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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 29.07.2008

Interview mit der Tänzerin Carmen Angulo
Britta Leudolph

Vom 28. Juli bis 03. August 2008 gastierte das Ballet Teatro Espanol de Rafael Aguilar mit "Carmen Flamenco" in der Komischen Oper Berlin. AVIVA-Berlin sprach mit der Darstellerin der "Carmen".



Das Ballet Teatro Espanol de Rafael Aguilar wurde 1960 von Rafael und Manuela Aguilar, einem Startänzer und einer Primaballerina, in Paris gegründet. Seit dem Tod der GründerInnen verwaltet die ehemalige künstlerische Assistentin der Aguilars, Carmen Salinas, deren choreografisches Erbe. Die Compagnie besteht aus 35 TänzerInnen, MusikerInnen und SängerInnen und spielt ausschließlich die Choreografien der Aguilars.
Schon in den 70er Jahren begründete Rafael Aguilar in enger Zusammenarbeit mit Manuela einen eigenen künstlerischen Stil. Einen besonderen Höhepunkt stellte die künstlerische Zusammenarbeit mit Antonio Gades dar, die die Inszenierung El Rango, basierend auf dem Drama "La casa de Bernada Alba" von Federico Garcia Lorca, hervorbrachte - das weltweit erste Flamenco-Tanztheaterstück.

Der große Erfolg von El Rango ebnete Rafael Aguilars Inszenierungen den Weg auf die großen internationalen Bühnen, so wurde seine Flamenco-Adaption "Carmen" unter anderem an der Oper Paris-Bercy, an der Mailänder Scala und am Bolschoi-Theater in Moskau aufgeführt.

Foto: Nilz Böhme
Rafael Aguilars "Carmen Flamenco" ist eines der erotischsten Bühnenwerke des spanischen Tanztheaters. Die Interpretation der 1847 erschienenen Novelle Prosper Merimes gilt als innovative Verbindung des puristischen Flamenco mit Elementen des Balletts, des modernen Tanzes und des Theaters.

In den "Carmen Flamenco"-Aufführungen in der Komischen Oper wird die Hauptrolle von Carmen Angulo verkörpert. Die Spanierin wurde 1976 geboren und absolvierte eine Ausbildung in klassischem und spanischem Tanz, Flamenco sowie Tanztheater. Sie tanzte im Laufe ihrer Karriere mit bekannten Darstellern wie Luis Ortega oder Joaquin Cortes und war unter anderem am Teatro Real, dem größten Opernhaus Madrids, engagiert.

AVIVA-Berlin: Wie sind Sie zum Ballet Teatro Espanol gekommen?
Carmen Angulo: Das Ballet Rafael Aguilar ist auf mich zugekommen und hat mich angesprochen, allerdings zunächst für eine andere Rolle, nämlich die der rebellischen Tochter El Rangos. Dies ist ein Stück, das im Programm Bolero gezeigt wird. Es basiert auf "Bernada Albas Haus" von Federico Garcia Lorca. Der künstlerischen Leitung hat meine Darbietung sehr gut gefallen und so probierten wir es mit der "Carmen". Das ist nicht zu vergleichen, weil "Carmen" ein sehr langes Stück ist, fast zweieinhalb Stunden, und die "Carmen" fast die ganze Zeit auf der Bühne steht. Das ist körperlich, vom künstlerischen Ausdruck her, aber auch vom Gefühl, das man da reinsetzt, extrem anstrengend. Und es braucht dann auch noch einiges an Vorbereitung von der einen Rolle zur anderen.

AVIVA-Berlin: "Carmen" ist eine Frau, die sich gegen gesellschaftliche Normen und Werte stellt. Was fasziniert Sie an dieser Rolle besonders?
Carmen Angulo: Einerseits fasziniert mich, dass sie sich gegen gesellschaftliche Normen gestellt hat. In ihrer Zeit war sie als Frau sehr avantgardistisch, sehr weit im femininen Denken. Sie war sehr arm, das kommt hier zum Ausdruck, und sie war Zigeunerin. Diese drei Facetten: Frau, arm und Zigeunerin sein hat sie in ungeheurem Kampf ausgelebt, sie hat ihre Waffen, alle Waffen benutzt, die ihr als Frau zur Verfügung standen. Sie hat mit unheimlich viel Kraft und Willen für Freiheit gekämpft. Sie wollte frei sein, der Preis dafür war am Ende der Tod. Natürlich ist sie auch eine sehr romantische, gefühlvolle Frau, das ist sehr schön.

AVIVA-Berlin: Wie viel "Carmen" steckt in Ihnen?
Carmen Angulo: Das weiß ich nicht so genau, das müssten eher Freunde von mir sagen. Ich hoffe, dass ein wenig von ihr in mir steckt. Ich wünsche mir, dass sie viel von dem repräsentiert, was es vielleicht heute gibt. Wir Menschen im Westen, im Okzident, haben viel von dem erreicht und leben mit vielen positiven Errungenschaften, für die "Carmen" gekämpft hat, aber das ist nicht in allen Kulturen oder sozialen Gefügen so. Und deshalb hoffe ich, dass diese Ideale immer noch verwirklicht werden und verwirklicht werden können. Eben weil das Stück immer noch so aktuelle Themen beinhaltet, ist es ein Meisterwerk.

AVIVA-Berlin: Was bedeutet der Flamenco für Sie?
Carmen Angulo: Er ist meine Lebensform, meine Arbeit, meine Freude, mein Hobby. Das heißt nicht, dass ich es Last betrachte, aber doch 24 Stunden am Tag damit lebe, und zwar als meine Möglichkeit, mich auszudrücken, mit der Umwelt zu kommunizieren und auch Kunst zu machen. Es ist ganz tief in mir drin und auch die Suche nach meinem persönlichen Tanz, nach meinem persönlichen Ausdruck und ich bin sehr glücklich, dass mir diese Art Sprache zur Verfügung steht.

AVIVA-Berlin: Sie kreieren auch ihre eigenen Choreografien. Was inspiriert Sie bei dieser Arbeit?
Carmen Angulo: Ich beginne mit der Arbeit als Choreografin, aus Vergnügen in erster Linie, aber auch ein bisschen aus persönlicher, innerer Notwendigkeit. Und als erste Phase, fast als Präambel, suche ich in mir selbst, in meiner Geschichte, in meiner kleinen persönlichen Sicht der Welt und in meiner Intimität.

AVIVA-Berlin: Das Ballet Teatro Espanol ist seit vielen Jahren erfolgreich. Was glauben Sie, ist das Geheimnis dieses Erfolgs?
Carmen Angulo: Wenn ich mich als Zuschauerin sehe und dieses Werk betrachte, muss ich einfach sagen, dass Rafael Aguilar ein Genie, ein Visionär für seine Zeit war. Das, was er damals schaffte, wird heute auch als zeitgenössischer Tanz, als zeitgenössische Ausdrucksform auf die Bühne gebracht. Das Werk ist heute noch bedeutend, weil Rafael Aguilar Geschichten über Bewegung erzählt hat. Dieses Konzept wird heute nicht mehr so oft verfolgt. Bereits zu seiner Zeit war das ein Meisterwerk, und ist es auf bestimmte Art und Weise auch für die Ewigkeit, weil es noch heute diese Bedeutung hat. Ich glaube, dass das Repertoire Rafael Aguilars für den Flamenco und den spanischen Tanz einfach immer lebendig bleiben wird, auch durch die Liebe und Sorgfalt mit der das Erbe gepflegt wird und auch durch die Tänzer, die seine Choreografien heute immer noch tanzen.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview.


Carmen Flamenco
Ballet Teatro Espanol de Rafael Aguilar
29. Juli bis 03. August 2008
Komische Oper
Behrenstraße 55-57
10117 Berlin
www.komische-oper-berlin.de

Interviews Beitrag vom 29.07.2008 Britta Leudolph 

   




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