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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.05.2010

Interview mit Simone Jung
Marie Heidingsfelder

Außergewöhnliche Menschen, Grenzerfahrungen und Tabus - Das sind die Themen, mit denen sich die Regisseurin filmisch auseinandersetzt. Mit AVIVA-Berlin sprach sie anlässlich ihres preisgekrönten...



...Kinodebüts "Königin im Ring", einem Biopic über die Boxerin Regina Halmich.

Was verbindet den Niedergang eines Traditionskaufhauses, Singles in der Großstadt, altersdemente SeniorInnen und die Boxqueen Regina Halmich: Sie alle haben das Interesse der Regisseurin Simone Jung geweckt. Immer versucht sie in ihren Filmen und Dokumentationen "das Unbekannte zu hinterfragen und dessen Faszination auszuloten" - einfühlsam erzählt sie echte Geschichten und richtet die Kamera auf das, was das Auge sonst fast automatisch übersieht.
Wie ihre "Königin im Ring" wurde die Gewinnerin des Hessischen Filmpreis in Karlsruhe geborene, wuchs aber in Frankfurt und Bad Vilbel auf. Seit 1998 ist sie als freie Regisseurin und Autorin tätig.

AVIVA-Berlin: Sie haben Germanistik, Philosophie und Psychoanalyse in Frankfurt studiert, wie kamen Sie zur Regie?
Simone Jung: Weder meine Familie hat diesen Hintergrund, noch strebte ich früher selbst an, Regisseurin zu werden. Ich wollte schreiben, war der Überzeugung, Journalismus sei ein interessanter Beruf. So absolvierte ich während meines Studiums stetig Praktika in verschiedenen journalistischen Bereichen, darunter auch beim Fernsehen. Dann, nach Abschluss des Studiums, bewarb ich mich für ein Volontariat und wurde genommen. Auch dort befasste ich mich wieder mit Film und Fernsehen. Und ich traf vor allem eine Redakteurin, die mich ermutigte, auch meinen weniger konventionellen Filmideen nachzugehen und Regie zu führen. Das wurde dann sogar gesendet, und ich freute mich wie ein Schneekönig. Nach dem Volontariat waren die Filme schnell immer umfangreicher, und Regie war Teil der Arbeit am jeweiligen Film.

AVIVA-Berlin: Sie haben einmal gesagt, es interessiere Sie, außergewöhnliche Geschichten zu erzählen. Was macht einen Menschen aus, die/der Sie besonders fasziniert?
Simone Jung: Oft liegt das Außergewöhnliche im Alltäglichen. Wer zum Beispiel in ein Altersheim geht, wird dort greise und demente Menschen sitzen sehen. Manche können nicht mal mehr die Gabel alleine zum Mund führen. Fragt man nach den Lebensgeschichten dieser Personen, wird man auf einmal Menschen mit unglaublichen Schicksalen begegnen. Dass sie die Funktion einer Gabel vergessen haben, verliert dann an Bedeutung. Auch deswegen, weil das Gewicht ihres langen Lebens plötzlich viel schwerer wiegt.

AVIVA-Berlin: ... und wie passt Regina Halmich in dieses Schema?
Simone Jung: Ein Schema für Außergewöhnliches... Hm, gäbe es dafür ein Schema, dann wäre es ja nichts Außergewöhnliches mehr… Bei der Geschichte Regina Halmichs ist das Besondere unter anderem ihre Sozialisation - ein behütetes, bürgerliches Elternhaus - die nicht gleich hätte vermuten lassen, dass ihr die Boxqueen Deutschlands entspringen und durch die das Frauenboxen in Deutschland überhaupt erst gesellschaftsfähig werden würde. Außerdem hat sie sich jahrelang mit großer Ausdauer gegen alle Widerstände durchgesetzt, und das ist eine große Leistung.

AVIVA-Berlin: Für "Königin im Ring" haben Sie sich in das Milieu des Boxsports begeben, inwiefern haben Sie dieses noch immer als "Männerdomäne" erlebt?
Simone Jung: Es sind nach wie vor überwiegend Männer, die den Boxport ausüben. Auch die Trainer sind männlichen Geschlechts. Außerdem gibt es noch immer Boxställe, in denen Frauen nicht geduldet werden. Und dementsprechend trifft man hin und wieder Herren, die der Ansicht sind, Boxen sei nichts für Frauen. Das heißt aber nicht, dass sie einer boxenden Frau nicht dennoch mit Respekt begegnen.

AVIVA-Berlin: Die Aufnahmen mit der Familie von Regina Halmich und kurz vor dem letzten Kampf vermitteln eine große Intimität. Wie war die Vorbereitung und die Zusammenarbeit mit ihr und ihrer Familie?
Simone Jung: Ehe wir mit den Dreharbeiten begonnen hatten, waren schon etwa zwei Jahre seit der ersten Kontaktaufnahme verstrichen und einige Gespräche vorausgegangen. Wenn dann die Kamera läuft, ist man ja keine Fremde mehr. Insofern verliefen die Gesprächssituationen ziemlich entspannt. Ansonsten - bei fast allen szenischen Gegebenheiten - beobachteten wir und griffen nur ganz selten in das Geschehen ein. Mit der Zeit wird die Kamera dann fast Teil der Situation.

AVIVA-Berlin: Welches Feedback haben Sie von Regina Halmich zu "ihrem" Film bekommen?
Simone Jung: Positiv. Und sie zeigte sich überrascht, dass ein Dokumentarfilm doch so spannend sein kann.

AVIVA-Berlin: Sie drehen bereits seit 1999 für regionale und nationale Fernsehsender Dokus und Filme, "Königin im Ring" ist Ihr erster Kinofilm, an dem Sie über einen Zeitraum von zwei Jahren gearbeitet haben. Was waren für Sie die Highlights in der Arbeit und der fertigen Realisierung?
Simone Jung: Nimmt man die Zeitspanne von der ersten Ideenskizze bis zum fertigen Film, hat es sogar fast vier Jahre gedauert diesen Film zu realisieren. Nicht ganz einfach, dann zu sagen, was die Highlights waren. Jede Etappe hat ihre Höhen und Tiefen. Ein großartiger Augenblick ist es in jedem Fall, wenn man feststellt, dass das Filmkonzept tatsächlich aufgeht. Das ist meist im Schnitt in der Teamarbeit mit dem Cutter der Fall. Gefreut habe ich mich natürlich auch sehr darüber, dass der Film ausgezeichnet wurde.

AVIVA-Berlin: Auch in Ihrem Bereich gibt es deutlich mehr Regisseure als Regisseurinnen, inwiefern hat diese Tatsache Ihre Arbeit und Ihr Verständnis von Regina beeinflusst?
Simone Jung: Ich hatte nie den Eindruck, mich gegen männliche Konkurrenten durchsetzen zu müssen. Doch vielleicht lässt sich ein grundsätzlicher Vergleich ziehen. Ebenso wie es Regina Halmich beim Boxen erging, muss man auch beim Filmemachen eine ziemlich große Ausdauer haben, will man einen Film durchbringen. Das fängt damit an, eine Idee zu recherchieren und auszuarbeiten, die notwenigen Kontakte herzustellen, die Filmförderanstalten und Redaktionen für den Film zu begeistern. Und das alles geschieht lange, bevor man weiß, ob man je dafür honoriert wird. Das zieht sich manchmal über Jahre hin. Man muss also schon mit Leidenschaft bei der Sache sein, soll am Ende ein Film herauskommen.

AVIVA-Berlin: Ihr nächster Film heißt "Der Klang nach der Stille", worum handelt es sich bei diesem Projekt?
Simone Jung: "Der Klang nach der Stille" erzählt von Natalie, einer jungen, praktisch tauben Frau, die sich dazu entschließt, sich eine Hörprothese implantieren zu lassen. Nach der Operation wird sie erstmals in ihrem Leben hören können. Die neue Klangwelt stürzt ungefiltert über Natalie herein. Ihr Hörvermögen gleicht dem eines Neugeborenen. Sie muss hören lernen und nach und nach einem jedem einzelnen Ton Bedeutung geben. Umgekehrt bringt Natalie denen, die hören können, ein wenig von der Bedeutung der Stille bei.

AVIVA-Berlin: Vorausgesetzt, Sie hätten völlig freie Wahl, über welches Milieu oder welchen Menschen würden Sie gern einen Film drehen?
Simone Jung: Das Filmthema "Der Klang nach der Stille" habe ich völlig frei gewählt und freue mich sehr daran, mich damit zu beschäftigen.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Glück und Erfolg!

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Königin im Ring - Regie Simone Jung. Kinostart: 03. Juni 2010

Interviews Beitrag vom 26.05.2010 Marie Heidingsfelder 

   




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