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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 25.03.2010

UNBELICHTET. Münchner Fotografen im Exil
Sharon Adler

Die Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung des Jüdischen Museums München von Februar bis Mai 2010 stellt, neben einem erstmals erstellten bio-bibliografischen Lexikon aller jüdischen Fotografinnen udn Fotografen, die in München gelebt und gewirkt haben, die Arbeiten von drei Fotografen vor: Alfons Himmelreich, Efrem Ilani und Jakob Rosner.



Diese drei konnten in den 1930er Jahren noch rechtzeitig nach Palästina emigrieren und in den Folgejahrzehnten mit ihren eindrucksvollen Schwarz-Weiß Aufnahmen die Entstehung, die Atmosphäre sowie den GründerInnen- und Zeitgeist des Landes dokumentieren. Maßgeblich beteiligt waren sie durch ihre Arbeit am Bild des "Neuen Hebräers", der nun endlich die Karikatur des ostjüdischen Shtetljuden ablösen sollte.

Die Fotografien waren hauptsächlich Auftragsarbeiten für den Keren Kajemeth LeIsrael (KKL) oder den Keren HaYesod (KH), eine im Jahr 1901 gegründete Wohltätigkeitsorganisation, die mittels Informationsmaterial das Engagement des KKL in Palästina dokumentieren wollte, um so die zionistische Idee zu verbreiten und möglichst viele Juden und Jüdinnen in das Land zu bringen.
Die Fotografien von Alfons Himmelreich (1904-1993), Efrem Ilani (1910-1999) und Jakob Rosner (1902-1950) zeigen den, allen widrigen Umständen trotzenden, konstanten Aufbau des Landes, beginnend mit der Dokumentation der Situation in Palästina unter britischem Mandat bis 1948.

Durch die in die Emigration gezwungenen Münchner Fotografen gelangte auch der sich seit Ende der 1920er Jahre durchsetzende fotografische Stil des Neuen Sehens nach Palästina und später nach Israel.
Gemeinsam ist den Dokumentar- und Industrieaufnahmen die schnörkellose und dabei dynamische Bildsprache, die nun an Stelle romantisierender Landschaftsimpressionen treten sollte. Die Aufnahmen zeigen hauptsächlich das Werk und die Anstrengungen derer, die maßgeblich am Aufbau des Landes beteiligt waren: Textil- und LandarbeiterInnen ebenso wie Menschen bei der Pflanzung des Waldes der Verteidiger um 1950, Elektriker bei der Errichtung von Verteilern oder Straßenbauern bei der Verlegung von Wasserrohren im Negev.
Doch auch technisches Gerät, so Ersatzteile für die Autoindustrie oder Schaufenster in Tel Aviv und das Innere einer Textilfabrik in Haifa wurden abgelichtet.

Deutlich wird in den eindringlichen Fotografien die Entschlossenheit in der Realisierung dieses waghalsigen Unterfangens, darunter auch, die Wüste urbar zu machen. Ob inszenierte Industrieaufnahme oder die ungestellte Momentaufnahme einer Straßenszene – spürbar ist die Liebe zum Detail, der Komposition und zur Lichtführung.

Ein besonderes Anliegen der AusstellungsmacherInnen und HerausgeberInnen der Begleitpublikation war es auch, durch die Schoa "Verschwundenes, Verborgenes und Vergessenes wieder in das kulturelle Gedächtnis zurückzuholen". "UNBELICHTET. Münchner Fotografen im Exil" setzt der Arbeit derer ein Denkmal, die Ausstellung und das Erscheinen der Begleitpublikation nicht mehr erleben konnten. Mit der bio-bibliografischen Lexikon 1900-1938 wird den LeserInnen zudem ein wertvolles Kompendium zur Verfügung gestellt, das dazu anregt, mehr zu den genannten und zum größten Teil unbekannten FotografInnen zu recherchieren.

AVIVA-Tipp: "UNBELICHTET. Münchner Fotografen im Exil" zeigt nicht nur den Gestaltungsprozess des Landes Israel sondern auch die ganze Bandbreite des Schaffens der hier gewürdigten Fotografen. Dank an die AusstellungsmacherInnen und HerausgeberInnen, denen es gelungen ist, verschwundenes und vergessenes Archivmaterial zu neuem Leben zu erwecken und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zur Herausgeberin: Tatjana Neef, 1979 in Leipzig geboren, studierte in Potsdam und Haifa Jüdische Studien und Geschichtswissenschaften. Von 2004 bis 2007 war sie für das American Jewish Committee tätig und wirkte an der Erstellung eines Demokratiebildungsprogramms für SchülerInnen mit. Im Rahmen ihres wissenschaftlichen Volontariats am Jüdischen Museum München von 2008 bis 2010 realisierte sie unter anderem zwei Kabinettsausstellungen zur jüdischen Geschichte der Stadt München.


Tatjana Neef (Herausgeberin)
Bernhard Purin, Sabine Brantl, Tatjana Neef (AutorInnen)
UNBELICHTET. Münchner Fotografen im Exil

Künstler: Alfons Himmelreich, Efrem Ilani, Jakob Rosner
Festeinband, 23 x 27,5 cm, 144 Seiten, 116 S/W-Abb.
Deutsch/Englisch
ISBN 978-3-86828-114-9
36 Euro
Kehrer Verlag, erschienen 2010

Die Publikation "Unbelichtet. Münchner Fotografen im Exil" erschien anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Jüdischen Museums München von Februar bis Mai 2010.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.juedisches-museum.muenchen.de

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Buecher Beitrag vom 25.03.2010 Sharon Adler 

   




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