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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.01.2009

Die Perlmutterfarbe. Verlosung
Kristina Tencic

Die Verfilmung des Romans von Anna Maria Jokl im Kino. AVIVA-Berlin verlost 2 Fanpakete bestehend aus 1 suhrkamp taschenbuch, 1x2 Freikarten, 1 Tattoo und 1 Malkasten



Er spielt 1931 in Deutschland, wo sich das Unheil bereits abzeichnet und sp├╝rbar in der Luft liegt.

Alexander ist ein ganz normaler Junge aus einer bayrischen Kleinstadt. Nach der Schule trifft er sich h├Ąufig mit seinen Freunden, rauft sich mit der Parallelklasse, schw├Ąrmt f├╝r eine Mitsch├╝lerin und tr├Ąumt von der Begegnung mit seinem Vater, dem Schiffskoch. Er kennt ihn nur aus Erz├Ąhlungen seiner Mutter, die sagt, er sei verschollen.

Bei den Vorbereitungen zu einem Malwettbewerb, den er unbedingt f├╝r seinen Schwarm gewinnen m├Âchte, ger├Ąt die neueste Erfindung seines Freundes Maulwurf, dem T├╝ftler und Erfinder, in seine Tasche: Die Perlmutterfarbe. Gibt man diese Farbe auf Papier, strahlt und leuchtet sie in brillantem Wei├č, ganz so wie Eiskristalle.
Von einem Jungen aus der B-Klasse leiht sich Alexander ein wertvolles Buch von dessen Vater mit dem Titel "Wir sind alle Menschen" , aus dem er etwas abpausen m├Âchte. Aus Versehen l├Ąuft die Perlmutterfarbe auf das Buch und Alexander wirft es aus Affekt in die Ofenflammen. Ein Spiel aus L├╝gen und Intrigen beginnt. Der Junge ger├Ąt in einen gef├Ąhrlichen Strudel aus Unwahrheit und Verdacht, der in die Gr├╝ndung einer Bande unter Anf├╝hrung des Klassen├Ąltesten m├╝ndet. Die Parallelklasse wird unter der Parole "Der Freund von meinem Feind ist Feind!" bekriegt und das Kinderspiel beginnt einen bitteren Geschmack zu entwickeln. Alexander wird zum unfreiwilligen Verb├╝ndeten, der nicht den Mut aufbringt, sich seinen Fehlern zu stellen.

Die Eskalation von Spielsituationen hat man unl├Ąngst in dem Film "Die Welle" beobachten k├Ânnen, aber auch in "Das Experiment" (2001) werden ├Ąhnlich gelagerte gruppendynamische Prozesse aufgezeigt. Aktuell wird in den Medien aufgrund der Rezession viel Bezug zu den Vorg├Ąngen in den 1930iger Jahren genommen. Leichtfertig werden dabei unbedachte Parallelen gezogen, die jedoch hoffentlich einen vern├╝nftigen Diskurs ansto├čen.

Der Film "Die Perlmutterfarbe" ist nicht nur eine Geschichte ├╝ber Bandentum und L├╝gen, sondern viel allgemeiner l├Ąsst uns der Regisseur eintauchen in die Sogwirkung und die Entstehung totalit├Ąrer Ordnungen. Dies geschieht vor dem Hintergrund des Mikrokosmos der bayrischen Schule im Jahre 1931, was - nebenbei gesagt - auch ├Ąu├čerst authentisch durch den Dialekt der JungschauspielerInnen wiedergegeben wird.

In diesem kleinen Rahmen wird die unheilvolle Zukunft bereits erf├╝hlbar, selbst unter den Kindern breitet sich die bedrohliche Atmosph├Ąre, aber auch zugleich die mystische Anziehungskraft in ihrer vollen Wirkung aus. Die Verbrennung des Buches "Wir sind alle Menschen" wird zum symbolischen Akt der nachfolgenden Schreckensereignisse.



Die Vorlage des Drehbuches ist der Roman "Die Perlmutterfarbe" von Anna Maria Jokl. Diese umging zwar in ihrem Werk jegliche zeitliche Festlegung, doch aus ihrer Biografie l├Ąsst sich erschlie├čen, auf welches Zeitalter sie Bezug nimmt.
Das Manuskript schrieb die J├╝din Jokl, nach ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland, bereits 1937 in Prag, also in weiser Voraussicht, welche Grausamkeiten in den Nachfolgejahren auf Europa zukommen w├╝rden. Nur durch einen Gl├╝cksfall konnte das Manuskript gerettet und ver├Âffentlicht werden. Doch das Drama hatte damit noch nicht sein Ende gefunden: 1950 zog Jokl in die DDR, um den Roman zu verfilmen, aber das Projekt wurde abgelehnt und die weitere Verbreitung der "Perlmutterfarbe" gestoppt. Somit stie├č dieses Buch nicht nur im NS-Regime auf taube Ohren, sondern zeigt auch das Unrecht in der DDR-Diktatur auf. Jokl ist 1965 nach Jerusalem ausgewandert, wo sie 2001 starb. Erst in den 1990iger Jahren wurde das Buch in Deutschland erneut publiziert und wird mit der jetzigen Verfilmung nun hoffentlich die wohlverdiente Anerkennung finden.
AVIVA-Tipp: Mit viel Liebe zum Detail erz├Ąhlt der Regisseur Rosenm├╝ller die Parabel des Totalitarismus und wird dabei vollkommen dem Untertitel zu Jokls Vorlage "Ein Kinderroman f├╝r fast alle Leute" gerecht.

Zum Regisseur: Marcus H. Rosenm├╝ller wurde 1973 geboren und studierte Film/Fernsehspiel in M├╝nchen, wo er w├Ąhrenddessen seine ersten Kurzfilme drehte. "Wer fr├╝her stirbt, ist l├Ąnger tot" (2006) ist sein Debutfilm, der unvorhergesehene Erfolge erzielte, vielfach ausgezeichnet wurde und 1,8 Mio. BesucherInnen z├Ąhlte. Es folgten einige Kinofilme, wie etwa "Beste Zeit" oder "R├Ąuber Kneissl". Allen seinen Filmen ist der Drehort Bayern gemein. "Die Perlmutterfarbe" ist das dritte Drehbuch, das er zusammen mit Christian Lerch geschrieben hat.



AVIVA-Berlin verlost 2 Fanpakete bestehend aus: 1 suhrkamp taschenbuch, 1x2 Freikarten, 1 Tattoo und 1 Malkasten . Bitte schreiben Sie uns, wann und wo Anna Maria Jokl den Roman "Die Perlmutterfarbe" schrieb und senden uns bis zum 31.01.2009 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiele@aviva-berlin.de



Die Perlmutterfarbe
Deutschland 2008
Regie: Marcus H. Rosenm├╝ller
Drehbuch: Marcus H. Rosenm├╝ller und Christian Lerch nach dem Roman von Anna Maria Jokl
Darstellerinnen: Markus Krojer, Dominik Nowak, Zoe Mannhardt, Benedikt H├Âsl u.a.
FSK: ohne Angabe
Kinostart: 08.01.2009
www.perlmutterfarbe.film.de

Gewinnspiele Beitrag vom 06.01.2009 Kristina Tencic 

   




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