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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2017 - Beitrag vom 23.06.2010

Christel Wollmann-Fiedler - Czernowitz ist meine Heimat. Gespräche mit der Zeitzeugin Hedwig Brenner
Gertraud Feldschuh

Schon wieder ein Buch über Czernowitz? Ja, ein großartiges Buch. Ein Buch, das in die Bibliothek jedes historisch interessierten Menschen gehört. Die Fotografin Christel-Wollmann-Fiedler hat als ...



...Freundin und Reisebegleiterin Hedwig Brenner in ihrer altösterreichischen Sprache zum Erzählen angeregt. Was nicht schwer ist, denn Hedwig Brenner ist eine sehr animierte Geschichte und Geschichtenerzählerin.

Durch diese Gespräche erfahren die LeserInnen nicht nur die politischen Entwicklungen des ehemaligen Österreich-Ungarn und die Ursachen die zum zweiten Weltkrieg geführt haben, sondern auch die Schicksale der verschiedenen Volksgruppen, die Brutalitäten den Minderheiten speziell den Juden gegenüber, letzten Endes die sehr persönlichen Erzählungen über Freunde und Familie. Hedy, wie sie von ihren FreundInnen genannt wird, kann aufgrund ihres phantastischen Gedächtnisses, immerhin feierte sie im September 2008 ihren 90. Geburtstag, all die Orte, die einmal österreichisch, dann rumänisch oder ukrainisch waren, genau zuordnen, hat unzählige historisch bedeutende KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen persönlich gekannt, weiß viele "Histörchen", die dieses Buch zu einer Fundgrube an amüsanten und auch interessanten Details macht.

Ohne Hass und Ressentiments erzählt sie von den jahrzehntelangen Ansuchen an den rumänischen Staat, um die Ausreisebewilligung nach Israel zu bekommen. Endlich ist es vor mehr als 25 Jahren gelungen in das "Gelobte Land" zu immigrieren. So hat sie endlich ein Zuhause gefunden aus dem sie keiner mehr vertreiben kann. Und doch bleibt Czernowitz ihre Heimat, wie sie immer wieder betont. Auch weil Hedy in Deutsch denkt, Deutsch schreibt, spricht, ein Deutsch, das mit ihrer Generation ausstirbt. Doch gibt es Tonaufnahmen von Hedwig Brenner am Institut für Akustik der Wiener Universität. So ist diese Sprache Seite an Seite mit dem Tondokument von Kaiser Franz Joseph verewigt, dessen Ära sie noch fast erlebt.

Doch was macht dieses Buch auch noch einzigartig? Es sind die Fotos von Christel Wollmann-Fiedler. Sie hat mit ihren über 100 Aufnahmen die Reise durch die für Hedy wichtigsten Städte dokumentiert, stimmungsvolle Fotos von Czernowitz, Lemberg, Berlin, Prag, Wien und Haifa. Auch die sehr persönlichen Fotos von Lesungen, Besuchen bei FreundInnen und der Familie in Israel ergänzen dieses dokumentarische Werk und geben dem Buch eine ganz spezielle, sehr persönliche Note.

So ergibt dieses Werk, das wie auch die beiden Bücher: "Mein 20. Jahrhundert" und "Lea’s Fluch" von Hedwig Brenner, dankenswerterweise im Munda Verlag erschienen ist, den Kosmos eines europäischen Lebens an den Schnittstellen von Monarchie, Nationalsozialismus, Kommunismus und letzten Endes Demokratie.


Zur Autorin: Christel Wollmann-Fiedler, Fotografin und Autorin, wohnt seit sechs Jahren in Berlin. Sie hat bisher über vierzig literarisch-fotografische Ausstellungen in verschiedenen europäischen Ländern gezeigt und neun Bücher veröffentlicht, darunter sechs fotografische Bildbände und den Schillerkalender 2009. Zum 90. Geburtstag der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger im Jahr 2005 erschien ihr Buch mit Fotos der bildhauerischen Arbeiten und biographischen Texten der Künstlerin. Nun wurde von ihr ein von Fotos begleitetes Gespräch mit der jüdischen Zeitzeugin Hedwig Brenner aus Czernowitz gedruckt.

Zur Protagonistin des Buches: Hedwig Brenner, eine alte Dame, lebt in Haifa. Vor zwei Jahren lernte die Autorin sie während einer ihrer Lesungen in Berlin kennen und erfuhr vieles von ihrem steinigen Lebensweg als Jüdin und Weltbürgerin.

Heute fast zweiundneunzigjährig, wurde Hedwig Brenner 1918 in Czernowitz als Tochter der Lehrerin Friedl Feuerstein und des Rechtsanwaltes Dr. Adolph Langhaus geboren. Als Zehnjährige verlor sie ihren Vater, wurde von Mutter und Großmutter in eine und für eine gutbürgerliche Umgebung erzogen. Sie besuchte gute Schulen, ging kurzfristig vor dem 2. Weltkrieg zum Studium nach Wien und Genf, musste zu Kriegsbeginn zurück in ihre Bukowiner Heimat.

Paul Celan, Ninon Ausländer, die dritte Frau Hermann Hesses, kannte sie in Czernowitz, auch Immanuel Weissglas. Mit Alfred Kittner, der in Düsseldorf lebte, war sie bis zu seinem Tod 1991 freundschaftlich verbunden.

In Czernowitz heiratete sie 1939 den Ingenieur Gottfried Brenner, der in Prag studiert hatte. Zusammen ging das junge Paar in das Petrolgebiet von Ploiesti nahe Bukarest. Um Mutter und Schwiegermutter 1940 aus Czernowitz zu sich nach Ploiesti zu holen, reisten sie nach Czernowitz. Doch konnten sie die Bukowina nicht mehr verlassen: Die Grenzen wurden geschlossen.

Danach wurde die Nordbukowina von der sowjetischen Armee besetzt. Verwandte verschwanden in Sibirien, andere verließen das Land und gingen nach England und in die USA, um sich zu retten. Die Sowjets wurden von der deutschen Wehrmacht und den mit ihr verbündeten Rumänen zurückgedrängt. Hedwig Brenner und ihr Mann kamen ins Czernowitzer Ghetto, erlebten dort viel Unmenschliches, doch auch Menschliches, wie sie immer wieder erzählt. Sie überlebten die Gräuel der Nazis, wanderten 1945 nach Rumänien aus. Wieder zogen sie ins Petrolgebiet nach Ploiesti, wo Gottfried Brenner bis zu seiner Pensionierung als Ingenieur arbeitete.

Hedwig Brenner bekam in Rumänien zwei Kinder und begann eine Ausbildung als Krankenschwester und Physiotherapeutin. In diesem Beruf arbeitete sie bis zur Rentenzeit. 130 Ausreiseanträge hat das Ehepaar an den Rumänischen Staat gestellt, doch abgelehnt wurden sie alle. Erst im fortgeschrittenen Rentenalter, 1982, bekamen sie die Genehmigung, mit den bereits erwachsenen Söhnen und Mutter Friedl Langhaus nach Israel auszuwandern zu dürfen.

Seit achtundzwanzig Jahren lebt Hedwig Brenner in Israel, in Haifa. Ein bescheidenes Leben führt sie in der neuen Heimat, erst sehr spät, vor Jahren, wurde sie Schriftstellerin. Familienbiographien schrieb sie und vor allem entstanden durch ihre Energie und Arbeitseifer drei Lexika über "Jüdische Frauen in der bildenden Kunst". Ca. 1500 jüdische Künstlerinnen nahm sie in diese drei Bände auf. Recherchiert hat sie in der ganzen Welt über mehrere Jahre, um diese künstlerischen Lebensbilder zusammenzubekommen. Längst gestorbene, in Konzentrationslagern umgekommene, noch lebende Frauen in aller Welt und junge jüdische Künstlerinnen vereinte sie in diesen Werken. Eine großartige Arbeit hat diese alte Dame, Hedwig Brenner, für die Zukunft geschaffen!

Uns haben ihre menschlichen und unmenschlichen Eindrücke in ihrem Leben nachhaltig beeindruckt und nicht zuletzt ihr strahlendes Gesicht, ihr positives Denken und die Aussage, immer Glück im Leben gehabt zu haben!

AVIVA-Tipp: Nachfolgenden Generationen möchten wir die Empfehlung für dieses Buch weitergeben. Es erzählt das Leben einer selbständigen jüdischen Frau, die nie am Leben verzweifelte, ihren Lebensmut behalten hat. Sie verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Osteuropa und behielt die als Kind erworbene deutsche Sprache, in welcher sie auch schreibt.

Christel Wollmann-Fiedler
Czernowitz ist meine Heimat – Gespräche mit der Zeitzeugin Hedwig Brenner

munda-Verlag, 5200 Brugg/Schweiz
ISBN 978 3 9523161 53
163 Seiten, 100 Fotos, Paperback
18 Euro
www.munda.ch

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Hedwig Brenner - Mein altes Czernowitz. Erinnerungen aus mehr als neun Jahrzehnten, 1918-2010

Buecher Beitrag vom 23.06.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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