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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.12.2008

Wie würde ich ohne Bücher nur leben und arbeiten können. Herausgegeben von Ines Sonder, Karin Bürger, Ursula Wallmeier
Kristina Tencic

Diese Frage stellte sich für jüdische Intellektuelle im 20. Jahrhundert, die ihre gesamte und geliebte Bibliothek auf der Flucht aus Nazi-Deutschland zurücklassen mussten. Die HerausgeberInnen...



... begeben sich in diesem Sammelband auf eine Spurensuche nach den literarischen Wurzeln in die Privatbibliotheken großer jüdischer Gelehrter.
Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gab es einen kleinen Aufschrei aufgrund des E-Books. Es hieß, dass diese elektronischen Bücher das gedruckte Werk über kurz oder lang verdrängen werden. Vergessen wird bei der Panikmache, welche Informationen das Blattwerk über ihre LeserInnen impliziert und welch hohen Wert eine Buchkollektion für ihre/n BesitzerIn hat. Was außer dem geschriebenen Wort noch aus Büchern spricht, haben die Herausgeberinnen Ines Sonder, Karin Bürger, Ursula Wallmeier in einem Sammelband beschrieben. Über zwanzig AutorenInnen veröffentlichen darin unter dem Titel "Wie würde ich ohne Bücher leben und arbeiten können?" Beiträge über die Privatbibliotheken jüdischer Intellektueller des 20.Jahrhunderts.

"Eine Bibliothek kann prinzipiell weder als Beleg für Gelesenes noch für Nicht-Gelesenes dienen. Sie kann lediglich Indizien für die Lektürearbeit eines Menschen liefern, die wiederum Rückschlüsse auf thematische oder stilistische Anregungen und Traditionen ermöglichen und dadurch zu neuen Ansätzen bei der Interpretation des Werks führen können."

Dieses Zitat gibt im Kern die Arbeit der AutorInnen wieder, die sich akribisch der Suche nach Notizen, Marginalien, eingelegten Lesezeichen, Unterstreichungen oder ähnlichem gemacht haben, um das Gesamtwerk und die Arbeitsweise der einzelnen Persönlichkeiten näher zu beleuchten. Der Provenienzforschung dienten die im Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien gelagerten privaten Bibliotheken jüdischer Intellektueller.
In dem Sammelband finden sich Texte zu den Bibliotheken von:
Hannah Arendt, Alex Bein, Walter Benjamin, Israil Bercovici, Walter Boehlich, Hilde Domin, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Ludwig Geiger, Magnus Hirschfeld, Arthur Koestler, Jürgen Kuczynski, Erich Mendelsohn, Gershom Scholem, Anna Seghers, Ernst Simon, Karl Wolfskehl und Stefan Zweig.

Es geht in den Beiträgen jedoch nicht nur um die bibliophilen Neigungen und Arbeitsweisen der hier genannten jüdischen Intelektuellen. Darüberhinaus werden in Ansätzen deren Biographien, die Geschichte des Exils und das Schicksal der Bücherkollektionen widergegeben. Wie viel diese Sammlungen ihren BesitzerInnen bedeuteten, wird aus den unter schwersten Bedingungen versuchten Nachsendungen und Lagerungen der Bücher ersichtlich. Hilde Domin etwa verschickte ihre Bücher zunächst nach England, bevor ein kleiner Teil ihr sogar bis in die Dominkanische Republik folgte.
Es ist die literarische Leidenschaft die aus solchen Geschichten spricht, aber es ist auch ein kleines Ankämpfen, besser ein Anschreiben gegen die Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts, die sich in den Vitae der Arbeitsbibliotheken spiegelt. Mehr noch, die jüdischen Intellektuellen ebneten mit ihren belletristischen und wissenschaftlichen Werken auch einen Weg zurück in die Schöngeistigkeit, die sich in den Büchern, dem "Medium der Erinnerung" , ausdrückt.

Durch die Provenienzforschung der AutorInnen werden einerseits die Emotionen und Erinnerungen der Sammlungen evident, andererseits werden auch (neue) Charakterzüge durch die Art und Weise der Notizen offenbart. Bücher werden so zum für sich selbst sprechenden Bindeglied zwischen geschriebenem Wort und der (verborgenen) Identität des Nutzers und seiner Prägung. Diese Prägung ist oft bereits durch die elterliche Bibliothek festgelegt, wie es z.B. bei Alex Bein und Walter Boehlich veranschaulicht wird.

Ein Manko ist die Kürze der einzelnen Texte, die oft ein hohes Maß an Vorkenntnissen erfordern und auch den Untersuchungsgegenstand schmälern. So geschehen etwa bei Hannah Arendt, wo sehr wenig Wert auf ihre Lektüre belletristischer Werke gelegt wurde, wobei dies ein wichtiger Teil ihres Lebens war, wie Arendts Denktagebücher belegen. Bemerkenswert wiederum ist die detaillierte Auflistung des Verbleibs der Original-Bibliotheken und die anschauliche Darstellung des Literaturkanons.

AVIVA-Tipp: "Wie würde ich ohne Bücher leben und arbeiten können?" erzählt von der großen Leidenschaft für die Literatur und reflektiert die gedankliche Entstehung der hochrangigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Mit der Beleuchtung der bibliophilen Schwerpunkte und damit der Sinn- und Identitätsstifter, erreicht die Nachvollziehbarkeit der jüdisch-intellektuellen Werke neue Tiefen.

Zu den Herausgeberinnen: Alle drei sind Mitarbeiterinnen des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam. Dr. Ines Sonder ist Kunsthistorikerin, Karin Bürger und Ursula Wallmeier sind Diplombibliothekarinnen. Weitere Infos unter: www.mmz-potsdam.de
Zu den AutorInnen: In diesem Sammelband sind Texte von Margrid Biecken, Christian Buckhard, Miriam Ducke, Axel Fair-Schulz, Ernst Fischer, Elvira Grözinger, Ita Heinze-Greenberg, Klaus Herrmann und vielen weiteren enthalten.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
"Eine Debatte ohne Ende - Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum", herausgegeben von Julius H. Shoeps und Anna-Dorothea Ludewig.

"Wie würde ich ohne Bücher leben und arbeiten können?"
Privatbibliotheken jüdischer Intellektueller im 20. Jahrhundert
Ines Sonder, Karin Bürger, Ursula Wallmeier (Hg.)

Verlag für Berlin-Brandenburg, erschienen Oktober 2008
Gebunden, 432 Seiten
ISBN: 978-3-86650-069-3
29,95 Euro

Buecher Beitrag vom 06.12.2008 Kristina Tencic 

   




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