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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.05.2010

Prune Antoine im Interview. Französisch und Deutsch
Marie Heidingsfelder

Die frisch gekürte Preisträgerin des "EU Young Journalist Award 2010" überzeugte mit ihrer Reportage über die sogenannten "Euro-Waisen", Kinder, deren Eltern im Zuge der Osterweiterung Polen...



... verlassen haben.

Vous trouvez la version française en bas

Prune Antoine ist 28 und vor zwei Jahren als freie Journalistin von Paris nach Berlin gezogen, wo sie lebt, arbeitet und nach eigener Aussage die "Zeit vertrödelt". Die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Mosaik Europa zieht sich sowohl durch ihr Studium in internationalem Recht mit einem Aufenthalt in England, Spanien und Ungarn als auch durch ihre Publikationen. So schrieb sie für mehrere große französische Magazine über gesellschaftliche Themen und Frauen in Europa. Außerdem arbeitet sie regelmäßig für Arte und betreibt mehrere Blogs.
Der Preis für die beste Recherche unter mehr als tausend Einsendungen junger JournalistInnen für den "EU Young Journalist Award 2010" aus ganz Europa hat sie Anfang Mai zur Preisverleihung nach Istanbul geführt. AVIVA gratuliert herzlich und fragt sich nur, wo bei all der Arbeit das Zeit vertrödeln zu seinem Recht kommt.


AVIVA-Berlin: Sie haben Ihr Studium 2003 mit einem Diplom in Politikwissenschaften und Internationalem Recht abgeschlossen, wie sind Sie zum Journalismus gekommen?
Prune Antoine: Mit Ausdauer. Ich habe es immer geliebt, zu schreiben, bin aber auch immer wieder gescheitert. Bei mehreren Aufnahmeprüfungen von Journalismus-Schulen, habe ich zwar in Kreativität immer geglänzt, hatte aber katastrophale Noten in Allgemeinbildung. Die Prüfer haben denken müssen, ich sei Analphabetin. Deshalb habe ich völlig enttäuscht mein Jura-Studium begonnen, das überall hinführen kann – unter der Bedingung, dass man damit fertig wird. Im Anschluss habe ich meine Erfahrungen und Praktika im Journalismus vermehrt, zunächst in Lokalredaktionen. Ich schrieb also Artikel wie "Die Arbeit der Straßenreinigung in La Baule. Später habe ich in großen Tageszeitungen in Paris gearbeitet. Diese Löwenkafig-Atmosphäre habe ich übrigens gehasst, das Motto war: "Wenn du nicht mindestens drei Kriege hast, bist du ein niemand".
Und dann, 2005, habe ich meinen ersten echten Vertrag bei cafebabel.com in Paris ergattert. Das war zu einer Zeit, als alle Online-Journalisten als eine Art pubertäre Droiden angesehen wurden, als unter-unter-Journalisten. Diese Erfahrung hat drei Jahre gedauert, eine fabelhafte, multikulturelle, experimentelle und ab und zu frustrierende Zeit in unserer "auberge espagnole" des Journalismus. Ja, man kann im Internet sein und trotzdem nicht wissen, wie man mit apple umgeht

AVIVA-Berlin: Bei der Preisverleihung am11. Mai 2010 in Istanbul wurden Sie für ihren Artikel "Poland:Nobody´s Children" in der Rubrik "Best Research" ausgezeichnet. Wie kamen Sie dazu, sich mit den "Euro-Waisen" zu beschäftigen und was hat sie während der Recherche besonders berührt?
Prune Antoine: Ich hatte in einer deutschen Zeitung von dem Thema gelesen und das hat mich aufgerüttelt. Ich interessiere mich sehr für die Ost-Staaten und die Fragen der Erweiterung. Wie die Auswanderung, die häufig als eine Art Wirtschaftswunder gesehen wird, gleichzeitig katastrophal auf die Privatsphäre, die Familie und damit auf die gesamte Gesellschaftsstruktur auswirkt. Was mich berührt hat, war das Vertrauen, das uns von den Menschen, denen wir begegnet sind, entgegen gebracht wurde. Klaudia und ihre Großmutter haben uns zum Beispiel zu sich ins Haus eingeladen um von ihrem Alltag zu erzählen, obwohl wir uns gerade mal fünf Minuten kannten. Ich bewundere überhaupt diese Stärke, trotz aller Schwierigkeit mit der Situation umzugehen und sich anzupassen: Sich nicht zu beschweren, sondern nach vorne zu blicken. Das heißt, das Gegenteil von dem uns anderen zu tun, uns großen verwöhnten Kindern des Westens oder einfach Berlinern.

AVIVA-Berlin: Überhaupt behandeln viele Ihrer Artikel soziale Probleme und Konflikte in Europa und besonders im Osten. Wie erklärt sich dieser Schwerpunkt?
Prune Antoine: Eine gewisse Nostalgie. Mich berührt die Tatsache, dass die Oststaaten in voller Veränderung sind, zerrissen zwischen dem kommunistischen Erbe und den neuen Codes des Kapitalismus, auf der Suche nach einer neuen Identität. Diese Zuneigung entspricht wahrscheinlich einer persönlichen Suche.

AVIVA-Berlin: Neben Ihren Publikationen in großen französischen Magazinen wie "Madame Figaro", "Elle" oder "Questions de Femmes", veröffentlichen Sie auch im europäischen Online-Magazin "Cafebabel.com" – was reizt Sie an welchem Format und warum?
Prune Antoine: Mit 24 Jahren habe ich angefangen, im Internet als Chefredakteurin für Gesellschaft bei cafebabel zu arbeiten. Ich liebe die stilistische Freiheit und den Aspekt, dass das Internet noch ein unbeschriebenes Blatt ist: Man muss alles erfinden, kann kreativ sein, wagemutig und respektlos. Was die Magazine betrifft glaube ich, dass es eine erschreckend sinnliche und narzisstische Seite in meinen Beiträgen gibt - ich muss schon wieder über meine Psyche reden - das Papier bleibt nun mal für einen Großteil der Journalisten eine Referenz, eine Qualitätsgarantie. Außerdem kann ich in Magazinen meine Artikel umgeben von schönen Fotos und auf Glanzpapier wiederlesen und mir mit Tränen in den Augen sagen: "Jetzt kannst du sterben, du hast für die ELLE geschrieben!"

AVIVA-Berlin: Vor zwei Jahren sind Sie von Paris nach Berlin gezogen, um hier zu arbeiten und zu leben. Sie schreiben weiterhin in Ihrer Muttersprache französisch. Ist es nicht schwierig, in einem Land zu schreiben, dessen Sprache weder ihre Mutter- noch Ihre Publikationssprache ist?
Prune Antoine: Ich schreibe ausschließlich auf Französisch. Ich mag es, in einem anderen Land zu leben, eine andere Sprache zu sprechen und immer zu lernen. Das bringt mich dazu, meine eigene Kultur und meine Identität in Frage zu stellen. Ich bin Die Ausländerin, das ist eine notwendige Distanz für meine Beobachtung.

AVIVA-Berlin: Last but not least haben Sie mehrere tolle Blogs, über Ihre Projekte, Ihr Leben in Deutschland, Europa und die "EUrotic" – Was reizt Sie als Journalistin an dieser Form des öffentlichen Tagebuchs?
Prune Antoine: Die Tonfreiheit, die Möglichkeit, meiner Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen und einen weniger konventionellen Ton anzuschlagen. Vermutlich auch ein Hang zum Exhibitionismus.

AVIVA-Berlin: Was würden Sie jungen JournalistInnen raten, um in diesem Beruf Fuß zu fassen und Erfolg zu haben?
Prune Antoine: Neugierig bleiben und Risikos eingehen können. Man muss auch geduldig sein, alles kommt zu dem von selbst, der warten kann.

AVIVA-Berlin: Wie haben Sie das Zusammentreffen mit den anderen jungen Journalisten in Istanbul erlebt und inwieweit konnten sie auch ihre persönlichen Kontakte und Netzwerke erweitern?
Prune Antoine: Auch wenn ich nur 24 Stunden da war, fand ich die Veranstaltung extrem gut organisiert. Es ist immer eine tolle Chance, Journalisten unterschiedlicher Nationalitäten zu treffen und seine Ansichten und Jammereien über den Beruf und seine Vergangenheit und Zukunft zu konfrontieren.

AVIVA-Berlin: An was arbeiten Sie momentan, was sind Ihre zukünftigen Projekte?
Prune Antoine: Ich beschäftige mich im Moment mit dem Bau der Nordstream-Pipeline im Baltikum und ich habe noch ein Projekt über die Kriegswitwen an verschiedenen Ländern. Wie alle freien Journalisten muss ich diverse Projekte behandeln, die Hauptschwierigkeit für mich besteht darin, einen Mann zu finden, der Millionär ist.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!


Interview avec Prune Antoine

La jeune lauréate du "EU Young Journalist Award 2010" vient de convaincre un jury international avec sa reportage sur les "Euro-orphelins": Des enfants dont les parents ont quitté la Pologne dans le cadre de l´élargissement de l´est.

Prune Antoine a 28 ans et gagne sa vie comme journaliste indépendante. Il y a deux ans, elle a quitté Paris pour s´installer à Berlin, où elle vit, travaille et, selon elle, procrastine maintenant. L´Europe (en tant que mosaïque culturelle) a été et reste pour elle une sorte de fil d´Ariane: que ce soit durant ses études, entre Angleterre, Espagne et Hongrie mais aussi à travers les sujets de ses reportages.
Prune écrit pour plusieurs magazines français sur des sujets de société ou sur la condition des femmes en Europe. Elle travaille en outre régulièrement pour
Arte et écrit plusieurs blogs.
Le prix de la meilleure recherche journalistique, décerné parmi plus d´un millier de candidatures de jeunes journalistes de toute l´Europe l´a menée à Istanbul au début du mai. AVIVA la félicite et se demande simplement ou trouve t-elle encore le temps de procrastiner.


AVIVA-Berlin: En 2003, vous avez fini vos études avec un mastère de Sciences Politiques et de Droit International. Comment êtes-vous devenue journaliste?
Prune Antoine: En persévérant. J´ai toujours adoré écrire mais j´ai raté, et à plusieurs reprises, les concours des écoles de journalisme: je réussissais haut la main l´épreuve de créativité mais j´avais des notes tragiques en culture générale. Les examinateurs ont dû penser que j´étais analphabète. C´est pourquoi, totalement désespérée, je me suis dirigée vers des études de droit, qui mènent à tout à condition d´en sortir. J´ai ensuite multiplié les expériences et stages sur le terrain, dans des rédactions locales d´abord ("à la poursuite des motocrottes municipales à La Baule") puis au sein de gros journaux parisiens. D´ailleurs, j´y ai détesté l´ambiance "cage aux lions, si t´as pas couvert au moins trois guerres, t´es nobody". Et en 2005, j´ai dégotté un premier contrat à Paris chez cafebabel.com, à l´époque où tous ceux qui travaillaient sur le web étaient considérés comme des droïdes à peine pubères, des sous-sous journalistes. L´expérience a duré trois ans, fabuleuse, très multikulti, "auberge espagnole du journalisme", expérimentale et parfois frustrante. Oui, on peut être dans le web et ne pas savoir travailler sur Mac.

AVIVA-Berlin: Pour la remise du prix du European Young Journalist Award, le jury a couronné votre article "Poland: Nobody´s Children". Comment s´explique votre travail sur les "Euro-orphelins" et qu´est-ce que vous a particulièrement touché pendant la recherche?
Prune Antoine: J´avais lu ce sujet dans un journal allemand et cela m´a interpellée. Je suis très intéressée par les pays de l´Est et les questions d´élargissement J. Comment l´émigration, qui est souvent présentée comme un miracle économique, peut avoir des effets désastreux sur la sphère privée, la famille et par là, la structure d´une société. Ce qui m´a touchée est la confiance des personnes que nous avons rencontrées: Klaudia et sa petite grande-mère par exemple qui nous ont laissées entrer chez elle alors que nous les connaissions depuis exactement 5 minutes, qui ont bien voulu nous raconter leur vie au quotidien. J´admire en général cette force de s´adapter malgré tout, de ne pas se plaindre, d´aller de l´avant. Soit l´inverse de nous autres, grands enfants gâtés de l´Ouest ou simplement berlinois.

AVIVA-Berlin: Vous traitez souvent les conflits et problèmes sociaux en Europe et particulièrement dans l´Est dans vos articles. Comment s´explique cet intérêt qu´on peut qualifier comme une sorte de barycentre géographique?
Prune Antoine: Une certaine nostalgie, le fait que les pays de l´Est sont en pleine mutation, écartelés entre héritage communiste et nouveaux codes du capitalisme, à la recherche d´une nouvelle identité me touchent. Cet attachement correspond probablement à une quête personnelle.

AVIVA-Berlin: Vous ne publiez pas seulement pour des grands magazines (telles que "Madame Figaro, "Elle" ou "Questions de femmes") mais aussi pour le magazine européen "Cafebabel.com" sur internet. Qu´est-ce qui vous attire dans les formats différents et pourquoi?
Prune Antoine: A 24 ans, j´ai commencé à travailler sur le web, comme rédactrice en chef société chez cafebabel. J´adore la liberté de ton et le côté terrain vierge du web: tout est à inventer, on peut être créatif, audacieux, irrévérencieux. Concernant la presse magazine, je crois qu´il y a un côté affreusement sensuel et narcissique dans mes collaborations -je dois encore en parler à mon psy- : le papier reste pour nombre de journalistes une référence, un gage de qualité. En plus, je peux relire mon article, le voir illustré de belles photos sur du papier glacé et me dire en pleurant "tu peux mourir maintenant, t´as signé dans ELLE."

AVIVA-Berlin: Il y a deux ans que vous avez quitté Paris pour vivre et travailler ici à Berlin, néanmoins vous publiez pour des médias français. N´est-il pas difficile d´écrire dans un pays, dont la langue n´est pas la votre?
Prune Antoine: J´écris exclusivement en français. J´aime vivre dans un autre pays, parler une autre langue, devoir apprendre constamment, cela m´incite à me poser des questions sur ma propre culture, mon identité. Je suis "die Ausländerin", l´étrangère, une distance nécessaire à mon travail d´observation.

AVIVA-Berlin: Enfin, il faut ne faut pas oublier que vous avez aussi plusieurs blogs super dans lesquels vous racontez de vos projets, votre vie en Allemagne, l´europe et "Eurotic" – Qu´est-ce qui vous attire en tant que journaliste dans ce forme d´un journal intime public?
Prune Antoine: La liberté de ton, la possibilité de laisser libre cours à mon imagination et à un style moins conventionnel. Une pointe d´exhibitionnisme aussi probablement.

AVIVA-Berlin: Est-ce que vous avez des conseils pour les jeunes journalistes pour prendre pied et réussir dans ce métier?
Prune Antoine: Rester curieux et savoir prendre des risques. Etre patient aussi, tout vient à point à qui sait attendre.

AVIVA-Berlin: Quelles sont vos impressions du rencontre avec les autres jeunes journalistes à Istanbul et dans quelle mesure avez vous pu mettre en acte l´élargissement de l´Europe, c´est-à-dire d´élargir votre réseau de contacts?
Prune Antoine: Même si je n´étais là que 24 heures, j´ai trouvé l´évènement extrêmement bien organisé. C´est toujours une chance de rencontrer des journalistes de diverses nationalités et confronter les points de vue –et les lamentations- sur le métier, le passé ou l´avenir.

AVIVA-Berlin: Quel est votre travail actuel et quels projets visez vous pour le future?
Prune Antoine: Je travaille sur la construction du pipeline Nordstream dans la Baltique et j´ai un projet de documentaire sur les veuves de guerre dans différents endroits du globe. Comme tous les pigistes, je déborde de projets divers, la difficulté majeure reste pour moi de trouver un mari millionnaire.

AVIVA-Berlin: Merci beaucoup et bonne continuation dans votre vie et travail!

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

European Young Journalist Award 2010

Weitere Infos zu Prune Antoine finden Sie auf ihrer Homepage :

Plumaberlin.wordpress.com

Interviews Beitrag vom 19.05.2010 Marie Heidingsfelder 

   




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