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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 09.08.2010

Interview mit Lola Dueñas
Miriam Hutter

AVIVA-Berlin traf die sympathische Schauspielerin anlässlich der Premiere ihres neuen Films "Me Too" in Berlin und hat mit ihr über ihre Filmrollen, über Regisseure und über Freundschaft gesprochen



International bekannt wurde die spanische Schauspielerin Lola Dueñas durch zwei ihrer Rollen: in Alejandro Amenabars "Das Meer in mir" erhielt sie für ihre berührende Darstellung der Fabrikarbeiterin Rosa 2004 den Goya als beste Schauspielerin. Als Sole (die Schwester von Raimunda, gespielt von Penélope Cruz) in Pedro Almodóvars "Volver" konnte Dueñas auch ihre komische Seite unter Beweis stellen. Seitdem ist sie ein festes Mitglied der Almodóvar´schen Schauspielerinnenriege. Lola Dueñas wurde 1971 als Tochter der ersten weiblichen Theaterproduzentin Spaniens und eines Schauspielers in Madrid geboren, wo sie auch heute noch lebt.

In dem im August 2010 angelaufenen "Me Too" überzeugt sie in der Rolle der Laura, die sich auf eine Beziehung mit Daniel (Pablo Pieda) einlässt, der das Down-Syndrom hat.Dueñas, beeindruckt in "Me Too" vor allem durch die Authentizität, mit der sie die Zerrissenheit der Filmfigur darzustellen vermag, an deren Konzeption sie einen großen Anteil hatte. Für ihre Darstellung hat sie zum zweiten Mal den Goya, den wichtigsten spanischen Filmpreis erhalten.

AVIVA-Berlin traf die Schauspielerin kurz vor ihrer Premiere in Berlin am 4. August 2010 zum Interview.

AVIVA-Berlin: Du und die Regisseure Antonio Narharro und Álvaro Pastor haben bei der Vorbereitung für den Film eng zusammengearbeitet und du warst ja auch an der Konzeption der Laura beteiligt. Welchen Anteil hattest du an der Entwicklung dieser Figur?
Lola Dueñas: Einen großen. (lacht) Die Person Laura wurde von Anfang an von uns dreien gemeinsam entwickelt. Als ich die beiden kennen gelernt und das erste Mal das Drehbuch gelesen habe, war Laura ganz anders. Im Prinzip war Laura eine, die nie Sex hatte. Dann haben wir uns zusammengesetzt und uns überlegt, dass das ja auch ganz anders sein könnte. Mir erschien es interessanter, wenn sie eine Frau wäre, die ein wildes Sexleben hat und die auf einmal Zärtlichkeit findet, was eine Wende in ihrem Leben bewirken würde. Denn eine prüde Frau, die immer zu Hause sitzt, erschien mir einfach weniger interessant als eine sexuell sehr aktive Frau.

AVIVA-Berlin: Wie hast du dich auf diese spezielle Rolle vorbereitet?
L ola Dueñas: Also, am Anfang war der wichtigste Teil meiner Arbeit, zu sehen, dass es Pablo dabei gut geht. Ich habe mich also immer sehr nach Pablo gerichtet. Und von da an versuchst du halt die Dinge aus dem sowohl empfindsamsten wie auch härtesten Teil, den ja jeder hat, aus dir herauszuholen.
Dann hat sich noch ein mir unbekanntes Mädchen über eine Zwischenperson an mich gewandt und angeboten mir zu helfen, die Rolle vorzubereiten. Ihr ist das was Laura erlebt hat, traurigerweise tatsächlich wiederfahren. Als Mädchen wurde sie von ihren Eltern missbraucht, wurde dadurch schwanger und bekam das Kind.
Über Monate hinweg haben wir zusammen gearbeitet. Sie hat mir ihr Leben erzählt, was sehr großzügig von ihr war, denn was sie erzählt hat, war sehr hart. Es war gleichzeitig unglaublich hart und doch wunderschön zu sehen, wie jemand weiterleben kann, nachdem er so etwas erlebt hat. Am Ende hat sie sogar noch ein weiteres Kind bekommen, ich konnte es kaum glauben, wie jemand so viel Schmerz überleben kann.

AVIVA-Berlin: Im Film wirken du und Pablo Pineda sehr vertraut miteinander, seid ihr Freunde geworden?
Lola Dueñas: Ja, er ist mein Freund. Das Interessante ist, denke ich, dass ich es nicht mit Absicht gemacht habe. Es hat sich von Anfang an von selbst ergeben, ich habe ihn nicht anders als andere behandelt. Ich denke, aus diesem Grund hat es funktioniert. Und jetzt ist es noch immer so: ich erzähle ihm Dinge aus meinem Leben. Ich sehe keinen Unterschied, es ist mir egal.

AVIVA-Berlin: Also genauso wie im Film?
Lola Dueñas: Ja. (lacht)

AVIVA-Berlin: Was hast du von Pablo Pineda lernen können?
Lola Dueñas: Ich beneide ihn sehr um seine Ruhe. Das ist nicht die Antwort auf deine Frage, aber es macht mich wirklich wahnsinnig neidisch, wie ruhig er wirklich ist, nie wird er nervös, aber da geht es nur um meinen Neid, nicht um etwas, das ich von ihm gelernt habe. Wenn du etwas lernst, dann merkst du es erst eine gewisse Zeit danach. Ich glaube, ich werde mich eines Tages zuhause hinsetzen und denken: Verdammt, Pablo hat mir das und das und das gegeben. Es ist eben nicht so einfach, eine Liste zu machen von dem was du von jemand anderem gelernt hast. Ich glaube, dass vieles schon unbewusst Teil von mir ist, und dass der Vorgang des Lernens etwas viel Unbewussteres ist als all das.

AVIVA-Berlin: Was ist dir durch deine Mitarbeit an "Me Too" aufgefallen hinsichtlich dessen, wie sogenannte "Behinderte" in unserer Gesellschaft behandelt werden?
Lola Dueñas: Ich glaube, dass sie wie Kinder behandelt werden, obwohl sie Männer und Frauen sind. Wie Engel ohne Sex, geradezu wie kleine Kinder die immer als solche erscheinen, die nie erwachsen und immer bedauert werden. Dabei sind sie sehr liebevoll und gleichzeitig sehr wach und klug, sieh dir Pablo an.
Jeder will sich immer ein Bild von dem Anderen machen und denkt, dass er damit richtig liegt. Das ist auch zwischen uns so.

AVIVA-Berlin: Zwischen uns "Normalen"?
Lola Dueñas: Ja. (lacht)

AVIVA-Berlin: Würdest du sagen der Film stellt diese Grenzziehungen zwischen "normal" und "behindert" wirklich in Frage oder: warum, wenn Laura Daniel doch liebt, gibt es nur die eine Liebesnacht?
Lola Dueñas: Weil eine solche Beziehung nicht möglich wäre. Ich glaube, dass diese Nacht genug ist. Es ist nicht nötig die Geschichte zu verbreitern, größer werden zu lassen. Es ist so, als würdest du jemanden kennen lernen und alle Welt sagt dir, dass es nicht weitergehen soll. Du weißt, es kann weitergehen, aber du weißt auch, dass du nicht willst, dass es weiter geht. Du sagst dir, ich will so leben, wie ich vorher gelebt habe. Warum haben alle dieses Bedürfnis, dass alles dauern muss? Es ist so, als wenn ein Kurzfilm ein Langfilm sein möchte. Aber jeder Film dauert so lange wie er dauert. Eigentlich denke ich, dass Laura und Daniel sich treffen, um sich gegenseitig zu retten. Und in dem Moment, in dem ihnen das gelungen ist, ist es nicht mehr nötig, dass sie zusammen sind. Sie können von da an getrennt leben, und zwar besser als zuvor . Sie lernen voneinander, zu lieben und das reicht.
Abgesehen davon denke ich, dass im wahren Leben eine echte Liebesbeziehung zwischen einem Downjungen und einem Nicht-Downmädchen unmöglich wäre, weil es sich um eine Beziehung handeln würde, die durch Missbrauch geprägt ist.

© Miriam Hutter


AVIVA-Berlin: Du hast eine Vorliebe für gesellschaftskritische Filme scheint es: In "Das Meer in mir" wird die Frage nach der Legitimität von Sterbehilfe gestellt, "Me Too" befasst sich mit dem Thema von "Behinderung". Sind das immer Themen, die dir selbst am Herzen liegen, oder was hat dich motiviert die Rolle der Rosa und nun die der Laura anzunehmen?
Lola Dueñas: Das sind die Rollen, die sie mir geben. (lacht) Was mich aber mehr interessiert, ist, dass es wahre Geschichten sind. Dass es Filme sind, in die sich die Realität mit hineinmischt. Und es ist wahnsinnig interessant, was sich während des Drehs entwickelt, wenn es sich um eine reale Geschichte handelt, wenn die Familie von Ramón Sampedro tatsächlich vor Ort ist. Es ist unglaublich interessant, aber auch mit sehr viel Verantwortung verbunden. Etwas sehr Mächtiges ist dabei und über die ganzen Dreharbeiten latent vorhanden, das solche Filme zu sehr besonderen und unwiederholbaren Filmen macht, weil sie sich eben mit dem Leben vermischen.

AVIVA-Berlin: Du bist eine sehr vielfältige Schauspielerin und kannst sowohl komisch sein, wie in den Almodóvar-Filmen oder in "Fuera de carta", oder anrührend in deiner Zerrissenheit wie in "Me too" oder "Lo que dé se Lola". Mit welchen Rollen konntest du dich besonders identifizieren?
Lola Dueñas: (lacht) Mit allen und mit keiner. Ich habe von allen etwas, aber ich bin keine von ihnen, ich bin Lola. Es hängt natürlich davon ab wie man arbeitet, aber ich denke, als Schauspielerin gibst du immer in jede Sache etwas von dir hinein. Ich denke, jeder von uns trägt alles in sich: wir alle können schlecht sein, sehr schlecht, sehr gut, zärtlich, Hurensöhne, …

AVIVA-Berlin: Dein Vater ist auch Schauspieler. Inwiefern hat dich das in deiner Berufswahl beeinflusst oder hat es dir die Entscheidung vielleicht sogar erschwert?
Lola Dueñas: Nein, mein Vater hat immer Theater gespielt, er war kein Filmschauspieler. Von klein auf bin ich immer nach der Schule ins Theater und jeden Tag zur Vorstellung gegangen. Ich habe die Texte auswendig gelernt und war in den Garderoben unterwegs. Aber meine Schwester hat das genauso gemacht und sie ist heute Rechtsanwältin.
Natürlich hat es mich beeinflusst die Schauspielerinnen zu sehen, ich wollte Schauspielerin werden, seitdem ich ganz klein war. Ich habe sehr viel Glück mit meiner Kindheit gehabt, denn ich habe sehr viel Theater erlebt, sogar schon als Baby. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Theaterstücke ich in meinem Leben gesehen habe.

© Miriam Hutter


AVIVA-Berlin: Wie bist du denn vom Theater zum Film gekommen, war das eine bewusste Entscheidung von dir?
Lola Dueñas: Es war reiner Zufall. Ich hatte einen Freund und sein bester Freund wollte Kurzfilme drehen. Wir haben uns in einer Bar kennen gelernt, ich habe Theater gespielt, so fing es an. Er war es, der den Film "Lo te que dé se lola" gemacht hat.

AVIVA-Berlin: Seit wann wusstest du, dass du Schauspielerin sein möchtest und welches waren die wichtigsten Stationen auf deinem Weg dorthin?
Lola Dueñas: Ich war ja schon als Kind immer im Theater und eines Tages ist jemand ausgefallen. Ich denke, an diesem Tag ist irgendetwas passiert. Es war ein Zufall: sie haben sich gefragt, was man nun tun könne und mich dann sie auf die Bühne geholt. Mein Vater riet mir: schau nicht auf das Publikum. Ich sah aber immer eine bestimmte Frau an und erinnere mich, dass diese Frau mich angelächelt hat.
Dann eben das Teatro de la Abadío. Und in dieser Reihenfolge: "Das Meer in mir". Almodóvar. Und "Me Too". Es war alles wichtig, bis hin zu den schlechten Filmen.

AVIVA-Berlin: Mit welchem Regisseur möchtest du in Zukunft gerne zusammen arbeiten?
Lola Dueñas: Mit Haneke. Mit vielen: Julio Medem, Ich liebe Julio Medem. Jaques Audiard. Haneke (lacht). Und Almodóvar.

AVIVA-Berlin: Wie unterscheidet sich die Arbeitsweise von Narharro und Pastor gegenüber der von Almodóvar, vor allem für dich als Schauspielerin?
Lola Dueñas: (lacht) Durch vieles. Vor allem war ich sehr schüchtern, als ich mit Almodóvar zusammengearbeitet habe. Mit Narharro und Pastor ist das nicht so, ich weiß nicht warum. Aber jeder Regisseur ist eine Welt für sich, jeder Regisseur ist unglaublich, genau wie jeder Schauspieler.

© Miriam Hutter


AVIVA-Berlin: Welches ist deine liebste Frauenrolle in der Kinogeschichte? Wen hättest du selbst gerne dargestellt?
Lola Dueñas: Die Rolle von Rebeca in "Tacones lejanos" ("High Heels") von Almódovar. Und die Hauptrolle in einem französischen Film: "Chacun cherche son chat" ("… und jeder sucht sein Kätzchen"). Die Rolle war eigentlich für mich bestimmt, und ich verstehe nicht, warum sie sie dieser langweiligen Frau gegeben haben (lacht). Das ist eine Komödie und jedes Mal, wenn ich sie sehe, denke ich, das ist meine Rolle.
(Anm. d. Red.: Lola Dueñas entdeckt das Filmplakat von "Die fabelhafte Welt der Amelie" an der Wand) Und Amelie. Amelie ist eine unglaubliche Rolle und Audrey Tatou macht das sehr gut. Die Rolle von Amelie ist ein Geschenk.

AVIVA-Berlin: Steht schon ein neuer Film an? In welcher Rolle dürfen wir dich demnächst wieder auf der Leinwand bewundern?
Lola Dueñas: Ich werde mit Ramón Salazar drehen, ein Regisseur, der mich begeistert, mit dem ich schon "Piedras" gemacht habe. Und danach werde ich nach Frankreich zurückgehen, um mit einem französischen Regisseur zu drehen: ein sehr merkwürdiger Film (lacht), ich spiele eine Spanierin in Frankreich. Der Film wird "10 000 noches en ninguna parte" ("10 000 Nächte an keinem Ort") heißen.

AVIVA-Berlin: Obwohl du in Deutschland sehr bekannt bist, vor allem in den Arthouse-Kinos, weiß man sehr wenig über dich. Deshalb noch eine letzte Frage zu deiner Mutter, was ist sie für eine Frau?
Lola Dueñas: Meine Mutter ist die Agentin einer Sängerin, sie hat alles gemacht: sie war Sprachlehrerin, sie hat Theater produziert. Sie ist immer in Bewegung und hat eine unglaubliche Energie. (lacht) Sie war die erste weibliche Theaterproduzentin Spaniens!

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview, eine schöne Premiere heute Abend und viel Spaß in Berlin!

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Me Too - Wer will schon normal sein", ein Film von Álvaro Pastor und Antonio Naharro





Das Interview wurde auf Spanisch geführt und vom Übersetzer Daniel Ó Dochartaigh begleitet.
Wörtliche Übersetzung: Hannes Leber

Interviews Beitrag vom 09.08.2010 AVIVA-Redaktion 

   




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