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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 28.04.2016

Interview mit Australian Open-Champion Angelique Kerber
Sylvia Rochow

Ende Januar 2016 gewann Angelique Kerber in Melbourne als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf im Jahr 1999 einen Grand Slam-Titel. Am Rande des Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart,..



... bei dem sie ihren Titel aus dem Vorjahr nach einer spannenden Turnierwoche schließlich erfolgreich verteidigen konnte, traf sich AVIVA mit der 28-jährigen Kielerin mit polnischen Wurzeln zum Gespräch über Erfahrungen, Veränderungen und Erwartungen seit ihrem Australian Open-Triumph.

AVIVA-Berlin: Der Wimbledon-Sieger von 1991, Michael Stich, hat vor seinem Schaukampf hier in Stuttgart gesagt, er hätte eigentlich erst nach seiner Karriere realisiert, was er mit seinem Wimbledon-Sieg geleistet habe, nämlich, dass ein Grand Slam-Titel etwas ist, das für immer bleibt. Wie empfinden Sie das, seit Ihrem Triumph in Melbourne sind ja noch nicht einmal drei Monate vergangen?

Angelique Kerber: Ich habe mittlerweile schon realisiert, was ich da in Australien gemacht habe. Natürlich hat das ein paar Wochen gedauert, bis es wirklich bei mir angekommen ist, aber jetzt, nach drei Monaten, und nach dem, was alles nach meinem Sieg passiert ist, muss ich sagen, es ist bei mir angekommen.

AVIVA-Berlin: Sie haben immer von solch einem großen Titel geträumt. Wie fühlte es sich denn dann in der Realität an?

Angelique Kerber: Genau so schön wie in meinen Träumen. (lacht)

AVIVA-Berlin: Sie sind jetzt nicht nur hier beim Porsche Tennis Grand Prix als Titelverteidigerin so etwas wie das Aushängeschild des deutschen Tennis, auch insgesamt hat der Rummel um Ihre Person mit Presse- und Sponsorenterminen und ähnlichem sicherlich deutlich zugenommen, oder?

Angelique Kerber: Auf jeden Fall. Ich habe es gemerkt, als ich aus Australien zurückgekommen bin, dass es dann angefangen hat und dann immer mehr und immer mehr wurde. Das spüre ich auch während der Turniere. Ich habe jetzt viel mehr drumherum zu tun, viel mehr Sachen zwischen den Trainingseinheiten und auch nach den Matches.
Das ist mittlerweile wirklich eine ganz andere Aufmerksamkeit, wenn ich durch die Straßen gehe oder auf den Turnieren bin. Aber davon habe ich immer geträumt und es ist auf jeden Fall schön. Ich würde jetzt ganz bestimmt nicht mit jemandem tauschen wollen.

AVIVA-Berlin: Also nervt es Sie nicht?

Angelique Kerber: Nein, noch nicht. (lacht)

AVIVA-Berlin: Nach Ihrem Triumph beim Porsche Tennis Grand Prix im vorigen Jahr haben Sie Ihrer Freundin Andrea Petkovic – die Ihren Erfolg vorausgesagt hatte – versprochen, sie auf eine Spritztour in dem Siegerinnen-Auto mitzunehmen. Sind Sie schon dazu gekommen?

Angelique Kerber: Nein, leider noch nicht. Aber wenn wir mal ein bisschen länger Pause haben, werden wir das auf jeden Fall machen.

AVIVA-Berlin: Haben Sie schon eine Idee, wo Sie dann hinfahren würden?

Angelique Kerber: Auf jeden Fall erst mal irgendwo auf die Autobahn, um richtig schnell fahren zu können. (lacht)

AVIVA-Berlin: Sie haben seit Ihrer frühesten Jugend hart an sich gearbeitet, auch vor den Australian Open schon Erfolge sowie mehrere Titel feiern können und stehen seit Jahren konstant in der Weltspitze. Dieser "Angie-Hype", den Ihr Grand Slam-Sieg ausgelöst hat, zeigt das in gewisser Weise auch eine Schnelllebigkeit?

Angelique Kerber: Klar, ich merke ja, wie schnell dieser Hype zustande gekommen ist. Aber ich habe mein ganzes Leben dafür gearbeitet und freue mich einfach, dass die Menschen jetzt wieder mehr Tennis gucken, wie viele an dem Samstagvormittag z.B. das Finale in Melbourne geschaut haben. Dass mir so viele Leute sagen, wie sehr sie sich für mich gefreut haben und dass sie mir den Erfolg gönnen, das ist etwas ganz Besonderes und Spezielles für mich. Oder überhaupt, solch ein Finale gegen Serena (Anm.: Williams) gespielt zu haben.
Trotzdem, ich als Person bin immer noch die gleiche. Das habe ich zum Beginn meiner Karriere auch immer meiner Familie und meinen Freunden gesagt, dass ich auf dem Boden bleiben will, wenn ich mal etwas Großes gewinnen sollte. Sie helfen mir dabei sehr, unterstützen mich und stehen immer hinter mir. Ich denke, ich habe mich nicht verändert.

AVIVA-Berlin: Gelingt es Ihnen, sich trotz aller neuen Verpflichtungen die nötigen Freiräume zu nehmen?

Angelique Kerber: Ich habe definitiv gelernt, dass ich trotz der ganzen Sachen und Termine immer noch Zeit für mich und mein Training finden muss, damit ich wirklich wieder in Ruhe trainiere und genauso hart an mir und meinem Tennis arbeite wie vor Australien. Schließlich ist es das, was mich stark gemacht hat.
Aber auch so, die Zeit für mich, wo ich mal ein paar Stunden einfach rausgehe, nicht ans Tennis denke, mich mit Freunden treffe oder ein Buch lese. Das habe ich in den vergangenen Wochen gelernt, dass ich diese Zeit brauche, um auch wieder diese Lust und Motivation auf dem Platz zu haben.

AVIVA-Berlin: Würden Sie sagen, dass bei den ersten Turnieren nach den Australian Open, in Dubai und Doha, Lust und Motivation gefehlt haben? Dort sind Sie verhältnismäßig früh ausgeschieden und manche sprachen sogar schon von einer Krise.

Angelique Kerber: Es war auf jeden Fall eine ganz neue Situation für mich, in die ich erst mal reinwachsen und mich in meiner neuen Rolle wiederfinden musste. Das habe ich in den letzten Wochen geschafft, und dann kamen auch die Ergebnisse wieder, z.B. mit dem Halbfinal-Einzug in Miami. Ich bin jetzt innerlich wieder ruhiger, habe meine Stärke wiedergefunden, sowohl auf dem Platz als auch außerhalb. Das ist für mich immer das Wichtigste.
Wobei ich auch sagen muss, es waren gerade mal zwei Turniere, die ich ein bisschen schlechter gespielt habe. Es ist ja nicht so, dass ich ein halbes Jahr keinen Ball getroffen habe.

AVIVA-Berlin: Könnte es helfen, Melbourne ab und zu mal auszublenden, um dann wieder nach vorne zu schauen?

Angelique Kerber: Nein, Melbourne werde ich nie in meinem Leben ausblenden! (lacht) Diese zwei Wochen werde ich nie vergessen, das wird immer in meinem Kopf und in meinem Herzen bleiben. Aber mir ist selbstverständlich bewusst, dass jedes Match wieder von Null anfängt und ich nichts geschenkt bekomme. Ich gewinne auch nicht einfach so Matches, ich muss mit meiner Spielweise immer alles geben, um meine Gegnerinnen zu schlagen, und das wird jetzt auf keinen Fall einfacher.

AVIVA-Berlin: Sehen Sie sich jetzt auch in einer Rolle, in der jüngere Spielerinnen Ihren Rat suchen?

Angelique Kerber: Klar, das merke ich, dass Kinder oder Jüngere kommen und mir viele Fragen stellen, sich freuen, wenn ich ein paar Ballwechsel mit ihnen spiele oder sie Fotos und Autogramme möchten. Das zeigt mir, dass ich in eine Rolle reingewachsen bin, in der die Kleinen zu mir aufschauen. Es ist schön, wenn ich so etwas zurückgeben kann und die Leute motiviere, dem Tennis treu zu bleiben und weiterzuspielen.

AVIVA-Berlin: Ihnen selbst hat Steffi Graf schon öfter geholfen. Ist das ein regelmäßiger Kontakt?

Angelique Kerber: Stimmt, ich war nach dem Turnier in Indian Wells wieder drei, vier Tage bei ihr in Las Vegas. Vor allem, um ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Aber ansonsten hatten wir keinen Kontakt in den letzten Wochen.

AVIVA-Berlin: Sie haben auf Twitter Fotos von dem Outfit gepostet, das Sie bei den French Open in Paris (Anm.: 22. Mai bis 5. Juni) tragen werden. Man könnte es als "Zebra-Look" beschreiben. Wie gefällt es Ihnen?

Angelique Kerber: Ich fühle mich gut darin und bin schon total gespannt darauf, es in Roland Garros zu tragen. Vor allem, weil nur vier Frauen und fünf oder sechs Männer in diesem Design spielen werden. Es ist schön, weil es einfach ein bisschen anders ist.

AVIVA-Berlin: In dieser Saison stehen auch die Olympischen Spiele an. Sie haben gesagt, Sie möchten in Rio im Einzel und Doppel antreten. Gibt es schon nähere Vorstellungen?

Angelique Kerber: Olympia wird auf jeden Fall ein weiteres Highlight für mich in diesem Jahr, das ist auch schon immer ein Kindheitstraum von mir gewesen. Ich durfte schon die Olympischen Spiele 2012 in London miterleben, das war schon etwas ganz Besonderes. Jetzt freue ich mich auf Rio, insbesondere auch, weil Brasilien ein Land ist, in dem ich noch nie war. Es ist schön, dieses Jahr dort hinfliegen zu können und ich hoffe, dass ich es schaffe, in dieser Woche mein bestes Tennis zu spielen und vielleicht eine Medaille zu holen.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die weitere Saison!


Weitere Infos unter:

www.angelique-kerber.de

twitter.com/AngeliqueKerber

www.porsche-tennis.de

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Copyright Text und Foto: Sylvia Rochow



Interviews Beitrag vom 28.04.2016 Sylvia Rochow 

   




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