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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.10.2009

Interview mit Sun-Ju Choi
Iella Peter

Die Autorin, Drehbuchlektorin und Filmemacherin und Leiterin des "Asian Women`s Film Festival" lebt in Berlin. Sie studierte englische und romanische Philologie sowie Japanologie an der ...



... Universit├Ąt zu K├Âln und an der Universit├ę de la R├ęunion in Frankreich.

Chois Filme besch├Ąftigen sich vornehmlich mit Themen wie Rassismus, Illegalisierung und koreanischer Migrationsgeschichte in Deutschland, darunter "Wei├čes Ghetto" (2002), "Das Integrationsm├Ąrchen" (2003) und "Recolonize Cologne" (2005). 2006 war sie MitherausgeberIn des Erz├Ąhlbandes "Zuhause - Erz├Ąhlungen von deutschen Koreanerinnen" und ├╝bernahm 2007 die k├╝nstlerische Leitung des "Asian Women`s Film-Festival". Seit 2008 ist Choi Vorstandsmitglied des "korientation e.V.".

AVIVA-Berlin: Inwieweit hat Ihre Kindheit Sie dazu inspiriert, den Beruf der Filmemacherin zu w├Ąhlen?
Sun-Ju Choi: Filme und B├╝cher haben mich schon immer inspiriert. Ich habe Literatur studiert, besch├Ąftige mich aber seit mehreren Jahren intensiv damit, wie sich Themen wie beispielsweise Migrationserfahrungen visualisieren lassen, sei es in Filmen oder auch bei Ausstellungen.

AVIVA-Berlin: Wie kam es dazu, dass Sie den Auftrag als Kuratorin des "Asian Women`s Film Festival" erhielten?
Sun-Ju Choi: Vor der Gr├╝ndung des Festivals 2007 habe ich gemeinsam mit der Koreanischen Frauengruppe den Band "Zuhause: Erz├Ąhlungen von deutschen Koreanerinnen" heraus gegeben. Die Idee f├╝r ein Festival entstand im Anschluss aus der gleichen Gruppe von Frauen heraus. Wir wollten Filme zu den Themen Ethnizit├Ąt, Gender, Migration von asiatischen Filmemacherinnen in Berlin zeigen, da asiatische Frauen und ihre Perspektiven in der deutschen medialen ├ľffentlichkeit bisher nur unzureichend repr├Ąsentiert sind. Ich hatte vor dem AWFF schon als Lektorin beim WDR, als Drehbuchautorin und Filmemacherin gearbeitet, daher war es naheliegend, weitergehend mit dem Medium Film weiterzuarbeiten und ein eigenes Festival zu gr├╝nden.

AVIVA-Berlin: Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie die Auswahl der Filme f├╝r das diesj├Ąhrige Festival getroffen?
Sun-Ju Choi: Wir haben dieses Jahr drei Schwerpunkte: Spielfilme aus Nordkorea, Asian Diaspora und Kurzfilme von den Philippinen. Nachdem wir letztes Jahr Klassiker aus S├╝dkorea gezeigt haben, erschien es mir spannend, dieses Jahr Spielfilme aus Nordkorea zu zeigen. Filme aus der Diaspora sind immer aufregend, weil sie wichtige Fragen wie Ethnizit├Ąt, Zugeh├Ârigkeit und kulturelle Identit├Ąt auf vielf├Ąltige Art und Weise behandeln und Geschichten erz├Ąhlen, die sich aus den eigenen Erfahrungen speisen.

Wir werden des ├ľfteren gefragt, welche L├Ąnder und Leute wir in das "Asian" in unserem Filmfestival mit einbeziehen und es ist nicht einfach, gleichzeitig bewusst Identit├Ątspolitik zu betreiben und Kategorien wie Nation und Ethnizit├Ąt in Frage zu stellen. Filmemacherinnen der Asian Diaspora zeigen sehr viele Facetten von Identit├Ąt auf bzw. stellen gleichzeitig jene Kategorien in Frage.

Bisher wurden in Deutschland kaum Filme von den Philippinen gezeigt, und als wir gleich mehrere Kurzfilme zum Thema Migration gefunden haben und die Filmemacherin Lizza May David zugesagt hat, bot es sich an, einen Schwerpunkt "Philippines" zu w├Ąhlen.

AVIVA-Berlin: Was war die gr├Â├čte Herausforderung in der Umsetzung des Festivals?
Sun-Ju Choi: Unter anderem aufgrund der Finanzkrise war es dieses Jahr sehr schwer, das notwendige Funding zusammen zu bekommen. Aber wir haben dennoch viel Unterst├╝tzung von vielen Seiten erfahren, und wir sind stolz, dass wir es geschafft haben.

AVIVA-Berlin: Wie sind Ihre Erwartungen an das diesj├Ąhrige "Asian Women`s Film Festival" 2009?
Sun-Ju Choi: Es haben sich bereits mehrere Leute bei uns gemeldet, um sich Karten f├╝r die nordkoreanischen Filme reservieren zu lassen, es scheint also ein gro├čes Interesse an diesem Schwerpunkt zu geben. Es wird im Oktober sehr viele Konkurrenzveranstaltungen wie zum Beispiel die Frankfurter Buchmesse geben, aber wir sind optimistisch, dass gen├╝gend G├Ąste kommen werden. Wir freuen uns insbesondere auch auf die G├Ąste aus den migrantischen Communities.

AVIVA-Berlin: Inwieweit hat der Tod der malaysischen Regisseurin Yasmin Ahmad eine Bedeutung f├╝r das diesj├Ąhrige Festival?
Sun-Ju Choi: Wir haben ihren letzten Film "TalentimeÔÇŁ als Er├Âffnungsfilm gew├Ąhlt, um ihren Beitrag f├╝r das neue malaysische Kino zu w├╝rdigen. Ihr Einfluss auf die malaysische Film ÔÇô Szene ist deutlich zu sehen. Beim ersten Festival 2007 haben wir bereits den Spielfilm "Sepet" von ihr gezeigt. Wir waren begeistert, wie sie den multiethnischen Alltag Malaysias, die Diskussion von Ethnizit├Ąt und Gender, in ihren Arbeiten aufgreift. Auch war Ahmad als Person sehr beeindruckend. Kontinuierlich kritische Fragen ├╝ber Vorurteile, Rassismus und gesellschaftliche Ungerechtigkeit aufzuwerfen, verlangt Mut und Kraft zur Auseinandersetzung ÔÇô in diesem Sinne ist sie ein Vorbild f├╝r uns.

AVIVA-Berlin: Erhoffen Sie sich durch das Festival auch eine breitere ├ľffentlichkeit f├╝r das Thema der koreanischen Migrationsgeschichte in Deutschland?
Sun-Ju Choi: Korea wird sicherlich thematisch immer ein wichtiger Teil des Festivals sein, ich erhoffe mir jedoch eine breitere ├ľffentlichkeit ebenso f├╝r die vietnamesische, philippinische, chinesische etc. Migrationsgeschichte Deutschlands.

AVIVA-Berlin: Wie ist heutzutage die (Arbeits-) Situation f├╝r Filmemacherinnen ÔÇô Produzentinnen und Regisseurinnen - in S├╝dkorea? Gibt es Frauen, die Einfluss im Filmgesch├Ąft habne?
Sun-Ju Choi: Das Filmgesch├Ąft ist nach wie vor eine M├Ąnnerdom├Ąne. Wichtig in S├╝dkorea ist das Seoul International Women┬┤s Film Festival, das gr├Â├čte Frauenfilmfestival Asiens. Es existiert bereits seit einer Dekade und wird staatlich unterst├╝tzt. Dort haben junge Filmemacherinnen die Chance, ihre Arbeiten einem internationalen Publikum vorzustellen.
Auff├Ąllig positive Entwicklungen sind in Singapur und Malaysia zu beobachten. Dort arbeiten zunehmend Frauen in der Werbebranche und beim Fernsehen. Sie sammeln zuerst Arbeitserfahrungen und Kapital und produzieren dann Filme bzw. f├╝hren selber Regie.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Interview und viel Erfolg f├╝r das "Asian Women`s Film Festival" und Ihre zuk├╝nftigen Projekte!

Weitere Infos zum Asian Women┬┤s Film Festival 2009 und das ausf├╝hrliche Programm finden Sie unter: www.asianwomensfilm.de

Veranstaltungsort: Kino Arsenal
Potsdamer Stra├če 2
10785 Berlin
www.arsenal-berlin.de

Interviews Beitrag vom 08.10.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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