Anna Funder - Alles, was ich bin. Verlosung - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de AVIVA verlost 3 Bücher - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de"> AVIVA verlost 3 Bücher - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de" />
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

DIE FLÜGEL DER MENSCHEN AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Gewinnspiele AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 04.04.2014

Anna Funder - Alles, was ich bin. Verlosung
Doris Hermanns

Ihr Tod war ein Rätsel: Als die deutschen Widerstandskämpferinnen Dora Fabian und Mathilde Wurm 1935 in London tot aufgefunden wurden, schien...AVIVA verlost 3 Bücher



... es ein unerklärlicher Doppel-Selbstmord gewesen zu sein.

Es ist im Wesentlichen die Geschichte von Dora Fabian, die die Autorin, Anwältin und Dokumentarfilmerin Anna Funder auf sehr gekonnte Weise abwechselnd aus der Sicht der beiden Menschen erzählt, die ihr am nächsten standen: ihre Cousine, die Fotografin Ruth Becker, und der Schriftsteller Ernst Toller. Aber es ist auch eine bewegende Geschichte von WiderstandskämpferInnen, die 1933 ins Exil gingen und versuchten, ihren Widerstand gegen den Faschismus von dort aus weiterzuführen.

Kurz vor seinem Selbstmord 1939 notiert Toller Änderungen, die in spätere Ausgaben seines Buches "Eine Jugend in Deutschland" aufgenommen werden sollten. Er hatte erkannt, dass es selbstverherrlichend war und dass er vor allem einen wichtigen Menschen außen vorgelassen hatte: seine ehemalige Sekretärin und Geliebte Dora Fabian: "Doras redaktionelle Spur ist überall im Buch zu finden: die Klarsicht, der Humor. Am Ende unseres Lebens erinnern wir uns am lebhaftesten an jene, die uns geliebt haben, weil sie es sind, die uns geformt haben."

Erst Jahrzehnte später, im Jahr 2001, erhält Ruth Becker, die inzwischen als alte Frau in Sydney lebt, das Buch und die Manuskriptseiten. Diese wecken bei ihr Erinnerungen an ihre Jugend – sie war jüdisch, nicht religiös und weigerte sich, zur Synagoge zu gehen - und ihre Zeit in Deutschland, in der sie politisch aktiv wurde, angeregt von Dora Fabian, vor allem aber an die Zeit nach der Machtergreifung Hitlers 1933, als sie umgehend mit ihrem damaligen Mann und ihrer Cousine ins Exil nach England ging. Nach Erhalt des Manuskripts lebt sie ihren Alltag weiter, "aber in Wahrheit bin ich die ganze Zeit über bei ihnen gewesen. Ich kann mir vorstellen, wie es ist, ein anderer zu sein, bis ich in sie hinein- und wieder aus ihnen herausgleite, bis die Vorstellungskraft wie Erinnerung wirkt. Wie sonst können wir einen Menschen kennen, einen Menschen lieben, wenn wir uns nicht in ihn hineinversetzen?"

Sie erinnert sich an die Zeit in England, in der sie weiterhin politisch aktiv waren, obwohl ihre Aufenthaltsgenehmigung dies ausdrücklich verbot, und dabei große Gefahren auf sich nahmen, um so das Ausland über die Wiederbewaffnung Deutschlands zu informieren.

"Sich in das Leben eines anderen hineinzuversetzen ist ein Akt des Mitgefühls, der absolut heilig ist. Wir entwarfen die Flugblätter, vervielfältigten die Wahrheit. Wir erzählten die Geschichten auf Butterbrotpapier, in Zigarrenbehältern, schmuggelten sie nach Deutschland. Wir riskierten unser Leben, um unseren Mitmenschen – dort und in London – dabei zu helfen, es sich vorzustellen. Sie stellten es sich nicht vor. (…) Es ist nicht so, dass es den Menschen an Phantasie mangelt. Es ist so, dass sie sich deren Gebrauch versagen. Denn wenn man sich einmal solches Leiden vorgestellt hat, wie kann man dann weiterhin nichts tun?"

Es wird deutlich, wie sehr die Faschisten auch in das Leben derjenigen eingegriffen haben, die es ins scheinbar sichere Exil geschafft hatten. Die Drohung von Verrat hing lange in der Luft: "Vielleicht war ich ja paranoid, wie Hans es mir kürzlich gesagt hatte, und mein Gehirn war auf eine Art Ratteninstinkt fürs Überleben geschrumpft, so dass ich überall nur Verrat und Gefahr sah."

Aber Denunziationen spielten sich nicht alleine in Deutschland selber ab, ebensowenig wie Gewalt gegen Andersdenkende. Auch untereinander konnten sie sich nicht alles mitteilen, was sie taten und was sie erfuhren: "Sie sagte mir, sie habe jetzt eine Quelle in den höchsten Kreisen – einen juristischen Berater von Göring, kein Geringerer. Es war eine Schwachstelle in der großen Maschinerie, es war unglaublich. Sie konnte mir natürlich nicht sagen, wer es war, das würde ihn gefährden. Und mich ebenso, wenn sie glaubten, ich wüsste es."

Es ist eine bewegende Geschichte von der Liebe zur Freiheit und vor allem aber auch von Verrat. Die Frage, wieso sie bestimmte Dinge nicht hatte einschätzen, nicht sehen können, beschäftigt Ruth Becker bis an ihr Lebensende.

Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten. Die Autorin Anna Funder lernte als junge Frau die hochbetagte Ruth Blatt kennen, die nach ihrer Exil-Zeit in Shanghai nach Australien emigriert war, und auf deren Lebensgeschichte die Person von Ruth Becker basiert. Es war ihre Absicht, mit diesem Buch eine Gruppe von mutigen, zum großen Teil vergessenen Menschen zu ehren, die sich in den 1930ern den Nazis entgegenstellten. Aber anders als die Gestapo belässt Funder es nicht bei der Einschätzung, dass Dora Fabian und die ehemalige Abgeordnete der SPD Mathilde Wurm, für die diese in Deutschland gearbeitet hatte, Selbstmord begangen haben, sondern stellt die Frage nach den Umständen und nach den Hintergründen – und kommt dabei zu anderen Ergebnissen als das Verfahren damals.

AVIVA-Tipp: Ruth Becker sieht sich in diesem Roman als "ein Gefäß voll Erinnerungen in einer vergesslichen Welt". Es ist Anna Funder zu verdanken, dass die Geschichte von Dora Fabian nicht vergessen wird, die sie auf lebendige Weise erzählt. Nach all diesen Jahren liefert sie zudem eine überzeugende Interpretation für den Tod der beiden Widerstandskämpferinnen.

Zur Autorin: Anna Funder, 1966 in Melbourne geboren, studierte in Melbourne und Berlin. Sie ist Autorin, Anwältin und Dokumentarfilmerin. Für ihr erstes Buch "Stasiland" erhielt sie den Samuel Johnson Award. Ihr Werk ist in 25 Sprachen übersetzt. Sie lebt in Brooklyn.
Anna Funder lernte als junge Frau in Melbourne Ruth Blatt kennen, die eng mit Dora Fabian befreundet war, der Sekretärin des Schriftstellers und Revolutionärs Ernst Toller. In langen Gesprächen vertraute sie Funder die Geschichte ihres Lebens an, die zur Grundlage dieses Romans wurde. "Alles, was ich bin" ist ein internationaler Bestseller, der allein in Australien mit sieben Literaturpreisen ausgezeichnet wurde.
Mehr Infos unter: annafunder.com

Anna Funder
Alles, was ich bin

Originaltitel: All that I am
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke
S. Fischer Verlag, erschienen 2014
Gebunden mit Umschlag, 248 Seiten
ISBN 978-3-10-021511-6
Euro 19,99

Mehr Infos unter:

Anna Funder über die Entstehung ihres Romans "Alles, was ich bin":
www.fischerverlage.de

Interview mit Ruth Blatt:
www.abc.net


AVIVA-Berlin verlost 3 Bücher. Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Königskinder - Erica Fischer mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 30.05.2014 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de




Gewinnspiele Beitrag vom 04.04.2014 Doris Hermanns 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken