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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2016 - Beitrag vom 27.05.2013

Bettina Vibhuti Uzler - Party am Abgrund
Annika Hüttmann

Nach 15 Monaten Gefängnis wegen Drogenschmuggels ist Bettinas Drang nach Freiheit größer denn je. Die Freetekno-Bewegung scheint das ideale Leben für sie zu sein - bis sie ihre Drogensucht...



... nicht mehr kontrollieren kann.

Eigentlich war sie nach Kolumbien gereist um sich vom Partyleben in Berlin zu erholen. Doch dann lernt Bettina in einem Hotel den jungen Junkie Pascal kennen und verliebt sich sofort. Die beiden nehmen gemeinsam Crack - tagelang, wochenlang. Ein Dealer überredet sie, Kokain in die Schweiz zu schmuggeln. Bettina wird erwischt und kommt für 15 Monate in ein französisches Gefängnis. Während dieser Zeit fasst sie einen Entschluss:

"Nie wieder würde ich dulden, wenn ich das hier überstanden hatte, dass man mir in irgendeiner Art und Weise Vorschriften machte. Nie wieder würde irgendjemand Macht über mich bekommen und nie wieder würde ich eine wie auch immer geartete Autorität über mir akzeptieren!"

Dieser Wunsch nach grenzenloser Freiheit wird ihr von der Freetekno-Szene erfüllt, der sie sich nach ihrer Entlassung in Berlin anschließt. Reisen durch ganz Europa, illegale Parties, frei verfügbare Drogen und eine starke Gemeinschaft geben Bettina das Gefühl, das perfekte Leben gefunden zu haben. Sie kauft sich einen Bus, verdient ihr Geld mit Dealen, schließt immer mehr Bekanntschaften innerhalb der Szene und gründet sogar ein eigenes Soundsystem. Techno, Speed, Kentamin, Kokain, Opium und Alkohol werden ihr Lebensmittelpunkt. Es fällt Bettina jedoch zunehmend schwer, durch Drogen die euphorischen Gefühle ihrer ersten Jahre innerhalb der Szene hervorzurufen - chemische Substanzen werden mehr und mehr Bedingung dafür, überhaupt zu funktionieren. Sowohl Bettinas Freundeskreis als auch ihr Körper werden immer weiter von den Drogen zerstört, bis ihr die Teilnahme an einem Massagekurs einen unerwarteten Ausstieg aus der Sucht ermöglicht.

Im Vorwort zu ihrem Buch schreibt Bettina Vibhuti Uzler:

"Diese Geschichte ist meine Geschichte. Die Geschichte meines Lebens, ohne die ich heute nicht die wäre, die ich bin. Ich bin weder stolz auf diesen Teil meiner Vergangenheit noch schäme ich mich für ihn. Aber ich habe mit dem, was war, abgeschlossen und das Schreiben dieses Buches hat mir dabei geholfen."

Dieses Abschließen mit der Vergangenheit erfolgt vor allem darüber, diese Zeit noch einmal zu durchleben - zwar hält Vibhuti Uzler immer wieder inne um zu reflektieren und zu erklären - über weite Teile folgt der oder die LeserIn jedoch direkt der jungen Bettina. Die Autorin bemüht sich um eine ehrliche und ausführliche Beschreibung eines Lebensabschnitts, die jedoch leider immer wieder dadurch gestört wird, dass Vibhuti Uzlers bildhafte Beschreibungen abgegriffen und bemüht klingen. Sätze wie: "Die vom Regen feuchten Straßen eines Pariser Vorortes schimmern matt unter dem gelblichen Licht der Laternen" finden sich zuhauf. Es wird deutlich, dass Party am Abgrund weniger aufgrund großen schriftstellerischen Talents geschrieben wurde, sondern dem dringenden Wunsch entsprang, die eigene Geschichte zu erzählen.

Und diese Geschichte ist es auch, die macht, dass der Schreibstil etwas bleibt, über das hinweggesehen werden muss. Das Buch unbeteiligt aus der Hand zu legen ist so gut wie unmöglich. Mensch möchte wissen, wie es weiter geht und folgt Bettina durch das Auf und Ab ihrer Drogenräusche, die sie manchmal in vollkommene Euphorie versetzen, sie aber auch Opfer von Vergewaltigungen und Diebstählen werden lassen. Die Freetekno-Szene und das damit verbundene Lebensgefühl sind lebendig eingefangen und die Tatsache, dass es sich bei dem Beschriebenen um wirklich Erlebtes handelt, macht die Lektüre von Party am Abgrund umso beeindruckender. Die Autorin beschönigt diesen Lebensabschnitt nicht, hebt aber genauso wenig moralisierend den Zeigefinger. Es fällt leicht, die Anziehungskraft nachzuvollziehen, die Freetekno auf Bettina ausübt. Gleichzeitig sieht mensch aber mit Entsetzen zu, wie die junge Frau sich immer weiter verirrt und geht doch wieder auf Distanz, ist froh, den Rausch nur gelesen zu haben und ihn ohne Nachwirkungen verlassen zu können.

AVIVA-Tipp: Diese autobiographische Schilderung von der Suche nach bedingungsloser Freiheit, die an den Abgrund der Drogensucht führt, hat zwar einige stilistische Schwächen, ist aber inhaltlich faszinierend, verstörend und mitreißend.

Zur Autorin: Bettina Vibhuti Uzler führte ein Aussteigerinnenleben in Europas Technoszene, bevor sie den Sprung zurück in ein geregeltes Leben schaffte. Heute arbeitet sie als Therapeutin in eigener Praxis am Institut für Beziehungsdynamik in Berlin.(Verlagsinformationen)
Weitere Infos unter: www.energetische-paartherapie.de

Bettina Vibhuti Uzler
Party am Abgrund

Eden Books, erschienen im April 2013
288 Seiten
978-3-944296-01-2
12,95 Euro
www.edel.com

Diesen Titel können Sie online bestellen bei FEMBooks


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Buecher > Romane + Belletristik Beitrag vom 27.05.2013 Annika Hüttmann 

   




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