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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2017 - Beitrag vom 13.06.2012

Louise de Vilmorin - Madame de
Ulrike Wagener

Anl├Ąsslich des 110. Geburtstags der franz├Âsischen Autorin erschien ihr bekanntestes Werk in der deutschen ├ťbersetzung von Patricia Klobusiczky. Madame de, eine obskure Liebesgeschichte innerhalb...



...der gesellschaftlichen Strukturen des franz├Âsischen Adels.

Nachdem 2010 bereits "Julietta" dank der brillanten ├ťbersetzung ebenfalls von Patricia Klobusiczky wiederentdeckt wurde, erschien j├╝ngst die wohl bekannteste Erz├Ąhlung Louise de Vilmorins, "Madame De".

"Quer durch alle Zeitalter verleiht die Liebe den Ereignissen, die sie ber├╝hrt, unmittelbare Gegenwart."

Mit diesen Worten beginnt Louise de Vilmorin ihren ber├╝hmten Roman "Madame de". Ihre einfache und etwas altmodische, dochsehr poetische Sprache zieht die LeserInnen schnell in ihren Bann. Schon der Titel l├Ąsst vermuten, dass wir uns in den Kreisen befinden, denen auch die Autorin entstammt, dem Adel. Bis auf das bezeichnende "von" bleibt der Name von Madame de ungewiss. Madame und Monsieur de werden so austauschbar und k├Ânnen als blo├če Verk├Ârperung einer leicht karikierten und ironisierten Adelsehe gelten.

Falscher Stolz verleiten Madame de dazu, ihrem Mann stets eine falsche Auskunft ├╝ber die Kosten ihrer Anschaffungen zu geben. Eines Tages ist sie hoch verschuldet und entschlie├čt sich dazu, das Hochzeitsgeschenk ihres Mannes, herzf├Ârmige Ohrringe aus Brillanten zu verkaufen. Doch damit ist das Problem keinesfalls gel├Âst.
Louise de Vilmorin entwirft einen recht einfach gestrickten Handlungsstrang, der sich zu einer Odyssee der Ohrringe ausw├Ąchst. Madame de verstrickt sich in L├╝gen ├╝ber den Verbleib ihrer Ohrringe und versetzt ihren Gatten, dessen Juwelier ihn l├Ąngst ins Vertrauen gezogen hat, in gro├če Wut.

Die simplen Handlungsmuster verraten eine Menge ├╝ber die Konventionen des Adels. Niemand traut sich, die eigene Meinung laut zu ├Ąu├čern. Der Schein muss gewahrt werden. Emotionen bleiben unter Verschluss.
Statt seine Frau zur Rechenschaft zu ziehen, pflegt Monsieur de seinen Zorn und schenkt die zur├╝ck erstandenen Ohrringe seiner Geliebten, die eine Reise nach S├╝damerika antritt. Auch diese Dame st├╝rzt sich in Geldsorgen, verkauft die Brillanten in der Ferne, wo sie ein europ├Ąischer Botschafter auf dem Weg in die europ├Ąische Heimat entdeckt.

"Nat├╝rlich" ist dieser Botschafter Franzose, und da die Welt des Adels klein ist, lernt er bald Madame de kennen. Es beginnt eine subtile Liebesgeschichte voller Missverst├Ąndnisse, Intrigen und verletzten Eitelkeiten. Denn wo eine Geliebte des Monsieur nicht der Rede wert ist, ist es gleichzeitig unm├Âglich, sich eine Liebesgeschichte der Madame de vorzustellen.

Diese Konventionen hinterfragt die Schriftstellerin auf unterhaltsame Art und Weise. Die aristokratische Ehe wird genauestens seziert und schlussendlich als gesellschaftlich akzeptiertes Konstrukt ohne jeglichen emotionalen Wert entlarvt. Anders als ihre Ehe l├Ąsst Madame de die Beziehung zu dem Botschafter in Jugendlichkeit erbl├╝hen. In seiner Abwesenheit f├╝hlt sie sich vollkommen bedeutungslos. "Sie suchte nach dem Sinn ihres Lebens und fand in Gedanken nur ein Gesicht." Das Verhalten der sonst bedachten Madame de nimmt in ihrer Verliebtheit m├Ądchenhafte, naive, fast alberne Z├╝ge an.

Als der Botschafter ihr die wohlbekannten Brillantherzen zum Geschenk ├╝berreicht, ist sie Tr├Ąnen ger├╝hrt. "Das Gl├╝ck schafft Ungl├╝ck, indem es ├ängste weckt", stellt der Botschafter in weiser Voraussicht fest. Als Madame de ihrem Mann erkl├Ąrt, sie h├Ątte die verloren geglaubten Ohrringe wiedergefunden, ist dieser ├╝ber die erneute L├╝ge emp├Ârt.
Die drei Figuren, geleitet von Emotionen in einer emotionslosen Welt, steuern ungebremst auf die Eskalation zu. Und so endet der Roman auch. Dramatisch.

AVIVA-Tipp: "Madame de" ist eine Liebesgeschichte voller Poesie, doch ohne jeden Kitsch. Mal sanft und anr├╝hrend, mal provokant und spitz versetzt Louise de Vilmorin ihre heutigen LeserInnen in die ferne Welt der franz├Âsischen Aristokratie. Doch die Thematik und ihre sehr lyrische, blumige Sprache verm├Âgen auch oder gerade heute noch zu bezaubern.

Zur Autorin: Louise L├ęve├¬cque de Vilmorin wurde am 4. April 1902 in Verri├Ęres-le-Buisson bei Paris geboren. Als Teil eines aristokratisch gepr├Ągten Umfelds gelang es ihr fr├╝h, sich als Frau und K├╝nstlerin zu emanzipieren und im Stammschloss der Vilmorin f├╝hrende K├╝nstlerInnen ihrer Zeit zu versammeln. W├Ąhrend ihres Literaturstudiums begegnete sie Antoine de Saint-Exup├ęry und verlobte sich mit ihm. Ihr langj├Ąhriger Lebensgef├Ąhrte Andr├ę Malraux regte sie zum Schreiben an, und in der Folge entstanden nicht nur die Histoire d┬┤aimer, sondern auch die Romane Julietta, La lettre dans un taxi und Les belles amours sowie mehrere Gedichtb├Ąnde. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Roman Madame de, 1953 von Max Ophuls verfilmt. Die Schriftstellerin starb am 26. Dezember 1969 in ihrem Geburtsort.

Zur ├ťbersetzerin: Patricia Klobusiczky, geboren am 3. April 1968 in Berlin, studierte Literatur├╝bersetzen an der Heinrich-Heine-Universit├Ąt in D├╝sseldorf, arbeitet lange Jahre als Lektorin f├╝r den Rohwolt Verlag und ist seit 2006 freie ├ťbersetzerin, Moderatorin und Lektorin.

(Quelle: Verlagsinformationen)

Louise de Vilmorin
Madame de

Aus dem Franz├Âsischen neu ├╝bersetzt von Patricia Klobusiczky
Erschienen im D├Ârlemann Verlag, April 2012
Gebunden, 128 Seiten
ISBN 9783908777748
15,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Louise de Vilmorin - Julietta





Buecher > Romane + Belletristik Beitrag vom 13.06.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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