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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.06.2010

Hedwig Brenner - Mein altes Czernowitz. Erinnerungen aus mehr als neun Jahrzehnten, 1918-2010
Christel Wollmann-Fiedler

Hedwig Brenners Liebe zu Czernowitz ist ungebrochen. Die Liebe zur Stadt ihrer Kindheit, ihrer Jugend wird mit zunehmendem Alter stärker und stärker. Ob zu Zeiten der Donaumonarchie, später unter..



...rumänischer Verwaltung, dann kurzzeitiger Sowjetbesetzung oder ukrainischer Regierung, der heimatliche Blickwinkel durchzieht sämtliche Zeiten ihres heute fast zweiundneunzigjährigen Lebens. Der Mythos "Czernowitz" wird bleiben.

Die Stadt der kulturellen Vielfalt, die Stadt der verschiedenen Religionen und Ethnien ist nur zufällig in Westeuropa bekannt. Berühmte, in die Welt vertriebene, meist jüdische SchriftstellerInnen, wurden ebenso, wie Hedwig Brenner, in Czernowitz oder in anderen Teilen der Bukowina geboren. Sie alle haben den Namen Czernowitz in die weite Welt getragen.

Hedwig Brenners Erinnerungen sind Kindheits- und Jugenderinnerungen. Schon als Kind hatte sie eine fantastische Wahrnehmung. Nichts ist in der Erinnerung verloren gegangen bis ins hohe Alter. Das Lernen in der Schule fiel Hedwig Brenner nicht schwer. Mutter Friedl Langhaus, geborene Feuerstein und die Großmutter achteten sorgfältig auf ihre Erziehung, ließen sie noch vor dem 2. Weltkrieg nach Wien und in die Schweiz zu Verwandten reisen. Dr. Adolf Langhaus, der Rechtsanwalt und Vater, starb, als Hedwig noch keine elf Jahre alt war.

Mit ihrem gerade erschienenem neuen Buch "Mein altes Czernowitz – Erinnerungen aus mehr als neun Jahrzehnten 1918-2010" hat sie erneut einen Meilenstein für ihre Heimat gelegt, die sie bereits vor fünfundsechzig Jahren verlassen hat. Mit Hedwig Brenner durch die Straßen und Gassen, über den Ringplatz und durch den Volkspark der Stadt zu laufen, im Sommer oder durch dicksten Schnee im Winter, ist ein Vergnügen. Vorbei an Menschen und Häusern ihrer Erinnerung laufen wir, Gesprächen über Freundinnen hören wir zu und den alten Geschichten aus ihrer eigenen Familie. Zum Skilaufen auf den Cecina begleiten wir sie, baden mit ihr im Strandbad Gänsehäufel am Pruth. Lauschige Plätze für Liebende gab es überall, sie sind ihr, der lebensfrohen alten Dame, in ihren Gedanken geblieben. Sie wird sie damals genutzt haben, wie alle jungen frohen Menschen.

Ecken und Winkel der Verschwiegenheit lernen wir kennen, ebenso die Lebendigkeit und die Lebensvielfalt der verschiedenen Völkergruppen und Religionen in der Stadt aus der Sicht dieser liberalen jüdischen Frau.

Alte Postkartenansichten, Familienfotos und auch neuzeitliche Fotos begleiten visuell durch das Buch.

Der Einfall der Sowjetarmee 1940 ließ das Leben in Czernowitz erstarren. Verwandte, Nachbarn und Freunde, jüdische und nichtjüdische Intellektuelle, wurden nach Sibirien getrieben, tauchten nicht mehr auf, verhungerten in Lagern oder wurden erschossen. Die Deutsche SS hielt 1941 Einzug in die Stadt und war nicht weniger zimperlich. Sie errichteten ein Ghetto und schickten den Großteil der jüdischen Bevölkerung in die Arbeits- und Todeslager nach Transnistrien, jenseits des Bugs, die anderen Bewohner, die Deutschen, wurden "heim ins Reich" geholt!

1945 geriet die Welt der Bukowina völlig aus den Fugen. Die Nordbukowina wurde der Sowjetunion zugesprochen, die Südbukowina blieb weiterhin ein Teil Rumäniens. Grenzen wurden gezogen, der Weg von Nord nach Süd versperrt. Die Brenners konnten nach langem Hin und Her ins Petrolgebiet nach Ploiesti in Rumänien auswandern mit einer illegal gekauften Ausreise. Gottfried Brenner, der auch aus Czernowitz stammte und an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag studiert hatte, wurde 1939 der Ehemann von Hedwig Brenner, geborener Langhaus. Als Ingenieur bekam Gottfried Brenner Arbeit im Petrolgebiet. Gemeinsam baute sich die Familie dort eine neue Zukunft auf. Diese Zukunft dauerte über dreißig Jahre, bis dem Ehepaar Brenner mit Söhnen und Mutter die Ausreise nach Israel im Jahr 1982 gestattet wurde.

Im Anhang des neuen Buches setzt Hedwig Brenner ihren befreundeten Czernowitzer SchriftstellerInnen mittels Namen und Daten ein Denkmal.

Zur Autorin: Hedwig Brenner, 1918 in Czernowitz als Tochter der Lehrerin Friedl Feuerstein und des Rechtsanwaltes Dr. Adolph Langhaus geboren. Als Zehnjährige verlor sie ihren Vater, wurde von Mutter und Großmutter in eine und für eine gutbürgerliche Umgebung erzogen. Sie besuchte gute Schulen, ging kurzfristig vor dem 2. Weltkrieg zum Studium nach Wien und Genf, musste zu Kriegsbeginn zurück in ihre Bukowiner Heimat.
Paul Celan, Ninon Ausländer, die dritte Frau Hermann Hesses, kannte sie in Czernowitz, auch Immanuel Weissglas. Mit Alfred Kittner, der in Düsseldorf lebte, war sie bis zu seinem Tod 1991 freundschaftlich verbunden.
In Czernowitz heiratete sie 1939 den Ingenieur Gottfried Brenner, der in Prag studiert hatte. Zusammen ging das junge Paar in das Petrolgebiet von Ploiesti nahe Bukarest. Um Mutter und Schwiegermutter 1940 aus Czernowitz zu sich nach Ploiesti zu holen, reisten sie nach Czernowitz. Doch konnten sie die Bukowina nicht mehr verlassen: Die Grenzen wurden geschlossen.

Danach wurde die Nordbukowina von der sowjetischen Armee besetzt. Verwandte verschwanden in Sibirien, andere verließen das Land und gingen nach England und in die USA, um sich zu retten. Die Sowjets wurden von der deutschen Wehrmacht und den mit ihr verbündeten Rumänen zurückgedrängt. Hedwig Brenner und ihr Mann kamen ins Czernowitzer Ghetto, erlebten dort viel Unmenschliches, doch auch Menschliches, wie sie immer wieder erzählt. Sie überlebten die Gräuel der Nazis, wanderten 1945 nach Rumänien aus. Wieder zogen sie ins Petrolgebiet nach Ploiesti, wo Gottfried Brenner bis zu seiner Pensionierung als Ingenieur arbeitete.

Hedwig Brenner bekam in Rumänien zwei Kinder und begann eine Ausbildung als Krankenschwester und Physiotherapeutin. In diesem Beruf arbeitete sie bis zur Rentenzeit. 130 Ausreiseanträge hat das Ehepaar an den Rumänischen Staat gestellt, doch abgelehnt wurden sie alle. Erst im fortgeschrittenen Rentenalter, 1982, bekamen sie die Genehmigung, mit den bereits erwachsenen Söhnen und Mutter Friedl Langhaus nach Israel auszuwandern zu dürfen.

Seit achtundzwanzig Jahren lebt Hedwig Brenner in Israel, in Haifa. Ein bescheidenes Leben führt sie in der neuen Heimat, erst sehr spät, vor Jahren, wurde sie Schriftstellerin. Familienbiographien schrieb sie und vor allem entstanden durch ihre Energie und Arbeitseifer drei Lexika über "Jüdische Frauen in der bildenden Kunst". Ca. 1500 jüdische Künstlerinnen nahm sie in diese drei Bände auf, das 4. Lexikon wird in Kürze erscheinen. Recherchiert hat sie in der ganzen Welt über mehrere Jahre, um diese künstlerischen Lebensbilder zusammenzubekommen. Längst gestorbene, in Konzentrationslagern umgekommene, noch lebende Frauen in aller Welt und junge jüdische Künstlerinnen vereinte sie in diesen Werken. Eine großartige Arbeit hat diese alte Dame, Hedwig Brenner, für die Zukunft geschaffen!

AVIVA-Tipp: Das neue Buch von Hedwig Brenner sollten Sie kaufen und mitnehmen in die Bukowina nach Czernowitz. Ein Reisebegleiter ist das gut zu lesende Büchlein allemal. Uns haben ihre menschlichen und unmenschlichen Eindrücke in ihrem Leben nachhaltig beeindruckt und nicht zuletzt ihr strahlendes Gesicht, ihr positives Denken und die Aussage, immer Glück im Leben gehabt zu haben!

Hedwig Brenner
Mein altes Czernowitz – Erinnerungen aus mehr als neun Jahrzehnten 1918-2010

Unter Mitarbeit von Marie-Elisabeth Rehn
Herausgegeben von Erhard Roy Wiehn
Hartung-Gorre Verlag. Konstanz, erschienen Mai 2010
ISBN 978-3-86628-320-6
132 Seiten, Paperback
14,80 Euro

Buecher Beitrag vom 21.06.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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