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AVIVA-BERLIN.de im November 2017 - Beitrag vom 18.08.2016

Interview mit den Kuratorinnen Katharina Koch und Dorothea Nold
Sharon Adler

Anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums der alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura sprach AVIVA mit den Kuratorinnen über die Herausforderungen, der geringeren Präsenz von Frauen im Kulturbetrieb entgegenzuwirken, die gegenwärtige Arbeit, und darüber, was ...



... alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura sich für die Zukunft vorgenommen hat.


Die Berliner alpha nova & galerie futura versteht sich als Ort von und für Künstlerinnen und zielt auf die Förderung von Frauen im Kunst- und Kulturbereich.

Das Projekt FUTURA – Weibliche Visionen in Kultur, Politik und Kunst wurde 1986 in einer politischen Umbruchsituation, dem Jahr der Umweltkatastrophe von Tschernobyl, als experimenteller Ort für gesellschaftliche Gegenentwürfe gegründet.



Im Rahmen des Projektes FUTURA bildete die galerie futura einen besonderen Schwerpunkt. Sie wurde zum Laboratorium, um herrschenden Kunstbetriebslogiken eigene Strukturen, Räume und (Re)Präsentationsmöglichkeiten explizit für Künstlerinnen entgegenzusetzen. Die Gründerinnen gehörten vorwiegend der 68er Generation an. Sie waren Repräsentantinnen der zweiten Frauenbewegung und ihrem internationalen Engagement im Kontext der Frauen-Friedens-Bewegung. Zum Symbol für den Widerstand der Frauen nach Tschernobyl in Berlin wurde die Drächin FUTURA, die als Kunstobjekt vielen Demonstrationen vorangetragen und zur Namensgeberin des Projektes und der Galerie gewählt wurde. Das Motto des Jubiläumsjahrs greift unter dem Titel "Welcome to Futuristan" dieses Thema wieder auf, schlägt den Bogen zu heute und verweist implizit auf die Zukunft.

2016 wird das Projekt dreißig Jahre alt. Anlass genug, sich den vergangenen wie gegenwärtigen Positionen, Perspektiven und Utopien der Akteurinnen zu widmen, Dialoge zu initiieren, Bögen zu schlagen, sowie nach Kontinuitäten und Brüchen zu fragen.
Das Jubiläumsprogramm umfasst die Präsentation des 30jährigen Archivs der alpha nova & galerie futura von Mai-August 2016, begleitet von Veranstaltungen mit Vorträgen, Gesprächen, Filmpräsentationen, Lesungen und Workshops, sowie eine intergenerative Gruppenausstellung im Kunstquartier Bethanien im August 2016. Im Rahmen dieser finden eine Podiumsdiskussion, Performances, Workshops sowie eine Führung durch die Ausstellung statt.



Die Ausstellung bringt Künstlerinnen verschiedener Generationen zusammen und befragt sie nach ihren einstigen wie gegenwärtigen Verständnissen und Wünschen eines selbstbestimmten künstlerischen Schaffens. Dabei werden ihre Vorstellungen von Arbeits- und Lebensbedingungen jenseits von Ungleichheit, Diskriminierung und Prekarität sowie von gesellschaftlichen (Gegen)Entwürfen thematisiert – letztendlich ihre Visionen vom "idealen Leben". In der Auseinandersetzung mit emanzipativen Utopien, die von Feminist_innen und Künstler_innen in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden, zielt die Ausstellung auch darauf zu ergründen, welche unterschiedlichen Verständnisse der Begriff "Utopie" im Rahmen künstlerischen Produzierens heutzutage – noch – erfährt und was eventuell an seine Stelle tritt. Mit den Medien Video, Sound, Installation, Objektkunst, Fotografie und Performance entwerfen die Künstlerinnen ihre jeweiligen Perspektiven auf Futuristan.

Sharon Adler, AVIVA-Berlin, hat sich mit den Kuratorinnen Katharina Koch und Dorothea Nold zum Gespräch getroffen.



Katharina Koch (*1977), seit 2012 Co-Leiterin der alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura in Berlin. Studium (M.A.) der Europäischen Ethnologie und der Gender Studies in Berlin, Promotion zum Thema "Herstellung und Verhandlung von Raum und Öffentlichkeiten durch Kunstprojekte in Rumänien" am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihre Tätigkeitsfelder umfassen sowohl kuratorische als auch wissenschaftliche Arbeitsansätze. Ferner hat sie als Filmemacherin diverse Dokumentarfilme realisiert.

Dorothea Nold (*1981), seit Oktober 2015 Co-Leiterin der alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura in Berlin. Sie studierte Bildhauerei an der École nationale supérieure des beaux-arts Paris bei Vincent Barré und Richard Deacon. Als freischaffende Künstlerin promoviert sie an der HfbK Hamburg. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sie sich mit Fragen nach der Repräsentierbarkeit von physischen und sozialen Räumen, deren Aneignungen und Transformationen, ihren Grenzen und Grenzlinien, Zwischenräumen und Schnittstellen.

AVIVA-Berlin: "Welcome to Futuristan" stellt die Präsentation des 30jährigen Archivs der alpha nova & galerie futura in den Fokus. Was war die größte Herausforderung bei der Sichtung des Archivs, was die größte Überraschung?

Katharina und Dorothea: Eine große Herausforderung war es die Vielfalt des Projekts und seine Entwicklung an den verschiedenen Orten innerhalb Berlins über die vielen Jahre hinweg nachvollziehbar zu machen. Denn die jeweiligen Orte haben wechselseitig auch die Anliegen, Inhalte und Formate von alpha nova & galerie futura bestimmt. Aus der Fülle an Material wie Fotos, Texten, Plakaten, Video- und Audioaufnahmen und Objekten mussten wir eine Auswahl treffen, die natürlich in erster Linie unsere subjektive Wahrnehmung der Projektgeschichte widerspiegelt.
Weiterhin war es herausfordernd, hinter den Dokumenten und Materialien die Arbeitsprozesse nachzuvollziehen und vor allem diese sichtbar zu machen. Dokumentiert wurde ja, wie wir das heute auch tun, hauptsächlich das Ergebnis, in den meisten Fällen also eine konkrete Ausstellung mit ihrer Szenographie – manchmal haben wir zu diesen Gesichter, also Fotografien der Künstlerinnen, bekommen. Ergänzt haben wir die Materialien mit Ausstellungskatalogen der Künstlerinnen. Aber nachvollziehbar zu machen, welche zeitgeschichtlichen Momente zu diesen Arbeiten geführt haben und wie die kuratorische Auswahl getroffen wurde ist sehr komplex geblieben.
Die Arbeit am und mit dem Archiv hat uns auch nochmal grundsätzlich fragen lassen, wie man überhaupt mit einem Archiv umgeht, wie man es für zukunftsgewandte Fragestellungen produktiv machen kann – es also in einer Form lebendig werden lässt, so dass damit als einem kontextbasierten, wandelbaren, interaktiven und unabgeschlossenen Format weitergearbeitet werden kann.
Überraschend war die Vielzahl an künstlerischen Formaten und unterschiedlichen Herangehensweisen, die in den letzten 30 Jahren im Rahmen von alpha nova & galerie futura entwickelt und erprobt wurden. Gleichzeitig zeigte sich, dass bestimmte Themenkomplexe, wie z. B. die Auseinandersetzung mit Identitäten, Lebensläufen und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen wiederkehren, also aktuell bleiben, wenn auch mit immer wieder anderen künstlerischen Ansätzen umgesetzt.

AVIVA-Berlin: Die Brücke vom Gestern zum Heute schlägt die intergenerative Gruppenausstellung "Welcome to Futuristan" im Kunstquartier Bethanien im August 2016. Im Rahmen dieser finden eine Podiumsdiskussion, Performances, Workshops sowie eine Führung durch die Ausstellung statt. Inwieweit unterscheiden sich die großen Themen, was sind die Gemeinsamkeiten in den Arbeiten und Ansätzen der Künstlerinnen?

Katharina und Dorothea: Wir haben für die Ausstellung "Welcome to Futuristan" bewusst Künstlerinnen verschiedener Generationen eingeladen. Mit fast allen hat alpha nova & galerie futura bereits in den letzten vielen Jahren zusammengearbeitet. In der Ausstellung verdichtet sich unser Anliegen, dass jede dieser Künstlerinnen aus ihrer Zeit, aus ihrem Kontext und aus ihrer Erfahrungswelt sprechend, ihre Perspektiven auf Zukunft entwickelt oder das, was sie ausmachen könnte.
So divers die Inhalte, Formate und Perspektiven der Positionen auch sein mögen, so gibt es auch das was sie miteinander verbindet und uns als Kuratorinnen besonderes interessiert hat. Auffällig ist, und das generationenübergreifend, dass viele Künstlerinnen sich mit biografischen Aspekten beschäftigen. In manchen Werken bildet sogar ihre Person bzw. ihre unmittelbare Lebens- und Erfahrungswelt den Ausgangspunkt, um sich in der Auseinandersetzung mit Geschichte(n) und Gegenwart schließlich dem Visionären zu nähern. Dabei spielt der Blick zurück in die (eigene) Geschichte eine entscheidende Rolle. Die Bedeutung von weiblichen Persönlichkeiten und Identifikationsfiguren ist sehr präsent in vielen der Werke. Dabei geht es sowohl darum, in den offiziellen Geschichtsschreibungen bislang marginalisierte weibliche Biographien sichtbar zu machen und auf Auslassungen in der Geschichtsschreibung hinzuweisen, als auch darum Bewunderung für diese Frauen auszusprechen, sie (nachträglich) zu würdigen. Dahinter stehen auch vielfach der Wunsch und das Anliegen zu empowern sowie zukunftsgewandte Ideen für andere, z.B. dekolonisierende Formen der Wissensproduktion zu entwickeln.
Gemeinsam haben die Arbeiten auch, dass sie konkret sind, thematisch arbeiten und benennen. Somit wird der künstlerischen Arbeit auch eine Vermittlungsrolle zugesprochen, jedoch ohne einfach Mittel zum Zweck zu sein. Denn natürlich bleibt trotzdem noch viel Raum für die eigene Imagination. Auch medial stehen sich die Künstlerinnen nahe. Viele der Arbeiten sind Rauminstallationen bzw. arbeiten mit dem Raum. Das Medium Video ist dabei zentral.

Da jede der Künstlerinnen einen anderen Erfahrungshintergrund hat, sind die konkreten Inhalte ihrer Positionen und letztendlich ihre Visionen selbstverständlich sehr verschieden. Hier zeigen sich auch generationsspezifische Unterschiede, wenn z. B. Gisela Weimann, noch im 2. Weltkrieg geboren und im Nachkriegsdeutschland aufgewachsen, sich in ihrer Arbeit mit Kriegstraumata beschäftigt.

AVIVA-Berlin: Im Rahmen der Ausstellung habt ihr Wikipedia-Seminare für Frauen* in Kunst und Kultur// Art and Feminism initiiert. Ziel der Workshops ist es, den Frauenanteil in Wikipedia zu erhöhen um so den Anteil von Autor*innen sowie die Sichtbarkeit von Künstler*innen, Institutionen, Theoretiker*innen und feministischer Perspektiven in der Kunst zu stärken. Was kann eurer Meinung nach noch getan werden, um der geringeren Sichtbarkeit und geringeren Präsenz von Frauen insbesondere im Kulturbetrieb entgegen zu wirken?

Katharina und Dorothea: Durch kontinuierliches politisches Engagement, diese Unterrepräsentation (immer wieder) aufzuzeigen und öffentlich zu diskutieren, kann ein Verständnis und eine erhöhte Sensibilität innerhalb von Institutionen, Orten und Kollektiven entstehen. Im besten Fall hat das Einfluss auf die Selbstverständnisse von Ausstellungsorten, die dann bewusster damit umgehen, wen sie einladen und wo sie ihre Schwerpunkte setzen. Durch das Engagement von Frauenrechtler*innen, Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen in den letzten vier Jahrzehnten ist ja auch schon einiges bewegt und verändert worden. Wichtig ist, weiterhin Druck zu machen und eine Öffentlichkeit dafür herzustellen, dass einfach immer noch geschlechtliche Ungleichheitsstrukturen im Kunstfeld – wie auch in allen anderen gesellschaftlichen Feldern – bestehen und sich fortsetzen. Dazu muss man sich nur mal die Zahlen ansehen, mit denen Frauen in großen Kunstinstitutionen und Museen als Künstlerinnen vertreten sind oder welche Preise sie auf dem Kunstmarkt erzielen: Das ist ein Bruchteil von dem, was ihre männlichen Kollegen verdienen. Es muss politisch noch stärker daran gearbeitet werden, normative (Frauen-)Bilder, Rollen und Strukturen aufzulösen und zu diversifizieren. Schlussendlich führt das dann auch zu einer anderen Art der Besprechung von Kunst. Denn es geht ja nicht nur um frauenpolitische Positionen in Kunst und Kultur, sondern um eine generelle Diversifizierung, die das männliche Künstlergenie als Norm obsolet werden lässt.

Angebote wie Wikipedia-Seminare für Kulturarbeiter*innen tragen zum Beispiel nicht nur dazu bei, Künstlerinnen, Aktivistinnen oder feministischen Orte eine größere Sichtbarkeit und Anerkennung zu verschaffen durch einen Wikipedia-Eintrag. Sie rütteln an den Grundfesten, an den auch in der Wikimedia männlich dominierten Strukturen, wenn sie versuchen, mehr Frauen und feministisch Akteur*innen als Autor*innen in der Wikimedia zu etablieren.

Nur wenn sich an den Strukturen und an den Selbstverständnissen etwas verändert, verändern sich auch die Inhalte, Schwerpunkte und damit auch ungleiche Bedingungen. Die Aufgabe ist es also auf möglichst vielen Ebenen zu versuchen, strukturell etwas zu bewegen – sei es durch das Herstellen von materiellen oder virtuellen (Kunst)Räumen, in den Medien oder in Institutionen. Hier kann durch kontinuierliche Workshops, Empowerment-Seminare, Austausch- und Vernetzungsangebote interveniert werden. Beständige Vernetzung und Austausch von Akteur*innen, Gruppen und Orten, die an ähnlichen (Gleichstellungs-)Zielen arbeiten ist natürlich sowieso unabdingbar. Zusammen ist man einfach sehr viel stärker, sichtbarer und durchsetzungsfähiger.
Wichtig ist es aber auch, das Bewusstsein von Künstlerinnen für die eigene Position zu stärken, also auch individuell zu empowern. So kann in einem konkreten Kontext viel besser agiert, gefordert, gekämpft und verändert werden.

AVIVA-Berlin: Die alpha nova-kulturwerkstatt & galerie futura versteht sich bis heute als Ort von und für Künstlerinnen und zielt auf die Förderung von Frauen im Kunst- und Kulturbereich ab. Die aktuelle Studie "Frauen in Kultur und Medien" des Deutschen Kulturrates fragt u.a. danach, wie Geschlechtergerechtigkeit im Kultur- und Medienbetrieb erreichbar ist.
Welche Erfahrungen macht ihr in eurer Arbeit als Kuratorinnen und welche Empfehlungen würdet ihr aussprechen?

Katharina und Dorothea: alpha nova & galerie futura zielt mit ihrem feministischen und antirassistischen Ansatz darauf, Öffentlichkeiten zu schaffen für bestimmte geschlechter- und identitätspolitische Themen, für postkoloniale Perspektiven und marginalisierte Positionen – generell in der Gesellschaft und speziell im Feld der Kunst sowie die jeweiligen Produktionsbedingungen und Kontexte mitzudenken, mit denen sich die Künstler*innen konfrontiert sehen. Gleichzeitig möchten wir einen Raum für Reflexion darüber herzustellen, wie kollektiv und nicht-hierarchisch zusammengearbeitet werden kann, wie Inklusion funktionieren kann und welche solidarischen Praxen dafür notwendig und voraussetzend sind. Das heißt auch, die eigenen, auch privilegierten Positionen zu reflektieren sowie die unterschiedlichen Ressourcen- und Machtverteilungen, in die wir als Kunstraumleiterinnen eingebunden sind und die wir, wenn auch ungewollt, immer mitproduzieren.

Neben Ausstellungsformaten, in denen Künstler*innen die Möglichkeit erhalten sich, ihre Werke und Themen zu erarbeiten und zu präsentieren, versuchen wir vor allem performative, kollaborative, prozess- und gesprächsbasierte Formate sowie Workshops anzubieten bzw. in Zusammenarbeit mit anderen zu entwickeln. In den letzten Jahren lässt sich beobachten, wie sehr Vernetzung, Austausch und Gespräche nachgefragt sind, da es immer schwieriger wird, sich als Individuum eine Sichtbarkeit im Feld der Kunst zu verschaffen, es scheint auch gar nicht mehr so gewünscht zu sein. Vielmehr scheint Solidarität wieder einen höheren Stellenwert zu bekommen.
Wir versuchen aber auch den unterschiedlichen Bedürfnissen der Künstler*innen und Akteur*innen mit denen wir zusammenarbeiten entgegenzukommen, indem wir einen Raum anbieten, der sowohl zu einem gegenöffentlichen werden kann, je nach thematischen Schwerpunkten und Formen der Kollaboration als auch Sprungbrett sein darf für eine kunstmarktorientierte Karriere.

Kuration ist sowohl eine Arbeit mit Menschen als auch mit deren Arbeiten. Es sind sozusagen Mikrokollaborationen. Biographien sind immer verschieden und somit auch die Erfahrungen vielfältig und unterschiedlich. Eine spannende Erfahrungen für uns ist sicherlich der jeweilige Prozess vom Ungefähren, vom Hauch der Idee, hin zur finalen, konkreten Realisierung – meistens ja eine Ausstellungssituation.

Generell ist uns ist wichtig, offen zu bleiben und verschiedene Anknüpfungsmöglichkeiten für Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen anzubieten. Idealerweise ergibt sich aus den kürzeren temporären Kooperationen eine längerfristige Zusammenarbeit rund um grundsätzlichere Fragen und Strategien nach Möglichkeiten struktureller Veränderungen im Kunstfeld hin zu gerechterer Verteilung und Inklusion. Das braucht aber kontinuierliches Engagement, Selbstreflexion und prozessbasiertes Arbeiten bei dem nicht zwingend ein "Endprodukt" entsteht.
Oft fehlen jedoch gerade für diese sehr wichtige langfristige Arbeit die zeitlichen und finanziellen Ressourcen.

AVIVA-Berlin: Könnt ihr uns bitte schon einen kleinen Ausblick geben auf das was alpha nova & galerie sich für die Zukunft vorgenommen hat? Welche Projekte und Schwerpunkte stehen an im nächsten Jahr?

Katharina und Dorothea: Derzeit entwickeln wir das Jahresprogramm für 2017. Vieles ist und soll natürlich noch offen bleiben, um auch spontaner auf bestimmte Anfragen, Ereignisse oder Begegnungen reagieren zu können. In jedem Fall werden wir den Schwerpunkt fortsetzen, den wir mit einem Workshop 2014 sowie dem Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt "Prekäre Kunst: Protest & Widerstand" 2015 begonnen haben: Der Auseinandersetzung mit Fragen von Intersektionalität, konkret mit Alltagsrassismus und strukturellem Rassismus sowie Sexismus im Kunstbetrieb und Strategien, insbesondere Schwarzer Künstlerinnen und Künstlerinnen of Color, diesen entgegenzuwirken. Dazu werden wir wie auch 2014 und 2015 mit der Kuratorin Stacie CC Graham sowie verschiedenen Gruppen und Einzelpersonen zusammenarbeiten. Des Weiteren möchten wir den intergenerativen Aspekt, der im Fokus des diesjährigen Jubiläumsjahres stand weiter intensivieren. Längerfristig planen wir zusammen mit dem Berliner Kunstraum District und anderen Interessierten eine Diskussions- und Performancereihe rund um die Frage, was feministisches Kuratieren bedeuten kann und was das konkret für die kuratorische Praxis heißt.

Noch im Oktober diesen Jahres wird es eine multimediale Ausstellung von Christa Joo Hyun D` Àngelo geben, die sich mit Pferdewettsport auseinandersetzt. Hierbei beleuchtet die Künstlerin Facetten von body politics, Körperkult und den Auswirkungen ökonomischer Macht sowie die Verschränkung von race, class und gender in diesem Feld.
Generell wird alpha nova & galerie futura natürlich weiterhin Stachel im Berliner Kunstbetrieb sein.

Veranstaltungshinweis:
Feministische Räume in Kunst und Politik. Ein generationsübergreifendes Gespräch
25. August 2016, 19:00 Uhr

Podiumsdiskussion mit:
Madeleine Bernstorff, Filmkuratorin, Filmemacherin, Autorin, Dozentin
Teena Lange, Projektraumleiterin Grüntaler9, Berlin
Sandrine Micossé-Aikins, Kuratorin, Kunstwissenschaftlerin, Aktivistin, Geschäftsleitung Kubinaut – Berliner Projektfonds kulturelle Bildung
Sharon Adler, Gründerin und Herausgeberin von AVIVA-Berlin – Online Magazin für Frauen, Fotografin, Vorstandsvorsitzende der Stiftung ZURÜCKGEBEN – Förderung jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft

Moderatorin: Dr. Marie-Anne Kohl (Geschäftsführerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Musik- und Theaterwissenschaften, Universität Bayreuth, Co-Leiterin alpha nova & galerie futura 2012-2015)

In Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

Das vollständige Programm ist online unter: www.alpha-nova-kulturwerkstatt.de/projekte

Kontakt
alpha nova & galerie futura
Am Flutgraben 3, 12435 Berlin
mail@alpha-nova-kulturwerkstatt.de
Tel: 030 – 370 05 547
www.alpha-nova-kulturwerkstatt.de



Fotos: Sharon Adler

Interviews Beitrag vom 18.08.2016 Sharon Adler 

   




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