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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.08.2008

Zoe im Interview
Tatjana Zilg

Die Afrodeutsche gilt als die deutsche Reggaequeen. Die herzerfrischenden Songs ihres Albums "Golden Rebellion" nehmen mit einer fein abgestimmten Mischung aus Soul, Pop, Reggae, Ska ...



... und ein klein wenig Jazz f├╝r sich ein.

AVIVA-Berlin traf Zoe backstage kurz vor ihrem Auftritt bei dem Er├Âffnungskonzert der Popdeurope 2008 in der Arena. Mit ihrem viermonatigen Sohn auf dem Arm erz├Ąhlte sie in ihrer charmanten, offenen Art von ihrer Kindheit, w├Ąhrend der sie als Baby zusammen mit ihren Eltern von Liberia nach Deutschland fl├╝chtete, von ihrer Wahlheimat Jamaika, vom Songwriting und der Zauberkraft des Reggae.

AVIVA-Berlin: Wie findest Du die Idee des Popdeurope Festival, ein Programm mit dem Fokus World Music Made in Europe zusammenzustellen?
Zoe: Ich finde, die Popdeurope ist eine ganz tolle Idee. Die Location ist wundersch├Ân und es ist sehr spannend, dass die Bands von ├╝berall herkommen. Ich bin auch schon ganz aufgeregt.

AVIVA-Berlin: Kennst Du die anderen Bands, die heute abend hier auftreten?
Zoe: Ich kenne sie nicht pers├Ânlich. Die Musik von Amparanoia mag ich aber zum Beispiel sehr, ich habe vorhin bei ihrem Soundcheck mith├Âren k├Ânnen. Es ist sehr sch├Ân, dass hier so unterschiedliche Bands spielen.

AVIVA-Berlin: Schwerpunkt-Thema ist dieses Jahr Marseille, auch unter dem Aspekt der Migration von Afrika nach Europa. Du bist selbst in Liberia geboren, dann nach Bayern immigriert. Wie erlebst Du den Umgang mit Migration in Deutschland? War es als Kind schwierig f├╝r Dich, als Afrodeutsche in einem kleinen Dorf aufzuwachsen?
Zoe: Ja, ich bin in Oberbayern in einem kleinen Dorf aufgewachsen und das war nicht immer einfach. Ich war weit und breit das einzige farbige Kind. Ich habe das damals schon sehr gesp├╝rt und dabei gelernt, mir ein dickes Fell gegen Diskriminierungen zu zulegen.
Ich bin sehr froh, dass sich mittlerweile viel ver├Ąndert hat. Wenn ich mit meinem kleinen Sohn auf dem Spielplatz gehe, sehe ich viele Kinder ganz unterschiedlicher Couleur, wo man gar nicht bestimmen kann, wo die herkommen k├Ânnten. Und die Kinder spielen alle auf ganz nat├╝rliche Weise miteinander. Es ist eine andere Generation und ich habe die Hoffnung, dass mein Sohn nicht solche negativen Erfahrungen machen muss.

AVIVA-Berlin: Wo wohnt Ihr denn gegenw├Ąrtig?
Zoe: Wir leben in M├╝nchen, am Stadtrand.

AVIVA-Berlin: Jamaika gilt als Deine Wahlheimat. Bist Du sehr oft dort?
Zoe: Ja, ich bin jahrelang sehr viel zwischen Deutschland und Jamaika hin- und hergependelt. Jetzt, wo ich das Baby bekommen habe, geht das nat├╝rlich erst mal nicht mehr so. Ich gebe nun vor allem Konzerte in M├╝nchen und nehme an einigen Festivals in Europa teil.

AVIVA-Berlin: Wie ist Dein Bezug zu Jamaika urspr├╝nglich entstanden?
Zoe: Nun, nach Liberia konnte man lange Zeit wegen des B├╝rgerkrieges nicht einreisen und Jamaika ist eine Art St├╝ck ausgelagertes Afrika. Es ist eine wundersch├Âne Insel und die Musik ist dort so pr├Ąsent, wie ich es bisher an kaum einen anderen Ort erlebt habe.

AVIVA-Berlin: Bist Du auch der besonderen Art der Spiritualit├Ąt verbunden, die in Jamaika gelebt wird?
Zoe: Ich bin sehr gl├Ąubig. Das kann man nat├╝rlich ├╝berall auf der Welt sein. Ich habe aber f├╝r mich sehr viele spirituelle Menschen auf Jamaika kennen gelernt, die mir sehr viel beigebracht haben.

AVIVA-Berlin: Hattest Du bisher die Gelegenheit, nach Liberia zu reisen?
Zoe: Nein, das war bisher leider nicht m├Âglich. Der Krieg dort ist erst seit zwei Jahren beendet, und zur Zeit kann ich wegen des Babys erst mal nicht soweit reisen. Aber sobald mein Kind alt genug ist, plane ich, dorthin zu reisen. In Liberia regiert jetzt eine sehr gute Pr├Ąsidentin und das l├Ąsst auf eine bessere Zukunft f├╝r dieses Land hoffen.

AVIVA-Berlin: Du wirst als die deutsche Reggaequeen bezeichnet. Wie w├╝rdest Du selbst Deine Musik beschreiben?
Zoe: Es ist sehr schmeichelhaft so genannt zu werden, aber ich selbst bin zu bescheiden, um so etwas ├╝ber mich zu sagen. Wobei auch die Musik, die ich mache, von sehr vielen unterschiedlichen Richtungen beeinflusst wird. Es ist nicht nur Straight Reggae. Das irritiert manche Leute auch. Einige, die selbst Straight Reggae machen, sagen schon mal zu mir: "Zoe, das ist kein Reggae, da ist zu viel Pop oder zu viel Soul mit drinnen." Da ecke ich also auch mit an, aber ich finde es sch├Ân, so wie es ist, weil ich generell nicht viel von Schubladen halte, musikalisch schon gar nicht. Ich m├Âchte einfach ein Potpourri haben, wobei der Reggae-Anteil unbestritten am gr├Â├čten ist.

AVIVA-Berlin: Wie bist Du denn selbst urspr├╝nglich zum Reggae gekommen, in Deutschland ist die Musikrichtung ja nicht so stark pr├Ąsent? Waren Deine Eltern Vorbilder?
Zoe: Ich bin dem Reggae einfach ├╝berall begegnet und war von der Musik begeistert. In Bayern gibt es zum Beispiel Hans S├Âllner, der deutschsprachigen Reggae macht.
├ťber meine Eltern kam das nicht unbedingt so. Als Kind habe ich sehr gerne Calypso-Musik geh├Ârt, unter anderem Harry Belafonte. Das wurde f├╝r mich zu einer ganz gro├čen Liebe, ich mochte diese Kl├Ąnge sehr. Dann bin ich vor Jahren mal im Rahmen einer Winterdepression nach Jamaika gereist und habe ich mich unendlich in diese Insel verliebt. Ich habe dort sehr viele MusikerInnnen kennen gelernt. Diese Insel hat mir den Reggae noch intensiver n├Ąher gebracht.
Und dann war da nat├╝rlich auch Bob Marley, seine Musik hat mich schon als Teenager fasziniert.

AVIVA-Berlin: Mit seinem Sohn Ky-Many Marley hast Du gemeinsam den Song "Could It be You" eingesungen.
Zoe: Oh ja, das war eine ganz tolle Erfahrung. Ich bin sehr froh dar├╝ber, dass ich in meinem Leben schon viele so wunderbare Erfahrungen machen durfte.

AVIVA-Berlin: Hast Du Dir schon einmal ├╝berlegt, auf Deutsch zu singen?
Zoe: Das hat sich f├╝r mich bisher nicht ergeben. Es liegt mir mehr, auf Englisch zu singen. Aber privat singe ich nat├╝rlich auch mal auf Deutsch. Im Moment singe ich oft Kinderlieder f├╝r meinen kleinen Sohn. Auf der B├╝hne auf Deutsch zu singen, war bisher f├╝r mich einfach nicht an der Reihe, wobei ich es nicht von vornherein ausschlie├če. Ich kann auch nicht genau sagen, warum ich mich da so entscheide, es hat sich f├╝r mich eben so angef├╝hlt, dass ich Englisch den Vorzug gab.

AVIVA-Berlin: Wie wichtig ist Dir, mit Deiner Musik eine politische Botschaft zu vermitteln? Reggae ist von seinen Wurzeln her ja auch eine sehr politisch motivierte Musik. Als ich bei Myspace in Deine Songs hineinh├Ârte, fiel mir auf, dass Du einige poppig angehauchte Songs hast, aber dann sind da auch ├Ąltere Songs wie zum Beispiel "Liberia"?
Zoe: Es ist immer das im Vordergrund, was mich am meisten besch├Ąftigt. Ich mache sehr pers├Ânliche Musik. Ich finde es wichtig, dass man ehrlich ist, mit dem, was man sagt. Als ich "Liberia" geschrieben habe, ging gerade durch die Nachrichten, wie schrecklich dort die Situation im Moment ist. Das hat mich so aufgew├╝hlt, dass ich dieses St├╝ck geschrieben habe. Auf "Golden Rebellion", meinem letzten Album, habe ich an anderen Themen gearbeitet, die zu der Zeit f├╝r mich pr├Ąsenter waren. So ergibt sich das immer. Ich m├Âchte einfach authentisch sein, mit meinen Sound und meinen Texten.

AVIVA-Berlin: Gibt es schon Pl├Ąne f├╝r ein neues Album?
Zoe: Ja, ich plane nat├╝rlich ein neues Album, aber ich bin auch der Meinung, dass die Branche heute so wahnsinnig schnelllebig geworden ist. Man braucht Zeit zum Schreiben und zum Komponieren, damit die Musik Substanz hat. Ich w├╝nsche mir, den Freiraum zu haben, gute Songs zu schreiben, und nicht einfach schnell irgendwelche Songs herauszugeben. Und diese Zeit m├Âchte ich mir auch nehmen. Aber ich habe ein gutes Konzept im Herzen und hoffe, dass ich es im Winter umsetzen kann. Auf der anderen Seite ist mir mein Sohn auch sehr wichtig. Durch ihn ist es ein anderes Arbeiten geworden. Ich muss mir die Zeit anders einteilen, denn meistens habe ich ihn dabei.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Interview, viel Erfolg und Spa├č beim Konzert!

Golden Rebellion
Label:
Homeground, Grooveattack, V├ľ: September 2007

All I Need (Single)
Label:
Homeground, Grooveattack, V├ľ: Juni 2008

Zoe im Netz: www.zoecity.de und auf MySpace

Interviews Beitrag vom 02.08.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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