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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.02.2008

Interview mit Erika Rabau
Anna Tremper

Seit 1963 ist sie als Fotografin bei der Berlinale mit von der Partie. Jetzt sind ihre Fotos endlich in einer eigenen Ausstellung zu bewundern. AVIVA-Berlin traf Erika Rabau und sprach mit ihr...



...├╝ber Berlinale, Stars und heroische Zeiten.

AVIVA-Berlin: Du bist nun bereits seit mehr als 40 Jahren bei der Berlinale als Fotografin dabei. Was macht f├╝r Dich nach wie vor die Faszination dabei aus?
Erika Rabau: Das Ambiente, die ganze Atmosph├Ąre und auch diese unglaublich tollen Stars und die Macher. All das macht die Faszination aus. Das ist eben eine ganz tolle Sache. Ich kenne da viele Leute, die auch immer wieder kommen. Zudem habe ich den gro├čen Vorteil, dass ich mich mit allen unterhalten kann, weil ich so viele Sprachen spreche. Dadurch entsteht gleich eine gewisse N├Ąhe. Ein Mensch freut sich immer, wenn du ihn in seiner Muttersprache ansprichst.

AVIVA-Berlin: Hat sich die Berlinale aus Deiner Sicht w├Ąhrend der vergangenen vier Dekaden sehr gewandelt?
Erika Rabau: Sicherlich. Die Berlinale war immer toll, vom ersten Moment an, aber sie hat sich nat├╝rlich im Laufe der Jahre ver├Ąndert. Auch mit den verschiedenen Leitern der Filmfestspiele wurde einiges anders. Aber es hat sich eben nur zum Vorteil entwickelt - zum Vorteil f├╝r die Berlinale und f├╝r Berlin. Das ist ganz wichtig.

AVIVA-Berlin: Ein Leben ohne Berlinale, k├Ânntest Du Dir das ├╝berhaupt vorstellen ?
Erika Rabau: Nein, ├╝berhaupt nicht: die Berlinale ist mein Leben. Sie wird es auch bleiben.

AVIVA-Berlin: Du hattest ja auch von Beginn an einen guten Draht zu den Stars. Hat sich das Verh├Ąltnis zu den Schauspierlnnen und RegisseurInnen im Laufe der Jahre mit dem immer gr├Â├čer werdenden Starkult ver├Ąndert?
Erika Rabau: Es wurde zwangsweise distanzierter. Fr├╝her kam man wirklich ganz nah ran, aber jetzt werden die Stars mehr abgeschirmt, was seine Berechtigung hat, denn man muss f├╝r ihre Sicherheit sorgen. Man kann eben auch aus Liebe erdr├╝ckt werden. Fr├╝her bin ich mit den Leuten auch nach den Vorstellungen um die H├Ąuser gezogen. Die wollten ja auch was erleben. Das war immer ganz toll. Ich bin zum Beispiel mit Geraldine Chaplin und Carlos Saura in meinem acht Jahre alten Admiral durch Berlin gezogen. Saura kam damals mit seinem Film "Peppermint Frapp├ę", in dem Geraldine mitspielt, nach Berlin und da habe ich gemerkt, dass sie flie├čend Spanisch spricht. Dadurch haben wir uns nat├╝rlich gleich wunderbar verstanden. Einmal gingen wir in den Pims Club und da sa├č gro├č, breit und imposant Orson Welles drinnen. Ich bin fast erstarrt! Er war aber auch ganz aufgeschlossen und Geraldine fragte ihn, ob er Lust h├Ątte mit uns noch wegzugehen. Wir haben versucht, ihn in den an sich sehr gro├čen Admiral zu zw├Ąngen. Das war aber dann zu kompliziert, so dass wir es aufgegeben haben.

AVIVA-Berlin: Du bist jedes Jahr rund um die Uhr bei der Berlinale dabei, hast Du da eigentlich Gelegenheit, auch mal selbst Filme zu sehen?
Erika Rabau: Mit den Filmen ist das so eine Sache, fr├╝her, da konnte ich nicht, weil ich zu den verschiedensten Empf├Ąngen musste. Aber das ist heute nicht mehr so. Ich habe damals die Stars fotografiert, wenn sie auf der B├╝hne vorgestellt wurden, das war immer vor oder nach dem Film. So habe ich, je nachdem, immer den Anfang oder das Ende oder gar nichts vom Film gesehen.

AVIVA-Berlin: Findest Du es schade, wenn Du nicht soviel von den Filmen mitbekommst?
Erika Rabau: Na sicher tut mir das leid, bei manchen Filmen tut es mir sogar sehr leid.

AVIVA-Berlin: Du bist demnach auch ein gro├čer Filmfan?
Erika Rabau: Ja, schon immer! Als ich in Argentinien gearbeitet habe, ging ich immer in ein Kino mit Nachtvorstellungen. Dort gab es halb geschlossene Vorstellungen von einem Club namens "Gente de Cine". Da war ich immer nachts nach der Arbeit, so gegen zwei Uhr. Die anderen waren dann bereits da. Wir hatten zwischendurch nur eine Bockwurst und eine Cola und dann lie├čen wir die leere Colaflasche nach vorne durchrollen, damit die anderen merken, dass wir auch da sind. Das waren unsere Signale. Ganz, ganz tolle Filme konnten wir dort sehen, durch die wir uns richtig geschult haben. In diesem Kino wurden die ersten Filme gezeigt, die ├╝berhaupt gedreht wurden, z.B. "La Naissance du Cinema", (die Geburt des Kinos). Ich habe wirklich wahnsinnige Filme gesehen, die schon damals nicht mehr im Kino liefen. Das waren "Les Temps Heroiques", die heroischen Zeiten. Man muss bedenken, dass ich erst 18 Jahre alt war, da erlebst du sowieso viel.

AVIVA-Berlin: W├╝rdest Du sagen, dass durch diese ganzen Filme auch Dein besonderer fotografischer Blick geschult wurde? Waren diese Erlebnisse pr├Ągend f├╝r Deinen Stil?
Erika Rabau: Ich w├╝rde schon sagen, dass ich dadurch anders sehe. Ich bin vom Kino fasziniert gewesen! Das liegt vor allem auch an meiner Mutter. Die ging immer ins Kino, wohin ich nat├╝rlich nicht mit konnte. Danach hat sie mir immer die Filme erz├Ąhlt. Sie hatte eine unheimlich Ausdruckskraft und hat das so wunderbar gemacht, dass ich immer das Gef├╝hl bekam, ich h├Ątte den Film selbst gesehen. Die gro├če Liebe zum Kino hat eigentlich sie in mir geweckt.

AVIVA-Berlin: Gibt es einen besonderen Regisseur, den Du verehrst, der Dich vielleicht auch in Deinem Schaffen inspiriert?
Erika Rabau: Billy Wilder, zum Beispiel, Martin Scorsese, Wim Wenders heutzutage und Rainer Werner Fassbinder. Bei Fassbinder habe ich im letzten Film "Querelle" noch mitgespielt, in einer winzigen Rolle. Das war leider ganz kurz vor seinem Tod. Da stand ich zusammen mit Jeanne Moreau vor der Kamera. Der Film spielt im Hafenmilieu, wo es ein ber├╝hmtes Bordell namens Feria gab. Jeanne Moreau war die Madame von dem Bordell und ich war eines der M├Ądchen. Das war alles wundersch├Ân!

AVIVA-Berlin: Der Film ist demnach ein gro├čes Thema in Deinem Leben. Wie hast Du Dich gef├╝hlt, als Du geh├Ârt hast, dass auch einer ├╝ber Dich gedreht werden soll?
Erika Rabau: Ja, toll! Wahnsinnig gefreut habe ich mich! Aber ich habe bereits in mehreren Filmen mitgespielt, zum Beispiel bei Wim Wenders, eine winzige Rolle. Auch bei Lothar Lambert, der mich immer in so extremen Sachen eingesetzt hat. Ich habe kreuz und quer alles M├Âgliche gespielt. Aber bei dem Film von Samson Vicent habe ich jetzt festgestellt, dass es nichts Schwereres gibt, als sich selbst darzustellen. Ich kann viel besser andere darstellen als mich selbst. Das ist eine ganz bescheuerte Sache.

AVIVA-Berlin: Du hattest heute bei der Pressekonferenz erw├Ąhnt, dass Du gerne Schauspielerin geworden w├Ąrst. Ist da heute noch ein kleiner Wermutstropfen dabei, wenn Du die ganzen SchauspielerInnen fotografierst?
Erika Rabau: Ja ein kleiner Wermutstropfen ist immer dabei. Ich bin immer genau am Schauspiel vorbei und stets auf dem Nebengleis gelandet. Ich habe auch in mehreren Filmen mitgespielt und jetzt hat Samson Vicent einen wunderbaren Dokumentarfilm ├╝ber mich gemacht. Er ist auch derjenige, der das ganze Archiv, das chaotisch in Leitzordnern verpackt war und aus Millionen Negativen besteht, aus einem "Dornr├Âschen Schlaf" erweckt und etwas daraus gemacht hat. Daf├╝r werde ich ihm ewig dankbar sein. Das ist eine unheimliche Leistung.

AVIVA-Berlin: Wen w├╝rdest Du gerne noch mal vor die Linse bekommen?
Erika Rabau: Da muss ich nachdenken. Ich wollte immer eine bestimmte Schauspielerin fotografieren, und die habe ich inzwischen auch bekommen, Anouk Aimee. Ich habe sogar mal den ber├╝hmten Fritz Lang vor die Kamera bekommen, der "Metropolis" gemacht hat. Den Theaterregisseur Max Reinhardt zum Beispiel, aber der war leider vor meiner Zeit.

AVIVA-Berlin: Seit kurzer Zeit fotografierst Du auch mit einer Digitalkamera. Wie war der Umstieg f├╝r dich von analog auf digital?
Erika Rabau: Ich besitze jetzt eine kleine Digitalkamera (zeigt auf die Kamera, die um ihren Hals h├Ąngt), aber f├╝r die Filmfestspiele verf├╝ge ich ├╝ber eine gr├Â├čere. Zun├Ąchst habe ich mich ziemlich dusselig angestellt. Aber ich musste mich damit besch├Ąftigen. Voriges Jahr tauschte ich dann die Leica gegen die Digitalkamera. Mit der Nikon arbeite ich noch immer, damit mache ich Portraitaufnahmen mit langer Brennweite. Man muss mit der Zeit gehen, sonst muss man mit der Zeit gehen.

AVIVA-Berlin: Aber die Leica hast Du noch, oder?
Erika Rabau: Ja, die hab┬┤ ich noch, die ist ganz heilig. Die behalte ich auch!

AVIVA-Berlin: Welche Veranstaltungen fotografierst Du au├čer der Berlinale?
Erika Rabau: Es ist ja leider so, dass die Berlinale nicht das ganze Jahr ├╝ber l├Ąuft. Ich mache noch die "Gr├╝ne Woche", oder wie ich immer sage die "Gr├╝ne H├Âlle". Die ist ganz strapazi├Âs, nackter Broterwerb und leider Gottes genau vor dem Filmfestival, so dass ich immer schon ziemlich verheizt in die Sache reingehe. Danach kommt die ITB und danach kommt das herrliche Theatertreffen der Berliner Festspiele. Im Herbst findet dann das Musikfest statt. Kurz darauf kommen dann auch schon die Jazztage in Potsdam.

AVIVA-Berlin: Dann bist Du ja das ganze Jahr ├╝ber sehr besch├Ąftigt. Hast Du ein bestimmtes Ritual oder Rezept zur Entspannung, um wieder Energie zu tanken?
Erika Rabau: Nein, ich bin ganz sch├Ân verheizt. Aber bis vor vier Jahren hatte ich eines mit meinem Mann, den ich leider verloren habe. Wir sind gemeinsam gesegelt. Ich segele auch heute noch mit Freunden, aber als Mitsegler ist das was anderes als auf deinem eigenen Schiff. Mein Mann und ich, wir hatten ein Boot in Berlin liegen, in der unteren Havel und eins in S├╝dfrankreich. Wir sind kreuz und quer durchs ganze Mittelmeer gesegelt. Wenn du dann zur├╝ckkommst, bist du nat├╝rlich wieder fit um weiter zu machen. Aber das ist ja leider nicht mehr der Fall.

AVIVA-Berlin: Und welches Patentrezept hast Du, so lange fit zu bleiben?
Erika Rabau: Es ist die Faszination, es ist die Begeisterung und die Liebe f├╝r das, was man macht. Das ist eben toll. Die gro├če Liebe meines Lebens.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch und viel Erfolg f├╝r Deine Ausstellung!

Lesen Sie weiter auf AVIVA-Berlin: Erika Rabau Fotoausstellung vom 2. Februar bis 24. M├Ąrz 2008

Interviews Beitrag vom 07.02.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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