Sookee im Interview zu ihrem neuen Album Mortem & Makeup. Konzert am 10. Juni im SO 36
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Futonetage
AVIVA-Berlin > Interviews
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Juedisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in gr├Â├čerer Schrift!

TIPP: ├╝ber den Zur├╝ck-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im April 2017 - Beitrag vom 15.03.2017

Sookee im Interview zu ihrem neuen Album Mortem & Makeup. Konzert am 10. Juni im SO 36
Ahima Beerlage

"Ich bin nicht nur eine Meinung, ich bin auch eine Musik" sagt Sookee ├╝ber sich. Nach ihrem letzten Album "Bitches Butches Dykes & Divas" und drei Jahren Pause meldet sich die Quing des queeren HipHop mit "Mortem & Makeup" zur├╝ck. Mit Geschichten zwischen ...



...Queerfeminismus und Kindheit, Psychiatrie und Politik ist die Rapperin thematisch und musikalisch breit aufgestellt.

AVIVA-Berlin: Hallo, Sookee. Gerade erscheint dein neues Album, du sitzt in Podiumsdiskussionen zum Feminismus, gibst Workshops f├╝r Jugendliche, bist in der Jury beim Hatun S├╝r├╝c├╝ Preis 2017 und du bist Mutter. Wie geht das alles zusammen?
Sookee: F├╝r mich ist Musik und politisches Engagement sehr eng verkn├╝pft. Kultur hat das Potential zur politischen Diagnose und Analyse. Deshalb finde ich es gerade wichtig, meine Beobachtungen nicht nur auf die Musik zu beschr├Ąnken. Bei der Jury zum Hatun S├╝r├╝c├╝ Preis 2017 ehrt es mich nat├╝rlich, wenn ich in solchen Kontexten als kompetent empfunden werde.

AVIVA-Berlin: Ist die Musik inzwischen dein Brotberuf?
Sookee: Ja, aber es gibt f├╝r mich keine Arbeit au├čerhalb dieser Thematik. Alles ist B├╝hne, Podium, Schreibtisch. Gerade habe ich jetzt beim Gunda-Werner-Institut f├╝r Feminismus und Geschlechterdemokratie eine Kolumne unter dem Titel "Feministische Zwischenrufe" f├╝r die Popkultur ├╝bernommen. F├╝r mich ist daran toll, dass ich Gegenwartspolitik beobachten und kommentieren darf.

AVIVA-Berlin: Arbeitest du auch weiterhin in Jugendeinrichtungen?
Sookee: Das mache ich nicht mehr so viel, weil mir Zweifel an den kurzzeitp├Ądagogischen Ans├Ątzen gekommen sind. Die gesellschaftspolitischen Themen sind wirklich wichtig, erfordern aber sehr viel Sensibilit├Ąt. Das sollte nicht an einem Projekttag, sondern in sechs Wochen passieren. Dazu fehlen mir aber die Ressourcen. Daf├╝r sind die Themen von Kinder und Jugendliche auf meinem neuen Album sehr pr├Ąsent.

AVIVA-Berlin: 2014 ist Dein Album "Lila Samt" erschienen. 2017 nun das neue Album. Eine lange Zeit.
Sookee: Nat├╝rlich gibt es auch eine Marktlogik, nach der ich den Anschluss nicht verpassen darf. Aber davon wollte ich mich nicht treiben lassen. Ich muss immer gucken, wann die Themen reif sind. Au├čerdem habe ich in der Zwischenzeit ein Kind gekriegt. Das braucht auch Zeit.

AVIVA-Berlin: Und die konntest du dir nehmen?
Sookee: Ich bin ja selbst├Ąndig. Au├čerdem gab es noch private Probleme. Da musste ich Dinge absagen, weil es nicht mehr ging. Ich finde es ohnehin schwierig, bei Jobs, die von der ├ľffentlichkeit leben, Tasten zu dr├╝cken, um zu funktionieren. Ich kann das h├Ąufig besser, als mir lieb ist, weil das alles eher verinnerlichtes Effizienzdenken ist. Es kostet ├ťberwindung zu sagen, ich kann einfach nicht mehr. Sicher ist dabei auch ein Blick aufs Konto, der andere auf meiner gesellschaftlichen Verantwortung. Das ist ein schmaler Grat,ÔÇŽ
AVIVA-Berlin: ÔÇŽ der auch gef├Ąhrlich ist.

Sookee: Andererseits habe ich aber auch immer Sorge, das ┬┤Selfcare┬┤ nur so eine neoliberale Strategie ist, um funktionst├╝chtig zu sein. Das finde ich eher gruselig. Zehn Minuten Poweryoga, damit ich danach wieder besser funktioniere? Das kann es doch nicht sein.

AVIVA-Berlin: Die Musik auf diesem Album unterscheidet sich deutlich gegen├╝ber den T├Ânen der anderen Alben. Mit wem hast du musikalisch zusammengearbeitet?
Sookee: Drei Leute waren ma├čgeblich daran beteiligt. Zum einen LeijiONE vom Produzententeam Beat2.0, mit dem ich seit Jahren arbeite. Mit ihm habe ich viel aufgenommen. Und dann habe ich noch Riffsn von der Elektro-Pop-Band Grossstadtgefl├╝ster. Er kann Popmusik und hat ein gutes Gesp├╝r f├╝r Arrangements. Der dritte ist Danger Dan von der Antilopen Gang, weil ich seine Kompositionen so gern mag. Alle drei haben sich ganz toll aufeinander eingelassen. Wir haben wie eine Band ├╝ber die Musik kommuniziert. Alle drei sind gl├╝cklich mit dem Ergebnis.

AVIVA-Berlin: In der Ank├╝ndigung zu Deinem neuen Album schreibst du, dass du mit deinem neuen Album ┬┤jetzt bewusst auch Leute au├čerhalb der linken Filterbubble ansprechen┬┤ willst.
Sookee: Es gibt ja auch Spaces jenseits davon - nicht nur die, die im linken Diskurs stecken. Ich finde auch diesen "Bubble"-Begriff total schr├Ąg, weil er eine Abgeschlossenheit suggeriert. Man denkt, man sei in Kontakt, aber eigentlich schwebt man hinter einem leichten Schimmer durch die Gesellschaft. Es hat sowas Weltfremdes, etwas von einem Schutzraum. Aber es muss nur jemand reinpieken und dann zerplatzt es. So viel Schutz kann das auch nicht sein. Ich habe auch noch Kontakte au├čerhalb der Bubble und ich beobachte, wie die sich mit Freude in Themen reinfuchsen und entdecken, da ist ja noch ein ganzer Planet dahinter. Wir sind auf diese Leute angewiesen, um nicht in diesen eingefahrenen politischen Bahnen irgendetwas zu verschlimmbessern.

AVIVA-Berlin: Es wird nur immer schwieriger, weil sich die Leute immer schlechter zuh├Âren.
Sookee: Das stimmt. Aber ich will es weiter versuchen ÔÇô ohne Theorieballast. "H├╝pfburg", ein Song ├╝ber einen Jungen, der zwischen seiner Nazi-Familie und seinem t├╝rkischen Freund mit seiner Loyalit├Ąt k├Ąmpft, erz├Ąhlt einfach eine Geschichte und entweder funktioniert es emotional oder nicht. Ich wei├č, das ist eine Gratwanderung, an welcher Stelle man auch so ein bisschen weichsp├╝lt. Aber die Leute empfinden auf unterschiedlichen Kan├Ąlen. Ich finde es auch nicht verkehrt, erstmal mit einem Katzenvideo voranzugehen.

AVIVA-Berlin: "H├╝pfburg" und "Hurensohn", der Geschichte eines Jungen der seine Mutter liebt, w├Ąhrend die Gesellschaft sie ablehnt, weil sie als Hure arbeitet, sind alles andere als Katzenvideos. Es sind Geschichten, die kompromisslos aus Kindersicht erz├Ąhlt sind. Hat das auch etwas damit zu tun, dass du Mutter geworden bist?
Sookee: Sicher. Ich habe gemerkt, dass Kinder total ├Âkonomisiert sind. Erst kommt die Kita, dann die Einschulung, dann der Abschluss. Lern jetzt, damit du sp├Ąter einen guten Beruf hast und dir ein Auto kaufen kannst. Die wenigsten Leute, die ich kenne, hatten eine tolle Kindheit. Gebt gro├čen Leuten und Eltern Raum f├╝r die kleinen Leute, entlastet sie finanziell, damit die sich einander widmen k├Ânnen, um Anerkennung und Liebe zu s├Ąen, damit daraus starke Pers├Ânlichkeiten hervorgehen, die nicht auf Profit geb├╝rstet sind, sondern die wirklich gro├če Herzen haben. Helikopter-Eltern, die ihre Kinder vor allem abschirmen, sind aber nicht die L├Âsung.

AVIVA-Berlin: Dabei ist das Interesse der Eltern rein zukunftsorientiert.
Sookee: Kinder funktionieren aber nicht so. Sie sind kleine Leute, die im Moment leben. Bei denen ist ┬┤jetzt┬┤ angesagt. Jetzt lachen, jetzt tanzen, jetzt w├╝tend sein, jetzt Hunger haben, jetzt m├╝de sein. Wo ist denn Raum daf├╝r? Kinder bekommen auch so f├╝rchterlich kaputte Familien mit. Meine Kindheit war schon nicht so der Hit. Ich kenne wenig Familien, wo es sicher und einigerma├čen gesund zugeht und die Kinder aushandeln, Anerkennung geben und empfangen lernen. Und wir wissen ja, wie schwer es ist, sich sp├Ąter da wieder herauszuw├╝hlen. Andere wiederholen einfach den ganzen Mist.

AVIVA-Berlin: Deshalb sind auch diese beiden Titel "Hurensohn" und H├╝pfburg" so ber├╝hrend, weil die Kinder dort auch eine Membran zwischen ihrer Familie und der Au├čenwelt aufbauen m├╝ssen.
Sookee: "Hurensohn" ist nat├╝rlich auch ein schwieriges Thema, das feministisch umk├Ąmpft ist. Die alte Sookee h├Ątte einen theoretischen Text dar├╝ber geschrieben, wie der Umgang mit Sexarbeit funktioniert. Heute gehe ich ├╝ber die gesunde Unbedarftheit eines Kindes: Ich bin da, das ist meine Mama, die habe ich lieb, so ist mein kleines Leben. Darauf will ich es herunterbrechen. Auch bei dem Titel "Der Schrank", einer Outing-Geschichte, geht es nicht darum, das eigene Schwulsein zu entdecken und Happy End. Es gibt einfach Menschen, die sind ├Ąngstlich und sch├╝chtern. F├╝r die ist es eine verdammt gro├če Aufgabe, ein Coming-Out zu stemmen. Ich finde es wichtig, dass Hilfe von au├čen da ist, dass wenn du rauskommst und auf dem Schulklo zusammenbrichst und heulst, jemand da ist, der dir ein Taschentuch bringt oder dich in dem Arm nimmt. Der Song sagt ja, ┬┤doch niemand will sich mit ihm verschwistern┬┤. In Berlin ist das nicht so ein Problem. Aber es gibt so viel R├Ąume, in denen die Themen noch tabu sind.

AVIVA-Berlin: Du hast Musik f├╝r "One Billion rising" und den "Slutwalk" geschrieben. Politische Positionierung ist f├╝r dich wichtig. Wo siehst du deinen Job als HipHopperin in einer Zeit zwischen Queerfeminismus und der Machtergreifung von "Angry White Men"?
Sookee: (lacht) Das ist schon eine abgefahrene Klammer. Ich versuche klar, aber auch verbindend zu sein. Es gibt vereinzelte Rapper, die auf bestimmte Begriffe irgendwann dann auch verzichten. Das ist der Lohn f├╝r meine Ausdauer. Jetzt ist klar, ich bin nicht nur eine Meinung, ich bin auch eine Musik. Ansonsten sehe ich, wieviel HipHop Eingang in die musikalischen Vorlieben von QueerfeministInnen gefunden hat und mir geht das Herz auf, wenn Leute aus meinen Workshops oder dem Publikum mittlerweile ihre eigenen Shows spielen. Was will ich denn mehr? Mich macht froh, dass richtig was nachw├Ąchst.

AVIVA-Berlin: Im Song "Die Freundin von" beschreibst du eine Frau, die nicht nur selbstzerst├Ârerisch, sondern auch gewaltt├Ątig gegen Andere war. Sind das eigene Erfahrungen?
Sookee: Das ist 100 Prozent der eine gro├če autobiographische Text. Mein eigener Weg durch den HipHop, meine Ann├Ąherung an feministische Ideen, auch mein Weg, mich mit Frauen zu solidarisieren und sie zu lieben, das war nicht ohne. Ich stehe zwar auf der B├╝hne, aber ich bin auch randvoll mit Fehlern und Erfahrungen. Ich tue mein Bestes. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich h├Âre, dass sich Leute wie Lady Gaga aus Sucht oder Depression herausgek├Ąmpft haben. Durch solche Geschichten ist die Identifikation einfach viel st├Ąrker. Ich wei├č, dass ich Sexismus heftig verinnerlicht hatte und tats├Ąchlich Frauen mies behandelt habe, weil ich total h├Ârig war gegen├╝ber m├Ąnnlichen Ma├čst├Ąben.

AVIVA-Berlin: Du hast gesagt "Sobald sich alles normalisiert hat und sobald diese Gerechtigkeit eingetreten ist, von der ich tra╠łume, dann halte ich meine Klappe". Was m├╝sste passieren, damit dein Traum wahr wird?

Sookee: Fokussieren wir uns auf sozialpolitische Aspekte oder auf Wirtschaftspolitik, um aus den Ertr├Ągen eine Sozialpolitik finanzieren zu k├Ânnen? Das ist die Frage, die neu diskutiert werden muss. Es geht wirklich darum, Menschen, die gern kollektiv denken, dazu aufzurufen, gelebte Fairness, gelebte Solidarit├Ąt zu erm├Âglichen. Diese neoliberale Logik, erst ein Verm├Âgen anzuh├Ąufen, um es danach zu verteilen, funktioniert meist nicht. Da braucht es neue Ideen.

AVIVA-Berlin: Deine Stimme wird gebraucht! Danke, Sookee, und viel Spa├č auf der Tour.

Sookee
Mortem & Makeup

Buback Tontr├Ąger, 17.03.2017



Mehr zu Sookee unter:
www.sookee.de und www.facebook.com/sookeeberlin

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Sookee ├╝ber ihr Album "Bitches Butches Dykes & Divas"
"Bitches Butches Dykes & Divas", so der Titel ihres neuen Albums. Den gleichnamigen Track hat sie eigens f├╝r den Slutwalk komponiert. ├ťber die Bambi-Verleihung an Bushido, Sprache als Werkzeug ie ├ťberwindung von Geschlechterstereotypen oder die Unterschiede zwischen der Generation Emma und der Generation Butler sprachen wir im Dezember 2011 mit Quing Sookee. (2011)

Sookee - Bitches, Butches, Dykes and Divas
Dass es intelligenten Hip-Hop gibt, wissen wir schon lange. Dass es ihn auch auf eine Weise gibt, die sich kritisch mit gegenderten Machtstrukturen, Heterosexismen und Geschlechterstereotypen auseinander setzt, daf├╝r sorgt seit einigen Jahren Sookee. Ihr mittlerweile drittes Soloalbum nimmt sich f├╝nfzehn Tracks lang Zeit f├╝r aufhorchwillige Individuen jeden Geschlechts. (2011)

Fiona Sara Schmidt, Torsten Nagel und Jonas Engelmann (Hg.) ÔÇô Play Gender. Linke Praxis - Feminismus - Kulturarbeit
Wo finden feministische K├Ąmpfe statt? In dieser Anthologie werden die Schnittstellen gegenw├Ąrtiger Debatten, feministischer Kulturarbeit und linker Praxis mit vielf├Ąltigen Beitr├Ągen ergr├╝ndet. Dabei beleuchten die Herausgeber_innen und Autor_innen auch die K├Ąmpfe und aktivistischen Ans├Ątze der letzten 30 Jahre. Ein gro├čartiger Abriss feministischer Themen! (2016)

Tine Plesch - Rebel Girl. Popkultur und Feminismus
"Rebel girl - when she talks, I hear the revolution", singt die Riot-Grrrl-Band Bikini Kill Anfang der 90er Jahre. Auch heute gilt diese Liedzeile der viel zu fr├╝h verstorbenen Journalistin und Poptheoretikerin Tine Plesch und ihrer gerade erschienen Textsammlung zu Popkultur und Feminismus. (2013)

Female HipHop - Anjela Schischmanjan und Michaela W├╝nsch
HipHop und Gender Studies? Die beiden Herausgeberinnen "presenten" intelligente Beitr├Ąge von Leuten aus der Szene, die sich mit Geschlechterkonstruktionen im HipHop auseinander setzen. (2007)

Interviews Beitrag vom 15.03.2017 Ahima Beerlage 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken