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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.04.2008

Luci Van Org im Interview
Tatjana Zilg

Mit ihrem neuen Bandprojekt sorgt Luci Van Org für eine brodelnde Mischung aus Schock und Unterhaltung. Neue deutsche Härte trifft auf Texte, die Rollenmuster und Klischeebilder zum Spielball ...



... einer pop-theatralen Inszenierung machen.

AVIVA-Berlin erzählt sie über ihre Beweggründe, als Üebermutter durchzustarten, die Zusammenarbeit mit den Bandmitgründern, ihre Rolle als Mutter eines dreijährigen Sohnes und wirft einen kurzen Rückblick auf ihre Karriere.

AVIVA-Berlin: Bei der Besetzung von "Üebermutter" ist neben den MusikerInnen auch der Autor Michael Kernbach genannt. Wie war es, zu zweit die Texte zu schreiben? Sind Sie sich da nicht manchmal auch in die Quere gekommen?
Luci Van Org: Natürlich, aber das ist ja der Sinn von Teamarbeit, dass man sich aneinander reibt und dann gemeinsam etwas schafft, zum dem jeder allein nicht in der Lage gewesen wäre. Nachdem ich bei "Das Haus von Luci" ja so gut wie alles allein gemacht habe, habe ich es, unheimlich genossen, ein Autoren-Gegenüber zu haben.

AVIVA-Berlin: Wie haben Sie sich kennen gelernt, wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Projekt "Üebermutter" ins Leben zu rufen?
Luci Van Org: Michael Kernbach und ich kennen uns schon seit Mitte der 90er. Schon damals ähnelte sich unsere Einstellung zum Leben auf fast schon befremdliche Weise. Kontakt hatten wir trotzdem nur sporadisch. Wie sehr Herr Kernbach wirklich mein UNHEILvoller Seelenverwandter ist, habe ich dann vor zwei Jahren gemerkt, als ich eine Email mit einer Songskizze von ihm bekam. Total schraddelig, fast ohne Text und Melodie, dafür mit inbrünstigem Gegröle: Heim und Herd, Heim und Herd! Ihm ging zu dieser Zeit exakt dasselbe durch Kopf und Bauch wie mir. Eben die Wut auf dieses plötzlich überall auftauchende "zurück zu den alten Werten"-Geschwafel. In diesem Moment ist "Üebermutter" entstanden. Das hat richtig "Klick" gemacht zwischen Michael und mir und wir haben angefangen Songs zu schreiben.

AVIVA-Berlin: Werden Sie das Projekt "Üebermutter" auch in anderen künstlerischen Ausdrucksformen umsetzen wie Theater, Cartoon oder Belletristik? Sie haben ja selbst Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen und das Konzept von "Üebermutter" ist ja schon fast eine theatrale Inszenierung.
Luci Van Org: Wenn wir so etwas finanzieren können, auf jeden Fall! Wir haben ja schon angefangen. Mit unserer kleinen Filmreihe: "Die Peinigung des UNHEILands", die an Karfreitag ihre Geburt auf http://www.uebermutter.net im Netz erlebt hat. Michael Brettner, unser UNHEILand, büßt dort für alle Sünden, die die Männchenheit den Frauen in den letzten 2000 Jahren zugefügt hat- um durch diese messianische Tat das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern wieder herzustellen und somit ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. Er büßt sogar interaktiv. Denn die User können von Woche zu Woche wählen, mit welchen Haushaltsgeräten er malträtiert werden soll. Ist doch ein Anfang, oder ?

AVIVA-Berlin: Die Texte von "Üebermutter" sind sehr zynisch angelegt und spielen mit Klischeevorstellungen und archaischen Bildern. Haben Sie nicht die Befürchtung, missverstanden zu werden und eventuell von HörerInnen, die Ihre bisherige Arbeit nicht so gut kennen, in die rechte Ecke eingeordnet zu werden?
Luci Van Org: Einzelne Textzeilen mögen missverständlich sein, die Texte im Ganzen sind aber absolut eindeutig. Wer die durchliest und uns danach in eine rechte Ecke stellt, macht sich einfach nur lächerlich. Und tatsächlich werden wir auch so gut wie gar nicht missverstanden. Auf Portalen wie Myspace bekommt man ja zumindest einen kleinen Querschnitt der Menschen, die unsere Musik mögen - und bisher hatten wir nicht eine virtuelle Freundanfrage von Rechts. Stelle ich mir auch absurd vor, dass ein Fascho einen Text wie "Diene, diene der Gebäermaschine" mitsingt, ohne dafür von seinen Kumpels Dresche zu kriegen.

AVIVA-Berlin: Ihre Karriere als Sängerin begann sehr früh. Mit 16 Jahren konnten Sie den ersten Plattenvertrag unterschreiben – ein Traum vieler Teenagern. Welche Tipps würden Sie jungen Mädchen geben, die ins Musikgeschäft einsteigen wollen?
Luci Van Org: Die Situation von damals ist mit der heutigen nicht zu vergleichen. Im Gegensatz zu den 80ern kann man heutzutage von Musik nur noch leben, wenn man sehr, sehr, sehr, sehr viel Glück hat. Und selbst dann geht es nur für eine begrenzte Zeit. Insofern wäre der wichtigste Tipp von mir, auf jeden Fall so viel Bildung wie möglich zu scheffeln, um immer wieder Ausweichmöglichkeiten zu haben. Und auch, um seinen eigenen, künstlerischen Ausdruck zu finden. Wenn der nämlich immer nur vom Überlebenskampf bestimmt ist, geht er aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann verloren.

AVIVA-Berlin: Hätten Sie selbst im Rückblick gerne andere Entscheidungen getroffen oder lief alles so, wie Sie es sich als Teenager gewünscht haben?
Ist der Song "MädchenTeilZwo" auch eine Abrechnung mit Ihrem Girlie-Pop-Star-Image in den Neunziger Jahren?
Luci Van Org: Im Großen und Ganzen war das alles schon ganz in Ordnung so. Ich bereue einige, private Details, aber nichts Großes. Und mit dem Mäedchen-Image hatte und habe ich bis heute kein Problem. Höchstens damit, dass mir alle ein Problem einreden wollten. Mäedchen TeilZwo ist einfach nur ein sehr persönliches Lied über sexuellen Missbrauch. Da es so persönlich ist, wollte ich auf jeden Fall, dass die Leute aufhorchen. Und das ist mir gelungen, in dem ich das "Mäedchen" zitiert habe. Nach keinem Stück werde ich häufiger gefragt...

AVIVA-Berlin: Sie nennen Ihren dreijährigen Sohn Victor als einen Ihrer wichtigsten Arbeitgeber. Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Kindes? Was ist Ihnen besonders wichtig beim eigenen Muttersein?
Luci Van Org: Victor ist nicht einer der wichtigsten, sondern mein wichtigster Arbeitgeber. Was aber nicht heißt, dass ich ihn den ganzen Tag betuttele, sondern, dass ich ihm im Zweifelsfall alles andere unterordne. Ansonsten ist es für mich am wichtigsten, mein Kind zu einem freien, selbst bestimmten, liebenden Menschen zu erziehen. Zu jemandem, der in sich ruht und der in der Lage ist, sein Glück selbst zu suchen und zu finden. Leider ist wohl die einzige Möglichkeit, ihm dieses Ideal zu vermitteln, es ihm vorzuleben. Das heißt, abgesehen, von allem, was Kinder nun mal brauchen, um groß zu werden - liebende, geduldige, verständnisvolle Eltern und andere Bezugspersonen, ein kuscheliges Zuhause, ganz viel Lachen, ganz viel Anregung, ganz viel Zeit und so weiter und so weiter und so weiter...., ist es mir vor allem wichtig, an mir selber zu arbeiten. Kinder nehmen sich die Eltern schließlich zum Vorbild und spiegeln alles, was man so macht. Natürlich schaffe ich es nicht immer, mich vorbildlich zu verhalten. Aber ich kann es wenigstens immer wieder versuchen.

AVIVA-Berlin: Eine Übermutter zu sein hat zwei Aspekte – viel Schutz bieten für den Nachwuchs, aber auch Zu-Sehr-Festhalten – wie gehen Sie als Mutter mit diesem Konflikt um?
Luci Van Org: Das ideale Maß zwischen Schutz und Loslassen zu finden ist jeden Tag aufs Neue eine riesige Herausforderung, die ich mal mehr, mal weniger gut bewältige. Idealerweise sollten Eltern wohl ständig daran arbeiten, sich selbst überflüssig zu machen. Ich hoffe sehr, dass mir das gelingt.

AVIVA-Berlin: In "Heim und Herd" spielen Sie mit den Klischeebildern, die dem Muttersein zugeordnet werden. Der Titel klingt nach den Fünfziger Jahren, in denen die Rollenbilder noch streng festgelegt waren. Heute sind zumindest die Freiheiten für die Einzelne größer, viele verschiedenen Lebensmodelle sind möglich. Welche weiteren gesellschaftlichen und politischen Veränderungen würden Sie sich wünschen, damit Frauen die Pole Karriere, Beruf, Familie, Muttersein und Selbstverwirklichung besser vereinen können?
Luci Van Org: Ich wünsche mir gleiche Möglichkeiten für alle - und daraus resultierend eine Väterbewegung. Väter werden nie gefragt, wie sie Beruf und Elternschaft miteinander vereinbaren. Weil Vater sein immer noch Versorger sein heißt. Ich würde mir wünschen, dass Männer sich endlich nicht mehr um die Zeit mit ihren Kindern betrügen lassen. Dass sie merken, wie kostbar und wie bereichernd es ist, ein Kind nicht nur finanziell abzusichern, sondern wirklich großzuziehen. Wenn man sich seinen Tag gut einteilt, muss man dafür nicht einmal auf Karriere verzichten. Mein Mann und ich, und auch viele andere Freiberufler, die ich kenne, leben dieses Modell und sind sehr glücklich damit. Eben, weil es für alle eine Balance gibt zwischen Karriere und Familie. Allerdings stehen uns auch keine verständnislosen Arbeitgeber im Weg. Viele Männer werden von altmodischen Patriarchen in den Chefetagen daran gehindert, gute Väter zu sein. Ich würde mir wünschen, dass sie endlich anfangen, sich dagegen zu wehren.

AVIVA-Berlin: Sie haben vier Karrieren parallel nebeneinander laufen: Autorin, Schauspielerin, Musikerin, Moderatorin. Wie beeinflusst die eine Profession die andere?
Ist es immer auch ein wenig Schauspielern, wenn Sie als Sängerin auf der Bühne stehen?
Und war es als Moderatorin manchmal schwer, einen journalistischen Blick auf andere Bands zu werfen, da Sie selbst im Pop- und Rock-Geschäft Akteurin sind?
Luci Van Org: In erster Linie bin und bleibe ich Musikerin. Ich mache diesen Job schließlich schon seit über zwanzig Jahren und die Musik hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Deshalb bleibe ich auch dann immer Musikerin, wenn ich schreibe, schauspielere, jemanden interviewe, oder etwas ganz Neues mache. Einfach, weil meine Persönlichkeit und das Leben als Musikerin untrennbar miteinander verbunden sind. Trotzdem kann man in den anderen Metiers gut sein, denke ich. Vielleicht gerade weil der Blickwinkel etwas anders ist.

AVIVA-Berlin: Das Thema Horror, Spuk und Düsterkeit begleitet Sie schon länger, 2006 erschien Ihr Erzählband "Der Tod wohnt nebenan – Spukgeschichten aus der großen Stadt". Was macht für Sie den besonderen Reiz des dunklen Genres aus? Haben Sie literarische Vorbilder wie z.B. den Klassiker Edgar Allan Poe oder H.P. Lovecraft? Waren Sie als Kind Gespenster-begeistert?
Luci Van Org: Ich bin Grusel-, Horror-, Vampir- und Gespenster-begeistert, seit ich denken kann. Und natürlich habe ich Poe, Lovecraft, Kafka, aber auch die düstereren Werke von E.T.A.- Hoffmann verschlungen. Keine Ahnung warum, aber mich treibt seit jeher, das Bedürfnis, Dinge und Wesen lieb zu haben, die sonst keiner lieb hat: Eklige Tiere, kalte, verregnete Jahreszeiten, verfallene Häuser, Monster und sogar der Tod. Alle brauchen Liebe. Auch wenn der Gevatter mir, was den Verlust meiner Lieben angeht, noch so viel Angst macht. Deshalb mag ich eben auch Geschichten besonders, die von diesen Wesen und Dingen erzählen. Und da wären wir wieder bei Horror, Spuk und Düsterkeit.

AVIVA-Berlin: Werden Sie mit Üebermutter in diesem Jahr auf Tournee gehen?
Luci Van Org: Wir kommen überall hin, wo man uns hören will!!!

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview!

Lesen Sie auch unsere CD-Rezension zu "Unheil!" von Üebermutter.

Die Band im Web mit Videoserie:
www.uebermutter.net

Die Band auf Myspace:
www.myspace.com/uebermutter


Interviews Beitrag vom 08.04.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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