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AVIVA-BERLIN.de im März 2017 - Beitrag vom 03.03.2017

Interview mit Henrike von Platen, Past-Präsidentin des BPW Germany und Initiatorin der Initiative und Online Petition FairPlay ist FairPay!
Yvonne de Andrés

Ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen ist ein Skandal. Seit 2010 ist die Kampagne EPD mit Henrike von Platen eng verknüpft. Gleiche Bezahlung lautet das Ziel. Die bereinigte Lohnlücke ist daher unerlässlich und wird auf dem Equal Pay Day 2017 eingefordert.



"Um die Welt zu verändern, braucht es Mut, Kraft und Verbündete. Und es braucht Netzwerkende, die das Ganze in die Hand nehmen.", fordert die Past-Präsidentin des BPW Germany, Henrike von Platen.

Der Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. hat 2007 die "RedPurseCampaign" aus den USA für die Erreichung des Equal Pay Day nach Deutschland gebracht. Die rote Tasche weist auf die große Lücke, die zwischen der Bezahlung von Frauen und Männern klafft hin.

Seit der Gründung des Vereins vor 87 Jahren ist die Differenz leicht abgeschmolzen und liegt nicht mehr bei 30 Prozent, sondern "nur" noch bei 21 Prozent. Jedoch sollte frau nicht bis zum Silvesterabend 2226 warten müssen, bis die Lohngleichheit herzustellen ist. Daher appelliert Henrike von Platen: "Um die Welt zu verändern, braucht es Mut, Kraft und Verbündete. Und es braucht Netzwerkende, die das Ganze in die Hand nehmen."

Henrike von Platen, geboren 1971, ist Unternehmensberaterin und Interimsmanagerin. Sie war von 2010 bis 2016 Präsidentin des Frauennetzwerks "Business and Professional Women (BPW) Germany e.V.".
"Nicht Ich, sondern wir alle, Männer wie Frauen, brauchen Feminismus – so lange, bis die Unterdrückung der Frauen in der Welt beseitigt ist. Davor steht allerdings noch ein weiter Weg der Ursachenbeseitigung von Entgeltungleichheit sowie des gesamtgesellschaftlichen Wandels hin zu einer Welt, in der beide Geschlechter echte Chancengleichheit leben und erleben."

AVIVA-Berlin: Was bedeutet für den BPW die Kampagne Equal Pay Day?

Henrike von Platen: Der Aktionstag Equal Pay Day sagt mit aller Deutlichkeit: Leute, wir haben ein Problem! Diese Klarheit ändert das Bewusstsein. Als wir 2008 den ersten EPD feierten, warf man uns vor, dass es die Lohnlücke überhaupt nicht gäbe. Im Laufe der Jahre hat sich die Diskussion stark verändert. Wir streiten nicht mehr darüber, ob es eine Lücke gibt, sondern nur noch darüber, wie groß sie ist. Das ist ein gewaltiger Schritt. Selbst die schärfsten Gegner können die Ungerechtigkeit nicht mehr leugnen!

AVIVA-Berlin: Warum ist Entgeltgleichheit so wichtig, um Chancengleichheit zu erhalten?

Henrike von Platen: Es geht um gleiches Geld für gleiche und gleichwertige Arbeit. Es gibt Jobs, in denen ein Mann und eine Frau eben nicht das Gleiche bekommen, obwohl sie das Gleiche oder Gleichwertiges tun. Es gibt kein einziges vernünftiges Argument, um das zu rechtfertigen. Das ist pure Ungerechtigkeit. Man kann dann komplizierte Mathematik anwenden und irgendwelche strukturellen Aspekte "herausrechnen". Aber am Ende ist es egal, ob der Unterschied statt 21 nur sieben Prozent beträgt. Es bleibt unfair. Selbst zwei Prozent sind zwei Prozent zu viel. Das Gute daran: "Herausrechnen" heißt Ursachen erkennen. FairPlay bringt FairPay! Dafür lohnt es sich zu kämpfen.
Immer mehr Menschen machen mit. Jahr für Jahr wächst die Resonanz. Weit über 1.000 Aktionen von BPW Clubs und Kooperationspartnerverbänden finden am EPD deutschlandweit statt. Sie tragen die Empörung über die unfaire Praxis in die Gesellschaft hinein. Dabei stellen wir jedes Jahr andere Ursachen in den Mittelpunkt der Kampagne, etwa Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ausbildungsvergütung versus Ausbildungskosten, Care-Arbeit, Teilzeit usw. Mit Erfolg: Immer mehr Menschen verstehen, dass und was sich ändern muss. Ungleiche Bezahlung ist kein Naturgesetz, sondern menschengemacht. Also können wir das auch anders machen, nämlich fair und gerecht. Daran kann jeder und jede einzelne mitwirken.



AVIVA-Berlin: Wo liegt der Fokus heute für Sie?

Henrike von Platen: Die beiden wichtigsten Themen in der Vergangenheit waren für mich die Rollenstereotypen und die Transparenz. Am 18. März 2017 werden wir den zehnten Equal Pay Day begehen. Wir wollen alle Schwerpunkte der letzten Jahre zusammenfassen und Frauen und Männer zu Verbündeten in diesem FairPlay-Game machen. Dazu organisiert der BPW Germany mit dem Forum Equal Pay Day einen Kongress unter dem Motto "Endlich partnerschaftlich durchstarten!". Wie lerne ich, offen und laut über Geld zu reden? Wie und wann miste ich meine Schubladen und Vorurteile aus? Wie und wo kann ich selbst fair und transparent handeln? Was kann und muss ich ab morgen tun, um etwas zu verändern? Auf diese Weise werden gemeinsam konkrete Maßnahmen erarbeitet, um den Gender Pay Gap zu beseitigen.



AVIVA-Berlin:Wie sieht der neue Rahmen Goodbye Gender Pay Gap – Welcome Fair Pay aus?

Henrike von Platen: Das Ziel ist klar: Wir schließen die Lücke! Merken Sie sich den Equal Pay Day für 2020, den feiern wir am 1. Januar. Bis dahin haben wir es geschafft!
Das wird nicht leicht. Geld, Macht und Einfluss gibt niemand gern ab. Aber wir schaffen das. Das geht nicht, wenn die einen 50 Prozent gegen die anderen 50 Prozent kämpfen. Es müssen - und werden - über kurz oder lang 100 Prozent sich für 100 Prozent einsetzen. Wir bewegen uns schon jetzt deutlich hin zu einer fairen Gesellschaft. Männer und Frauen profitieren gemeinsam davon, wenn 100 Prozent der Gesellschaft fair bezahlt werden. Junge Menschen wollen - Männer wie Frauen - auf Augenhöhe reden, arbeiten und leben. Dazu passt weder das 50er-Jahre-Hausfrauenbild noch das Mad-Men-Macho-Modell. Derzeit entstehen viele neue Arbeitsformen in der digitalen Welt, Transparenz wird groß geschrieben - hoffentlich auch bald bei der Bezahlung von Arbeit. Es geht nicht allein um Geld, es geht um Wertschätzung von Arbeit und Gleichwertigkeit.

AVIVA-Berlin: Warum sind Gehälter keine Privatsache? Warum ist Gehaltstransparenz wichtig?

Henrike von Platen: Geheimnisse sind manipulativ und unterminieren unser Vertrauen. Geheimnisse können gefährlich sein und auch ziemlich unfair. Gehälter sind gehütete Geheimnisse. Die Folge ist, dass es immer noch Menschen gibt, die den faktisch bewiesenen Gehaltsunterschied nicht glauben. Er ist nicht spürbar, er ist nicht sichtbar, weil in Deutschland über Gehälter nicht gesprochen wird. Geld ist ein großes Tabu. Das ändert sich gerade. Wenn uns klar ist, was andere verdienen, dann fangen wir an, nachzudenken. Ungerechtigkeit empfinden alle vernünftigen Menschen als negativ. Sie werden aktiv, um Ungerechtigkeit abzuschaffen. Die Erfahrung zeigt, dass auch Männer sich für eine faire Bezahlung von Frauen einsetzen, sobald sie die unfaire Bezahlung offen sehen.

AVIVA-Berlin: Ist Fair Pay der nächste Schritt in Richtung Gleichberechtigung?

Henrike von Platen: Ja, klar. Wir bewegen uns insgesamt allerdings im Schneckentempo. Seit über 100 Jahren ist gleiches Geld für gleiche und gleichwertige Arbeit ein Thema. Frauen mussten in all den Jahren unterschiedliche Kämpfe führen. Dabei ist das Thema Geld immer wieder in den Hintergrund getreten. Selbst Tarife sind nicht völlig diskriminierungsfrei. Und nicht alle Menschen arbeiten tarifgebunden. Bei außer- oder übertariflichen Gehältern sind die Diskrepanzen teilweise schockierend hoch. Ich kenne Fälle, in denen Männer das Dreifache ihrer Kolleginnen verdienen, das Dreifache! Die Aufarbeitung dieser Ungerechtigkeiten dauert bislang leider viel zu lange. Transparenz wird das Veränderungstempo deutlich erhöhen.

AVIVA-Berlin: Ist Transparenz die größte Hürde in der Umsetzung?

Henrike von Platen: Es ist die aufregendste Hürde, weil Transparenz ein Tabubruch ist. Wir machen die Gehaltszettel nackig. Wow. Das ist schlimmer als der erste Bikini. 1970 war es noch ein Skandal als die erste Abgeordnete im Hosenanzug im Bundestag erschien. Heute unvorstellbar, wo sogar Vorstandsvorsitzende von Dax-Konzernen in Turnschuhe auftreten. Rollenstereotype und Denkmuster zu verändern, ist schwer, aber möglich. Transparenz ist gerade ein großes Thema in unserer Gesellschaft. Darüber lesen wir jeden Tag etwas in der Zeitung. Nur nicht beim Gehalt. Warum ist es peinlich darüber zu reden? Viele haben Angst vor Neid. Ich bin davon überzeugt: Wenn es überhaupt zu Neiddebatten kommt, werden diese sehr schnell wieder schwinden. Frauen in Hosenanzügen sind ja auch kein Skandal mehr.

AVIVA-Berlin: Was ist der Stand der Kampagne?

Henrike von Platen: Es ist die aufregendste Hürde, weil Transparenz ein Tabubruch ist. Wir machen die Gehaltszettel nackig. Wow. Das ist schlimmer als der erste Bikini. 1970 war es noch ein Skandal als die erste Abgeordnete im Hosenanzug im Bundestag erschien. Heute unvorstellbar, wo sogar Vorstandsvorsitzende von Dax-Konzernen in Turnschuhe auftreten. Rollenstereotype und Denkmuster zu verändern, ist schwer, aber möglich. Transparenz ist gerade ein großes Thema in unserer Gesellschaft. Darüber lesen wir jeden Tag etwas in der Zeitung. Nur nicht beim Gehalt. Warum ist es peinlich darüber zu reden? Viele haben Angst vor Neid. Ich bin davon überzeugt: Wenn es überhaupt zu Neiddebatten kommt, werden diese sehr schnell wieder schwinden. Frauen in Hosenanzügen sind ja auch kein Skandal mehr.



AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zum Equal Pay Day und der Online Petition FairPlay ist FairPay!:



www.equalpayday.de

twitter.com/hashtag/equalpayday

www.fairpay-heute.de

Die Aktionslandkarte finden Sie unter:

www.equalpayday.de/aktionslandkarte

Aktionstipps:
Kurzentschlossene finden hier Anregungen für Ihre Veranstaltung zum Equal Pay Day.Schauen Sie in die aktualisierten Aktionstipps mit vielen Ideen für kleine und große EPD-Aktivitäten. Darüber hinaus finden Sie im Toolkit auch FAQs, die dabei unterstützen, alle Fragen rund um den Equal Pay Day und das diesjährige Schwerpunktthema zu beantworten.

Mehr zu den Aktionstipps finden Sie unter: www.equalpayday.de/toolkit

Equal Pay Day Wiki:
Auf dieser Informationsplattform ("Work in Progress") finden Sie Artikel, Informationen, Dokumente, Archivmaterial und Anregungen zu den Themenkomplexen Entgelt(un)gleichheit, Gender Pay Gap sowie zum Equal Pay Day in Deutschland und weltweit.
Die Initiatorinnen freuen sich über Anregungen, Kommentare und weitere Beiträge per E-Mail an wiki@equalpayday.de
Mehr zum Equal Pay Day Wiki finden Sie unter: www.equalpay.wiki

Veranstaltungshinweis:

18. März 2017, 11.00 Uhr
Equal Pay Day Kongress

Frauen und Männer aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind eingeladen, sich über wesentliche Ansatzpunkte zur Schließung der Lohnlücke auszutauschen und umsetzbare Schritte zu entwickeln.Am Ende des Tages soll Jede und Jeder wissen, welche Möglichkeiten im eigenen Handeln liegen, dem Gender Pay Gap zu begegnen. Ob Sie am Anfang oder in der Mitte Ihres Berufslebens stehen, ob Sie Führungsverantwortung tragen oder nicht: Ihre Teilnahme ist ausdrücklich erwüscht!
Einlass ab 10 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Veranstaltungsort: Wird noch auf der Website bekannt gegeben
Anmeldung erforderlich unter: www.equalpayday.de

Das vollständige Programm finden Sie unter:
www.equalpayday.de/kongress/programm

Weitere Infos zum Thema unter:

Business and Professional Women (BPW) Germany e.V: www.bpw-germany.de

Pro Quote Medien: www.pro-quote.de

Pro Quote Regie: www.proquote-regie.de

Journalistinnenbund: www.journalistinnen.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

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PRO QUOTE REGIE zum 2. Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie. Systematische Benachteiligung von Frauen hat weiter zugenommen
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Online-Petition FairPay - Berliner Erklärung für Gleichheit auf dem Gehaltszettel
Für Lohngerechtigkeit und Entgeltgleichheit an 365 Tagen im Jahr. Unterstützen Sie die Initiatorinnen des FairPay-Bündnisses mit Ihrer Unterschrift. FairPlay ist FairPay! (2016)

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Entgeltgleichheits-Check. Landeseigene Unternehmen auf dem Prüfstand
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Copyrights Fotos von Henrike von Platen, sowie Foto von Henrike von Platen und Uta Zech, Präsidentin BPW Germany e.V.: Sharon Adler


Interviews Beitrag vom 03.03.2017 Yvonne de Andrés 

   




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