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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 25.09.2008

Gilles Leroy - Alabama Song
Stefanie Denkert

Der französische Autor gibt Zelda Fitzgerald in seinem Roman ihre Stimme zurück, lässt das amerikanische It-Girl der 1920er ihren Aufstieg und Fall mit Ehemann F. Scott Fitzgerald rekonstruieren.



Die amerikanische Südstaaten Schönheit Zelda und der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald ("Der Große Gatsby") waren das Glamourpaar der Goldenen Zwanziger. Egal ob in New York oder Paris, das exzentrische Duo mit seinem ausschweifenden Lebensstil eroberte sich schnell einen Platz in jeder KünstlerInnenszene und in jedem Hochglanzmagazin. Doch so schnell wie sie aufgestiegen waren, folgte der Fall: bereits in den 1930ern waren die Fitzgeralds in Vergessenheit geraten und wurden erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts von KulturkriterInnen neu entdeckt.

In "Alabama Song" lässt Gilles Leroy die 1900 in Montgomery, Alabama als Zelda Sayre Geborene selbst ihre Lebens- und Liebensgeschichte erzählen. Als Tochter eines renommierten Richters und geschichtsträchtiger Vorfahren genoss die ´Southern Belle´ diverse Privilegien in der heimatlichen Provinz, die sie stets auskostete, um Dinge zu tun, die sich für brave Mädchen nicht ´schickten´. Im Juni 1918, auf einer ihrer Ausflüge zum Tanzabend verliebt sich Zelda in den gutaussehenden Leutnant aus New York: F. Scott Fitzgerald, der sie heiraten will, sobald er erste Erfolge als Schriftsteller verzeichnen kann. In ihm sieht Zelda die Möglichkeit, dem konservativen Süden zu entkommen und so führen die beiden ein Jahr später als Ehepaar ein exzessives Leben.

Scott entwickelt sich jedoch in den Folgejahren zum Säufer und tyrannischen Ehemann. Ständig rast der zeitweise bekannteste Schriftsteller Amerikas vor Eifersucht, unterdrückt das künstlerische Schaffen von Zelda und klaut heimlich ganze Passagen aus ihrem Tagebuch, die er in seinen Büchern verarbeitet. Die psychisch labile Zelda, die angeblich an Schizophrenie leidet, steckt er immer wieder ins Sanatorium – sie leistet keinen ernstzunehmenden Widerstand und macht auch keine Anstalten, sich scheiden zu lassen. Warum sich die einst so aufmüpfige, unkonventionelle ´Southern Belle´ das von ihm gefallen lässt, darüber lässt uns auch Gilles Leroy im Dunkeln. Vielleicht liegt das daran, dass die echte Geschichte der Fitzgeralds ein ganzes Stück anders verlief als es uns Zelda in "Alabama Song" weismachen will...

Warum schreibt Gilles Leroy einen Roman aus Zeldas Sicht statt eine Biographie über sie? Letztere würde auf Fakten basieren und Liebes- und Lebensgeschichte rekonstruieren, wie sie gewesen sein könnte - doch bei einem fiktiven Roman hat Leroy eine größere Freiheit das ´könnte´ auszuschlachten, vor allem die Gedanken und Gefühle von Zelda. So gibt er im Nachwort zu, einigen Ereignissen oder Personen mehr Gewicht einzuräumen als sie tatsächlich hatten. Dazu gehört auch Zeldas angebliche Liebesaffäre zu einem Franzosen, die in "Alabama Song" zur schönsten Zeit ihres Lebens wird.

Für "Alabama Song" erhielt Gilles Leroy den Prix Goncourt, sein Roman wurde zum Überraschungshit in Frankreich, der sich dort mehr als 250.000 Mal verkaufte und mittlerweile in 25 weiteren Ländern erschienen ist.

AVIVA-Fazit: Eine so schillernde Persönlichkeit und unkonventionelle Frau wie Zelda hat den Autor zum ´rumspinnen´ eingeladen - schließlich ist das Vermischen von Realität und Illusion durch die Schizophrenie ein Teil von ihr. Diese psychische Erkrankung, bei der die Betroffene die Realität verzerrt wahrnimmt, macht sich auch in Leroys Erzählstil bemerkbar, der so häufig in der chronologischen Abfolge springt, dass es von den LeserInnen große Konzentration fordert, um folgen zu können. Leider platzt auch erst in der Mitte des Buchs der Knoten (bis dahin fragt frau sich zudem, ´was macht sie eigentlich den ganzen Tag?´) und Zelda kommt endlich auf die wirklich interessanten Dinge, wie ihre eigenen Werke, ihren Traum von einem Ballerina-Dasein, ihre Probleme mit der Mutterrolle und ihre Zeit in Paris zu sprechen. Um mehr über die wahre Zelda Fitzgerald zu erfahren, sollte eher eine Biographie zu Rate gezogen werden. Doch auch wer ´nur´ eine nette Lektüre sucht, ist mit "Alabama Song" nicht allzu gut beraten.

Zum Autor: Gilles Leroy wurde 1958 bei Paris geboren und studierte Geisteswissenschaften mit besonderem Schwerpunkt auf die amerikanische und japanische Literatur. Seine oft autobiographisch geprägten Romane erscheinen seit 1990 beim Verlag Mercure de France. Der "Prix Goncourt" für Alabama Song machte Leroy über Nacht zu einem Star der französischen Literaturszene. (Verlagsinfo)

Gilles Leroy
Alabama Song

aus dem Französischen von Xenia Osthelder
Kein und Aber Verlag, erschienen im Juli 2008
Coverbild: Andrew Hobbs/gettyimages
gebunden, 240 Seiten
ISBN: 978-3-0369-5522-3
19,90 Euro

Buecher Beitrag vom 25.09.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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