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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 29.06.2012

Im Bazar der Geschlechter - Ein Film von Sudabeh Mortezai. Verlosung
Evelyn Gaida

Die Zeitehe, auch Lustehe genannt, ist eine alte schiitische Tradition. Aus unterschiedlichsten Blickwinkeln .. AVIVA-Berlin verlost zwei DVDs



... wird dieses Ph├Ąnomen von Sudabeh Mortezai beleuchtet, einer ├Âsterreichischen Filmemacherin, die selbst bis zu ihrem 12. Lebensjahr im Iran lebte. Mullahs, geschiedene Frauen und ein lediger Taxifahrer legen offen ihre Sichtweisen oder Erfahrungen dar. Laut Regisseurin w├Ąre es "undenkbar", die Dokumentation im Iran zu zeigen. Zum deutschen Kinostart stellte Sudabeh Mortezai ihren Film am 5. August 2011 pers├Ânlich in Berlin vor. Zu Gast war au├čerdem die Frauenrechtlerin und Buchautorin Seyran Ates.

Ohne fremde Kommentierung oder jegliche Einf├╝hrung l├Ąsst Mortezai in ihrer ├╝berraschenden und vielstimmigen Dokumentation die Menschen sprechen. Zwar sind die auftretenden Personen f├╝r die ZuschauerInnen aus diesem Grund teilweise schwer einzuordnen. Wie von selbst setzt sich jedoch das Portr├Ąt einer Gesellschaft zusammen, die in einem Gewirr der Widerspr├╝che und Doppelmoral gefangen ist. Religi├Âse Ernsthaftigkeit und Parodie, machtloses Schulterzucken und schalkhafte Ironie, Humor und illusionslose Klarsicht verzweigen sich zu einer vielschichtigen Darstellung. Hinter der Verschleierung geheiligter Dogmen tritt die Absurdit├Ąt institutionalisierter Ungerechtigkeit hervor.

"Heiratsb├╝ro Nr. 15. Kanzleichef: Hossein Nouri" steht ganz offiziell auf der Au├čentafel eines Hauses. Die Filmemacherin begleitet ein Paar zum Vertragsabschluss ihrer Zeitehe, die ZuschauerInnen erfahren N├Ąheres ├╝ber die Modalit├Ąten der Abwicklung. Eine Zeitehe kann f├╝r eine halbe Stunde geschlossen werden oder f├╝r mehrere Jahre, Voraussetzung ist die Zahlung eines individuell verhandelbaren Brautgeldes an die Frau. Vor allem muss das Zusammensein von Mann und Frau amtlich angemeldet, erfasst und abgesegnet werden, sonst gilt es als Unzucht. Ehebruch wird mit dem Tod durch Steinigung geahndet, aber der Kanzleichef kl├Ąrt den angehenden Zeitehemann auf: "Sie wissen, dass in der Zeitehe der Mann nicht geschieden sein muss. Der Mann braucht nicht mal die Erlaubnis der Ehefrau." Bis zur vier dauerhafte Ehefrauen k├Ânne ein Mann sich nehmen, die Anzahl der Zeitehefrauen sei gar unbegrenzt. "Solange Sie die finanziellen Mittel haben, k├Ânnen Sie jederzeit zur Trauung hierher kommen. Das ist rechtlich gar kein Problem."

Neben Maryam, eine geschiedene, alleinerziehende Mutter, und Mohsen, einen Junggesellen, begleitet die Kamera auch einen j├╝ngeren Mullah, der bei verschiedenen Lehrern und Kollegen Meinungen ├╝ber die Ehe auf Zeit einholt, oft mit verschmitzt-verschlagenem L├Ącheln. Jungfrauen d├╝rfen ausschlie├člich nicht-sexuelle Verbindungen eingehen, erfahren wir auf diesem Wege, f├╝r junge M├Ąnner sei die Zeitehe eine gute M├Âglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. M├Ąnner ohne ausreichendes finanzielles Verm├Âgen h├Ątten oft nur die Option der tempor├Ąren Heirat, um eine Form ehelicher Gemeinschaft zu erlangen. Polygamie und Zeitehe seien das beste Mittel gegen Stra├čenprostitution. ├ärgerlich ist f├╝r den wei├čb├Ąrtigen Gro├čayatollah Gerami nur die Eifersucht der Frauen. Viele z├Âgen es vor, ihr Mann besuche eine Prostituierte, statt sich eine Zweit- oder Zeitfrau zu nehmen. Seiner Auffassung nach ein klarer Fall: "Das Problem ist die Eifersucht der Frauen!"

"Bei der Scheidung ist der Erste, der dir nachstellt, der Richter", berichtet eine Freundin Maryams. F├╝r Geschiedene sei kein Platz in der iranischen Gesellschaft, ihnen bliebe vieles verwehrt. Die Mutter ihres Zeitehemannes bestimme die richtige Braut ÔÇô und das sei keine Geschiedene. "Solange diese Frauen keine Zeitehe eingehen und immer zu Vereinen rennen, werden sie schlie├člich als Prostituierte enden", prophezeit ein Mullah, der einem Wohlt├Ątigkeitsverein f├╝r alleinstehende Frauen vorsteht. Auch unverheirateten M├Ąnnern wird im Iran das Leben schwer gemacht: Ohne Heiratsurkunde sucht Mohsen lange Zeit vergeblich nach einer Wohnung, an Singles wird nicht gern vermietet. Er muss sich jeden Abend eine neue Bleibe bei FreundInnen oder ehemaligen Zeitehefrauen suchen. Mehrere Millionen Toman als Brautgeld f├╝r eine dauerhafte Heirat m├Âchte er aber nicht aufbringen. Am Ende zerstreite man sich ja doch.

Un├╝bersehbar macht Mortezais Film vor allem die Kluft zwischen kontrolliert verschleierter ├ľffentlichkeit und privatem Leben innerhalb der eigenen vier W├Ąnde. Abseits der offiziellen Beobachtung tragen Frauen k├Ârperbetonte Kleidung und farbenpr├Ąchtige Schminke, begegnen sie den M├Ąnnern desillusioniert, aber selbstbewusst. Der Mullah aus dem Wohlt├Ątigkeitsverein wird zum "Witz des Jahres" ernannt, die rigide Staatsmoral und ihre religi├Âsen Autorit├Ąten mit einer Art resigniertem Sarkasmus voller entlarvender Erlebnisberichte beschrieben. "Das ist unsere Gesellschaft", lautet der lakonische Schluss.

Es ist eine Gesellschaft der extremen Widerspr├╝che und der subversiven Energie. "Das ist keine Kultur, das ist m├Ąnnliche Arroganz", entgegnet ein junger Blogger dem filmisch begleiteten Mullah. Die Website rund um das Thema Zeitehe, die der 23-J├Ąhrige betrieben hatte, wurde von der Internetaufsicht gesperrt, als die Seite zu viele Hits erzielte. Jetzt hat er den Verein "Blogger ├╝ber sexuelle Kultur" gegr├╝ndet. Auch ein Mullah hat es schlie├člich nicht immer leicht. Geht er abends allein in ziviler Kleidung essen, bleibt er doch nicht unerkannt. Peinlich ber├╝hrt wird er von einer kichernden Gruppe junger Frauen hochgenommen. Und im Taxi l├Ąuft persisch-englischer Rap mit illegalen Texten.

AVIVA-Tipp: In ihrer multidimensionalen Dokumentation ├╝ber das Thema Zeitehe und die inbegriffene Ungleichbehandlung der Geschlechter pr├Ąsentiert Regisseurin Sudabeh Mortezai erstaunliche Einblicke in die paradoxe Gesellschaft des Iran. Durch den Einsatz der Handkamera bringt sie die gefilmten Menschen und Orte den ZuschauerInnen sehr nahe. Eine beeindruckende und ungew├Âhnliche Reise in eine verborgene Welt.

Zur Regisseurin: Sudabeh Mortezai, geboren 1968 in Ludwigsburg, aufgewachsen in Teheran und Wien. Studium der Theaterwissenschaften in Wien, Abschluss 1994. Kuratorin und Organisatorin von Filmprogrammen. Langj├Ąhrige Mitarbeiterin des Wiener internationalen Filmfestivals Viennale. 1997 ÔÇô 1999: Leiterin des Programmkinos Filmcasino in Wien. 2002 ÔÇô 2003: Filmstudium am UCLA in Los Angeles (Certificate Program in Film, TV and Digital Entertainment Media). Realisierung von Kurz- und Dokumentarfilmen. 2006: Children of the Prophet, Dokumentarfilm. 2007: Mitbegr├╝nderin von Freibeuter Film. (Quelle: W-film)

PREISE

NOMINIERUNG ├ľSTERREICHISCHER FILMPREIS 2011
BESTER INTERNATIONALER DOKUMENTARFILM / DOCSDF 2010
BESTER ETHNOGRAPHISCHER DOKUMENTARFILM ESPIELLO 2011
LOBENDE ERWÄHNUNG / DIAGONALE 2010



AVIVA-Berlin verlost zwei DVDs. Bitte senden Sie uns den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension "Weibliche Sexualit├Ąt im Spannungsfeld von Islamisierung und westlicher Moderne" von Tabandeh Moghadam bis zum 10.08.2012 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Im Bazar der Geschlechter
├ľsterreich / Deutschland 2010
Buch und Regie: Sudabeh Mortezai
Mitwirkende: Maryam, Mohsen Mahmudi, Mehri Ramezani u.a.
Verleih: W-film
Laufl├Ąnge: 84 Minuten
Persische OF mit dt. UT
DVD-Start: 22. Juni 2012

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.bazar.wfilm.de

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