Die Heebie-Jeebies im CBGBs – Die jüdischen Wurzeln des Punk - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.10.2008

Die Heebie-Jeebies im CBGBs – Die jüdischen Wurzeln des Punk
Stefanie Denkert

Steven Lee Beeber untersucht die amerikanische Punkgeschichte mit Blick auf deren jüdische Wurzeln. Dabei stellt er fest, dass diese Musik das Gefühl der ganzen Post-Holocaust-Generation ausdrückt.



Steven Lee Beebers Buch "stellt die Frage nach einer jüdischen Identität nach der Shoah völlig neu" befindet Peter Waldmann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Rheinland-Pfalz, im Vorwort zu "Die Heebie-Jeebies im CBGB´s". Während der Literaturwissenschaftler, der die jüdischen US-Punks als "Die Kabbalisten des Rock" bezeichnet, zunächst wissenschaftlich in das Buch einführt, nähert sich der Autor und Publizist Steven Lee Beeber seiner Rekonstruktion der amerikanischen Punkgeschichte mit Blick auf die jüdischen ProtagonistInnen hingegen wie ein Musikjournalist, als Fan und als Suchender nach den Wurzeln seiner subkulturell-religiösen Identität, quasi seiner ganz persönlichen Jewishness, die er durch sein Buch in den soziokulturellen Kontext setzen kann.

Zu den bedeutendsten Protagonisten in der Punk-Szene, die mehrheitlich in dem Club CBGBs auftraten und die Beeber unter die Lupe nimmt, gehören: Lenny Bruce, Lou Reed, Danny Fields, Martin Rev und Alan Vega, Jonathan Richman, Lenny Kaye, Hilly Kristal, Richard Meyers, Chris Stein sowie Joey und Tommy Ramone. Diese Heebie-Jeebies – also Leute, die sich ´freaked out´ fühlen – gehören der ersten Nachkriegsgeneration amerikanischer Juden an, die Punk nutzten, um sich mit der jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen: "Im New York Punk spiegelt sich die jüdische Geschichte von Unterdrückung und Unsicherheit, Flucht und Migration, gleichzeitig drinnen und draußen, gut und schlecht zu sein. Diese Musik drückt das Gefühl der Post-Holocaust-Generation aus, das Gefühl, immer am falschen Ort zu sein", meint der Autor, der als Recherche für "Die Heebie-Jeebies im CBGBs" über 120 jüdische Punks interviewt hat.

Besonders interessant für die AVIVA-Berlin-Leserinnen dürfte das Kapitel "The New JAPS (Jewish American Punks)" über die jüdisch-amerikanischen Frauen und die Geburt des Female Punk sein. Darin geht Steven Lee Beeber auf Kathy Acker (geb. Alexander), die avantgardistische postmoderne Literatin und Stilikone mit dem Ruf als "Queen of Punk" sowie auf Goldie and the Gingerbreads, die vermutlich erste autonome Frauenrockband, die sich Anfang der 1960er gründete und deren Frontfrau, Goldie Zelkowitz aka. Genya Ravan, ein. Letztere gilt als ´Mutter der Riot Grrls´, während die Soziologin Donna Gaines als ´Margaret Mead of heavy metal´ durch ihre Untersuchung von amerikanischen Jugendlichen im Bestseller "Teenage Wasteland" bekannt wurde. Außerdem geht es um die bereits verstorbene Helen Wheels (geb. Robbins), Sängerin der gleichnamigen Band, die zuvor Semi-Mitglied der Blue Oyster Cult war und deren Leder-Outfits entwarf.

Insgesamt kommt Steven Lee Beeber nicht umhin festzustellen, dass die Musik- und Kulturszene voll ist von rebellischen, jüdisch-amerikanischen Frauen – und dass in den 1950ern und 60ern jüdisch-amerikanische Eltern dazu "neigten", "ihren Töchtern entweder beizubringen, sich vor der Außenwelt zu fürchten, damit sie zu Hause blieben und vor der Modernität und dem Wandel geschützt wären, oder sie dazu zu ermutigen, stark aggressiv und unabhängig zu werden". Zu letzteren gehören u.a. die Fotografin Cindy Sherman, die Intellektuelle Susan Sontag und die Post-Porno-Perfomerin Annie Sprinkle. Auch unter den führenden Feministinnen finden wir die starken jüdischen Frauen: sei es die Autorin Betty Friedan oder die Ms. Magazine-Gründerin Gloria Steinem.

AVIVA-Tipp: Steven Lee Beeber singt – oder besser rockt - ein Loblied auf die Jewishness und auf den Punk. Zuweilen ist er dabei etwas polemisch, aber warum auch nicht? Der Ansatz, die jüdischen Wurzeln des Punk zu erforschen ist völlig neu und erfrischend und da "Die Heebie-Jeebies im CBGBs" faktenreich und unterhaltsam ist, ist es eine Bereicherung für die Musikliteratur!

Zum Autor: Steven Lee Beeber
Während er in Atlanta aufwuchs, betrauerte Steven Lee Beeber nicht nur die Tatsache, dass keiner der Beatles jüdisch war, sondern auch, dass Barry Manilow und Neil Sedaka es waren. Hätte es nicht Lou "the Jew" Reed und Joey "Jewy" Ramone gegeben, wäre er wohl Buchhalter geworden. Beeber ist Herausgeber der Anthologie "AWAKE! A Reader for the Sleepless" (mit Beiträgen von Margaret Atwood, Joyce Carol Oates, Lydia Lunch, Shannon Wheeler u. a.) und Mitherausgeber des Magazins Conduit. Seine Texte erschienen in The Paris Review, The New York Times, Spin, MOJO und anderswo. Er spielt außerdem Saxophon bei der Gospel-Punkband The Chowder Shouters aus Atlanta – ab und an zumindest. (Verlagsinfo). Beebers Website: www.jewpunk.com

Steven Lee Beeber
Die Heebie-Jeebies im CBGBs: Die jüdischen Wurzeln des Punk

Übersetzt von Doris Akrap
Ventil Verlag, erschienen Oktober 2008
Broschiert: 299 Seiten
ISBN-10: 393155564X
ISBN-13: 978-3931555641
17,90 Euro

Buecher Beitrag vom 14.10.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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