, kurz vor Beginn des Bürgerkriegs.



Der spanische Bürgerkrieg (1936 – 1939) spielt eine immense Rolle in Leben und Werk der Mercè Rodoreda. Er ist Thema ihres wohl bekanntesten Romans ("Auf der Plaça del Diamant"), und er hat auch ihr Schicksal bestimmt: Rodoreda war 31, als sie vor Francos Truppen aus Barcelona floh - zunächst nach Frankreich und später in die Schweiz. Sie hatte fünf Romane veröffentlicht und sich einen Namen gemacht als Publizistin, doch im Exil war all das vorbei. Fast 20 Jahre vergingen, in denen sie nicht schrieb. Sie arbeitete als Übersetzerin für die Unesco und begann erst Ende der 50er Jahre, wieder zu publizieren.

1962 erschien "Auf der Plaça del Diamant", der Roman, der heute als ihr Hauptwerk gilt, und kurz darauf "Der Garten über dem Meer". Anders als in ihrem Hauptwerk geht es in diesem Roman nicht explizit um den Bürgerkrieg, und doch scheint er präsent – als eine Art Wetterleuchten am Horizont. Die Handlung spielt ein paar Jahre vor Kriegsbeginn, in einem Herrenhaus am Meer, unweit von Barcelona. Jedes Jahr kommen seine BesitzerInnen her, ein reiches jungverheiratetes Paar, Francesc und Rosamaria, und immer bringen sie ihre Clique mit. Zu der gehören illustre Gestalten wie Feliu, der Maler, und zusammen amüsieren sie sich nach Herzenslust: Sie fahren Wasserski, reiten aus, und natürlich flirten und feiern sie auch.

Sechs Sommer lang geht das so, doch dann plötzlich wird nebenan eine Villa gebaut, noch prächtiger als die von Francesc und Rosamaria. Und in diese Villa zieht Eugeni, der Mann, den Rosamaria liebte, aber verließ, weil er arm war. Fünf Jahre ist das her, und arm ist Eugeni längst nicht mehr. Reich geheiratet hat auch er, doch anders als Rosamaria hat er nie vergessen können: Er will sie zurück, koste es, was es wolle.

Unmöglich, bei einem solchen Setting nicht an "Der große Gatsby" zu denken, den Roman von Scott Fitzgerald über die roaring twenties in den USA. Wie Gatsby kann auch Eugeni von seiner großen Liebe nicht lassen, und wie für Gatsby geht es auch für ihn schlecht aus. Eugeni stirbt, und die angebetete Frau – sie nimmt kaum Notiz davon.

Liebe ist eine einsame Obsession, das sieht Rodoreda so wie Fitzgerald, und wie er beschreibt sie sie als eine Obsession, die Männer pflegen. Ob Rosamaria oder ihre Dienerin, die attraktive Miranda – für die Frauen zählt der soziale Aufstieg, nicht das Gefühl. Da anzunehmen ist, dass auch sie Gefühle haben, erstaunt, dass dieser Roman, der so viel erzählt über die Gefühle der Männer, die der Frauen verschweigt: Mag Miranda die Männer, mit denen sie schläft? Ist Rosamaria wirklich so gleichgültig, wie sie sich zeigt? Hat sie Eugeni je geliebt? All das erfahren wir nicht, und dass das so ist, hat mit der Perspektive zu tun, die Rodoreda wählt: Erzählen lässt sie den alten Gärtner, der sich um das Anwesen kümmert:

"Ich habe schon immer gern erfahren, was den Leuten so alles passiert", so Rodoredas Erzähler über sich, "und das nicht etwa, weil ich neugierig wäre. Eher, weil ich Menschen mag, und die Besitzer dieses Hauses mochte ich sehr. Wenn sie mit ihren Freunden zur Sommerfrische kamen, konnte ich mir die Filme im Excelsior sparen." Was dieser Gärtner beschreibt, ist ein galantes Patriarchat, in dem es darum geht, dem richtigen Mann zu gefallen.

Rodoreda, die Autorin, ist nicht identisch mit ihrem Erzähler, natürlich nicht, doch zu konstatieren bleibt, dass diese Erzählperspektive den Frauenfiguren nicht bekommt. Sie sind auffallend blass, so blass, als hätte ein Mann sie entworfen, den Frauen nicht wirklich interessieren - als Projektionsfläche vielleicht, nicht aber als reale Wesen. Und das macht den Roman ein wenig langweilig für Leser_innen, die sich nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen interessieren. Denen sei dann doch eher das Hauptwerk empfohlen, "Auf der Plaça del Diamant". Dort ist die zentrale Figur eine Frau, die durch den Bürgerkrieg lernt, für sich selbst zu sorgen.

AVIVA-Tipp: "Der Garten über dem Meer" ist kein Roman, der die Rezensentin wirklich begeistert hat (anders als Roger Willemsen, der ihn herausgegeben und ein sehr lesenswertes Nachwort verfasste). Aber er ist interessant für Rodoreda Fans und auch, weil er wirklich eine Art Komplementärroman zum großen Gatsby ist.

Zur Autorin: Mercè Rodoreda, geboren 1908 in Barcelona, gilt als die bedeutendste katalanische Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Mit 20 veröffentlichte sie erste Kurzgeschichten, die Jahre des Spanischen Bürgerkriegs verbrachte sie im Exil in Frankreich und in der Schweiz, wo sie u.a. ihr Hauptwerk "Auf der Plaça del Diamant" verfasste, das in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Mercè Rodoreda starb 1983 in Girona. (Verlagsinformation)

Mercè Rodoreda
Der Garten über dem Meer

OT: Jardi vora el mar
Aus dem Katalanischen von Kirsten Brandt
Leineneinband mit Lesebändchen im Schuber, 240 Seiten
mare, erschienen 7.10.2014
ISBN 978-3-86648-033-9
26,00 €
www.mare.de




Buecher Beitrag vom 08.03.2015 AVIVA-Redaktion 

   




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