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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.04.2016

Sarah Moss - Wo Licht ist. Verlosung
Helga Egetenmeier

Als die Suffragetten in England den Kampf um Gleichberechtigung aufnahmen, hatten mutige Frauen den Weg für Veränderungen bereits vorbereitet. Um den Beginn der Frauenbewegung im viktorianischen...AVIVA verlost 3 Bücher



...Zeitalter kreiert Sarah Moss ihre Coming-of-age-Geschichte der späteren Dr. Ally Moberley, die von ihrer sich in Frauenhäusern engagierenden Mutter als eine der ersten Frauen bis zum Studium der Medizin geführt wird.

Im Manchester der 1860er Jahre beginnend, verbindet die Autorin die Familien- und Lebensgeschichte der jungen Ally Moberley mit unterschiedlichen viktorianischen Milieus. Dabei gehen schon bei den Eltern, die im Bürgertum angesiedelt sind, die Wege auseinander. Der Vater, Alfred, gezeichnet als liebevoller, freiheitlich denkender Maler, ist der emotionale Gegenpart zu Mutter Elizabeth, die eine strenge christlich-evangelikale Sozialisation erfuhr und diese puritanische Erziehung an ihre beiden Töchter weitergibt.

"´Es ist Zeit, dass ihr zur Schule geht´, sagt Mama. ´Dort wird euch beigebracht, was ihr lernen müsst, um als Frauen unabhängig und von Nutzen zu sein.´" Mit diesen Worten verlangt die Mutter von Ally und May in die neugegründete Schule für Mädchen zu gehen. Mit Weitsicht reagieren die Eltern dabei auf den historischen Umbruch durch die fortschreitende Industrialisierung und die sich für Frauen öffnenden Bildungs- und Berufsmöglichkeiten. Gleichzeitig haben sie als fürsorgende Eltern aber auch - außer einer guten Verheiratung - keine Alternative für ihre Töchter, da sie ihnen als Angehörige des weniger wohlhabenden Bürgertums keine unbeschwerte Zukunft vererben könnten.

Durch die Wohlfahrtstätigkeit der Mutter führt Sarah Moss die drastischen Lebensbedingungen proletarischer Frauen während der beginnenden Industrialisierung in England mit denen des Bürgertums zusammen. Die Mutter nimmt beide Töchtern bereits in jungen Jahren mit zu den Frauenhäusern von Manchester. Sie erklärt ihnen auch die Auswirkungen der in diese Zeit fallenden Gesetze über die Zwangsuntersuchung von Prostituierten (1864 - 1869), die Contagious Diseases Acts, aus deren Gegnerinnen sich die Suffragetten entwickelten.

In diese turbulente Zeit, in deren Verlauf Ally zum Medizinstudium nach London geht, gehört historisch auch der UK Medical Act von 1876. Dieser "allowed all British medical authorities to license all qualified applicants whatever their gender". Dieser Gesetzesänderung vorangegangen war im Jahr 1874 die Gründung der London School of Medicine for Women, die als erste medizinische Universität Englands Frauen unterrichtete. Motiviert durch das neue Gesetz, erreichte diese Schule im Jahr 1877 ein Übereinkommen mit dem Royal Free Hospital, das weiblichen Studentinnen erstmals erlaubte, in England ihr Medizinstudium offiziell abzuschließen.

Sarah Moss verbindet ihre Motive zwischen Fiktion und historischen Entwicklungen, zwischen den ausgebeuteten Verliererinnen der sich entwickelnden Industrialisierung und der aus dem kritischen Bürgertum aufkommenden Frauenbewegung, leidenschaftlich und dennoch unaufdringlich. Inhaltlich nähert sie sich dabei der damals entstandenen Pauperismusliteratur, deren VertreterInnen, wie etwa Charlotte Bronte (1816 - 1855) und Elizabeth Gaskell (1810 - 1865), Verarmung und soziale Abhängigkeit thematisierten.

Wie bereits in ihren vorherigen Romanen, entfaltet die Autorin eine intensive weibliche Gefühlswelt, die durch ihre Beschreibung der Verfügungsgewalt der Mutter gegenüber der Tochter, wie auch der Aussichtslosigkeit weiblicher Lebensentwürfe, durchaus Gruselcharakter hat. Jedoch lässt sie auch Lichtblicke zu, denn trotz aller Zwänge wächst ihre Protagonistin zu einer kraftvollen jungen Frau heran.

Mit "Ja. Sie ist glücklich; sie freut sich auf morgen." entlässt die Autorin ihre Protagonistin in eine scheinbar freundlichere und freiere Zukunft. Wie ihr Leben weitergeht, wird die Fortsetzung der Lebensgeschichte von Dr. Alethea Moberley Cavendish zeigen, die bereits 2015 sehr erfolgreich in Großbritannien unter dem Titel "Signs for Lost Children" erschienen ist.

Zum Schluss bleibt die Frage, wieso dieser Titel? Für ihren Roman "Schlaflos", führt der permanente Gefühlszustand einer Mutter mit zwei kleinen Kindern zum Titel und in "Sommerhelle Nächte" reflektiert die Autorin ihre Zeit auf Island. Bei "Wo Licht ist" hilft nur ein Blick auf den Originaltitel "Bodies of Light", der an Judith Butlers "Bodies that Matter" ("Körper von Gewicht") erinnert. Der Körper als gesellschaftlich definierter Träger von Weiblichkeit ist für Ally der Ort von Bestrafungen wie etwa Disziplinierungen und dient als Begründung für die Benachteiligung von Frauen. Als angehende Ärztin verhilft ihr das Wissen um die weibliche Anatomie zu mehr persönlicher Freiheit, so wie diese Kenntnisse der Frauenbewegung halfen - und immer noch helfen müssen - sich gegen absurde Argumente der Unterdrückung zu wehren.

AVIVA-Tipp: Auch wenn sie strenge Charaktere und aufwühlende Lebensbedingungen zeichnet, bleibt Sarah Moss eine liebevolle und leidenschaftliche Mutter ihrer Figuren. Den Blick auf die sich in Bewegung befindlichen Geschlechterverhältnisse verknüpft sie mit der Dramaturgie einer klassisch erzählten und abwechslungsreich voranschreitenden Geschichte. Und trotz aller Aufbruchsstimmung, auf die der Inhalt langsam zusteuert, ist Sarah Moss damit ihr bisher düsterster Roman gelungen, der zeigt, welch große literarischen Fähigkeiten in ihr stecken.

Zur Autorin: Sarah Moss, 1975 in Glasgow geboren und in Manchester aufgewachsen, studierte und promovierte in Oxford und arbeitet als Associate Professor für Creative Writing an der Universität von Warwick. Sie schreibt neben der Lehrtätigkeit Romane und Sachbücher und lebt mit ihrer Familie. Den Übergang von der Wissenschaftlerin zur Mutter verarbeitete sie in "Schlaflos", über ihren Aufenthalt in Island an der Universität Reykjavik schrieb sie "Sommerhelle Nächte". Mit "Bodies of Light" kam sie auf die Shortlist 2015 des Wellcome Book Prize. Ihr Nachfolgebuch "Signs for Lost Children" ist 2015 bereits in Großbritannien erschienen und kam auch in die engere Wahl für den Wellcome Book Prize 2016.
Mehr Infos unter: www.sarahmoss.org

Zur Übersetzerin: Nicole Seifert, geboren 1972, studierte nach einer Ausbildung im S. Fischer Verlag Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften und Amerikanistik in Berlin. Seit ihrer Promotion lebt sie als freie Lektorin und Übersetzerin in Hamburg.

Sarah Moss
Wo Licht ist

Originaltitel: Bodies of Light
Übersetzerin: Nicole Seifert
Mare, erschienen September 2015
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 336 Seiten
ISBN-13: 978-3-86648-233-3
22,-- Euro
www.mare.de

Weitere Infos unter:
Interview mit Sarah Moss über Schreiben, Muttersein, Feminismus und zu "Bodies of Light" auf Granta Books


AVIVA-Berlin verlost 3 Bücher. Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Sarah Moss - Schlaflos mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 10.07.2016 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Sarah Moss - Schlaflos. Mit dieser Ich-Erzählerin führt die Autorin Sarah Moss, wie ihre Protagonistin selbst Wissenschaftlerin, die LeserInnen in eine stürmische Geschichte um Kindererziehung und Geschlechterverhältnisse während eines Sommers auf einer rauen schottischen Insel." (2013)

"Die Suffragetten". Herausgegeben von Antonia Meiners. Vor fast 100 Jahren haben sich die Suffragetten, wie sie despektierlich genannt wurden, aufgelehnt gegen unwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen. Sie forderten für alle Frauen das uneingeschränkte Wahlrecht, sie wurden dafür verspottet, gedemütigt und verhaftet. Diese Frauen hatten Mut, Kampfgeist und eine klare Vorstellung von nicht verhandelbaren Werten. Das macht ihr Handeln so aktuell. (2016)


"Suffragette. Taten statt Worte." In ihrer Radikalisierung riskierten sie, alles zu verlieren – ihre Arbeit, ihr Heim, ihre Kinder und ihr Leben. Maud war eine dieser mutigen Frauen. Der Film um die "Women´s Social and Political Union" erzählt die Geschichte des Kampfes um Würde und Selbstbestimmung. (2016)

Sophie Rois liest Jane Eyre Die Diva der Volksbühne gibt Charlotte Brontë eine moderne Stimme und ist damit ein Glücksfall für den eindrücklichen Roman der außerordentlich begabten Pastorentochter. (2006)




Gewinnspiele Beitrag vom 13.04.2016 Helga Egetenmeier 

   




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