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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 22.09.2004

In The Cut
Anne Winkel

Ein beobachteter Sexualakt, ein Mord, ein undurchsichtiger Detective. Meg Ryan in einem Thriller von Jane Campion. AVIVA-Berlin verlost die Vorlage von Susanna Moore.



Frannie Avery (Meg Ryan) ist Dozentin f├╝r Literatur an der New York University. Ihrem sexuell unerf├╝llten Leben setzt die Single-Frau ihre Leidenschaft f├╝r die Poesie entgegen. Wann immer Frannie einen interessanten Vers liest oder h├Ârt, schreibt sie ihn auf und heftet die Notizen an ihre Wohnungswand. Als in ihrer Nachbarschaft eine junge Frau brutal ermordet wird, trifft Frannie auf den ermittelnden Detective Malloy (Mark Ruffalo). Angezogen von Malloys herber M├Ąnnlichkeit beginnt die Mittdrei├čigerin eine Aff├Ąre mit dem abgeh├Ąrteten Cop, obgleich sie sich sicher ist, ihn bereits zu kennen. Der Polizist hat ein Tattoo, das Frannie bereits bei dem Mann gesehen hat, den sie im Keller einer Bar mit dem sp├Ąteren Mordopfer beim Oralsex beobachtet hat...

Trotz vier zwielichtiger m├Ąnnlicher Charaktere ist die Identit├Ąt des M├Ârders weniger schwer zu durchschauen als Hintergrundmusik, wechselnde Einstellungssch├Ąrfen und Agieren der Schauspieler glauben lassen wollen. Neben Malloy k├Ąmpfen um Frannies Gunst der etwas exzentrische Ex-Liebhaber James Graham (Kevin Bacon), der weit ├╝berzeugender als die Hauptdarsteller Meg Ryan und Mark Ruffalo agiert), der aufdringliche Student Cornelius Webb (Sharrieff Pugh) und Detective Rodriguez (Nick Damici), Malloys Partner und Polizist im Innendienst.

"In The Cut" kontrastiert verschiedene Lebensweisen. Die sexuell introvertierte, sprachgewandte und -fixierte Literaturwissenschaftlerin taucht ein in eine Welt, die sie sonst nur als Gegenstand ihres geplanten Buches betrachtete oder durch ihre Halbschwester Pauline (Jennifer Jason Leigh) miterlebte. Der Film orientiert sich stark an der Romanvorlage, Dialoge wurden unver├Ąndert ├╝bernommen, mit Ausnahme einiger Auslassungen, bedingt durch die generell k├╝rzere Erz├Ąhlzeit eines Films. Einzig die Umgestaltung des Schlusses ist ein gro├čer Schritt weg von der literarischen Konzeption. Es bleibt die Frage, ob diese fundamentale Abweichung auf der Eigenst├Ąndigkeit und den spezifischen Kommunikationsm├Âglichkeiten des Mediums Film beruht (ist das Ende visuell nicht zumutbar?), eine andere Autorenintention transportiert oder schlichtweg als Mutlosigkeit zu interpretieren ist. Eine interessante Ausweitung des Romans ist das Schuhmotiv. Frannie ist zun├Ąchst nur noch auf einem Absatz, dann (wie auch im Buch) nur mit einem Schuh und schlie├člich barfu├č zu sehen.

Der Film ist von Regisseurin Jane Campion im Stil des 1970er Jahre Film-Noir-Klassikers "Klute" (Alan J. Pakula, 1971) kunstvoll inszeniert. Wechselnde Nah- und Tiefensch├Ąrfe, disharmonische Kl├Ąnge, Umschw├╝nge von Stille, Sirenen der New Yorker Stra├čen und Nachtclubmusik. Wenn allerdings komisch-makabre Z├╝ge eingeflochten werden, scheint die Orientierung am Genre unpassend-befremdlich.

Jane Campion gelangte zu internationalem Ansehen mit ihrem preisgekr├Ânten (u.a. drei Oscars und die Goldene Palme von Cannes) Film "The Piano".
Die geb├╝rtige Neuseel├Ąnderin graduierte mit dem "Bachelor of Arts in Anthropologie" an der "Victoria University" und schloss einen Diplomstudiengang der Feinen K├╝nste an der "Chelsea School of Arts" in London ab. Des Weiteren studierte sie Malerei an einer Kunst- und Filmhochschule. Bereits Campions Regiedeb├╝t "Peel" wurde mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet.

AVIVA-Tipp: Ein formal-├Ąsthetisch ansprechendes Kunstwerk, (psycho)logisch aber weniger ├╝berzeugender Film.


AVIVA-Berlin verlost 10x den Bestseller aus dem Deutschen Taschenbuch Verlag. Bitte nennen Sie uns einen weiteren Titel aus der Feder von Susanna Moore und senden Sie bis zum 15.10.04 eine eMail an folgende Adresse: gewinnspiel@aviva-berlin.de





In The Cut

USA, 118 Minuten
Regie: Jane Campion
Basierend auf dem Roman von Susanna Moore
DarstellerInnen: Meg Ryan, Mark Ruffalo, Jennifer Jason Leigh, Kevin Bacon, Nick Damici, Sharrieff Pugh
Kinostart: 30. September 2004

Gewinnspiele Beitrag vom 22.09.2004 AVIVA-Redaktion 

   




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