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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.05.2015

Anke Stelling - Bodentiefe Fenster. Verlosung
Philippa Schindler

Kein wahres Leben im Falschen: In s├╝ffisant-ironischem Ton nimmt Protagonistin Sandra die durch Heuchelei zersetzten Ideale eines ...AVIVA verlost 1 Buch



... linksliberalen Gemeinschaftshauses im Prenzlauer Berg auseinander.

Bodentief sind die Fenster im selbstverwalteten Gemeinschaftshaus. Und d├╝nn die W├Ąnde. Fast genauso d├╝nn wie Sandras Nervenkost├╝m in den letzten Wochen. Die Protagonistin ÔÇô sie ist vierzig, freiberufliche Journalistin und hat zwei Kinder ÔÇô hat ein Problem. Seit einiger Zeit reift in ihr eine Erkenntnis heran und droht nun jederzeit ├╝berzukochen. Sandra h├Ąlt es hier einfach nicht mehr aus.

Nicht in diesem Haus, das unter den hohen ├Âkologischen Standards und Plena-Ordnungen ebenso ├Ątzt, wie unter den Idealen der 68er Generation. Nicht mit diesen Menschen. Denen in ihrer spie├čb├╝rgerlichen Genauigkeit und ihrem permanenten Zwang zur Selbstoptimierung kein Gras gr├╝n genug ist. Nicht einmal das der Nachbar_innen. Und schlie├člich h├Ąlt es Sandra nicht mehr mit den M├╝ttern aus, die ihre Kinder zum Projekt erheben, oder besser: ihre eigene Unsicherheit mit dem genauen Befolgen von p├Ądagogischen Ratgebern kaschieren. Anstatt einfach mal loszuheilen.

"My Mother / My Self"

Protagonistin Sandra tut dies h├Ąufig. Wenn alle beruhigenden Mantren nichts mehr bringen, wenn sich die Entt├Ąuschung ├╝ber die verratenen Kinderladen-Ideale ihrer Mutter zu einer Depression auswachsen. Wenn im Plenum dar├╝ber diskutiert wird, dass ein Baumhaus niemals spontan, sondern nur mit Vorank├╝ndigung im Treppenhaus gebaut werden darf. Wenn eine Mutter ihr Kind im Garten des Gemeinschaftshauses wutentbrannt mit dem Strahl einer Ketchup-Flasche beschie├čt und dann schreit: "Jetzt bist du tot."

Wider das System

Doch die Zerbrechlichkeit, die Sandra zu Beginn des Romans ausstrahlt, t├Ąuscht. Immerhin ist sie in Anke Stellings drittem Roman, "Bodentiefe Fenster", die trotzige Widersacherin, die St├Ârenfrida im von Heuchelei und Neid zersetzten System der Hausgemeinschaft. Mit zur Pedanterie neigenden Beobachtungssch├Ąrfe beschreibt sie ein Milieu, das Soziolog_innen und Marktforscher_innen bestens unter dem Begriff Lifestyle of Health and Sustainability bekannt sein d├╝rfte.

Und das ist ÔÇô zumindest in Anke Stellings Roman ÔÇô oft genug zum Schreien absurd. Zum Beispiel wenn bei Bionade und Zimtwecken dar├╝ber philosophiert wird, dass Neurodermitis bei Kindern ein eindeutiges Zeichen f├╝r ihr verst├Ąrktes Bed├╝rfnis nach Grenzen sei ("Haut, Grenze, du wei├čt schon"). Oder im Haus endlos lange dar├╝ber debattiert wird, wie Sahne bei Tiefdruckwetter steif zu schlagen ist. In Anke Stellings Roman sind es gerade diese Momente, die "Bodentiefe Fenster" in all seiner Tristesse so am├╝sant macht. Und wer wei├č, vielleicht erwischen wir uns hin und wieder sogar bei einem Schmunzeln, das mehr ist als nur s├╝ffisantes Grinsen.

AVIVA-Tipp: Ein bisschen Berliner Schnauze, eine schlecht gelaunte St├Ârenfrida und ein paar entt├Ąuschte Hoffnungen: In ihrem dritten Roman nimmt die Berliner Autorin Anke Stelling eine linksliberale Hausgemeinschaft im Prenzlauer Berg aufs Korn. Schnell wird klar: Die Kritik sitzt, auch wenn das Bild manchmal etwas ├╝berzeichnet ist.

Zur Autorin: Anke Stelling, 1971 in Ulm geboren, absolvierte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2004 wurde ihr gemeinsam mit Robby Dannenberg verfasster Roman "Gisela" und die Erz├Ąhlung "Gl├╝ckliche F├╝gung" verfilmt. Weitere Ver├Âffentlichungen: "Nimm mich mit" (2002, gemeinsam mit Robby Dannenberg), "Gl├╝ckliche F├╝gung" (2004) und "Horchen" (2010).
(Quelle: Verbrecher Verlag)
Website der Autorin: www.ankestelling.de

Anke Stelling
Bodentiefe Fenster

Verbrecher Verlag, erschienen im M├Ąrz 2015
Hardcover, 256 Seiten
ISBN: 978-3-95732-081-0
19,00 Euro
www.verbrecherverlag.de


AVIVA-Berlin verlost 1 Buch. Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Gl├╝ckliche F├╝gung, ein Film von Isabelle Stever nach dem Roman von Anke Stelling mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 30.07.2015 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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