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AVIVA-BERLIN.de im August 2016 - Beitrag vom 14.03.2011

Habitus: A Diaspora Journal. Die Berlin-Ausgabe mit einem Comic von Elke Steiner zur Rabbinerin Regina Jonas
Anna Hohle

Das halbjährig erscheinende jüdische Kulturmagazin aus New York widmet sich in jeder Ausgabe einer anderen Metropole. In Nr. 7 finden die LeserInnen neben Beiträgen deutsch-jüdischer AutorInnen...



... einen bewegenden Comic der Berliner Zeichnerin Elke Steiner über die weltweit erste Rabbinerin.

  • Habitus: A Diaspora Journal

    2006 erstmals erschienen, definiert sich die New Yorker Zeitschrift selbst einerseits als "a journal of global Jewish culture – a Jewish magazine about the world".
    Andererseits führt der schwer fassbare Begriff der "Diaspora" noch über diese Zuschreibung hinaus. Er bezeichnet laut den Herausgebern einen "untidy mix of longing and belonging, past and place. It represents an experience that is both personal and universal. The Diaspora condition confounds and consumes, even as it touches more and more lives around the globe. This thematic thread will speak to contemporary readers – of all backgrounds – who feel the pull of complex identities and biographies, and who wrestle with what it means to be truly at home.". So behandelt "Habitus" neben jüdischen Themen auch ganz generell Literatur und Kultur von Minderheiten in einer von Migration geprägten Moderne.

    "Habitus", so die Herausgeber, is not simply a magazine about Jews - it is a Jewish magazine about the world.

    In der aktuellen Februar-Ausgabe steht nach Städten wie Budapest, Sarajewo oder Buenos Aires Berlin im Fokus. Deutsch-jüdische AutorInnen wie Maxim Biller, Jakob Hein, Barbara Honigmann und Esther Dischereit kommen zu Wort, der deutsch-türkische Schriftsteller Zafer Senocak spricht in einem Interview über Multikulturalismus und Fremde. In einem 17seitigen Comic porträtiert die in Berlin lebende Zeichnerin Elke Steiner eine beispiellose Persönlichkeit und starke Frau: Die Rabbinerin Regina Jonas.

  • Regina Jonas – Leben und Wirken

    Regina Jonas wurde am 3. August 1902 in Berlin geboren. Bereits als Schülerin entwickelte sie ein großes Interesse an religiösen Fragen. Sie absolvierte ihr Abitur am Oberlyzeum Weißensee und studierte ab 1924 an der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, einer liberalen Institution, die als eine der wenigen Einrichtungen auch Frauen ausbildete. Während ihre Kommilitoninnen hauptsächlich auf eine Lehrbefähigung hinarbeiteten, studierte Jonas mit dem Ziel der Ordination zur Rabbinerin.

    Ihre Abschlussarbeit trug den provokanten Titel: "Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?". Die Arbeit nahm Professor Eduard Baneth ab, Jonas erhielt das Prädikat "gut". Bald darauf starb ihr Mentor Baneth. Sein Nachfolger war nicht gewillt, eine Frau zu ordinieren. Ihr Abschlusszeugnis wies Jonas so lediglich als "Religionslehrerin" aus. In den folgenden Jahren unterrichtete sie an öffentlichen Lyzeen und Schulen der jüdischen Gemeinde.

    Erst 1935 erteilte ihr der Geschäftsführer des Liberalen Rabbinerverbands - Rabbiner Max Dienemann - die Ordination. Dennoch wies die Jüdische Gemeinde zu Berlin Jonas ab 1937 lediglich als "rabbinische Beraterin" aus: sie amtierte in Wohlfahrtseinrichtungen und jüdischen Krankenhäusern. Da zu dieser Zeit immer mehr Rabbiner deportiert wurden oder emigrierten, konnte Jonas auch in einigen liberalen Synagogen predigen.

    Regina Jonas widmete sich insbesondere der Betreuung älterer und kranker JüdInnen, deren Lage nach den Novemberpogromen 1938 immer verzweifelter wurde. Auch reiste sie wiederholt in kleinere Gemeinden Norddeutschlands und sprach den Menschen Mut zu. Als ab 1941 die wenigen JüdInnen, die der Deportation entgangen waren, Zwangsarbeit leisteten und deshalb keine regulären Gottesdienste besuchen konnten, richtete die Gemeinde spezielle Predigten aus. Jonas hielt viele davon ab, obwohl sie selbst in einer Lichtenberger Kartonagenfabrik Zwangsarbeit leistete. Überlebende berichteten später, Jonas´ Worte stets als besonders ermutigend empfunden zu haben.

    Am 6. November 1942 wurde Regina Jonas nach Theresienstadt deportiert, wo sie, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Psychoanalytiker Viktor Frankl, die Internierten betreute. Selbst unter widrigsten Umständen setzte sie ihre seelsorgerische Tätigkeit fort.
    Am 12. Oktober 1944 wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich noch am selben Tag ermordet.

    In ihren Lehren verband Jonas die traditionelle Auslegung der Halacha mit einer modernen Einstellung der Geschlechtergleichheit. Reformbewegungen, die eine Modernisierung durch Lockerung der strengen halachischen Vorgaben anstrebten, lehnte sie jedoch ab. Ihr Ideal der Gleichstellung der Geschlechter versuchte sie stets aus den religiösen Quellen selbst herzuleiten. Diese studierte sie genau und kam zu dem Schluss, dass dem weiblichen Rabbinat "außer Vorurteil und Ungewohntsein halachisch nichts entgegen" stehe. Jonas zufolge sind Frauen sogar in besonderer Weise geeignet, dieses Amt zu bekleiden, denn insbesondere "weibliche Tugenden wie Mitgefühl, Menschenliebe, Takt und Opfersinn" seien die "Grundlagen des Rabbiner-Berufes".

    Erst 1972 wurde mit Sally Priesand in den USA wieder eine Frau als Rabbinerin ordiniert. Bis heute bekleideten etwa 200 Frauen das Rabbineramt. In Deutschland wurde 1995 mit Bea Wyler die erste Rabbinerin ins Amt gerufen. Es folgten Gesa Ederberg im Jahr 2002 sowie 2009 Elisa Klapheck.

  • Comic "Regina Jonas – Woman Rabbi" von Elke R. Steiner

    Nicht zum ersten Mal behandelt Elke Steiner in ihren Comics historische jüdische Themen und Biographien: 2001 veröffentlichte sie den Comic Rendsburg Prinzessinstraße, die 300jährige Geschichte einer jüdischen Kleinstadtgemeinde in Norddeutschland. In Die anderen Mendelssohns erinnert sie an das Leben Dorothea Schlegels und Arnold Mendelssohns. Anlässlich einer Ausstellung in Wiesbaden brachte sie 2005 den Comic Herbert Lewin und Käte Frankenthal - Zwei jüdische Ärzte aus Deutschland heraus.

    Mit kräftigem Pinselstrich und in stark illustrativem Stil arbeitet Steiner auch in ihrem aktuellen Beitrag über Regina Jonas. In wenigen prägnanten Szenen erzählt sie deren berührende Geschichte nach und fasst die bedrohliche Atmosphäre der dreißiger und vierziger Jahre in ausdrucksstarke Bilder.

    Die aktuelle Berlin-Ausgabe von "Habitus: A Diaspora Journal" können Sie unter habitusmag.com bestellen, 25 US-Dollar kostet das Jahres-Abonnement "International", bestellbar unter habitusmag.com/subscribe. (ISSN 1932-054X).

    Zur Zeichnerin: Elke R. Steiner wurde 1971 in Bremen geboren. Sie studierte Freie Kunst und Visuelle Kommunikation in Münster/Westfalen und arbeitete nach ihrem Abschluss als Comiczeichnerin und Illustratorin. Steiner lieferte unter anderem Illustrationen für das Deutsche Ärzteblatt, Psychologie Heute, Jüdische Allgemeine und die Siegessäule sowie zu den Deutsch-Israelischen Literaturtagen 2005. Für den Tagesspiegel schreibt sie eine regelmäßige Kolumne zu Comic-Neuerscheinungen, die ihr besonders gefallen. Seit 2000 lebt die Zeichnerin in Berlin. Zuletzt erschien 2010 ihr Comic Risiken und Nebenwirkungen.

    Weitere Infos und Kontakt unter:

    http://habitusmag.com, offizielle Seite von "Habitus: A Diaspora Journal"

    www.steinercomix.de, Homepage von Elke Steiner

    www.cjudaicum.de, Ausstellung zu Regina Jonas in der Stiftung Neue Synagoge Berlin/Centrum Judaicum (noch bis zum 04.04.2011)

    Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

    "Fräulein Rabbiner Jonas - Ausstellung der Stiftung Neue Synagoge Berlin"

    "Die anderen Mendelssohns - Dorothea Schlegel, Arnold Mendelssohn", ein Comic von Elke Steiner

    "Anne Frank", ein weiteres Beispiel für die seriöse Vermittlung historischer Themen in Comicform, von Ernie Colon und Sid Jacobson

    "HEEB. The New Jew Review", AVIVA-Interview mit den HerausgeberInnen des New Yorker Kultur-Magazins



    (Quellen: habitusmag.com, haGalil.com, Jewish Women`s Archive, steinercomix.de)

  • Buecher Beitrag vom 14.03.2011 AVIVA-Redaktion 

       




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