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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.04.2009

Katharina Franck im Interview
Silvy Pommerenke

Anlässlich ihres im Dezember 2008 erschienenen Albums "On The Verge Of An Autobiography" sprach AVIVA-Berlin mit der zurückhaltenden Musikerin Katharina Franck, die darauf erneut ausgefeilte, ...



... spritzige und bisweilen melancholische Songs mit kraftvoller Stimme und energiegeladenem Gitarrenspiel präsentiert.

AVIVA-Berlin: Vor einigen Wochen ist Deine neue CD "On The Verge Of An Autobiography" erschienen. Was bedeutet dieses Album für Dich?
Katharina Franck: Ich denke, das ist ein Album, bei dem alles stimmig ist. Ein Album, bei dem ich das Gefühl habe, zum ersten Mal sagen zu können: Wenn nicht in zwei Jahren das Repertoire für das nächste Album da ist, dann ist es auch nicht so schlimm. Das ist für mich wirklich ein Album, das mich von allen Facetten zeigt. Vom Text angefangen über mein Songwriting bis hin zur Interpretation, habe ich das Gefühl, das kann jetzt auch mal eine Weile so stehen bleiben. Ich muss natürlich noch viel tun, um es zu verbreiten und publik zu machen. Vielleicht, wenn noch mehr Konzerte gebucht werden, kann man sogar eine Vinylausgabe herausgeben. Das würde auch gut zur Musik passen.

© Foto: Tanja Schnitzler


AVIVA-Berlin: Im Vergleich mit Deinem vorangegangenen Album "First Take A Second Skin" fällt auf, dass Du Dich sehr weiterentwickelt hast. Stimmt das Klischee, dass MusikerInnen eigentlich nie mit dem zufrieden sind, was sie gerade gemacht haben? Falls doch, wie passt das dann damit zusammen, dass du sagst, "On The Verge Of An Autobiography" kann jetzt erst mal so stehen bleiben?
Katharina Franck: Dieses Klischee des Künstlers, der nie zufrieden ist, stimmt wirklich. Nicht weil man mit einer bestimmten Vorstellung ins Studio gegangen ist, sondern weil man sich einfach kontinuierlich entwickelt. Wenn auch zwischen der Fertigstellung eines Albums und dem tatsächlichen Release manchmal ein lange Zeit vergeht. Das wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft nicht ändern, es sei denn, man produziert nur noch fürs Internet zum Downloaden. Dann kann man ganz schnell sein. Aber bis diese gesamte Promotions-Maschinerie erstmal ins Laufen kommt, das dauert. Und trotz dieser Länge habe ich dieses Gefühl, dass ich etwas gemacht habe, was wirklich gut ist. Auch von den Texten her oder wie explizit ich gewesen bin. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich nächstes Mal noch mutiger sein muss, sondern es ist genau so, wie ich texte und genau so möchte ich die Texte umsetzen. Deswegen kann das jetzt auch erst einmal so stehen bleiben!

AVIVA-Berlin: Du hast bei Deinem Konzert im Berliner Admiralspalast einen ganz besonderen Anfang gewählt, indem Du ein Lied völlig ohne Instrumente a capella gesungen hast. Das war wahnsinnig berührend und intensiv! Hast Du das Gefühl, dass Du dadurch "nackter" auf der Bühne stehst?
Katharina Franck: Bei dem Stück, das war "Everyones Gone To The Moon" von Nina Simone, habe ich das überhaupt nicht gehabt. Bei "Lilac Wine" von James Shelton kann das passieren. Ich bekomme das öfter gesagt, dass ich wie jemand wirke, der ohne Furcht und fast wie "nackt" seine Gedanken und seine Stimme präsentiert. Ich denke, ich habe gelernt, ein gewisses Maß einzuhalten, dass ich hinterher nicht Federn lasse, und dass die Leute nicht fix und fertig sind, oder wenn, dann nur im positiven Sinne. Nicht so, dass sie das Gefühl haben, dass ihnen da etwas gegeben oder gezeigt wird, was sie eigentlich nicht haben wollen.

AVIVA-Berlin: In einem Interview mit der "Siegessäule" hast Du gesagt, dass Du heutzutage mehr Zeit nach einem Konzert zum Regenerieren brauchst. Dein neues Album ist von den Instrumenten her sehr reduziert und der Fokus liegt auf Deiner Stimme. Liegt es vielleicht daran, dass Du eine längere Regenerationsphase brauchst?
Katharina Franck: Es kommt darauf an, ob ich ein Solokonzert spiele – denn das ist ein anderer Kraftaufwand und sicher auch manchmal Stimmungssache - oder ob ich mit einer Band auf der Bühne stehe, auf die ich mich zurücklehnen kann. Durch die aktuelle Besetzung fühlte ich mich sehr geschützt, und ich habe die Verausgabung nicht so empfunden. Hin und wieder gab es Momente, in denen ich eigentlich nur den Schlagzeuger ansehen musste, und der hat so Gas gegeben, dass ich mich von ihm tragen lassen konnte. Oft bin ich der Motor, auch wenn ich eigentlich schon gar nicht mehr kann. Aber dieses Regenerieren, Runterkommen, das kann auch nach einem einzigen Song passieren.

AVIVA-Berlin: Wie viel bekommst Du von Deinem Publikum mit? Bist Du so tief in Deiner Musik drin, dass Du von außen kaum noch was mitbekommst?
Katharina Franck: Nein, ich nehme ganz viel wahr! Ich weiß, dass ich oft so wirke, und es gibt sicher auch Momente, wo ich mich rauskatapultiere, aber dieses Bewusstsein, da ist ein Publikum, ist immer da. Ich muss auch aufmerksam sein, weil ich auf die Band achte. Dieses manchmal Weggetretene, das Weitwegsein und Zurückkommen, das ist schon wahr, aber ich bin mir in jedem Augenblick bewusst, was da passiert. Während einer Improvisation oder so, fallen mir plötzlich Sachen ein, die nichts mit mir selbst zu tun haben Beispielsweise plötzlich die Kraft zu besitzen, mich stellvertretend für andere auszudrücken. Aber ich bin zu jeder Zeit voll da. Wir alle haben auf der ganzen Tour nur einmal vor einem Gig einen kleinen Wodka gekippt, somit sind wir so nüchtern, dass ich schon in Ohnmacht fallen müsste, um wirklich das Bewusstsein zu verlieren. Ich hatte mal ein Erlebnis als Teenie, wo ich großer Patti Smith Fan war. Meine Klassenkameraden sagten immer, dass die heroinsüchtig sei, dass die immer zu ist, und ich war mir sicher, dass das nicht stimmt. Ich wollte, dass sie ihren Wahnsinn ohne chemische Hilfsmittel erreicht. Als ich dann extra per Interrail nach Deutschland gefahren bin um sie einmal live zu sehen, da war die einfach total zu, und das hat mich irritiert, und ich mag es auch heute nicht. Es gibt Leute, die verwechseln Intensität mit jemandem, der sich auf der Bühne die Kante gibt und nur noch ein Wrack ist. Ich verzichte dankend darauf. Wenn jemand wirklich intensiv ist, dann ist der klaren Kopfes. Dann ist der ganz bei der Sache und nicht sonst wo.
© Foto: Tanja Schnitzler


AVIVA-Berlin: Zwanzig Jahre bist Du jetzt schon Berufsmusikerin. Alles fing mehr oder weniger mit "Blueprint" an, und Du spielst das Lied auch heute noch, aber in abgewandelter, akustischer Variante. Was glaubst Du, worin liegt der Unterschied der Adaption des Publikums von damals zu heute?
Katharina Franck: In der jetzigen Besetzung sind wir schon sehr nah am Original, und je nach Besetzung klingt es eben immer ein bisschen anders. Aber es unterscheidet sich natürlich von der Aufnahme von 1987, weil die Sounds heute andere sind. Was das Publikum betrifft, so glaube ich, dass viele Leute – weil denen das so eingehämmert wird, dass ich Probleme mit diesem Song hätte – überrascht sind, dass ich ihn überhaupt spiele und sich dann riesig darüber freuen. Viele Musiker wollen den Song gerne mit mir zusammenspielen und andere fragen sich, ob ich ihn nicht lieber aus dem Repertoire schmeißen sollte. Ich amüsiere mich über diese Diskussion. Die Zeiten, wo ich damit gehadert habe oder es mir eine diebische Freude war, "Blueprint" in einer komplett anderen Version zu spielen, sind schon sehr lange her, fast so lang wie der Song selbst. Die Reaktionen des Publikums sind ganz unterschiedlich. Ich bin zur Überraschung - aber auch zur Freude vieler - bei der RTL Charts Show aufgetreten, "Blueprint" solo spielend, und da war die Begeisterung groß! Aber ein paar Leute haben auch geschrieben, dass das so nicht funktioniert, und ich das nicht hätte machen sollen. Was in der deutschen Popmusik ganz klar wird – auch wenn man sich anguckt, wie Newcomer gefeatured werden oder eben nicht – ist, dass man es eigentlich niemals allen recht machen kann. Ich und "Blueprint", da wird so viel hineininterpretiert, dass ich sage: "Leute, ich bin da jetzt die Letzte, die sich darüber Gedanken machen kann!"

AVIVA-Berlin: Du bist unter anderem in Portugal und Brasilien aufgewachsen, sprichst fließend portugiesisch und hast diesen wunderbaren Song "Lady Multimelancolica" zusammen mit den Brasilianerinnen Rosanna & Zélia aufgenommen. Wie ist es damals zwischen euch zum Kontakt gekommen?
Katharina Franck: Rosanna & Zélia waren zu dem Zeitpunkt in Frankfurt, und der Kontakt ist durch einen Journalisten entstanden, der die sehr gefeatured hat und der auch mich und die Rainbirds von Anfang an immer gefeatured hat, Detlef Kinsler. Der war sehr eng mit Rosanna & Zélia befreundet und hat denen von mir und mir von ihnen erzählt. Wir haben uns dann schließlich kennengelernt, als sie einen Gig in München hatten, und ich in Bayern auf dem Land wohnte. Rosanna & Zélia waren überrascht, dass ich Portugiesisch konnte, aber es war dann so, dass mir die englische Stimme zugeteilt wurde, worüber ich natürlich enttäuscht war. Das war auf jeden Fall gleich eine Freundschaft! Die beiden sind unfassbar musikalisch, zusammen, bzw. waren, denn Rosanna ist ja gestorben. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie nicht erfolgreicher waren, weil sie nicht dieses typische "was erwarten wir von den Brasilianerinnen" bedient haben, denn sie hatten ganz eigene Arrangements.

AVIVA-Berlin: Was hat für Dich persönlich der Tod von Rosanna Tavares bedeutet?
Katharina Franck: Sie war ein entzückender Mensch, offen, herzlich, schön. Ihr Tod hat mich total mitgenommen, klar! Das war eine Freundin, die gestorben ist. Auch als Freundin von Zélia war mir klar, was das für sie - die seit ihrem 14. Lebensjahr mit dieser Frau befreundet war – bedeutete. Sie waren eine musikalische Einheit, das war traumwandlerisch, und ich bin sehr stolz auf Zélia, die seit Rosannas Tod kämpft, weiter Musik machen zu können. Sie ist gerade im Studio, macht ihre erste Soloplatte und hat selbst angefangen zu singen. Jahrzehnte war sie "nur" die Backingsängerin von Rosanna, also, neben dem Songschreiben, und dem Gitarre- und Bassspielen natürlich. Das war ihr Ding, und nun macht sie alleine weiter. Das ist stark und toll.

AVIVA-Berlin: Als Du Ende der achtziger Jahre anfingst, Musik zu machen, kursierte in den Medien das Gerücht, Du würdest Dich auf den Fußboden legen, um die Songs einzusingen. Ist das ein Märchen oder stimmt das?
Katharina Franck: Das habe ich tatsächlich gemacht - ich glaube bei "7 Compartments". Es war eine Idee, ein Vorschlag meines damaligen Produzenten, um eine gewisse Ruhe reinzubringen oder um mir noch eine Variationsmöglichkeit zu geben. Es kann sein, dass ich es bei "We Make Love Falling" auch gemacht habe, aber im Grunde genommen ist es ja doch nur eine Körperlage, auch wenn die Körperhaltung natürlich die Musik und den Ton beeinflusst. Manchmal, wenn ich Fotos von mir sehe, bin ich überrascht, denn ich weiß, dass ich im klassischen Sinn nicht die beste Haltung habe, aber ich habe mich halt daran gewöhnt. Mit Rosanna & Zélia hatten wir öfters den Leitspruch "Das Wichtigste ist die Attitüde", also die Haltung, die man beim Musikmachen hat. Das war dann immer unser Schlachtruf vor den Auftritten - das war sehr lustig!
© Foto: Sabine Klem


AVIVA-Berlin: Gibt es irgendeine Bühne, auf der du gerne mal stehen würdest – einen Traum von dir?
Katharina Franck: Von denen, die ich kenne, die Volksbühne. Da habe ich mit den Rainbirds schon mal gespielt, und die beiden Konzerte habe ich von der Bühne und von der Akustik her in sehr toller Erinnerung. Aber es gibt im Amazonasgebiet so alte Opern- und Theaterhäuser, die von der Kulisse her einfach toll sind. So was würde mir sicherlich auch gefallen. Ansonsten habe ich keinen Traum vor Augen, im Sinne von "einmal in der Carnegie" singen, so was hab ich nicht. Wenn einer sagen würde: Du kannst z.B. mit Gillian Welch zusammen auf Clubtour in die USA gehen, ist das für mich genauso toll wie einmal in der Carnegie-Hall aufzutreten. Die Örtlichkeiten spielen also nicht so eine große Rolle für mich.

AVIVA-Berlin: Bist du manchmal über die Entwicklung im Musikgeschäft enttäuscht, weil Musik nicht nur digital sondern im Netz jederzeit verfügbar geworden ist?
Katharina Franck: Enttäuscht wäre jetzt nicht das richtige Wort, aber man muss natürlich umdenken, und da merke ich bei mir eine gewisse Trägheit, weil ich noch ganz andere Zeiten gewohnt war. Die Möglichkeiten sind da, und die meisten Künstler, die ich kenne, geben beileibe nicht so viel Geld für ihre Produktionen aus, wie ich das gemacht habe, und ich muss da eigentlich lernen, umzudenken. Nun achte ich sehr auf die Qualität meiner Arbeit, wie etwas aufgenommen wird, gemischt und schließlich verpackt wird. Es gibt eine Grenze, die ich, allein aus Sparsamkeit, nicht unterschreiten möchte, auch auf Tour nicht. Die künstlerische Arbeit leidet darunter sehr, und ich gehe nicht mit dieser Haltung durchs Leben: "ach, das merkt ja sowieso keiner". Ich glaube, dass es mehr und mehr auf Qualität ankommt, Wenn man den Markt mit Billigprodukten zuschüttet, hört bald wirklich keiner mehr hin.
Natürlich ist es mir wichtig, dass so viele Leute, wie nur irgend möglich, meine Platten hören und zu den Konzerten kommen. Aber was ich erzählen kann und will, ist genau so wichtig. Es ist immer eine Mischung aus dem, wo man hin will, und was man den Leuten für ihr Geld geben kann.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen Dir viel Erfolg mit Deinem Album "On The Verge Of An Autobiography"!

Interviews Beitrag vom 08.04.2009 Silvy Pommerenke 

   




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