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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.05.2010

Das Fischkind auf DVD - Verlosung
Claire Horst

Von dieser Regisseurin erwartet man eigentlich eine werkgetreue Umsetzung des Stoffes, denn Lucia Puenzo ist auch die Autorin der ...AVIVA-Berlin verlost 2 DVDs



... gleichnamigen Romanvorlage. Doch anders als das Buch folgt der Film zumindest technisch recht konventionellen Mustern.

Der Roman "Das Fischkind" erzÀhlt von der Liebe einer jungen Argentinierin aus reichem Haus zu ihrem HausmÀdchen.

Das Besondere daran: ErzĂ€hler der Geschichte ist Serafin, ein hĂ€sslicher und zynischer Straßenköter. Im Film wird der Köter Serafin zu einem liebenswerten und kuschelig anzusehenden Hund - von der vorgegebenen ErzĂ€hlperspektive hat sich Puenzo in ihrem Film verabschiedet. Statt auf eine surreale und teils höchst brutale Handlung setzt sie nun auf ZeitsprĂŒnge als erzĂ€hlerisches Mittel. Damit ist der Film leichter verdaulich als der Roman, obwohl es eine Weile braucht, bis man sich in die Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit hineingefunden hat.

Lala (InĂ©s Efron, bekannt aus Puenzos Erstling "XXY") ist seit frĂŒhester Jugend in das paraguayische HausmĂ€dchen Ailin (Mariela Vitale) verliebt. In der Familie heißt Ailin nur "La Guayi" - eine Indigena braucht keinen eigenen Namen, so scheint es. Von ihrem Arbeitgeber, einem Juristen, Autoren und Vater von Lala, wird Ailin systematisch vergewaltigt und als leicht zu lenkende Geliebte missbraucht. Ihre Beziehung zu Lala muss sie geheim halten. NĂ€her kommen können die jungen Frauen sich nur, wenn Ailin nicht gerade GĂ€ste bedient oder die KĂŒche putzt.

Gemeinsam planen sie deshalb eine neue Zukunft: Nach Paraguay wollen sie gehen, ein Haus kaufen, unabhĂ€ngig sein. Mit dem Diebstahl von GemĂ€lden, Schmuck und anderen GegenstĂ€nden aus dem reichen Elternhaus sparen sie fĂŒr diesen Plan. Doch es kommt natĂŒrlich anders. Die Vor- und RĂŒckblenden verraten der Zuschauerin von Anfang an, dass etwas schiefgelaufen ist: Im Bus nach Paraguay sitzt kein glĂŒckliches Paar, sondern Lala alleine. In Ailins Heimatort trifft sie auf deren Vater und kommt langsam hinter die geheimnisvolle Geschichte ihrer Freundin. Was es mit dem Fischkind auf sich hat und warum Ailin bereits mit 13 Jahren in Buenos Aires als HausmĂ€dchen anfing, stellt sich erst hier heraus. Grauenhafte Erfahrungen sind es, die Ailin gemacht hat. Anders als in der Romanvorlage werden diese jedoch nicht drastisch erzĂ€hlt - die Betroffenheit der Protagonistinnen Ă€ußert sich vor allem im leisen TrĂ€nenvergießen.

Das Drama spitzt sich zu, als Lalas Vater ermordet wird. Unter Verdacht steht sofort das HausmĂ€dchen. Statt im eigenen Haus in Paraguay landet sie im Jugendknast. Puenzo hĂ€lt die Spannung dadurch, dass sie Informationen nur StĂŒck fĂŒr StĂŒck preisgibt. Ganze HandlungsstrĂ€nge erklĂ€ren sich erst im Nachhinein, wenn die nĂ€chste RĂŒckschau den Hintergrund beleuchtet.

Die Autorin und Regisseurin hat mit der Verfilmung eine ganz neue Umsetzung des Stoffes geschaffen. Streckenweise wirkt die Aussage dadurch sehr weichgezeichnet - eine Vergewaltigung gleicht fast einer liebevollen Sexszene, die Kahlrasur der Hauptfigur wird zu einem kleidsamen Kurzhaarschnitt. Und auch die Dramatik vieler Szenen, die schiere Ausweglosigkeit, mit der vor allem Ailin zu kÀmpfen hat, wird nicht durch Heulen und Schreien, sondern durch ein unaufhörliches TrÀnenkullern dargestellt.

AVIVA-Tipp: Trotz dieser SchwĂ€chen ist ein schockierender und anrĂŒhrender Film entstanden, der wĂŒtend macht auf eine Gesellschaft, in der es fĂŒr manche Menschen keine Chance auf Selbstbestimmtheit gibt. Dass die Frauen sich mit dieser Definition durch andere nicht zufrieden geben, macht sie zu SympathietrĂ€gerinnen. Äußerst ĂŒberzeugend sind die beiden Hauptdarstellerinnen, die die Zuschauerin manchmal vergessen lassen, dass es sich nur um einen Film handelt.


AVIVA-Berlin verlost 2 DVDs. Bitte nennen Sie uns den Namen des spanischen Filmpreises, mit dem "XXY" ausgezeichnet wurde und senden bis zum 31.05.2010 eine Email an folgende Adresse: gewinnspiele@aviva-berlin.de



Zur Regisseurin: Lucia Puenzo wurde 1976 in Buenos Aires geboren. Sie wurde international bekannt mit ihrem ersten Film, "XXY", der Geschichte des intersexuellen Alex. "XXY" wurde 2007 beim Filmfestival in Cannes ausgezeichnet. Puenzo hat zudem vier Romane geschrieben. "Das Fischkind" ist die Verfilmung ihres ersten Romans.

Das Fischkind
Regie: LucĂ­a Puenzo
Schauspielerinnen: Inés Efron, Mariela Vitale
Originaltitel: El Niño Pez
Jahr: 2009
FSK: 16
Land: Argentinien, Frankreich, Spanien
Untertitel: deutsch, Sprache: spanische Originalfassung
LĂ€nge: 96 min
Sound: Dolby Digital Stereo 2.0
Formate: 16:9
Preis: 19,90 Euro
Verleih: Edition Salzgeber, VÖ 2010

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lucia Puenzo - Das Fischkind. Die Romanvorlage

LöwenkÀfig


Gewinnspiele Beitrag vom 07.05.2010 Claire Horst 

   




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