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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 10.03.2010

Alle Anderen - Verlosung zum DVD-Start
Anna Opel

Schonungslos nah zeigt der zweite Film der Regisseurin Maren Ade ein modernes Liebespaar beim schwierigen Balanceakt zwischen Hingabe und...AVIVA verlost 3 DVDs



...Selbstbehauptung. Birgit Minichmayr erhielt den Silbernen B├Ąren f├╝r ihr exzellentes Spiel.

Liebe ÔÇô jenseits von Rollen

Dieser Film bannt durch seine differenzierte und immer fragende Darstellung einer Liebesbeziehung, in der beide Partner Liebe jenseits aller Rollenklischees suchen. Gitti (Birgit Minichmayr) gesteht Chris (Lars Eidinger) im gemeinsamen Urlaub immer wieder unpr├Ątenti├Âs, scheu, ehrlich ihre Liebe. Sie braucht eine Antwort, bekommt sie aber nicht ÔÇô bis zum Blackout, der in einem Moment gr├Â├čter Spannung den Film beendet.
Beide Liebende sind dominant und nachgiebig, doch Gitti ist Chris in ihrer Klarheit und ihrem Selbstbewusstsein ├╝berlegen. Die Spannung zwischen den beiden ist trotz sommerlicher Hitze und leichter Bekleidung nicht grob sexualisiert. Er grabbelt sie nicht an, sie bezirzt ihn nicht, konfrontiert ihn nicht mit ihrer Entt├Ąuschung, ihren Erwartungen. Keine gegenseitigen Besitzanspr├╝che, stattdessen Spiel, leichtf├╝├čige Zitate, ernste Gespr├Ąche. Die Zuschauerin ist mittendrin, w├Ąhrend die beiden versuchen, sich kennen zu lernen und die Regeln und Rahmen eines m├Âglichen Miteinander ausloten.

Alles neu ÔÇô und doch bekannt

Unter der klugen und bed├Ąchtigen Regie Maren Ades wird der Abstand zwischen Individuum und Rolle fast sichtbar. Beide Spieler zeigen sich in einzelnen Momenten r├╝ckhaltlos offen dem Gegen├╝ber, auch uns, dem Publikum. Die Grenzen zwischen Rolle und DarstellerIn werden thematisiert und gleichzeitig verwischt. Das beobachten zu k├Ânnen, ist in der emotionalen Intensit├Ąt schlicht umwerfend.
Erschreckend, die un├╝berbr├╝ckbare Distanz zwischen zwei Personen, f├╝r die Liebe allenfalls eine wackelige Br├╝cke sein kann. Erschreckend auch, wie sich, trotz aller Reflexion und Bewusstheit, das Bild von der hingebungsvoll liebenden Frau und dem nach au├čen indifferenten m├Ąnnlichen Part wieder einstellt.

Die anderen als Katalysatoren

Ohne sich auf eine Handlung oder einen Plot zu st├╝tzen, gelingt der jungen Regisseurin Maren Ade das authentische Bild eines Paares aus der Kreativbranche. Das fragile Gleichgewicht zwischen den beiden ger├Ąt ins Wanken, als Chris einem ehemaligen Studienkollegen begegnet, der inzwischen Karriere gemacht hat. Der selbstgewisse Hans (Hans-Jochen Wagner) und seine, sich in ihrer Rolle als werdende Mutter pudelwohl f├╝hlende Sana (Nicole Marischka), bieten sich als Zerrspiegel und Katalysatoren der eigenen Identit├Ątsthematik bestens an.

W├Ąhrend Gitti und Chris sich selbst und einander noch tastend suchen, haben Hans und Sana das Format ihres Beziehungslebens im st├Ąndigen ironischen Rekurs auf traditionelle Rollen gefunden und grinsen aus ihren Schablonen heraus. Da k├Ânnen seine st├Ąndigen machohafte Bemerkungen ├╝ber Kochk├╝nste ihrerseits gro├čz├╝gig weggekichert werden und jeder wei├č allzu genau, wo er steht.
W├Ąhrend die selbstbewusste Gitti Hans┬┤ g├Ânnerhaften Bemerkungen gegen├╝ber ihrem Freund kritisiert, f├╝hlt Chris sich von dessen Selbstbewusstsein angestachelt, Selbstzweifel endlich ├╝ber Bord zu werfen und distanziert sich von Gitti. Sie versucht, sich an die neue Marschroute anzupassen und ├╝berfordert sich dabei. Zwischen den Liebenden ger├Ąt einiges gef├Ąhrlich ins Rutschen.

Offensives Fragen

Der Schluss bleibt offen, Maren Ade l├Ąsst vieles ungesagt und unentschieden. Auch darin beweist sie Klugheit und eine sympathische Komplizenschaft mit ihrem Publikum. Sie wei├č auch nicht mehr. Aber sie erz├Ąhlt eine offensiv fragende und anr├╝hrende moderne Liebesgeschichte. Der zum Niederknien nostalgische und dankenswerterweise v├Âllig unironisch eingesetzte Soundtrack (Cat Stevens! Herbert Gr├Ânemeyer!) spielt die dritte Hauptrolle.

AVIVA-Tipp: "Alle Anderen" ist stark in den glasklaren Dialogen, wie in den Szenen, in denen Ungesagtes zwischen den ProtagonistInnen vibriert. Die gro├če N├Ąhe zu den beiden HauptdarstellerInnen macht den Film zum ├╝berw├Ąltigend subtilen Portr├Ąt einer Generation, die ├╝berholte Rollenbilder reflektiert und ├╝berwiegend ablehnt. Das bleibt mutig und aufregend, weil sie offenkundig (noch?) keinen Ersatz an der Hand hat.

Der Film sowie Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr wurden auf der Berlinale 2009 mit zwei Silbernen B├Ąren ausgezeichnet und auf dem Buenos Aires Filmfestival mit dem FIPRESCI KritikerInnenpreis sowie dem Preis f├╝r die Beste Regie geehrt.


AVIVA-Berlin verlost 3 DVDs mit bislang unver├Âffentlichtem Bonusmaterial. Bitte nennen Sie uns einen weiteren Film mit Schauspielerin Birgit Minichmayr und senden den Titel bis zum 15.04.2010 an folgende Emailadresse: info@aviva-berlin.de


Alle Anderen
Label: Prokino
Bild: 1,85:1 ÔÇô 16:9 anamorph
Tonformat: DD 5.1
Sprache: Deutsch
Untertitel: Deutsch f├╝r H├Ârgesch├Ądigte
Anzahl Disks: 1
V├ľ: 11. M├Ąrz 2010
Gesamtspieldauer: 119 Minuten, ca. 50 Minuten Extras
FSK: 12


Gewinnspiele Beitrag vom 10.03.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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