Jutta Limbach - Wahre Hyänen. Pauline Staegemann und ihr Kampf um die politische Macht der Frauen. Verlosung - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 04.09.2016

Jutta Limbach - Wahre Hyänen. Pauline Staegemann und ihr Kampf um die politische Macht der Frauen. Verlosung
Yvonne de Andrés

Oft wurde die ehemalige Berliner Justizsenatorin und erste Frau an der Spitze des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach in ihrem Berufsleben nach Vorbildern gefragt. Eines war ihre Urgroßmutter, das ehemalige Dienstmädchen Pauline Staegemann. AVIVA verlost 2 Bücher



Deren Devise lautete: "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt."

Das nun im Juni 2016 erschienene Buch ist eine Spurensuche der Urenkelin, in der sie an ihre Urgroßmutter Pauline Staegemann, geb. Schuck (1838-1909) erinnert, die kam als junges Landmädchen aus dem Oderbruch nach Berlin kam. Sie arbeitete als Dienstmädchen, heiratete, und bekam vier Kinder, darunter die spätere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Elfriede Ryneck. 1873 gehörte sie zu den Gründerinnen des ersten Berliner Arbeiterfrauen- und Mädchenvereins. Dieser Verein, der heute als erste sozialdemokratisch orientierte Frauenorganisation gilt, wollte soziale Ungerechtigkeiten überwinden. Das war zu einer Zeit, in der politische Betätigung von Frauen verboten war, revolutionär und sehr mutig. Als Witwe wohnte Pauline Staegemann in Friedrichshain. In der Landsberger Allee führte sie ein Geschäft, einen Gemüsekeller, der zum Treffpunkt von Sozialdemokrat_innen wurde. Dazu schreibt Jutta Limbach: "Sie war eine Frau der Tat und nicht der Theorie. Ihr Einsatzort war nicht der Schreibtisch, sondern ein Gemüsekeller in Berlin. Das war ein Treffpunkt und Ort, an dem sich Arbeiterfrauen, Dienstmädchen und Fabrikarbeiterinnen informieren konnten. Zu Zeiten des Sozialistengesetzes trafen sich dort auch gern Sozialdemokraten."

Von 1885 bis 1887 war Pauline Staegemann im Vorstand des "Vereins zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen" zusammen mit Emma Ihrer und Gertrude Guillaume-Schack. Diesem Verein durften laut Satzung nur "Frauen und Mädchen" angehören, Männer waren von seinen Versammlungen ausgeschlossen. Ziel des Vereins war die Anhebung der Löhne, die gegenseitige Unterstützung bei Lohnstreitigkeiten, Bildungsarbeit durch wissenschaftliche Vorträge und die Einrichtung einer Bibliothek. Hinzu kam die Förderung sozialer Kontakte zwischen den Frauen durch gesellige Zusammenkünfte sowie die Errichtung einer Arbeitsvermittlung.

Pauline Staegemann wurde wegen ihres Engagements oft verfolgt und mehrfach inhaftiert. 1879 wurde sie im berüchtigten Frauengefängnis Barnimstraße interniert. Sie ließ sich davon aber nicht entmutigen oder gar mundtot machen. Eine letzte erfolgreiche Aktion an der sie beteiligt war, war 1885 die an den Reichstag gerichtete Petition, die den Nähgarneinkauf der Mantelnäherinnen betraf. Diese wurden gezwungen, Nähgarn zu überhöhten Preisen einkaufen. Durch den Streik der Konfektionsarbeiterinnen wurde die Politik zum Handeln gezwungen und eine Änderung des § 115 der Gewerbeordnung des Deutschen Reiches erreicht. Die Austeilung von Arbeitsmaterial durch den Unternehmer durfte von da an nur noch zu ortsüblichen und nicht zu überhöhten Preisen erfolgen.

Pauline Staegemann und ihre Mitstreiterinnen legten die Fundamente für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen und politischen Geschehen. So erlangten Frauen in Deutschland am 30. November 1918 mit der "Verordnung über Wahlen zur Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz)" aktives und passives Wahlrecht.

Ein bewegendes Buch über eine couragierte Frau, verfasst von ihrer ebenfalls engagierten Urenkelin Jutta Limbach, die ihre Urgroßmutter nicht persönlich kennen gelernt hat. Der Anlass, diese Biographie zu verfassen, waren der nach Pauline-Staegemann gestiftete Preis der ASF-Brandenburg und die Straßenumbenennung der am ehemaligen Berliner-Frauengefängnis vorbeiführende Straße in Pauline-Staegemann-Straße.

AVIVA-Tipp: Durch die Veröffentlichung ihrer Biographie dankt Jutta Limbach ihrer Urgroßmutter für ihren politischen Kampf für die Rechte der Frauen. Sie stellt daher keine persönlich-biographische Erinnerung, sondern politische Rückschau über den mutigen politischen Weg der Pauline Staegemann dar. Dabei fließen auch aktuelle Bezüge mit ein. Jutta Limbach schreibt dazu: "Wenn ich glaubte, als ununterbrochen berufstätige, in ambulanter Ehe lebende Mutter von drei Kindern an der Grenze meiner Belastbarkeit entlang zu schrammen, genügte mir ein Rückblick auf diese tatkräftige Frau, um mich ob meines Kleinmuts zu schämen und neuen Antrieb zu gewinnen."

Zur Autorin: Jutta Limbach geboren 1934, hat Rechtswissenschaften studiert, war Professorin an der Freien Universität Berlin und von 1989 bis 1994 Senatorin für Justiz in Berlin. 1994 bis 2002 wurde sie Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts. 1992 hat sie gemeinsam mit Dr. Christine Bergmann, Sibyll Klotz und Carola v. Braun den Verein "Die überparteiliche Fraueninitiative Berlin - Stadt der Frauen" gegründet. Von 2002 bis 2008 war sie Präsidentin des Goethe-Instituts. Seit 2003 ist sie Vorsitzende der "Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz", auch Limbach-Kommission genannt. Prof. Dr.Jutta Limbach ist Mitglied der SPD und in vielen Stiftungen und Vereinen ehrenamtlich aktiv.
Schon lange plädiert sie für die Quote: "Endlich Halbe/Halbe! Frauen haben in der Demokratie ein selbstverständliches Anrecht auf Teilhabe an politischer und wirtschaftlicher Macht. Erst wenn das Ziel erreicht ist, sind wir in Deutschland in guter Verfassung."

Jutta Limbach
Wahre Hyänen. Pauline Staegemann und ihr Kampf um die politische Macht der Frauen

Klappbroschur, 120 Seiten
18,00 Euro [D]
Dietz Verlag, erschienen am 20. Juni 2016
ISBN: 978-3-8012-0480-8
Mehr Infos zum Buch unter: dietz-verlag.de


AVIVA-Berlin verlost 2 Bücher. Bitte senden Sie uns dazu den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Die Suffragetten. Sie wollten wählen - und wurden ausgelacht. Herausgegeben von Antonia Meiners mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 10.11.2016 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


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Gewinnspiele Beitrag vom 04.09.2016 Yvonne de Andrés 

   




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