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AVIVA-BERLIN.de im November 2014:

Interview mit Sabine Kartte, Geschäftsführende Redakteurin beim stern und eine von neun Frauen im Vorstand des Vereins ProQuote Medien
Ilka Fleischer

30% der Führungspositionen auf allen Hierarchiestufen fordert die Initiative "Pro Quote" für Frauen in den Medien. Im E-Interview legt Sabine Kartte die Forderung nach der vieldiskutierten Quote dar



Beim 16. MainzerMedienDisput am 5. Juni 2012 stand die Quoten-Forderung "30 Prozent Frauen an die Schalthebel der Medien-Macht" der Initiative Pro Quote zur Diskussion. Als Vorstandsmitglied der Initiative vertieft Sabine Kartte, geschäftsführende Redakteurin der Gruner+Jahr AG & Co KG, Redaktion stern, die Hintergründe der Forderung im E-Interview mit AVIVA-Berlin.

AVIVA-Berlin: Inwiefern unterscheidet sich die Debatte "Frauen in Führungspositionen" in den Medien von der Debatte in der "Wirtschaft"? Weshalb gibt es keine pauschale Bündnisforderung?
Sabine Kartte: Die Debatte unterscheidet sich eigentlich kaum. "Mehr Frauen in Führungspositionen", das gilt durchweg. Umstritten ist, ob eine verpflichtende Quote gefordert werden soll. In einzelnen Berufsgruppen – Mediziner, Anwälte, Unternehmensberater –, formiert sich die Forderung nach einem höheren Frauenanteil gerade.

AVIVA-Berlin: Wie ist das aktuelle Geschlechterverhältnis Ausbildung/Berufseintritt und BewerberInnen/Einstellungen auf den unterschiedlichen Hierarchiestufen in den Medien (Statistiken)?
Sabine Kartte: Bisher wissen wir: Von den etwa 360 Redaktionen der deutschen Tages- und Wochenzeitungen werden lediglich zwei Prozent von Frauen geführt. Wie die Verhältnisse im Einzelnen aussehen, wollen wir mit Hilfe wissenschaftlicher Studien erheben, darüber gibt es noch keine validen Zahlen. Auf jeden Fall ist das Missverhältnis zwischen dem weiblichen Anteil in der Führung und beim Berufseinstieg nicht zu rechtfertigen. In den Journalistenschulen ist mehr als die Hälfte der Absolventen weiblich, bei den Abschlüssen der journalistischen Masterstudiengänge sind es über 75 Prozent.

AVIVA-Berlin: Welche internationalen Erfahrungen gibt´s mit der "Frauen-Quote" in den Medien?
Sabine Kartte: Als Nick Davis vom Guardian neulich im Rahmen einer großen Feier den Henri-Nannen-Preis entgegen nahm, fragte er hinterher verwundert, ob es in Deutschland denn keine guten Journalistinnen gebe, er wäre nur Männer, kaum Frauen begegnet. Das spricht für sich.

AVIVA-Berlin: (Abgesehen von dem Grundrecht auf Gleichstellung, das Sie mit der Initiative einfordern:) Welche besonderen Chancen und gesellschaftlichen Folgen werden für die Medienbranche mit der "Frauen-Quote" in Verbindung gebracht?
Sabine Kartte: Mit ihren männlichen Monokulturen werden die Medien der Vielfalt der Gesellschaft, die sie ja abbilden sollen und wollen, nicht gerecht. Der ökonomische Druck ist heftig, die Printmedien sind im Umbruch, Auflagen brechen weg. Parallel etablieren sich die digitalen Medien. Offenheit und Kreativität sind gefordert. Gemischte Teams sind offener, kreativer und effizienter als einförmige Männerbünde, sie bringen bessere Ergebnisse. Worauf warten wir also noch?

AVIVA-Berlin: Wie wird die "Flexi-Quote" aktuell für die Medienlandschaft in Deutschland diskutiert? (Wie) könnte damit den unterschiedlichen Bedingungen bei den öffentlich-rechtlichen in Relation zu den privaten Medien Rechnung getragen werden?
Sabine Kartte: Aufschluss über die unterschiedlichen Bedingungen haben wir noch nicht, es gibt kaum verlässliche Strukturdaten. Auf jeden Fall wollen wir die einzelnen Bereiche einem Gender-Check unterziehen und die Ergebnisse veröffentlichen.

AVIVA-Berlin: Besteht auch in den Medien Bedarf an Empowerment weiblicher Fachkräfte? Oder haben Medienfrauen eher weniger Scheu bzw. Zweifel, sich auf Führungspositionen zu bewerben?
Sabine Kartte: Es besteht sicher Bedarf. Viele begabte Journalistinnen sind zurückhaltend, auch weil weibliche Rollenvorbilder fehlen. Auch mangelt es in vielen Redaktionen an einer transparenten talentfördernden Personalpolitik. Junge Frauen fühlen sich häufig alleingelassen. Auch das ist ein wichtiges Thema, dem wir uns widmen werden, etwa mit Mentoring-Programmen.

AVIVA-Berlin: Wie betten Sie Ihre Quoten-Forderung in andere zentrale gleichstellungspolitische Themen ein (insb. Work-Family-Balance, Kinderbetreuung, Ehegattensplitting...)? Und welchen Stellenwert messen Sie "der Quote" in diesem Rahmen bei?
Sabine Kartte: Diese Themen werden sich mit einer Quote weitgehend von selbst lösen, weil sich die Kultur verändern wird. Weibliche Chefs werden für Kinderbetreuung, Work-Family-Balance, etc. sorgen. Das Ehegattensplitting hat in einer modernen Gesellschaft eigentlich nichts mehr zu suchen. Das werden wir mit einer Quote aber nicht lösen.

AVIVA-Berlin: Wie kam´s zu der 30%-Forderung der Initiative "Pro Quote"? (Warum 30 und nicht 50%)?
Sabine Kartte: Das war Mehrheitsbeschluss. In manchen Redaktionen ist der Frauenanteil so gering, dass eine 50 Prozent Forderung gar nicht zu erfüllen wäre. Außerdem gilt: Sind 30% erreicht, ergibt sich der Rest von allein. Uns geht es darum, diese kritische Masse zu erfüllen. Und wir wollen den Unternehmen eine realistische Chance geben.

AVIVA-Berlin: Inwiefern wurden - als Reaktion auf die Initiative - die Statistiken von den "Noch-Chefredakteuren und Koordinatoren der "old boys networks" geschönt"?
Sabine Kartte: Führungsposition ist ein dehnbarer Begriff, und in diesen Rechnungen ist zum Teil maximal gedehnt worden. Entscheidend ist, welchen Einfluss die Position auf das redaktionelle Geschehen hat. Wichtig ist, wer in Themenkonferenzen und Entscheidungszirkeln das Wort führt, wer Inhalte und Optik bestimmt. Und das sind in fast allen Redaktionen immer noch fast ausschließlich Männer.

AVIVA-Berlin: Mit welchen Contra-Argumenten wird Ihnen - abgesehen von frisierten Statistiken - begegnet? (In der Podiumsdiskussion kam zum Beispiel die Frage nach dem Makel, eine "Quoten-Frau" zu sein, auf...)
Sabine Kartte: Die Männer würden benachteiligt, heißt es jetzt oft. Was ja nicht falsch ist, aber notwendig, bis die Benachteiligung der Frauen ausgeglichen ist.

AVIVA-Berlin: Worin machen Sie Altersdiskriminierung in den "geschönten" Statistiken aus? Und inwiefern sehen Sie grundsätzlich ein "Generationen-Problem" in der Debatte?
Sabine Kartte: Ein grundsätzliches Generationen-Problem sehen wir nicht. ProQuote ist altersmäßig gemischt. Ältere und jüngere Frauen fühlen sich gleichermaßen betroffen.

AVIVA-Berlin: Sie haben inzwischen einen Verein für die Initiative gegründet, um Ihre Arbeit - auch finanziell - auf solide Beine zu stellen. Wen sehen Sie - neben den bereits gewonnenen MitstreiterInnen - als potenzielle UnterstützerInnen?
Sabine Kartte: Jeden, der sich kreative, hochwertige, moderne, gesellschaftlich relevante Medien wünscht.


Sind Sie ebenfalls Medienschaffende? Schließen Sie sich an und unterzeichnen Sie den Aufruf unter: Pro Quote – mehr Frauen an die Spitze

Weitere Informationen finden Sie unter:

Pro Quote auf Facebook

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Pro Quote - mehr Frauen an die Spitze - Unterzeichnen für die 30-Prozent-Quote

Journalistinnenbund e.V. veröffentlicht am 16. Februar 2011 Statement zur Quotendebatte

Aktionärinnen veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Studie - Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen im europäischen Kontext

Führungsfrauen bleiben ausgebremst






Interviews erstellt: 14.06.2012 Ilka Fleischer 

   




 
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