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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 05.06.2006

Ten Green Bottles - Vienna to Shanghai - Vivian Jeanette Kaplan
Sarah Ross

"Von Wien nach Shanghai". Vivian Kaplans Erzählung über die Flucht einer jüdischen Familie ist nun bei dtv auch in deutscher Übersetzung erschienen.



Vivian Jeanette Kaplans Buch "Von Wien nach Shanghai. Die Flucht einer jüdischen Familie" ist bereits im Jahr 2002 unter dem Originaltitel "Ten Green Bottles. Vienna to Shanghai" erschienen und wurde mit dem Canadian Jewish Book Award ausgezeichnet. Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Familie aus der Perspektive ihrer Mutter Gerda Kosiner, geborene (Nini) Karpel. Sie ist diejenige, die gemeinsam mit ihre Familie der Verfolgung der Nationalsozialisten in Wien knapp entkommen ist, die Gefahren der Flucht überlebt und die Strapazen im chinesischen Exil erlebt hat. Vivian Kaplan legt mit diesem Werk einen sehr persönlichen Bericht vor, der mit Anekdoten gespickt ist, die ihr im Laufe ihres Lebens zu Ohren gekommen sind.

Die kanadisch-jüdische Autorin erzählt in ihrem Buch vordergründig die Geschichte ihrer Mutter in der Zeit von 1938 bis 1949: Die Erzählung handelt von deren glücklichen und ruhigen Kindheit und Jugend in der assimilierten und wohlhabenden Familie in Wien, vom frühen Tod des Vaters und nicht zuletzt von der Flucht 1939 vor den Nazis - mit den inzwischen erwachsen gewordenen vier Geschwistern und der Mutter - nach Shanghai. Zu dieser Zeit war Shanghai einer der wenigen Orte auf der Welt, der rund 20.000 jüdische Flüchtlinge auch ohne Visum aufnahm. Kaplan, die in ihrem Buch einen Bogen vom glänzenden Wien der 1920er und 30er Jahre bis hin ins China der 1940er zieht, damals ein eher mysteriöser Fleck irgendwo auf der Landkarte, rekapituliert in den faszinierenden Erinnerungen ihrer eigenen Mutter die Geschichte von der Flucht ihrer jüdischen Familie und erzählt, wie diese sich in der fremden Welt hat zurechtfinden mussten: "Ich stehe auf verfaulenden Planken und frage mich, ob wir der Gefahr in Europa entkommen sind, um nun in einer Hölle zugrunde zu gehen, wie wir sie uns in unseren schlimmsten Träumen nicht hätten ausmalen können".

Noch Mitte der 1930er wiegen Nini, ihre Familie und Freunde sich in trügerischer Sicherheit - sie genießen die Caféhauskultur, das Skifahren in den nahe gelegenen Bergen und politische Diskussionen in den Wiener Salons. Obwohl Nini von der Verfolgung der Juden in Deutschland gehört hat, ist sie sich immer noch sicher, dass dies nicht in ihrer geliebten Heimatstadt passieren wird. Im Jahr 1936 lernt sie dann auch ihren zukünftigen Ehemann Poldi Kosiner kennen, einen polnischen Flüchtling, den sie schließlich 1940 in China heiraten wird. Bereits drei Jahre später, nach der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten, begeben sich Nini und ihre Familie auf die lange Reise in den Fernen Osten, um ihr Leben zu retten.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch eindrucksvoll die Reise der Familie ins Ungewisse und die ersten Eindrücke von Shanghai und dem Ghetto Hongkew, die von Armut, einer unerträglichen Hitze, fremden Gesichtern und Menschen, die als Lasttiere arbeiten, geprägt waren. In ihrer neuen "Heimat" begegneten sie abgetrennten Köpfen von Chinesen, die von ihren japanischen Feinden gefangen genommen worden waren, und kämpften mit Hunger, Krankheiten und Angst.
Dennoch gelingt es der Familie mühsam, in der exotischen Metropole Fuß zu fassen. Mit Devisenschmuggel, Pelzhandel, einem Barbetrieb und weiteren Geschäften sichern sie ihren Lebensunterhalt. Doch nach der japanischen Besetzung werden die Juden erneut unter schrecklichen Bedingungen ghettoisiert und müssen permanent um ihr Leben fürchten. Das Leiden beginnt erneut. Dennoch gelingt es der Familie und den anderen Flüchtlingen wieder einmal, inmitten des Elends so etwas wie ein gesellschaftliches Leben entstehen zu lassen.

Obwohl das Ghetto-Viertel nach dem Krieg zu einem kulturellen Anziehungspunkt für die europäische Bevölkerung Shanghais wurde, kamen mit dem Kriegsende nicht nur die schlimmen Nachrichten aus der alten Heimat über den Verbleib anderer Familienmitglieder und FreundInnen. Der Vormarsch der chinesischen Kommunisten zwingt die Familie 1949 mit der damals zweijährigen Autorin schließlich ein zweites Mal zur Auswanderung, diesmal nach Kanada.

Zur Autorin:
Vivian Jeanette Kaplan
, geboren 1946 in Shanghai, studierte Englische, Französische und Spanische Philologie an der Universität von Toronto. Sie betreibt dort seit zwanzig Jahren eine Import/Export-Firma für orientalische Inneneinrichtung. Ihr Buch wurde mit dem Canadian Jewish Book Award ausgezeichnet.

AVIVA-Tipp: Vivian J. Kaplans Buch ist eine bewegende und ungewöhnlich intime Familiensaga, die auf den Erzählungen von Kaplans Mutter und anderen Familienmitgliedern basiert. Herausgekommen ist eine bemerkenswert lebendige und detaillierte Erzählung über die Flucht einer wienerisch-jüdischen Familie nach Shanghai und deren Kampf ums Überleben in der Fremde.

Weitere Infos zum Buch finden Sie auch hier:
www.jewishlibraries.org


Vivian Jeanette Kaplan
Von Wien nach Shanghai
Die Flucht einer jüdischen Familie
Deutsche Erstausgabe
Übersetzt von Sibylle Hunzinger und Kurt Neff
Originaltitel: Ten Green Bottles. Vienna to Shanghai - Journey of Fear and Hope.
dtv premium im Großformat, erschienen Mai 2006
ISBN 3-423-24550-6
397 Seiten, mit Abbildungen
Euro 15,00 90008115&artiId=5179728"

Buecher Beitrag vom 05.06.2006 Sarah Ross 

   




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