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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.10.2008

Clare Bowditch im Interview
Tatjana Zilg

Die Achse Melbourne – Berlin hat schon öfter für effiziente Wechselwirkungen in den Musik-Szenen beider Metropolen gesorgt. Pünktlich zur Popkomm zog die junge australische Songwriterin …



… für einige Monate in die deutsche Hauptstadt, um sich mit den AkteurInnen der hiesigen Musikszene auszutauschen und ihre filigranen, harmonischen Pop-Songs dem europäischen Publikum vorzustellen.

In Australien hat sie schon längst einen festen Platz in der breit gefächerten Musik-Szene eingenommen. Das Publikum dort lauscht hingebungsvoll ihren Songs, wenn sie mit ihrer Band oder Solo auf der Bühne steht. Drei Alben hat sie in Downunder bisher veröffentlicht, nun wählte sie für einige Zeit Berlin als Lebensort.

In ihren Songs erkundet sie kleine und große Emotionen und verpackt sie in ein musikalisches Storytelling, das jedes der Alben zu einem erquickenden Bad für die Seele werden lässt. Stand bei "What Was Left" die Beschäftigung mit Trauer und Verlust im Mittelpunkt, so rückten bei dem in Australien 2007 erschienen "The Moon Looked On" Lust, Leidenschaft, Freude und Versuchung in den Vordergrund der detailreichen Sound-Netze, in denen sie eine Vielzahl an Instrumenten einsetzt. Durch ein Studium der Musikethnologie entwickelte sie eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber traditionellen Instrumenten, von denen sie einige - unter anderem einige aus Vietnam - in ihren Pop Songs einsetzt. Es gelingt ihr, sie in ihrer Besonderheit erklingen zu lassen, aber sie dennoch so in das restliche Umfeld einzubinden, dass sie in ihm ganz natürlich wirken und nicht wie exotische Accessoires. Um die Schönheit ihrer Songs auch pur zugänglich zu machen, entschied sie sich zusammen mit ihrem Produzenten und Schlagzeuger Marty Brown dazu, die Songs in akustischen Versionen als Bonus-CD beizufügen.

In Australien bekam sie für ihr ausgefeiltes Songwriting schon viel Anerkennung. Unter anderem wurde sie im Jahr 2006 von der Australian Recording Association als "Best Female Artist" ausgezeichnet. AVIVA-Berlin traf die Songwriterin in Kreuzberg am Wochenende vor der Popkomm.

AVIVA-Berlin: Wie lange wirst Du in Berlin leben?
Clare Bowditch: Ich bleibe bis Ende Dezember, aber nächstes Jahr komme ich bereits wieder, um eine längere Zeit hier zu leben. Ich bin gerade dabei, in die Berliner Musikszene einzutauchen, und kenne mittlerweile Kat Frankie sehr gut. Sie unterstützt mich im Moment sehr, zeigt mir alles und stellt mich den Leuten vor.

AVIVA-Berlin: Unterscheidet sich die Berliner Musikszene sehr von der in Australien?
Clare Bowditch: Das ist für mich schwer zu sagen, ich bin ja noch nicht so lange in Berlin. Es ist beeindruckend, wie natürlich mit der englischen Sprache umgegangen wird und wie offen alle sind. Die Leute haben einen tollen Zugang zu den MusikerInnen aus aller Welt, die hier für eine Zeit leben. Und es passiert sehr viel Außergewöhnliches. Letzte Woche habe ich mir ein Konzert im Schokoladen angesehen, da hat eine deutsche Band gespielt, die eine Art Siebziger Jahre Funk machen, aber mit deutschen Texten. Sie hatten auffällige Kostüme an und es war sehr spaßig. Das ist alles schon sehr faszinierend für mich. Ich denke, eine direkte Parallele zu Australien ist das Gefühl, in dieser Stadt wirklich frei und unabhängig Musik machen zu können und für sie zu leben. Diese alternative Komponente gibt es hier genauso wie in Australien - besonders in Melbourne, wo ich lebe.

AVIVA-Berlin: Melbourne ist weltbekannt für seine Musikszene. Mittlerweile gibt es dort eine jahrzehntelange Tradition, besonders für dunkle Musik.
Clare Bowditch: Ja, kurz bevor ich nach Europa flog, habe ich mich lange mit Mick Harvey von Nick Cave And The Bad Seeds unterhalten. Er hat mir viel von seiner Zeit in Berlin erzählt und in positiven Erinnerungen geschwelgt. Es gibt viele Verbindungen zwischen Melbourne und Australien.
Möglicherweise wird Mick Harvey auch mein nächstes Album produzieren. Meine bisherigen Alben produzierte Marty Brown, der auch Schlagzeuger in meiner Band ist. Dieses Mal möchte ich etwas Unterschiedliches ausprobieren, und deshalb habe ich mich nach einem Produzenten umgesehen, der ganz neue Impulse einbringen kann.

AVIVA-Berlin: Am Freitag spielst Du auf der Popkomm. Bist Du aufgeregt, bei der Popkomm als einem der größten Musikfestivals der Welt dabei zu sein?
Clare Bowditch: Oh ja, das wird großartig, ich freue mich schon sehr drauf. Auch in Australien ist sie sehr bekannt, und es ist schön, dass wir daran teilnehmen können.
Und ich bin schon gespannt, Leute aus dem Music-Business der ganzen Welt kennenzulernen.

AVIVA-Berlin: Wirst Du Dir Konzerte von anderen Bands anschauen?
Clare Bowditch: Ja, ich werde selbst am Donnerstag und am Freitag unterwegs sein. Zum Beispiel möchte ich Lamplight im Kato sehen. Ich habe gerade meine Tour beendet und möchte da auch etwas entspannen und selbst wieder mal gute Konzerte genießen, neben meinem eigenen Auftritt am Freitag im Privatclub.

AVIVA-Berlin: Schätzt Du es als schwierig ein, in Deutschland ein Label zu finden?
Clare Bowditch: Bisher habe ich keines, auch deshalb bin ich für ein paar Monate nach Berlin gezogen. In Australien habe ich eine Lizenz bei Capitol Records. "The Moon Looked On" ist bisher noch nicht als deutsche Version erschienen. Aber ich habe eine eher ungewöhnliche Vereinbarung mit Capitol Records. Die Lizenz gilt nur für Australien, so dass ich dasselbe Album bei jedem anderen Label in der ganzen Welt veröffentlichen kann, ohne jegliche Vertragsschwierigkeiten.

AVIVA-Berlin: Dein letztes Album "The Moon Looked On" hast Du in zwei Versionen aufgenommen, eine gemeinsam mit Deiner Band "And The Feeding Set", auf der anderen sind alle Songs nur mit Gesang und Akustikgitarre zu hören. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Clare Bowditch: In Australien bin ich abwechselnd mit der Band oder Solo auf Tour gewesen. Mein Produzent Marty und ich entschieden uns deshalb dafür, auf der CD beide Varianten zu präsentieren.
Außerdem habe ich auf dieser CD sehr unterschiedliche Instrumente eingebunden wie zum Beispiel ein vietnamesisches Ein-Saiteninstrument – Dan Bau – wodurch die Songstrukturen sehr komplex sind. Da war es auch wichtig, als Gegenpol eine minimalistische, pure Version anzubieten, für den Teil des Publikums, das mich live vor allem als Solo-Musikerin mag. Ich habe die Zusatz-CD aber nicht neu eingespielt, sondern Marty hat die Gesangs- und Gitarren-Parts der Vollversionen genommen und für die Akustik-Version neu arrangiert. Die Doppel-CD erschien dann als Limited Version. Nur den ersten 20.000 Kopien in Australien war die Akustik-Version zugefügt.

AVIVA-Berlin: Welche Version Deines Albums "The Moon Looked On" magst Du persönlich am liebsten?
Clare Bowditch: Ich höre mir eigentlich lieber die Band-Version an, ich mag es, wenn der Sound vielschichtig ist.

AVIVA-Berlin: Wie hast Du zu Deiner Band gefunden? Kennt Ihr Euch alle schon lange?
Clare Bowditch: Ja, es sind langjährige FreundInnen von mir. Zuerst haben wir nur gelegentlich miteinander gespielt, ich war als Solomusikern unterwegs und habe mir jeweils zur Tour GastmusikerInnen engagiert, aber ich merkte schnell, dass ich mit einer festen Band spielen möchte. Als ich dann begann, mein erstes Album " Autumn Bone" aufzunehmen, rief ich ein paar alte Freunde an, und fragte sie, ob sie mit mir zusammenarbeiten wollen. Sie sind parallel auch in andere Projekte involviert, aber es ist sehr angenehm, auf eine feste Bandbesetzung zählen zu können. Dennoch war es mir immer wichtig, meine Soloaktivitäten genauso weiterzuentwickeln wie die gemeinsame Arbeit mit der Band. Ich benutze bei den Solo-Auftritten einzelne Perkussions-Instrumente, manch Mal ist auch ein Drummer mit dabei. Am Freitag im Privatclub spiele ich auch Solo.

AVIVA-Berlin: Was inspiriert Dich beim Songwriting?
Clare Bowditch: Sehr, sehr vieles. Ich artikuliere meine Verwirrung über die Welt genauso wie meine Hoffnungen für die Welt. Und ich liebe es, Geschichten zu erzählen. Mein Vater war schon ein Geschichtenerzähler, und auch meine Mutter ist Geschichtenerzählerin. Es ist eine Familientradition, sich niederzusetzen und den Menschen Geschichten zu erzählen, Geschichten über das tägliche Leben. Ich lasse mich auch gern von Klängen inspirieren, die ich in meiner Umgebung wahrnehme. Ich komponiere schon seitdem ich drei Jahre alt bin. Es ist zum ganz alltäglichen Bestandteil meines Lebens geworden. Meine Songs spiegeln immer die Art, wie ich mit der Welt in Verbindung stehe.

AVIVA-Berlin: Was zeichnet in Deinen Augen einen guten Song aus?
Clare Bowditch: Oh, das ist etwas, was ich nie exakt artikulieren werde können. Und ich liebe es, dass es so ist, denn so bleibt es für mich ein Mysterium. Aber ich fühle es, wenn ich einen guten Song höre, und so bleibt es mehr ein Instinkt, ich bin keine analytische Hörerin. Wenn ich die Songs von anderen MusikerInnen höre, ist es mir einfach wichtig, dass sie mein Herz berühren, etwas in mir in Bewegung bringen.

AVIVA-Berlin: Bei "The Moon Looked On" hast Du viele unterschiedliche Instrumente benutzt. Wo hast Du all diese Instrumente entdeckt und wie bist du bei Ihrer Einbindung in Deine Musik vorgegangen?
Clare Bowditch: Ich habe an der Universität in British Columbia Musikethnologie studiert. Es interessiert mich sehr, wie die Welt und die Musik in Beziehung stehen. Wegen dieses Hintergrunds nehme ich die vielen Nuancen, in denen sich Musik zeigt, sehr aufmerksam war und bin sehr offen für ungewöhnliche Arten, Musik zu machen. Es gibt eine Menge zeitgenössischer Musik, die ich als langweilig empfinde. Ich war vor einiger Zeit im Vietnam und entdeckte dort einen außergewöhnlichen Musikladen. Ich habe lange in den Regalen gestöbert und brachte viele traditionelle Instrumente von dort mit nach Australien. Gemeinsam mit der Band haben wir mit ihnen dann viel experimentiert und neue Sound-Ideen gefunden.

AVIVA-Berlin: Wie kam es dazu, dass Du Dich dafür entschieden hast, Musikethnologie zu studieren?
Clare Bowditch: Nun, Musik ist meine große Liebe und verkörpert eine Welt für mich, in der ich ganz aufgehen kann. Ich finde es schade, dass wir in unserer Kultur eine eher distanzierte Haltung zur Musik einnehmen, so dass wir nicht merken, wie sehr Musik mit dem Leben in Verbindung steht. Sie hat so eine starke Kraft, die Dinge zu verändern. Es war sehr spannend, im Studium mehr darüber zu erfahren, wie vielfältig Musik weltweit kreiert wird und wie sie das Individuum und die sozialen Strukturen beeinflussen kann.

AVIVA-Berlin: Möchtest Du später auch im wissenschaftlichen Bereich arbeiten?
Clare Bowditch: Im Moment ist es mir am wichtigsten, meine eigene Musik zu machen, in die aber dieses Wissen und diese Erfahrungen stark mit ein fließen. Zu einem anderen Zeitpunkt werde ich sicher auch direkter musikethnologisch arbeiten. Hier in Berlin nehme ich nebenbei auch Material für einen Dokumentarfilm auf, aber der Schwerpunkt liegt bei mir vorerst definitiv auf dem Songwriting.

AVIVA-Berlin: Wie sind Deine Pläne für die nähere Zukunft?
Clare Bowditch: Ich habe gerade meine Europa-Tour beendet, in Berlin werde ich noch einige Konzerte geben und in den nächsten ein, zwei Monaten an meinen neuen Album arbeiten.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview!

Clare Bowditch im Netz: www.clarebowditch.com und auf Myspace

Clare Bowditch And The Feeding Set
The Moon Looked On

Label: Story Baker, Capitol Music, VÖ Australien 2007

Konzerte in Berlin:

Freitag, den 7. November, um 22.00 Uhr
Lux
Schlesische Straße 41
10997 Kreuzberg
Eintritt: 5 Euro

Mittwoch, den 12. November,
Acoustic Moon At The Schokoladen
Ackerstraße 169
10115 Berlin

Dienstag, den 18 November, um 21.00 Uhr,
Antje Öklesund
Rigaerstraße. 71
10247 Berlin
Eintritt frei

Mittwoch, den 26 November,
Acoustic Moon Birthday celebration At The Schokoladen
Ackerstrasse 169
10115 Berlin


Interviews Beitrag vom 06.10.2008 AVIVA-Redaktion 

   




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